Erzbischof Mark

Predigt zu Beginn der Peter und Paul Fastenzeit "Aus Liebe kämpfen"



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1999, 3

Liebe Brüder und Schwestern!
Zu Beginn der Fastenzeit zu Ehren der heiligen Apostel Peter und Paul erinnern wir uns daran, daß die Kirche diese beiden als Apostelfürsten bezeichnet, nicht um der äußeren menschlichen Ehre willen. Diese Bezeichnung zeugt von der Erhabenheit in der Liebe. Der zwischen ihnen in der wichtigsten Frage des kirchlichen Lebens entstandene Streit wurde zum ersten Prüfstein der Kirche. Doch sie überwanden diese Prüfung durch Liebe, und festigten die Einheit der Kirche durch ihre Enthaltsamkeit.
Der heilige Apostel Paulus beschreibt die Leiden, die er um Christi willen zu erdulden hatte: von den Juden – dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden, dreimal habe ich Schiffbruch gelitten,… in Mühsal und Beschwerde, oftmals in durchwachten Nächten, in Hunger und Durst, oftmals in Fasten, in Kälte und Blösse (2. Kor 11, 24-25, 27). Dies ist bei weitem keine vollständige Auflistung der Mühen, die der hl. Apostel um Christi willen auf sich nahm, um der Liebe zu Ihm und um unseretwillen. Mit diesen asketischen Mühen beachtete der hl. Apostel Paulus das Gebot der Liebe zum Herrn und Dessen Anhängern, eingedenk, daß der Herr Selbst den Sieg über den Teufel durch solche Leiden errang und dadurch die Welt von der Macht des Teufels erlöste.
Der Apostel aber lehrt uns, liebe Brüder und Schwestern, einen ähnlichen Kampf bis zum Sieg zu führen. Mit ihrem Leben demonstrierten die heiligen Apostel das Bild des Kampfes mit den Dämonen, die im Fleisch Begierden hervorrufen. Aber die Dämonen bekämpfen uns nicht nur durch das Mittel unseres schwachen Leibes. Die Dämonen nutzen auch schwache Menschen aus, um ihr Ziel zu erreichen. Sie führen Haß, böse Nachrede, Verfolgungen, Hohn in unser Leben ein, um fromme Christen dazu zu bewegen, das Gebot der Liebe zu übertreten, und wir geben leicht nach, wenn wir verfolgt werden, und antworten mit Haß statt Liebe.
Die heiligen Apostel widerstanden dem Teufel und sagten: Werden wir geschmäht, so segnen wir; werden wir verfolgt, so dulden wir es, werden wir gelästert, so begütigen wir; wie Kehricht der Welt sind wir geworden, ein Abschaum aller bis jetzt (1. Kor 4, 12–13).
Dürfen wir, liebe Brüder und Schwestern, irgendetwas anderes erwarten in einer Welt, die im Bösen liegt, die vom Herrn abgefallen ist? Wenn wir nach dem Vorbild des Apostels den Einflößungen der Dämonen nicht nachgeben, sondern das Gute Gottes ihrem Bösen entgegensetzen, wenn wir die uns Verfolgenden segnen, und damit dem Heiland Selbst nachfolgen, dann nähern wir uns Gott an.
Das Verhalten der Apostel erschien der Welt als Widersinn und Niederlage. Tatsächlich aber besiegten sie den Widersacher. Wenn wir uns in apostelgleicher Handlungsweise festigen, dann können wir wahrlich die lieben, die uns hassen. Die Apostel und ihre Nachfolger müssen sich in der Nüchternheit des Geistes und des Herzens üben, nicht nur um den Willen Gottes zu erfahren, sondern ebenso um die Ansinnen des Teufels und der Dämonen zu erkennen.
Wenn wir die Nachstellungen unseres Bruders gegen uns sehen, müssen wir erkennen, daß unser Bruder ebensolchen Versuchungen ausgesetzt ist, wie wir selbst. Wenn wir selbst, die wir von fleischlichen Lüsten befleckt sind, aus Nachlässigkeit, Trägheit und Schwäche nicht mit den Dämonen kämpfen, so kämpfen wir mit uns selbst und mit unseren Brüdern. Mit den Dingen, um die wir mit den Menschen kämpfen, dienen wir in der Tat den Dämonen.
Da wir die menschlichen Schwächen kennen, müssen wir erkennen, daß wir demjenigen, der Versuchungen ausgesetzt ist, Vergebung schulden, und ihn so, da wir ihn stets als Versuchten betrachten als mit uns selbst Gleichgestellten. Damit widersetzen wir uns bereits dem Versuchenden, d.h. dem Teufel, berauben ihn der wichtigsten Waffe gegen uns – der Übertretung des Gebots der Liebe. Über ein solches Vorgehen spricht ein anderer Apostel, der Bruder des Herrn, Jakobus: gehorcht Gott, widersetzt euch dem Teufel, und er flieht vor euch (Jak. 4, 7). So leicht könnte unser Leben auf der Erde sein!
Ein nüchternes Herz und ein wacher Geist können sich darum bemühen und somit den Willen Gottes und der Apostel erfahren. Wie der heilige Maxim der Bekenner sagt, “die Menschen lieb gewinnen und sich von Mitgefühl für die erfüllen lassen, die straucheln, und um der Liebe willen unaufhörlichen Kampf mit den listigen Dämonen führen”. Dies ist das erste Gebot, das wir Tag um Tag beachten müssen, in der Liebe zu Gott: unseren Nächsten als Strauchelnden zu betrachten, und dann wird unser Mitgefühl und unser Herz mit ihm sein anstelle sich gegen ihn zu richten.
Wenn wir dem Vorbild der Apostel nacheifern, sodaß der Glaube der Apostel stets in uns lebendig ist, dann wird unser ganzes Leben beflügelt, die Früchte guter Werke und der Gottgefälligkeit einbringt, wenn wir mit dem Herzen an die Gerechtigkeit glauben, mit dem Mund aber den orthodoxen Glauben zum Heil (Röm. 10,10) bekennen und bereit sind Beschwernis zu ertragen, um an der Reinheit des Glaubens keinen Verrat zu üben, dann werden wir zu wahren Nachfolgern der Apostel, die die Verheißungen Gottes in Glauben und geduldigem Ausharren erben (Hebr. 6, 12). Amen.