Bericht von Igumen Alexej

über die unverwesten Gebeine der hl. Neumartyrerin Anastasia Panagopoulou-Strogoulou



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1998, 4

 

Vor drei Jahren wurde in Jerusalem Anastasia Panagopoulou-Strogoulou ermordet, die ehemalige Bürgermeisterin der Insel Chios und Mutter des griechischen Priesters Joachim Strogilos, des Erbauers der Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg. Diese Kirche wurde auf Anordnung der Stadtverwaltung von Jerusalem genau drei Jahre vor dem gemeinen Mord an der Mutter des Priesters abgerissen. Die Unterkirche der hl. Pelagia entging wie durch ein Wunder der Zerstörung: Als die Ikone des Pantokrator, die aus der Oberkirche hinausgeworfen wurde, vor den Augen der Zerstörer in die Kirche zurückkehrte, gebot man dem Abbruch Einhalt.
Vater Joachim und seine Mutter lebten nach der Zerstörung der Himmelfahrtskirche im Jerusalemer Patriarchat in der Altstadt, und kamen einmal wöchentlich, um die Liturgie in der Kirche der hl. Pelagia auf dem Ölberg zu zelebrieren. Am Abend des 7/20. Juli ging die Magd Gottes, um eine Lampada in der Kirche anzuzünden. Auf dem Rückweg wurde sie von Mördern in schwarzen Masken überfallen, die sie mit einer Flüssigkeit besprühten, wodurch sie das Bewußtsein verlor, und verklebten ihr dann Nase und Mund mit einem Pflaster, was zu ihrem Tod durch Erstickung führte. Die Mörder fielen auch über Vater Joachim her und verfuhren ebenso mit ihm, aber er konnte aus letzten Kräften um Hilfe schreien. Die Übeltäter flohen. Der mißhandelte und mit einem Messer verletzte Vater Joachim wurde in dasselbe Krankenhaus eingeliefert, wohin man den Körper seiner Mutter gebracht hatte.
Das Totenamt für die Magd Gottes Anastasia wurde am 11/24. Juli von Vladyka Jakob in Anwesenheit eines vielköpfigen griechischen Klerus gehalten. Vater Joachim zelebrierte die Liturgie und nahm an dem Totenamt teil. Der Leib wurde in die Gruft gelegt, die Vater Joachim für sein eigenes Begräbnis vorgesehen hatte, und dann eingemauert. Es wurde beschlossen, die Gruft nach Ablauf von drei Jahren zu öffen, was dann auch am 8/21. Juli 1998 erfolgte.
Die Redaktion erhielt von dem Vorsteher unser Geistlichen Mission, Igumen Alexej, eine Mitteilung aus Jerusalem, die wir nun abdrucken:
“Heute früh öffnete Vater Joachim, der in dem kleinen, dem Jerusalemer Patriarchat gehörenden, auf dem Ölberg gegenüber der Stelle, wo der Herr in den Himmel auffuhr, liegenden Kloster lebt, die Gruf seiner Mutter Anastasia, die drei Jahre zuvor brutal umgebracht und dann ganz in der Nähe des Ortes ihres Märtyrerendes begraben wurde.
Der Leib wurde unberührt von Verwesung vorgefunden, und als wir das hörten, eilten wir mit Igumenja Moisea und anderen Nonnen sogleich dorthin, um der neu erschienenen Märtyrerin unsere Verehrung zu erweisen.
Es waren noch keine Leute dort, weil die Nachricht über die Ereignisse sich noch nicht verbreitet hatte. Wir trafen nur Vater Joachim an, der ins Gebet vertieft war. Wir baten ihn, er möge den Glasdeckel des Sarges für uns öffnen, weil damals das Gesicht und die Hände mit einem neuen weißen Linnen bedeckt worden waren. Er erfüllte unsere Bitte, und ich konnte ihm sogar dabei helfen, die Hände seiner ermordeten Mutter und das Linnen um ihren Kopf richtig hinzulegen. Wir legten das Linnen nun so hin, daß die Hände und das Gesicht unbedeckt und nach Schließung des Glasdeckels sichtbar bleiben.
Bis dahin hatte er nichts mit dem Körper getan. Er hatte ihn nur aus dem Grab herausgeholt und in einen neuen Holzsarg mit einem Glasdeckel über die ganze Länge des Körpers gelegt. Wir sahen, daß einige Insekten um das Gesicht und die Hände krochen. Überhaupt kein Verwesungsgeruch war festzustellen. Wir schlugen Vater Joachim vor, etwas Insektizid zu sprühen, um die Insekten zu entfernen, was er jedoch ablehnte, denn, wie er sagte, würden sie von alleine verschwinden, wenn der Körper der frischen Luft und dem Licht ausgesetzt ist.
Ich muß sagen, daß die Hände mich besonders erstaunten. Die Gelenke waren biegsam und die Nägel weiß. Die Fingerkuppen waren weich und zart, wie bei einer lebenden Person und die Hände waren frei beweglich und flexibel, als wir sie anfaßten, um die ”Cetki” richtig hinzulegen.
Die Farbe des Körpers ist hellbraun (Kaffee- oder Kakaofarbe). Die Haut und das Gewebe unter der Haut sind gut erhalten. Die Augenlider haben noch ihre Form bewahrt. Das Haar und die Augenbrauen sind ganz.
Nachdem wir dem sichtlich erschütterten Vater Joachim geholfen hatten, den Leib und das Linnen besser hinzulegen, schlossen wir den Sarg nun endgültig mit einem Schlüssel. Er sagte, daß er dafür sorgen werde, daß der Körper nach einigen Wochen noch einmal herausgenommen und richtig gereinigt und hergerichtet wird, wie es der Brauch der Kirche ist. Im Augenblick möchte er ihn so lassen, wie er im Grab gefunden wurde. Heute Nacht wird es eine Agrypnia geben, die um 21 Uhr beginnt und danach bereits nach Mitternacht die Liturgie. Alle Nonnen, welche diese Gottesdienste besuchen möchten, bekamen dazu sowohl meinen Segen als auch den der Äbtissin.