Erzbischof Mark

Predigt am österlichen Abendgottesdienst



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 2000, 3

Christus ist auferstanden!
Heute, liebe Brüder und Schwestern, erschallen diese Worte über die ganze Erde, erneuern und verwandeln sie. Wahrlich ist Christus auferstanden, und wahrlich ist die ganze Natur verändert, die ganze Schöpfung verwandelt, der Friede zwischen Himmel und Erde wiederhergestellt. Von nun an gibt es keinen wesentlichen Unterschied mehr zwischen Himmel und Erde, denn Gott ist auf die Erde gekommen und hat uns alles Göttliche gebracht, und der Mensch ist in den Himmel gestiegen und hat alles Menschliche dorthin eingeführt. Einstmals sah Jakob eine Leiter, auf der nur Engel auf- und abstiegen; von jetzt an steigt der Mensch auf dieser Leiter aufwärts und beherrscht zusammen mit Gott den ganzen Reichtum dieser Erde und des Himmels. Wir brauchen schon nicht mehr auf künftige Zeiten zu warten – der Himmel setzt hier ein, in unseren Herzen, auf unserer Erde. Und mehr noch: die Hölle verlor den Schrecken, den sie für den Menschen besaß, denn der Herr stieg in die Hölle herab und entblößte sie ihrer Türen und Riegel. Die Hölle wird nicht mehr verschlossen, wenn sie auch noch zeitweilig Einfluß auf uns hat, nämlich in der Zeit, da wir uns von der freudigen Gemeinschaft mit Christus entfernen.
Doch dieser frohe Zustand, in dem wir uns heute befinden, ist lediglich das Unterpfand künftiger Freude, künftigen Schauens, künftiger Gemeinschaft mit Gott. Unser Vertrauen wird von immer neuen Wundern erfüllt, für welche der Herr Seine Apostel und durch sie – auch uns – ermächtigte.
Erfüllt wird die Welt von Freude über den Auferstandenen Christus, weil diese Freude, diese Worte: Christus ist auferstanden! – uns nähren. Das ist die wahre Nahrung, wahre Speise und Trank, denn es steht geschrieben: der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jeglichem Wort, das aus dem Munde Gottes hervorgeht (Mt. 4, 4). Erst in dem Moment, wenn wir uns mit dem Sinn, mit dem inneren Gehalt dieser lebenbringenden Worte vereinen, erlangen wir Leben durch jedes Wort, das aus dem Munde Gottes hervorgeht. Deshalb versuchen wir, uns von Gottes Wort nähren zu lassen. So wie wir hier heute nacht den Leib und das Blut Christi empfangen haben, so laben wir uns auch weiterhin an Seinen Worten, die uns dazu anleiten, den Himmel hier und heute zu erlangen, und uns nicht mehr von diesem engelgleichen, gottmenschlichen, himmlischen, von diesem himmlisch-irdischen Zustand zu entfernen. Amen.