Heiliger Innokentij
Aus “Innokentij, Metropolit von Moskau und Kolomna”, Komittee der Russisch-Orthodoxen Jugend im Ausland, 1990 wir in Zusammenhang mit der bevorstehenden Verherrlichung des Hl. Innokentij



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1993, 6

Aus “Innokentij, Metropolit von Moskau und Kolomna”, Komittee der Russisch-Orthodoxen Jugend im Ausland, 1990 - den folgenden Text veröffentlichen wir in Zusammenhang mit der bevorstehenden Verherrlichung des Hl. Innokentij

Der hl. Innokentij (mit Taufnamen Ioann) wurde in dem Dorf Anginskoje, Gouvernement von Irkutsk, am 26. August 1797 in der Familie des armen Küsters Evsevij Popov geboren. Der in jungen Jahren verwaiste Ioann trat in das Seminar von Irkutsk ein, an dem er über 11 Jahre lernte. Von der Seminarzeit an trug Ioann Popov einen neuen Familiennamen, nämlich Veniaminov. Der Rektor, der das Andenken des entschlafenen Irkutsker Bischof Veniamin bewahren wollte, nahm in dem jungen und fähigen Zögling herrliche seelische Qualitäten wahr und erblickte Gesichtszüge bei ihm, die ihn an den vormaligen Hierarchen erinnerten.
1817 heiratete Ioann Veniaminov; bald wurde er zum Diakon geweiht und zum Lehrer der ersten Klasse der Gemeindeschule bestellt. 1823 erhielt der Irkutsker Bischof Michail II vom Heiligsten Synod die Anweisung, einen Priester für die Kolonie der Russisch-Amerikanischen Kompanie auf der Insel Unala¡ska zu entsenden. Ein Aufruf wurde gestartet, aber keiner wollte sich an so einen entfernten Ort begeben.
Von diesem Aufruf erfuhr ein gewisser aus Amerika stammender Ivan Krjukov, der sich zu jener Zeit wegen Handelsgeschäften mit seiner Familie in Irkutsk aufhielt. Er gehörte zur Gemeinde des Vaters Ioann Veniaminov, dem er herzlich zugeneigt war und den er oft aufsuchte, da er sein geistlicher Sohn war. In den Gesprächen fand Krjukov in Vater Ioann einen weisen, gebildeten und unternehmungslustigen Menschen und daher riet er ihm, sich zu opfern und nach Amerika zu fahren zur Erleuchtung der wilden Aleuten-Bewohner; bei diesen sollte er schließlich 40 Jahre lang bleiben.
Als Vater Ioann Veniaminov aus irgendeinem Anlaß wieder einmal bei Bischof Michail war, traf er dort auf Ivan Krjukov, der auch zu dem Bischof gekommen war, um dessen Segen für eine Reise zu empfangen. Als Krjukov Vater Ioann sah, kam er sogleich in Anwesenheit von Vladyka auf das Thema der Aleuten zu sprechen, er rühmte ihren Eifer zum Gebet und ihr Verlangen, das Wort Gottes zu vernehmen. Diese Rede, die Vater Ioann schon mehr als einmal von Krjukov gehört hatte, machte jetzt einen völlig anderen und neuen Eindruck auf ihn als bisher. Kaum war Krjukov hinausgegangen, so eröffnete er dem hochwürdigen Bischof seinen Wunsch, nach Unala¡ska zu gehen.
1824, als Vater Ioann auf Unala¡ska ankam, gab es dort 10 Siedlungen, die an Aleuten, Kreolen und Russen etwa 470 Seelen zählten. Seine erste Sorge galt dem Bau eines Gotteshauses, in dem die Einheimischen sich zum Gebet und zur Verkündigung des Wortes Gottes versammeln könnten. Bevor der eigentliche Kirchenbau in Angriff genommen wurde, brachte Vater Ioann den Aleuten verschiedene handwerkliche Fertigkeiten bei wie Zimmermanns-, Tischler-, Schlosser- und Schmiedearbeit, sowie die Fertigung von Ziegeln und Steinmauern. Das zweite Anliegen Vater Veniaminovs war der Bau eines Hauses für sich und seine Familie. Seine praktische Veranlagung befähigte ihn zu jeder Art von Arbeit: er war Zimmermann, Mechaniker, Uhrmacher und Netzknüpfer. Er widmete sich außerdem wissenschaftlichen Beobachtungen und unterrichtete seine und fremde Kinder, erzählte ihnen biblische Geschichten und es konnte sogar vorkommen, daß er mit ihnen Ball spielte oder durch die Berge streifte, wobei er sie verschiedenartige Steinchen sammeln ließ und ihnen dann über die Eigenart jedes Steines etwas berichtete.
