Archimandrit Filaret Drozdov

Predigt zum Tag des Heiligen Geistes

 

 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1991, 3

“Werdet voll Heiligen Geistes” (Eph. 5,18)
Die Seele eines jeden Feiertags ist die Anwesenheit dessen, den man feiert. Und was kann für diejenigen, die den Tag des Heiligen Geistes feiern, wünschenswerter sein als daß dieser himmlische Tröster Seinen Feiertag durch seine gnadenvolle Ankunft heimsuchte? Wenn Er, sei es auch nicht mehr mit Feuerzungen, unsere Häupter erleuchten würde, zumindest mit einem heimlichen Funken Seines Feuers unsere Herzen berühren würde und sie mit dem Gefühl der Anwesenheit Gottes entflammen würde, so wie Er einstmals auch die im Glauben zögernden Herzen der beiden Jünger so entflammte, daß eben diese Herzen sie wenigstens auf die Anwesenheit des Herrn hinweisen konnten: Brannte nicht unser Herz in uns, als Er mit uns redete auf dem Wege (Lk. 24,32). Dieses Gut ist derart groß, daß ich nicht weiß, ob man den Hort der Güter ohne inneres Erbeben und einiges Erstaunen vor dem eigenen Mut darum bitten kann; obwohl doch die Kirche jeden Tag und zu Beginn jeder Gebetsfolge uns einlädt, den Heiligen Geist anzubeten, nicht nur zu kommen, sondern selbst in uns Wohnung zu nehmen.
Doch das, was als ein Wunsch derart schwer für uns ist, eben das, liebe Hörer, bietet uns der Heilige Geist jetzt durch den Mund des Apostels so reich an; und er bietet es nicht nur an, sondern gebietet, flößt ein, macht zum Gesetz: Werdet voll Geistes!
Welch seliges, göttlicher Paulus, doch gleichzeitig welch wunderbares und unfaßbares Gebot gibst du uns! Werdet voll Geistes: steht es etwa in unserem Willen voll Geistes zu werden? Wenn dieser Hort so nahe ist und so zugänglich, warum ist er dann so selten und unbekannt?
Christen! Natürlich war unter unseren Mitschülern von Ephesus, denen der Völkerapostel zunächst die von uns untersuchte Unterweisung gab, keiner, der ihn in diesem Fall nicht verstand, und ihm unsere Zweifel hätte entgegensetzen können. Andernfalls wäre der Gottbeflügelte Lehrer zweifellos den Fragen mit einer Erklärung zuvorgekommen. So wußten damals die nach dem vom Propheten aufgezeigten Weg Dürstenden zum Wasser zu kommen, und die kein Geld hatten, um zu gehen und zu Essen zu kaufen, zu gehen und ohne Geld und umsonst beides, Wein und Milch zu kaufen. Heute reicht offensichtlich das Geld nicht für Brot und von der Arbeit wird man nicht satt (Jes. 55,1 u.2). Uns scheint als ob Gott Seine Güter zu hoch schätzt und als ob nicht unsere Arme zur Annahme geschwächt sind, sondern Sein Arm die Gabe geistlicher Gaben zurückhält.
Nein! Der Herr ergießt Seinen Geist ohne Neid über jegliches Geschöpf (Joel 2,29). Wenn wir nicht des Geistes voll werden, so fehlt er uns nicht zufällig, sondern an uns fehlt es für Seine Gaben. Mögen die Armen im Geiste getröstet werden! Mögen die am Leibe Kranken aufstehen! Möge der Herr in seinen Worten gerechtfertigt werden!
Es gab eine Zeit, da die Apostel, die vorzüglichen heiligen Tempel des Heiligen Geistes, Den in ihnen Wohnenden nicht fühlten. Sie besaßen bereits die Gabe der Wunder, verstanden jedoch noch nicht die Grundlage und bemerkten nicht die Ausrichtung der in ihnen wirkenden Kraft. Der Geist der Liebe erschienen in ihnen als Geist des Zorns, und die zum Dienst am Heil Berufenen waren bereit, das Feuer der Vernichtung vom Himmel herabzuführen. Die Wahrheit Selbst bezichtigte sie solch merkwürdiger Unwissenheit ihrer selbst: wisset ihr nicht, wessen Geistes Kinder ihr seid (Lk. 9, 55)?
