Erzbischof Chrysostomos

Die Orthodoxe Kirche über die Entschlafung
und Metastasis der Allerheiligsten Gottesgebärerin

 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1999, 4

In unseren Tagen ist die Orthodoxie Angriffen nicht nur “von außen”, sondern auch “von innen”, seitens Leuten, die sich als orthodox bezeichnen, ausgesetzt. Der Modernismus in der Orthodoxie, der sich immer als Vernachlässigung der Heiligen Überlieferung unter dem Vorwand der Erneuerung der Glaubenslehre im Zeitgeist äußert, hält heutzutage in allen Lokalkirchen Einzug.
Der den Lesern hier vorgestellte Artikel von Erzbischof Chrysostomos (Griechische Kirche, “Synod der Sich Widersetzenden” des Metropoliten Kyprianos) über die Entschlafung wurde in der in den USA herausgegebenen Zeitschrift “Orthodox Tradition” (Bd. XVI, No. 1) veröffentlicht. Der Artikel stellt eine Antwort auf einen Brief aus Bulgarien dar, dessen Autor schreibt: “Ein Professor einer unserer theologischen Fakultäten beschuldigte kürzlich in milder Form die Altkalendarier hier in Bulgarien durch unser offizielles Kirchenorgan Häresie zu verbreiten. Er mißinterpretiert insbesondere eine Predigt, die von Bischof Photii von Traditza an dem Fest der Entschlafung der Gottesgebärerin gehalten und in der darauffolgenden Ausgabe der Publikation “Orthodox Word” veröffentlicht wurde. Er schrieb: “Sie übernehmen das römisch-katholische Dogma der körperlichen Himmelfahrt der Mutter Gottes, für die es nicht den geringsten Hinweis in den patristischen Schriften vor dem 8. Jahrhundert gibt.” Ist es wahr, daß keiner der Kirchenväter vor dem 8. Jahrhundert darüber geschrieben hat? Was genau ist die orthodoxe Lehre zu diesem Thema?”
Wir drucken hier die Antwort von Vladyka Chrysostomos vollständig ab und hoffen, daß seine Argumente auch unseren Lesen helfen, nicht nur die Unhaltbarkeit der Gesichtspunkte der Erneuerer zu erklären, sondern auch am Beispiel der Entschlafung besser den Unterschied zwischen der orthodoxen und der römisch-katholischen Verehrung der Gottesgebärerin zu verstehen. Red.

Vielen Dank für Ihre Nachricht und die Anfrage Seiner Eminenz, Bischof Photii, bezüglich der Hilfe bei der Sammlung patristischer Referenzstellen zur Entschlafung. Ich finde es in der Tat sehr bedauerlich, daß Sie in Bulgarien, und dies ist seltsam genug, derselben Verachtung für die Einheitlichkeit des Zeugnisses der Kirche begegnen, der wir uns im Westen täglich gegenübersehen. Es ist vielleicht die größte Ironie, daß wir Traditionalisten einer westlichen Mentalität beschuldigt werden, was den Erhalt der Ganzheitlichkeit des Zeugnisses der Kirche angeht (einschließlich des Kirchenkalenders und des Einsatzes für die Einheit des liturgischen und theologischen Zeugnisses der Orthodoxie wie es uns heute in reifer Form zur Verfügung steht), wenn tatsächlich die Idee, daß bloßes Alter und nicht das lebendige Zeugnis der Orthodoxen den wahren Glauben bestimmt, in sich selbst ein klares Ergebnis der Gefangenschaft im Westen ist. Wie Vater Florovskij dargestellt hat, ist der “Rückgriff auf das Alter (einer Sache)” ein ungenügender Nachweis für die Wahrheit, vielmehr ist antiquitas nur eines der Elemente der auctoritas der Kirche.