In der freien Zeit zwischen der Predigt des Wortes Gottes und den aufgezählten Tätigkeiten widmete sich Vater Veniaminov noch dem Studium der lokalen Sprachen und Mundarten der Aleuten-Inselbewohner, damit er ihnen das Wort Gottes in ihrer Muttersprache verkünden könnte. Nachdem er etwas mit der Sprache der Aleuten, ihren Bräuchen und Traditionen bekannt geworden war, machte er sich mit Enthusiasmus an seine Aufgabe. Das Wort der Verkündigung verstummte bei ihm fast nie: es ertönte in der Kirche und es wurde unter freiem Himmel gesprochen.
Den Kindern lehrte er Gebete und schärfte den Eltern ein, sie im christlilchen Geist zu erziehen. In seinen Predigten stellte er ihre moralischen Schwächen bloß, bläute ihnen ein, wie diese Laster vor Gottes Angesicht häßlich sind, vor welchem nicht nur äußere Handlungen, sondern auch innere Gemütsregungen unverborgen bleiben. Er erläuterte ihnen die Bedeutung der Feste, die Sakramente der Beichte und der heiligen Kommunion, er sprach über den Besuch des Gotteshauses. Jetzt sah er selbst, wie schnell das Wort Gottes bei diesen treuherzigen und guten Leuten ankam; sein Herz freute sich und war glücklich darüber, mit welchem Interesse sie die Predigt des Evangeliums vernahmen. Als die Aleuten den Katechismus in ihrer Sprache, den Vater Ioann übersetzt hatte, erblickten, fingen sogar die Alten an, Lesen und Schreiben zu lernen, nur damit sie ihn in ihrer eigenen Sprache lesen konnten.
Bei seinen zahlreichen Fahrten durch die Inseln widmete sich Vater Veniaminov außer der Predigt des Wortes Gottes und dem Erlernen der örtlichen Mundarten in seinem wißbegierigen Geist auch der Beobachtung der die Inseln umgebenden Natur. Jedes besonders in die Augen fallende Phänomen, sei es bei der Bevölkerung oder in der Natur hielt er unweigerlich in seinem Notizbuch fest; bei seiner Rückkehr nach Unala¡ska sichtete er die so gesammelten Eintragungen und fügte sie seinen wissenschaftlichen Forschungen hinzu.
Zu seinen ersten Werken gehört die Übersetzung des Katechismus und des Matthäusevangeliums in die Sprache der Aleuten und Foxinseln. Diese Übersetzungen brachten die Aleuten in Entzücken. Jetzt konnten sie Gott preisen und Seine Worte in ihrer Muttersprache vernehmen. Außerdem wurde auch die russische Literatur durch eine aleutische Fibel mit der vollständigen Übersetzung der wichtigsten Gebete bereichert.
Das von Vater Ioann im Verlauf von zehn Jahren auf Unala¡ska geleistete Werk zog die Aufmerksamkeit des Chefs der Hauptverwaltung der Russisch-Amerikanischen Kompagnie, Baron Wrangel, auf sich. Vater Ioann wurde mit dem Brustkreuz ausgezeichnet und im Sinne einer Beförderung wurde er von der Instel Unala¡ska auf die Insel Sitka versetzt. Diese Insel, auf die Vater Ioann nun nach der Vorsehung Gottes versetzt wurde, ist eine der wichtigsten der Vancouverinseln; dort befindet sich auch der Hafen Novo-Archangelsk, welcher zu jener Zeit den Mittelpunkt der Verwaltung der russischen Kolonien an den Küsten Amerikas und auf den Inseln des nördlichen Pazifischen Ozeans darstellte.
Am 22. November 1834 kam also Vater Ioann Veniaminov mit seiner ganzen Familie im Hafen von Novo-Archangelsk auf der Insel Sitka an und begab sich zu der Kathedralkirche des Erzengels Michael.
Wie auf Unala¡ska, so widmete sich Vater Veniaminov auch hier der Erleuchtung des Stammes der “Koloschen”, welche unabhängig waren und unter dem starken Einfluß ihrer Schamanen standen. Zur Bekehrung dieser Leute zum christlichen Glauben war viel Zeit und ein geschicktes Vorgehen notwendig. Zu diesem Zweck versuchte Vater Ioann vorerst, in die Lebensweise der Koloschen einzudringen, sich mit ihren geistigen Bedürfnissen, ihren Bräuchen, Überlieferungen und ihrer Sprache vertraut zu machen.