Später, als Der gleiche Geist, Der anfänglich mit geheimer Kraft in den Aposteln wirkte, sie durch Seine feierliche Ankunft besuchte, sie mit Wissen und Weisheit erfüllte, erkannten sie Ihn so deutlich und so nahe, daß sie Ihn deutlich sowohl vom eigenen unterschieden als auch von irgendeinem allgemeinen Geist, Der in den natürlichen, nicht vom Geist Gottes wiedergeborenen Menschen wirkt, und vielleicht auch in ihnen selbst einst gewirkt hatte. Wir aber, sagt einer von ihnen, haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist (1 Kor. 2, 12).
Bemerken wir, Hörer, daß der Apostel nicht sagt: uns wurde der Geist gegeben, sondern: wir haben den Geist empfangen. Als hätte er gesagt: es ist bekannt, daß Gott Seinen Geist jedem gibt, der geneigt ist, Ihn zu empfangen. Nur die Menschen unterwerfen sich in ihrer Mehrzahl dem Geist der Welt und werden von Ihm verfinstert. Wir aber haben die Herrschaft dieses dunklen Geistes abgeworfen und als unseren Geist die lichten Einflüsse des Geistes, Der von Gott ausgeht, angenommen; und auf diese Weise hat sich in uns die wirksame Erkenntnis und das Empfinden der Gaben eröffnet, die uns von Gott überlassen sind. Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.
So glaubt nicht uns ohnmächtigen Dienern, glaubt den Auserwählten Werkzeugen, den Gesandten und Verkündern des Geistes Gottes, daß ungeachtet eines gewissen selbständigen Daseins, und der Freiheit des Menschen er sich nicht nur gewöhnlich unter der Leitung eines von zwei Prinzipien befinden kann, entweder des Geistes dieser Welt, oder des Geistes von Gott, je nach dem, welchen von ihnen er freiwillig empfängt. Wenn ihr diesen nicht offensichtlich in euch erfahrt, so bedeutet das lediglich, daß ihr nicht wisst, welchen Geistes ihr seid.
Um nach Möglichkeit diese geheimen Beziehungen des menschlichen Gesetzes zum Gesicht Gottes dem allgemeinen Verständnis näher zu bringen, sei es erlaubt, ein Gleichnis und Rätsel zu benutzen, in welches die Göttliche Wahrheit sich selbst nicht selten kleidete, um den Blicken der mehr oder weniger sinnlichen Menschen zu erscheinen. - Ein Kind hat im Leibe der Mutter seine eigene Seele und sein eigenes Leben; doch sein Leben ist in das Leben der Mutter versenkt, von ihm durchdrungen, von ihm genährt, sodaß es im Vergleich zum vollständigen Leben des Menschen kaum als Leben anzusehen ist: das ist das Bild des Zustandes, in welchem sich der natürliche Mensch in der Welt befindet. Sein Geist besitzt eigenes Leben und Freiheit und dennoch wird er, im Körper seiend, von der Kraft der Welt umfangen und unmerkbar gelenkt: er denkt, doch nach den Elementen der Welt; er wünscht doch so wie die in der Welt alles beherrschende fleischliche Begierde ihn anregt, die Begierde der Augen und der Stolz des Lebens; er handelt, doch im engen und niederen Kreise des Sinnlichen; er lebt doch im Geiste der Welt, fremd dem Leben Gottes (Ephes. 4, 18). Übrigens ist die Einschließung des Kindes im Leib keine entschiedene Absicht der Natur, sondern lediglich Mittel und Weg, auf denen es zum vollständigen Dasein geführt wird; und er muß ans Licht heraustreten, die Schönheit der Welt erblicken, ihre Güter kosten, ihren Schöpfer erkennen: solcher Art ist auch die höhere Bestimmung des menschlichen Geistes, umfangen von Fleisch und eingeschlossen in der Welt. Ihr müsset von neuem geboren werden (Jo. 3, 7), - müsset denn nach Gottes Absicht ist es nicht das zufällige