Textsammlung

Hl. Andreas von Kreta

“Zum Fest der Geburt der Jungfrau…”
Auszüge aus der Predigt zur Geburt der Allerheiligsten Gottesgebärerin



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1997, 4

Der heutige Festtag ist für uns der Anfang aller Festtage. Er dient als Ende des Gesetzes und der Vorbilder und stellt gleichzeitig die Tür zur Gnade und Wahrheit dar. Der jetzige gottbegnadete Tag verkündet den Ruhm der Jungfräulichkeit und bietet der ganzen Schöpfung gemeinsame Freude. “Faßt Mut, sagt er, dies ist das Fest der Geburt der Jungfrau, und zugleich bedeutet er die Erneuerung des Menschengeschlechts. Die Jungfrau wird geboren und schickt sich an, zur Mutter des Herrschers über alle – unseres Gottes – zu werden. Die Jungfrau wird zur Mittlerin zwischen der Größe der Gottheit und der Nichtigkeit des Fleisches”.
Möge sich heute die ganze Schöpfung freuen, möge die ganze Natur frohlocken. Es freue sich der Himmel von oben und die Wolken mögen die Wahrheit träufeln (Jes. 45, 8), die Berge mögen Süßigkeit spenden (Am. 9, 13), die Hügel Freude hervorbringen, da Gott sich seiner Menschen erbarmte (Jes. 49, 13), und uns aufrichtete ein Horn des Heils in dem Hause Seines Dieners David (Lk. 1, 69) – die gänzlich Untadelige und dem Manne nicht teilhaftige Jungfrau, aus der Christus geboren wurde, die Hoffnung und Rettung der Völker. Möge heute jegliche dankbare Seele frohlocken und die gesamte Schöpfung zu ihrer Erneuerung und Wiederherstellung aufrufen. Heute wurde dem Schöpfer des Alls ein geschaffener Tempel errichtet, und das Geschöpf bereitet dem Schöpfer eine neue göttliche Wohnstatt. Nun empfängt unsere aus dem Land der Seligkeit vertriebene Natur den Beginn der Vergottung, und der Staub strebt empor zur erhabensten Herrlichkeit. Nun bringt Adam von uns und für uns die Erstlinge Gott dar – Maria, in welcher der Neue Adam samenlos zum Brot für die Wiederherstellung des Menschengeschlechtes wird. Nun öffnet sich der große Schoß der Jungfräulichkeit und die Kirche, und wird nach dem Vorbild der Ehe mit dem reinen Edelstein wahrer Unbeflecktheit geschmückt. Nun empfangen die Menschensöhne die ursprüngliche Gabe der Ähnlichkeit und Ebenbildlichkeit Gottes: die Wohlgestalt der Schönheit, die durch die Entstellung der Sünde verdunkelt war, wird dem Menschen durch den Bund der menschlichen Natur mit der aus der Mutter geborenen holdseligen Schönheit (Ps. 44, 3) zurückgegeben, – und der Mensch nimmt seine frühere gottgeschaffene und gottebenbildliche Gestalt an. Heute wird die Unfruchtbare, wider Erwarten, zur Mutter, schenkt das Leben der, die ohne Mann gebar, und heiligt die natürliche Geburt. Nun entsprang der Sproß Davids aus Aarons aufgeblühtem Stab, um uns den Stab der Kraft Christi erwachsen zu lassen. Nun geht aus Juda und Advid die Jungfrau hervor, die in sich die königliche und priesterliche Würde Dessen darstellt, Der das Priestertum Aarons nach der Ordnung des Melchisedek auf Sich nahm (Hebr 7, 15). Nun erhöhte die Gnade in der Würde den geheimnisvollen Leibrock des Göttlichen Priestertums, indem es ihn aus dem Gewebe königlichen Samens machte. Kurz gesagt: heute beginnt die Wiederherstellung unserer Natur, und die veraltete Welt empfängt eine Gott angemessene Form und erhält den Anfang der zweiten göttlichen Schöpfung.
Volk Gottes, heilige Versammlung! Ehren wir das Gedächtnis der Gottesahnen, verherrlichen wir die Kraft des Mysteriums. Jeder von uns bringe nach der ihm verliehenen Gnade dem heutigen Festtag ein geziehmendes Geschenk dar. Eltern – Kinder des Guten, Unfruchtbare – die Fruchtlosigkeit der Sünde. Ist jemand von euch Vater, mag er dem Vater der Allerheiligsten Jungfrau nacheifern. Die Mutter, die ihre Kinder nährt, möge sich gemeinsam mit Anna freuen, die ein Kind erzog, das ihr auf das Gebet geschenkt wurde. Die der gesegneten Frucht Entbehrende möge mit Glauben zu dem Sproß herbeitreten, der aus Anna entsproßte, und der unfruchtbare Zweig wird Frucht tragen. Die untadelig lebende Jungfrau möge zur Mutter des Wortes werden, indem sie durch ihr Wort die Schönheit der Seele ziert. Reiche und Arme, Jünglinge und Jungfrauen (Ps. 48, 3; 148, 12), laßt uns gemeinsam die Ehre der jungfräulichen Mutter Christi unseres Gottes besingen.
Ernährer des Mägdleins war der Heilige Geist bis zu dem Moment, als der Nachkomme Davids, Joseph, sich mit der Tochter Davids verlobte und Sie die Stimme Gabriels anstelle des Samens aufnahm, wonach Sie – unteilhaftig der Ehe – im Leibe empfing und den Sohn gebar, ohne der Jungfräulichkeit verlustig zu gehen, da der aus Ihr Geborene auch nach der Geburt die Zeichen der Jungfräulichkeit unversehrt bewahrte. Er ist Christus Jesus, wahrer Gott. Ihm gebührt Ehre und Ruhm und Anbetung mit dem Vater und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen.

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