S.E. Erzbischof Mark

Predigt am Ostermontag, gehalten in der Kathedralkirche zu München (1998)



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1998, 3

 

Christus ist auferstanden!
Liebe Brüder und Schwestern!
Aus dem heiligen Evangelium ist uns bekannt, wie die Engel den Myronträgerinnen erschienen. Von dem einen Engel steht geschrieben, daß er in weißen Gewändern, weiß wie Schnee, erschien. Von anderen heißt es, sie waren in Gewändern, die leuchteten. Und wenn also Engel, Diener des Himmels, solcher Gewänder bedurften, dann steht das umso mehr uns zu, den Dienern des Altars, die nicht allein verkünden von der Auferstehung Christi, sondern auch berufen sind, auf diese Erde die Gnade Gottes hinabzurufen, Leib und Blut Christi zu verteilen.
Schon im Alten Testament setzte der Herr das Priestertum ein. Und durch den Propheten Moses gebot Er nicht nur die genaue Ordnung des Gottesdienstes, sondern Er ordnete auch sämtliche Einzelheiten der priesterlichen Gewänder an. Im Neuen Testament setzte der Herr keine neue Regel darüber ein, zumal man Ihn Selbst der Kleidung beraubt hatte, um sie unter denen aufzuteilen, die Ihn gekreuzigt hatten. Doch angesichts des Herrn als unseres Hohenpriesters beschreibt der Heilige Mystagoge Johannes Diesen gekleidet in langer Kleidung mit goldenem Gürtel. Und deshalb sind auch wir an diesem größten aller Feste gekleidet in neue Kleidung, genäht oder erneuert von den Myrrenträgerinnen unserer Gemeinde, mit der Kirchenältesten an der Spitze.
Die Kirche schmückt ihre Diener, aber dies ist allein ein äußeres Zeichen. Nicht allein Priester, Diakone und Altardiener sind zum Dienst in der Kirche berufen, nein, der Herr beruft jeden Christen zum priesterlichen Dienst. So sind auch wir alle gekleidet in weiße Gewänder, angefangen mit dem Taufbecken sind wir weiß gekleidet, denn “die, die in Christus getauft sind, haben sich in Christus gekleidet”. Diese Kleidung ist unvergleichlich mit allen anderen Dingen, und sie bedarf ständiger Pflege und Aufmerksamkeit. Wenn es jemandem nicht gelungen ist, sein inneres Gewand in der ursprünglichen Reinheit zu bewahren, so schenkt uns der Herr durch die Buße und unseren Glauben die Möglichkeit, sie im Blute des Lammes wieder weiß zu machen. Und Er verheißt uns, daß jene, die den Sieg im geistigen Kampfe davontragen werden, in neuer Kleidung erscheinen werden, und Er wird für diese, in weiße Kleidung Gekleideten vor Seinem Vater beten. Daher ruft uns der Heilige Apostel Johannes dazu auf, die Reinheit unserer Gewänder zu wahren, um nicht bloß zu wandeln, bloßgestellt und nackt, denn allein in dieser Reinheit werden wir der hohepriesterlichen Gebete des Herrn vor dem Vater würdig sein.
Wir treten heute, liebe Brüder und Schwestern, aus der Kirche und gehen mit einer Kreuzprozession um die Kirche und denken daran, daß wir nur hier unsere Gewänder reinwaschen können, im Blute des Lammes. Deshalb ist dies der Mittelpunkt unseres Lebens, unserer Läuterung, unseres Wachsens auf dem Wege des Herrn. Amen.