Los einiger, sondern das bestätigte Gesetz und die Bestimmung der gesamten Menschheit, welcher das gesamte natürliche Leben nur als Vorbereitung und Übergang dient. Der Gefangene der Welt muß aus seinem Kerker herausgeführt werden - um den Namen des Herrn zu bekennen (Ps. 141, 8), vom Licht Christi erleuchtet zu werden,die himmlischen Gaben und die Kraft der zukünftigen Welt noch in der gegenwärtigen Welt zu schmecken (Hebr. 6, 4 u. 5), in der Welt selbst den Geist Gottes zu empfangen, auf der Erde zu beginnen, himmlische Luft zu atmen. Und wie ein Kind bei der Geburt sich vom Leben der Mutter trennend ohne Schwierigkeit sein neues Leben findet, doch in sich selbst die Qual der Tätigkeit trägt, die sich stetig entwickelt und vervollkomnet, um sich herum überall die zum atmen nötige Luft findet - so befindet sich der Mensch, der durch die Gnade von der Welt angezogen wird und zur Geburt von oben berufen ist, näher an der Sphäre des neuen Lebens als er denkt; denn nur wir können weit vom Geist Gottes sein, der Geist Gottes aber kann nicht weit von uns sein. Dieser Geist dringt nach den Worten des Weisen durch alle Geister (Weish. 7, 23), wobei er in seiner Heiligkeit unantastbar ist und in Seiner Güte allgegenwärtig: Er ergießt sich auf jegliche Kraft und Fähigkeit, die sich seiner Wirksamkeit anheimstellt, und öffnet im Herzen des alten Menschen selbst die Quelle des neuen Lebens. Wer an Mich glaubt,sagt der Spender des Geistes, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Das aber, fügt der geliebte Schüler zur Erläuterung der Worte des himmlischen Lehrers hinzu, das aber sagte Er vom Geiste, welchen empfangen sollten, welche an Ihn glaubten(Joh. 7,38 u. 39). Schließlich ist hier ein wichtiger Unterschied zwischen der natürlichen und der geistlichen Geburt: erstere erfolgt und geschieht durch die unumgängliche Folge der Natur,letztere aber durch die freiwillige Hinwendung zu Gott im Glauben an Christus. Wer an Mich glaubt,wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.Und wofür ganze Flüsse aus einem Leibe, wenn doch ein Tropfen von der Fülle der Gnade genügt, um Scharen von Geistern zu beleben? - Dafür, wie die Schrift sagte, um den äußersten Reichtum der Güte zu zeigen, nach der der Heilige Geist das Maß unserer Bereitschaft zu Seinem Empfang nicht nur erfüllt, sondern geradezu überreichlich füllt, und sozusagen, uns mehr schenkt als wir empfangen.
Sollen wir, Kinder des Glaubens, etwa die Anwesenheit des Heiligen Geistes unter uns nicht erkennen und nach Seiner Herrschaft fragen: wo ist sie? Und noch vor Seiner feierlichen Ankunft im Reich des Glaubens fühlten die Kinder des Glaubens Seine allgegenwärtige und allwirksame Kraft derart lebendig, daß sie sich in frommer Furcht nirgends verstecken und ruhen konnten! Wohin gehe ich vor Deinem Geiste? (Ps. 138,7) rief David. Sollen wir etwa darüber nachsinnen, wie der selbständige menschliche Geist unter stetigem Einfluß des allmächtigen Geistes stehen kann? Schon zu Zeiten Hiobs verstand man, daß der Geist in den Menschen ist, und der Odem des Allmächtigen ist es, der sie verständig macht (Hiob 32,8). Müssen wir denn auch unser eigenes Bekenntnis in Erinnerung rufen, das so häufig in der Stimme der Kirche wiederholt wird, mit dem wir, wenn wir uns in Gebetsstimmung zu Gott versetzen, die allgegenwärtige und alles erfüllende Kraft Seines Geistes verkünden? - Der Du überall bist und alles erfüllst!