Tatsache ist, daß die Orthodoxie eine Religion der theologischen Amateure und spirituellen Hochstapler geworden ist, und insbesondere in diesem Land, wo im akademischen und theologischen Leben allgemeine Mittelmäßigkeit vorherrscht. Ich war stets der Ansicht, daß zwanzig oder dreißig Jahre Lektüre der Väter, ein erstklassiger akademischer Hintergrund und außergewöhnliche intellektuelle Fähigkeiten oder vorzugsweise ein strenges Leben in monastischem Gehorsam und darüber hinaus das demütige Bewußtsein, daß all diese Dinge (sei es das Privileg der verfügbaren Zeit und der Gelegenheit zu lesen, seien es die intellektuellen Gaben oder spirituelle Berufung) ausschließlich Gaben Gottes sind und keine persönlichen Errungenschaften – daß diese Dinge die ersten Schritte zu spirituellem Wissen darstellen.
Ich bin davon überzeugt, daß dieses Wissen außerdem am Ende sich in dem überwältigenden Eindruck niederschlägt, wie wenig man weiß, wie unendlich spirituelles Wissen wirklich ist, und in der vollkommenen Annahme der Wahrheiten der Kirche, wie sie uns heute dargebracht werden. Noch wichtiger ist es, denke ich, daß diese Unterwerfung unter die Kirche uns lehrt, daß Einfachheit das letzte Ziel sein muß, auch für die intellektuell Begabten, indem wir uns nicht in bloße Gelehrte oder Männer des “Lernens” verwandeln, sondern in solche, die im Geiste geschult sind, seien sie von großer oder geringer Intelligenz oder hätten sie wenig oder viel akademische Fertigkeit. Andererseits haben wir die “Expertise” von Ignoranten, die vorgehen, Experten zu sein – vor allem wieder hier in Amerika – und uns vom Glauben abbringen. Genau von daher kommen die Art Fragen, die Ihnen gestellt wurden und die Anschuldigungen, denen Sie sich ungerechterweise ausgesetzt sahen.
Auch wir sind Kritikern begegnet, die uns “westlicher Häresie” in unseren Kommentaren zu Koimesis (Entschlafung) der Theotokos und zu anderen orthodoxen Dogmen beschuldigt haben.
Modernistische Orthodoxe ohne Kenntnis der Väter haben uns nicht nur wegen unserer “abergläubischen Naivität” des Glaubens an die Entschlafung angegriffen, sondern einer (der Dekan des Seminars vom Heiligen Vladimir in New York, Vater Thomas Hopko, dem es ganz offensichtlich an patristischer phronema und an einer elementaren Kenntnis der Väter und der liturgischen Literatur mangelt) hat sich sogar über unseren vollkommen orthodoxen Glauben an die körperliche Unversehrtheit der Gottesgebärerin bei der Geburt des Herrn lustig gemacht. Deshalb haben wir einige Bezugsstellen zur Gottesmutter gesammelt, die Ihnen sicherlich bei der Antwort auf den pseudo-akademischen Kritiker helfen werden. Seine Bemerkungen erscheinen uns auch ziemlich sonderbar, da die Feier des Festes der Entschlafens wie auch die Lehren zur metastasis (Verwandlung) der Gottesgebärerin sowohl in den liturgischen wie auch in den ikonographischen Traditionen der Kirche (die ersteren reichen bis auf den Heiligen Germanos von Konstantinopel und vielleicht noch früher, wie wir sehen werden zurück, die letzteren bis auf den Beginn des 4. Jahrhunderts) wohl gefestigt sind.
Laßt uns zunächst die patristischen Bezüge ansehen. Es ist der Heilige Germanos, der dem Heiligen Johannes von Damaskus, dessen Position Ihrem Kritiker offensichtlich bekannt ist, vorangeht, der tatsächlich als erster klare und direkte Bezüge zur Entschlafung herstellt, im frühen achten Jahrhundert (Patrologia Graeca, Bd. XCVIII, Spn. 340-374). Aber es gibt frühere Bezüge, sowohl zweideutige (aber wichtige) als auch eher klare. Der Heilige Epiphanios von Zypern (ca. 377 schreibend) stellt beispielsweise in seinem Panarion fest:
“Sie sollen die Schriften erforschen. Sie werden Marias Tode nicht finden. Sie werden nicht finden, ob sie gestorben ist oder nicht. Sie werden nicht finden, ob sie begraben wurde oder nicht... Das Schweigen der Schrift (über Marias Ableben) ist vollständig, aufgrund der außergewöhnlichen Natur des Wunders, um nicht den Geist der Menschen zu bestürzen.” (Griechische Christliche Schriftsteller, Bd. XXXVII, S. 461 f.). Es steht außer jedem Zweifel, daß sich der Heilige auf die metastasis der Heiligen Jungfrau bezieht.