Im Verlauf von 15 Jahren, zuerst auf Unala¡ska und dann auf Sitka, entfaltete Vater Ioann Veniaminov seine Wirksamkeit, indem er den wilden Völkern das Wort Gottes im Geist des Friedens und der Sanftmut verkündete. Mit väterlicher Sorgewaltung arrangierte er für die Kinder und Neugetauften Schulen, die er mit Lehr- und Lesebüchern ausstattete, welche er selbst in ihre Sprachen übersetzt hatte. Er brachte ihnen nicht nur Lesen und Schreiben, sondern auch verschiedene handwerkliche Fertigkeiten bei.
1838 war das letzte und auch das betrüblichste Jahr für Vater Ioann in seinem Missionsdienst. Der weitere Erfolg in der Einführung des Christentums war nicht so groß, wie er hätte sein sollen, weil vier Priester, die sich zu jener Zeit in den Kolonien befanden, einfach nicht ausreichten. Ebenfalls ungenügend waren die Mittel zur Versorgung und zum Unterhalt des Klerus. Deshalb suchte nun Vater Ioann in Irkutsk bei Erzbischof Nil um die Freistellung zu einem Urlaub nach Sankt Petersburg nach, so daß er dort persönlich vor der obersten Kirchenbehörde die Lage der Mission in der amerikanischen Region darlegen und um Hilfe zum weiteren Gedeihen des Missionsdienstes bitten könnte.
Abgesehen davon mußte er sich unbedingt nach Sankt Petersburg begeben wegen seiner Übersetzungen in die Sprache der Aleuten- und Fox-Inseln, deren Drucksetzung ihm abgeschlagen wurde, weil im Heiligsten Synod keiner der aleutischen Sprache mächtig war und so keine Korrektur gelesen werden konnte.
Bei seiner Ankunft in Sankt Petersburg begann er sich für den Druck seiner Übersetzungen und Aufsätze in Aleutisch einzusetzen, nämlich des Katechismus, des Matthäusevangeliums und seiner Schrift “Wege zum Himmelreich”. Danach suchte er um Genehmigung nach, nach Moskau zu fahren, um dort Spenden für die Ostmission zu sammeln. In Rußland konnte Vater Veniaminov seine Werke und Forschungsberichte über die Aleuten herausgeben. Was seinen Aufsatz “Wege zum Himmelreich” anbelangt, so fand man, daß dieser nicht nur für die Aleuten-Fox-Sprache unbedingt notwendig sei, sondern auch auf Slawisch und auf Russisch veröffentlicht werden müsse. Im November 1839 erhielt Vater Veniaminov die traurige Nachricht vom Ableben seiner Frau in Irkutsk, wo er seine Familie bei seiner Ankunft aus Amerika gelassen hatte. Etwa ein Jahr darauf wurde Vater Ioann Veniaminov im Troizkoje Klosterhof in Moskau von Metropolit Filaret zum Mönch geschoren mit Namen Innokentij, und tags darauf zum Archimandrit erhoben.
Am 15. Dezember wurde Archimandrit Innokentij in der Kathedrale der Gottesmutter von Kazan zum Bischof geweiht und von jener Zeit an wurden Kamtschatka, die Region Ochotsk und die Kolonie der Russisch-Amerikanischen Kompanie von der Eparchie von Irkutsk abgetrennt und aus diesen Gebieten eine selbständige Eparchie, nämlich die von Kamtschatka, gebildet, deren Bischofsitz auf der Insel Sitka eingerichtet wurde.
Als er am 25. September 1841 nach Sitka zurückkehrte, widmete sich der Bischof-Missionar Innokentij in seinem neuen Rang nun noch mehr seiner apostolischen Sendung, indem er eifrig seine Herde ermahnte und belehrte. Dabei ermutigte er durch seine vorbildliche Selbstentsagung auch die Priester zu unablässiger Mühewaltung im Aussäen und in der Festigung des Wortes Gottes.
Seine erste Sorge war, daß er allerorten die schulischen Einrichtungen verbesserte, sie mit den unerläßlichen Dingen versah. Weiterhin rüstete er Missionen dorthin aus, wo es keine Priester gab und wo das Volk im Heidentum lebte. Nachdem er auf der Insel Sitka über ein halbes Jahr gelebt hatte, begab er sich auf eine Reise zur Organisierung seiner Eparchie.
Während dieser Reise, auf dem Weg von Unala¡ska zur Insel Jelov, trat ein Ereignis ein, das in der Lebensbeschreibung des heiligen Starez Herman beschrieben wird: damals hatte nämlich der Bischofsheilige Innokentij zu ihm gebetet, worauf der fürchterliche Sturm nachließ, der 28 Tage lang dem Schiff verwehrt hatte sich der Insel zu nähern und die Reisenden wegen Wassermangel bereits an den Rande des Untergangs gebracht hatte.