Alles erfüllst! Doch warum erfüllen wir uns nicht alle mit Ihm? - Offensichtlich müssen wir uns selbst darüber befragen.
Können wir uns mit dem Geist erfüllen, wenn das Fleisch, das stets wider den Geist kämpft, seiner Herrschaft in uns kein Hindernis findet? Wenn wir in seiner Übersättigung, Mästung, Genuß selbst den unserem Geist eigenen Hunger nach dem Hören des Wortes Gottes und den Durst nach Wahrheit auslöschen? Wenn wir eben nur diesem Fleische leben, in dem, wie uns der Mensch Gottes aus eigener Erfahrung überzeugt, überhaupt nichts gutes lebt(Hebr. 7,18)? In diesem Fall laufen wir selbst in das schwere Urteil Gottes, das über die erste Welt ausgesprochen wurde: Mein Geist wird in diesen Menschen auf ewig nicht verweilen, denn sie sind Fleisch(Gen. 6,3). Was der Mensch sät, das wird er ernten; wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten(Gal. 6,7 u. 8).
Können wir vom Geist Gottes erfüllt werden, wenn wir uns selbst nur mit dem Geist dieser Welt erfüllen? Wenn wir nur mit seiner elementaren Weisheit unseren Verstand anfüllen, nur mit seinen Blendungen unsere Vorstellung beleben, nur mit seinen Leidenschaften unser Herz anregen, nur mit seinen Gesetzen unseren Willen lenken, nur ihm mit unseren Taten zu dienen versuchen? Wenn unsere besten Gefühle und die Tugenden selbst vom faulen Atem des Geistes der Welt angesteckt sind: die Liebe durch Leidenschaft, Mitgefühl durch Schmeichelei, Erhabenheit durch Stolz, Eifer durch Habgier, Mildtätigkeit durch Prahlerei, Würde durch Verachtung anderer, asketische Taten durch Ehrgeiz? Nur die können den Geist von Gott empfangen, die den Geist dieser Welt nicht empfangen, oder ihn ausgetrieben haben, weder die Welt liebhat, noch was in der Welt ist(1. Joh. 2,15).
Können wir vom Heiligen Geist erfüllt werden, wenn wir noch von uns selbst so übermäßig erfüllt sind, daß sich in uns kein soweit freier und gereinigter Raum findet, wohin wenigstens ein Tropfen des alles tränkenden Wassers, das in der ganzen Länge und Breite der Zeiten und Orte ins ewige Leben fließt(Joh. 4,14), fallen könnte, ohne von unserer Eigenliebe und sündigen Resten in Unrat verwandelt zu werden? - Unsere Unreinheit ist eine Festung, mit der wir die Ströme des Geistes des Herrn von uns ausschließen, der ähnlich den Bestrebungen der Frühlingswasser, gesandt ist, um eine neue Schöpfung zu begründen und das Antlitz der Erde zu erneuern(Ps. 103,30), aber das ist noch nicht der Zorn, sondern vielmehr die Barmherzigkeit Gottes, daß diese Ströme nicht in unwürdige Seelen hereinbrechen; denn das heilige und heiligende Wasser des Lebens würde, wenn es auf Unreines stößt, alles mit vernichtendem Feuer versengen.