Reichliche Bezüge zur Entschlafung gibt es auch in dem syrischen (oder ägyptischen) TransitusMariae (ein Werk mit apokryphen Berichten), wovon der älteste auf die zweite Hälfte des fünften Jahrhunderts zurückgeht.
“... Als der Körper Marias in die Wolken gebracht worden war...” (Begräbnisfeier der Heiligen Jungfrau”, möglicherweise jakobitischen Ursprungs, s. W. Wright, Contributions to the Apocryphal Literature of the New Testament, London, 1865, S. 46ff.). Nebenbei, die absurde Idee, daß sowohl die Entschlafung wie der Transitus Produkte der monophysitischen Extremisten waren, ist sehr überzeugend von John Saward in einem Aufsatz “Mariae Himmelfahrt” (SS. 108-122, bes. S. 110) so in Mary’s Place in Christian Dialogue, Hg. Alberic Stacpoole (Middlegreen, Slough: St. Paul Publications, 1982) widerlegt worden. Es muß zugegeben werden, daß dies nicht-chalkedonische Texte sind, was jedoch in keinster Weise die Bedeutung ihres historischen Zeugnisses für die Lehren über die Entschlafung bei den frühen Christen abschwächt.
Von großer Bedeutung ist die Bezugnahme des Heiligen Gregor von Tours (zur Ruhe gesetzt 594) auf die Entschlafung in seinem Buch De Gloria Martyrium
“Der Herr befahl... den heiligen Körper (der Gottesgebärerin) aufzunehmen und ins Paradies zu tragen” (Patrologia Latina, Bd. LXXI, Sp. 708). Der Heilige Gregor gehört offensichtlich dem Westen an, ich kann mir jedoch nicht vorstellen, daß irgend jemand behaupten wollte, er sei nicht Teil der orthodoxen Tradition der ungeteilten, vor-schismatischen Kirche. Es gibt auch eine Aussage des Heiligen Modestos von Jerusalem (zur Ruhe gesetzt 634), der ein encomion über die Entschlafung zitiert: “Der Herr erhob sie aus dem Grab und nahm sie zu Sich, in einer Weise, die nur Ihm bekannt ist” Patrologia Graeca, Bd. LXXXVI, Sp. 312).
(Ich sollte anmerken, daß verschiedentlich die Autorenschaft des Heiligen Modestos für diese Stelle angezweifelt worden ist. Professor Luigi Carli legt jedoch absolut überzeugend dar, daß diese Zweifel grundlos sind, Marianum, Bd. II, 1940, S. 387).
Es gibt auch eine Bezugsstelle auf die Entschlafung und metastasis der Gottesgebärerin unmittelbar aus dem sechsten Jahrhundert in einer Predigt des Theoteknos von Livias (in Palästina), die er zu diesem Thema gehalten hat: “Es war angemessen, daß ihr allheiliger Körper, der Gott geboren hatte, das Gefäß Gottes, vergöttlicht und erleuchtet vom Göttlichen Licht und voll der Herrlichkeit, von den Aposteln zusammen mit den Engeln getragen und für eine kurze Zeit der Erde anvertraut wurde und in Herrlichkeit in den Himmel erhoben wurde mit seiner Gottgefälligen Seele” (s. A. Wenger, L’Assomption de la Très Sainte Vierge dans la Tradition Byzantine du VIe au Xe Siècle: Etudes et Documents, in Archives de l’Orient Chrétien, Institut Français d’Etudes Byzantines, 1955, Bd. V, S. 276 f).
