Die Herabkunft des Heiligen Geistes
dargestellt von den Kirchenvätern

 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1990, 3

Es hat sich der Geist wieder in die Gemeinschaft mit den Menschen hineinbegeben, der vormals Sich deshalb von unserer Natur entfernt hatte, weil der Mensch Fleisch geworden war (Gen. 6,3: "Mein Geist soll nicht ewiglich mit dem Menschen rechten, da er ja Fleisch ist")
Hl. Gregor von Nyssa.
Das, was uns rettet, ist die lebensschaffende Kraft, an die wir glauben unter dem Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Aber die infolge des geistigen Hungers geschwächten Menschen wurden unfähig, diese Wahrheit vollständig aufzunehmen. Sie gewöhnen sich zunächst daran mehr auf die Eine Gottheit zu schauen, und in dieser einen Gottheit erkennen sie nur die eine Kraft des Vaters, da sie für die Aufnahme der vollkommenen Speise unfähig sind. Dann offenbart sich für sie, die mit der Unterstützung des Gesetzes vollkommener geworden sind, der Einziggeborene Sohn durch das Evangelium. Danach wird uns die vollkommene Speise für unsere Natur angeboten - der Heilige Geist, in Dem das Leben selbst ist.
Hl. Gregor von Nyssa.
Beim Turmbau wurden die Sprachen der Völker getrennt und die Menschen verstanden die Sprache des anderen nicht. "Ich trenne die Sprachen und setze dem Werk ein Ende, nicht etwa weil ich Angst hätte vor deinem Aufsteigen, und nicht weil ich um Mein Reich fürchte, sondern weil ich besorgt bin wegen der Vergeblichkeit deiner Mühe und der ebenso vergeblichen Ermüdung". Nicht ein Bau aus Steinen und nicht ein Turm, der von vielen Händen zusammengefügt wird, kann zum Himmel emporheben, sondern die Wagen der Gotteserkenntnis, die Rosse der Gerechtigkeit, das Leben, das reiner ist als Licht, und die Schwingen der Tugend, - das ist es, was auf diesen Weg bringt. Dank der von Gott bewirkten, weisen und zugleich menschenfreundlichen Beseitigung, setzte die Trennung der Sprachen der Frechheit der damaligen Erbauer ein Ende. Was Gott denen als böswilligen Menschen genommen hat, das gab er nun den Aposteln als tugendhaften Menschen .
Hl. Johannes Chrysostomos
Seit der Zeit, als der Erlöser geruhte unsere Natur anzunehmen, wird Er vom Heiligen Geist erfüllt, nicht etwa deshalb weil er niedriger stünde als der Heilige Geist, sondern weil das Fleisch im Bilde des Menschen die Herabkunft des Heiligen Geistes aufnehmen mußte, und um uns ein Vorbild zu geben: "so wie Mein Fleisch nicht von den Begierden gelenkt wird, sondern durch den Geist, so soll auch euer Handeln bestimmt sein"
Hl. Johannes Chrysostomos
Und beachte das Staunenswerte: das, was im Gesetz ist, wird von Christus ergänzt, was aber in der Lehre Christi ist, das ergänzt der Geist, nicht etwa weil der Vater unvollkommen wäre, sondern: wie Christus erschien, um das zu bestätigen, was vom Vater ist, so erschien auch der Geist, um das zu bestätigen, was vom Sohn ist.
Hl. Johannes Chrysostomos
Diejenigen, die Jesus angenommen hatten, mußten auch den Geist erhalten, damit das Werk der Gotteserkenntnis in ihnen eine immer vollkommenere Stufe erreiche.
Hl. Johannes Chrysostomos
Nach der Auferstehung hauchte Er die Jünger an und sagte: "Empfanget den Heiligen Geist" (Jo. 20, 22). Dieses Wort des Erlösers bezeichnet im Voraus das jetzige Brausen, und das Anhauchen - das jetzige Dahinfahren (einem Sturmwind gleich; vgl. Apg. 2,2)
Hl. Gregor Palamas
Die wunderbaren Taten des einziggeborenen Sohnes Gottes sind vollbracht. Von da an beginnen auch die Erscheinungen des Heiligen Geistes, die Seiner Person eignen, damit wir das große und anzubetende Mysterium der Heiligen Dreieinigkeit erkennen und erfassen.