Den weiteren Weg durch seine Eparchie setzte der Bischof nicht nur auf Schiffen und Pferden fort, sondern auch auf Hundeschlitten. Vladyka fuhr vor der Kathedrale von Kamtschatka nicht in einer Kutsche mit vier edlen Pferden vor, sondern auf einem Polarschlitten mit einigen Hundepaaren.
Als er die reiche Ernte, die aus der Saat des Wortes Gottes entstanden war, erblickte, wünschte der hochgeweihte Innokentij in Novo-Archangelsk ein geistliches Seminar zu bauen, wo die Kinder der jungen kreolischen und aleutischen Christen eine Ausbildung erhalten könnten, um dann mit der Zeit zu Religionslehrern ihrer Landsleute zu werden. Dazu reichte er dem Heiligen Synod ein Gesuch ein um die Erlaubnis, die geistliche Lehranstalt von Petropavlovsk nach Novo-Archangelsk zu transferieren und sie in ein Seminar umzunennen, was zu seiner großen Freude genehmigt wurde. Danach begab sich dieser unermüdliche Arbeiter noch einige Male auf Reisen zur Inspektion und Revision seiner Eparchie. Für sein allgemeinnützliches Wirken wurde er 1850 zum Erzbischof erhoben.
Die erfolgreiche Ausbreitung des Christentums in Asien und Amerika unter den dortigen Aborigines, die durch die eifrigen Bemühungen des Erzbischof Innokentij begonnen worden war, zog die Aufmerksamkeit der obersten Kirchenbehörde auch auf die Jakutsker Region, welche an die von Kamtschatka grenzte. Und daher fand man es angebracht, seiner Eparchie auch diejenige von Jakutsk anzugliedern.
Anfang 1852 siedelte Erzbischof Innokentij, nachdem er die Kirchenangelegenheiten in der Eparchie von Kamtschatka geordnet hatte, nach Jakutsk über. Nach einer vorläufigen Einsichtnahme in die kirchliche Lage machte er sich mit dem ihm eigenen Eifer und Nachdruck an die Erleuchtung dieser Gegend, indem er Kirchen und Schulen baute und die kirchlichen und got-tesdienstlichen Bücher in die lokale Sprache übersetzte, damit auch die Jakuten in ihrer eigenen Sprache sich bewußt die Wahrheit der Evangeliumslehre aneignen könnten. 1859 wurden die Mühen von Erzbischof Innokentij voll von Erfolg gekrönt, da am 15. Juli jenes Jahres in der Dreifaltigkeitskathedrale von Jakutsk Gesang und Lesung auf Jakutisch erklangen. Dieser erste Gottesdienst auf Jakutisch erstaunte die Jakuten dermaßen und sie waren so sehr von diesem Ereignis gerührt, daß sie Erzbischof Innokentij baten, daß dieser Tag auf immer ein Festtag bei ihnen sein möge, da sie an jenem für sie unvergeßlichen Tag zum ersten Mal das Gotteswort in der Kirche in ihrer eigenen Sprache vernommen hatten.
1862 ließ sich Erzbischof Innokentij in der Stadt Blagove¡s¡censk nieder, und von dort fuhr er auf dem Amur auf und ab, um in den Dörfern Gottesdienste zu halten.
Am 18. Januar 1868 traf ein Eilbote aus Sankt Petersburg von dem Oberprokuror ein, welcher die kaiserliche Ernennung von Innokentij zum Metropoliten von Moskau überbrachte. Der hochwürdige Innokentij nahm diese neue Schicksalswendung an und wählte sich einen Nachfolger aus in der Person des Bischofs Veniamin Selengin, der bereits mit dieser entfernten und ausgedehnten Region Bekanntschaft geschlossen hatte.
In seiner Eigenschaft als Metropolit von Moskau schuf der hochwürdige Innokentij ein äußerst wichtiges Werk, er richtete nämlich eine Missionsgesellschaft ein und wandelte das Moskauer Pokrov-Kloster in ein Missionskloster um, wo zukünftige Missionare ausgebildet wurden und wo kranken und im Ruhestand befindlichen Missionsarbeitern Zuflucht und ein ruhiger Lebensabend gewährt wurde.
Am Karfreitag des Jahres 1879, im 82. Lebensjahr entschlief Innokentij, der Metropolit von Moskau, im Herrn. Sein geistliches Erbe stellen seine wissenschaftlichen Forschungsarbeiten und theologischen Werke dar. So machte er seine pastorale und persönliche Erfahrung der Allgemeinheit zugänglich und wies den Menschen den Weg zum Himmelreich.
Wie ein roter Faden, wie der Kernpunkt all seiner Mühen erscheint der Gedanke, der oftmals von dem Bischof selber wiederholt wurde: “So, Brüder, wenn ihr mit Gott im Himmelreich leben wollt, dann seid orthodoxe Christen.”