Sehen wir uns als Nächstes die ikonographischen Beweise an. Vladimir Lossky (s. The Meaning of Icons, New York: St. Vladimir’s Seminary Press, 1982) bemerkt, daß “... der Sarkophag von Santa Ingracia in Saragossa (beginnendes 4. Jh.) mit einer Szene versehen ist, die sehr wahrscheinlich die Himmelfahrt Marias darstellt.” Er bezieht sich auch auf ein “Relief aus dem 6. Jahrhundert in der Basilika von Bolniss-Kapanakci in Georgien, das die Himmelfahrt der Gottesmutter darstellt...” (S. 213). (Wir sollten beachten, daß das spanische Teil zwar westlich, aber nichtsdestotrotz offensichtlich vor-schismatisch ist). Ab dem 11. Jahrhundert gibt es natürlich klare Beweise dieses Festes in der ikonographischen Tradition. (vgl. Konstantinos Kalokyris, He Theotokos eis ten Eikonographian tes Anatolikes kai tes Dyseos (Thessaloniki: Patriarchal Institute of Patristic Studies, 19-72).
Schließlich gibt es eine liturgische Bezugstelle zur Entschlafung im späten 6. Jh., die von Vladimir Lossky zitiert wird (s.o.). Er zitiert den Historiker Nekephoros Kallistos, der feststellt, daß der 15. August als Datum für die Feier der Entschlafung während der Regierungszeit von Kaiser Maurice festgesetzt wurde. Das läßt vermuten, daß das Fest zu jener Zeit von den Byzantinern in großem Umfang beachtet wurde, da es eine allgemein akzeptierte Grundregel der liturgischen Entwicklung ist, daß die vereinheitlichende Festlegung dem vorherrschenden Brauch unmittelbar folgt und nicht umgekehrt. (Das Originalzitat von Kallistos findet sich in: Historia Ecclesiastica, Patrologia Graeca, Bd. CXLVII, Sp. 292). Tatsächlich ist das Fest des Gottesgebärerin, das von der Ökumenischen Synode in Ephesus (431) für dieses Datum bestätigt wurde ohne besonderen Bezug zur Entschlafung, zweifellos dasselbe Fest, das vom Kaiser, in dessen Zeit es unmißverständlich als Fest der Entschlafung bezeichnet wird, festgelegt wurde.
Die Nachweise des 6. Jh. müssen als Beweis gelten, daß das Fest, das von der Ökumenischen Synode von Ephesus 431 festgelegt wurde, nicht einfach, wie teilweise behauptet wird, nur ein Fest zu Ehren der Gottesmutter war. Es war ein Fest, das gerade der Entschlafung gewidmet war, da das Datum für dasselbe Fest, das in Ephesus benannt wurde, vom byzantinischen Kaiser vereinheitlicht wurde, um genau dieses Ereignis zu ehren.
Gleichzeitig kann die Entschlafung nicht von dem Phänomen der körperlichen “Verwandlung” der Gottesmutter getrennt werden, da in gleichem Maße wie die allgemeine Praxis die liturgische Vereinheitlichung bestimmt, die althergebrachten Kirchenfeste eine feste Kontinuität darstellen. Es ist schwer vorstellbar, daß der heutige Gottesdienst an Entschlafung (der sich klar auf die körperliche “Verwandlung” der Gottesmutter bezieht), obwohl die Quellen des Gottesdienstes, so wie er sich uns heute darbietet, von vor dem 8. Jahrhundert im Dunkeln bleiben, eine Abweichung vom Thema eines Kirchenfestes darstellt, dessen Feier bereits im 6. Jh. von einem byzantinischen Kaiser vereinheitlicht wurde. Um meine Meinung über die thematische Kontinuität, die sich in dem heutigen Fest ausdrückt, mit einem Zitat zu veranschaulichen, lesen wir im 6. Gesang des ersten Kanons des Morgengottesdienstes an die Entschlafung bezeichnenderweise: “Genauso wie Dich der Herr bei der Niederkunft als Jungfrau bewahrt hat, erhielt Er Deinen Körper im Grab unversehrt und er verherrlichte Dich bei Deiner göttlichen Verwandlung” (Dies ist bekanntlich ein Werk des Heiligen Kosmas, im 8. Jh. komponiert).