Und deswegen sollen die nicht vor dem Geist Gottes wehklagen, die sich wohl mit allen Kräften vom Fleisch, von der Welt und sich selbst lossagen und mit geistlichem Durst zu Christus treten, jedoch noch nicht vom Quell der Segnungen trinken, dennoch in sich die tröstende Anwesenheit der heiligenden und erneuernden Gnade nicht verspüren, oder, wenn sie sie momentan verspürt haben, diese verlieren. Im Evangelium ist geschrieben, daß einstmals, während Jesus Christus Selbst vom Geiste predigte, den die an Ihn Glaubenden empfangen sollten, der Heilige Geist nicht da war, da Jesus nicht verherrlicht war. An anderer Stelle sagt Er Seinen Schülern, daß sie auch nach der unbedingten Nachfolge Christi zunächst durch den Verlust Seiner sichtbaren Anwesenheit in Versuchung geraten und darauf erst zur mystischen Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist aufsteigen werden: es ist für euch gut, daß Ich hingehe. Denn wenn Ich nicht hingehe,so kommt der Tröster nicht zu euch; wenn Ich aber gehe, will Ich ihn zu euch senden(Joh. 16,7). Selbst nach Seiner Auferstehung, als Ihm jede Macht im Himmel und Auf Erden gegeben ward, waren den Aposteln fünfzig Tage der Geduld, einmütigen Gebets und Danksagungen(Apg. 1,14) vonnöten, damit sie, entleert von allem, endlich vom Heiligen Geist erfüllt werden und in dieser Erfüllung zu leben beginnen konnten. Nur befreit von allem wurden sie gewürdigt, den großen Feiertag Gottes zu feiern. Vielleicht ist auch für euch, die ihr der apostolischen Nachfolge Christi nacheifert, doch auf euch die Salbung vom Heiligen nicht empfindet, vielleicht ist auch für euch der Geist noch nicht da, weil Jesus in euch noch nicht verherrlicht ist;vielleicht habt ihr Ihn vorläufig nur als Propheten aufgenommen, der das Wort Gottes in Seinem Mund führt, aber habt euch Ihm noch nicht geweiht, als dem Priester, damit Er euch in der Gemeinschaft Seines die ganze Welt umfassenden Opfers als angenehme Darbringung Seinem Vater emporbringt; habt ihr Ihn noch nicht erhoben, als König, damit kein Wunsch und kein Gedanken ohne Seinen Wink erhoben wird. Vielleicht ist es auch für euch gut, wenn ihr Christus mehr nach dem Fleisch sucht (2. Kor. 5,16), als nach dem Geist, daß der geliebte Bräutigam für einige Zeit von euren Seelen genommen wird, und die Entbehrung geistlichen Trostes euren Glauben reinigt, eure Liebe erhebt, eure Geduld festigt, euer Gebet verfeinert, gefährliche Selbstzufriedenheit vertreibt, tiefe Seligkeit vorbereitet.
Doch diejenigen, in denen wohl die Salbung noch nicht zu fühlen ist, aber wenigstens schon mit verborgener Hand beginnt, bedürfen nicht, daß sie jemand belehrt: denn diese selbe Salbung lehrt sie alles(1. Joh. 22,27). Was tun wir, die wir nur dem Fleisch und dem Blute leben, welche das Reich Gottes nicht erben können? Was wird aus uns, den im Geist Toten, Hungrigen und Trockenen, ähnlich den über das Feld verstreuten Knochen in der Vision des Hesekiel? Werden diese Knochen zu leben beginnen(Hes. 37,3)? So fragte Gott den Propheten im Wunsche, auf sie Seinen Lebenspendenden Geist herabzusenden. Der den Tod der Sünder nicht wünscht, sondern daß sie umkehren und leben, schaut zweifellos auch auf diese geistlichen Gerippe mit soviel Erbarmen und dem Verlangen ihrer Lebendigwerdung durch den Heiligen Geist. Erwachen diese Knochen zum Leben? - Herr Gott, Du weißt das alles. -Sag auch jetzt Selbst, was du einst Deinen Propheten sagtest, daß keiner unter uns ist, der prophezeit, - Selbst sag zu diesen Knochen: nun führe Ich in euch den Geist des Lebens ein, - und gebe euch Meinen Geist, und ihr werdet zu leben beginnen, da Ich der Herr bin. Amen.
Predigt des Archimandriten Philaret (Drozdov), des späteren berühmten Metropoliten von Moskau, aus dem Jahr 1814