Erhebliche thematische Veränderungen in althergebrachten Festen sind, lassen Sie mich das nochmals betonen, in liturgischen Studien fast unbekannt. Kann man sich beispielsweise eine größere thematische “Erneuerung” in den österlichen Bildern der Kirche vorstellen? Solch eine Vorstellung gehört zu der gleichen “protestantischen” Denkweise, die einige orthodoxe liturgische Gelehrte (unter ihnen der verstorbene A. Schmemann) zu der Ansicht geführt hat, daß im 4. Jh. im orthodoxen Gottesdienst eine “fromme Reformation” stattgefunden hat. Wir finden nicht nur wenige Beweise für eine solche Sichtweise des Gottesdienstes, sondern sie widerspricht dem rechten orthodoxen Verständnis der allmählichen Entwicklung der liturgischen Praxis als der Reifung des Embryos des lex orandi, wie es zur eigentlichen Zeit der Apostel bestand. Die Entwicklung unserer Gottesdienste ist nicht ein Ergebnis von Launen, geschichtlicher Kräfte oder gesellschaftlichen Wandels, sie spiegelt den Reifeprozeß des Glaubenssamens, der von Christus gepflanzt und von den Aposteln genährt wurde, unter der Führung des Heiligen Geistes wider. Daher ist es unmöglich, daß die Gottesdienste zur Entschlafung, die wir heutzutage in Fortführung einer uralten Tradition feiern, ein Element der Erneuerung, ganz zu schweigen einen deutlichen thematischen Wandel enthalten sollten. Der Grund dafür, daß die metastasis der Gottesgebärerin, die unsere Gottesdienste preisen und verherrlichen, in den ersten christlichen Jahrhunderten nicht weithin erwähnt wurde (obwohl es einiges sehr frühes Material gibt, wie ich gezeigt habe), liegt ausschließlich darin, daß die Lehre so allgemein verbreitet war, daß es für eine spezielle Erwähnung keinen Bedarf gab. Dies trifft sicherlich auf viele liturgische Gebräuche und viele Wahrheiten unseres Glaubens zu.
Schließlich sollte ich auch, zur Verteidigung derjenigen, die die Lehre unserer Kirche über die metastasis der Gottesgebärerin angreifen, obwohl dies aufgrund von Mißverständnissen geschieht und obwohl es falsch ist, sagen, daß es völlig offensichtlich ist, daß das römisch-katholische Dogma von der Himmelfahrt der Gottesmutter der orthodoxen Kirche fremd ist. Dies liegt erstens an dem Versuch, ein Geheimnis zu wörtlich zu nehmen und zu mechanisch anzugehen, während wir Orthodoxe es vorziehen, uns in Ehrfurcht zu nahen. Zweitens gibt es auch keinen Zweifel, daß die Vorstellung, daß die Gottesgebärerin körperlich in den Himmel aufgenommen wurde, von der päpstlichen Mariologie falsch angewendet wurde, um die Idee eines soteriologischen “Parallelismus” zwischen der Jungfrau Maria und Christus zu unterstützen, die sich schließlich in der falschen Vorstellung niederschlägt, daß die Gottesmutter, wie unser Erlöser, ohne Sünde empfangen wurde (die Unbefleckte Empfängnis), daß sie in einer ähnlichen Weise wie Christus auferstand, und daß sie (wie es einige römisch-katholische Gläubige vorsichtig angedeutet haben) mit Christus eine Mit-Erlöserin ist.
Wir dürfen solche abstrusen Vorstellungen natürlich nicht unterstützen. Aber indem wir der päpstlichen Überinterpretation widersprechen, dürfen wir uns gleichzeitig den wahren Traditionen der Kirche gegenüber nicht respektlos zeigen.