Hl. Gregor Palamas
Vor kurzem sahen wir Christus, wie er Sich mit dem Leibe von der Erde emporhebt, jetzt aber erfahren wir durch den Heiligen Geist, der von Ihm den Jüngern gesandt wurde, was der emporgestiegene Christus erreicht und zu welcher Würde Er unsere - von Ihm angenommene - Natur emporgeführt hat; er ist nämlich genau dorthin emporgestiegen, woher der Geist herabgekommen ist, der von Ihm gesandt wurde. Das heißt: der aufgefahrene Christus ist emporgestiegen zum Allerhöchsten Vater und erreichte den Väterlichen Schoß, von wo auch der Geist kommt. Das heißt: er ist auch der menschlichen Natur nach teilhaftig der Väterlichen Würde geworden, da Er Selbst den Geist vom Himmel sandte, der vom Vater ausgeht und gesandt wird. Aber wenn einer hört, daß der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn gesandt wird, so soll er doch keinesfalls denken, daß Er an dieser Würde nicht teilnehme: Er wird ja nicht nur gesandt, sondern sendet auch Selbst und ist im Einvernehmen. Dies wird auch deutlich durch Den gezeigt, der durch den Propheten spricht: "Mit Meinen Händen habe Ich die Erde gegründet und den Himmel ausgespannt, und jetzt hat der Herr Mich und Seinen Geist gesandt" (Jes. 42,5). Und durch denselben Propheten sagt Christus wiederum an einer anderen Stelle: "Der Geist des Herrn ist auf Mir, deshalb salbte Er Mich, den Armen frohe Botschaft zu bringen nach Mir (Jes. 61,1). Das heißt, der Heilige Geist wird nicht nur gesandt, sondern sendet auch den vom Vater gesandten Sohn.
Hl. Gregor Palamas
Zehn Tage zuvor erstieg unsere Natur den Königsthron, und jetzt stieg der Heilige Geist auf unsere Natur herab; der Herr hob unsere Erstlingsgabe empor und führte den Heiligen Geist hernieder. Keine zehn Tage sind vergangen, seit Christus aufgefahren ist, und schon sandte Er uns die Geistesgaben, die Friedensgaben hernieder. Damit niemand zweifle oder sich frage, ob Christus etwas getan habe nach der Himmelfahrt, ob er den Vater mit uns versöhnt habe, oder Ihn günstig stimmte, - um zu zeigen, daß Er Ihn tatsächlich mit unserer Natur versöhnt hat, sandte Er uns sogleich die Gaben der Versöhnung. Denn wenn Feinde zur Einheit finden und sich miteinander versöhnen, dann folgen der Versöhnung sogleich die Einladungen, die Gratulationen, die Geschenke. So sandten auch wir den Glauben und erhielten von dort die Geistesgaben; wir sandten den Gehorsam und erhielten die Rechtfertigung.
Hl. Johannes Chrysostomos
Beachte, ich bitte dich, wie der Geist genau zu der Zeit kommt, da sie im Gebet versammelt sind, da sie Liebe zueinander haben.
Hl. Johannes Chrysostomos
Hernieder kam der Heilige Geist, der Geist der Wahrheit, der vorewiglich ausgeht vom Vater, die gnadenvolle Liebe, die uns umsonst gegeben wird.
Hl. Ambrosius von Mailand
Durch jenen Sturmwind wurden die geistigen Kräfte der Boshaftigkeit und alle unreinen Dämonen aus der Luft ausgetrieben und zerstreut.
Hl. Gregor Dialogos
Es heißt: "wie von einem daherfahrenden, gewaltigen Winde". Das zeigt, daß ihnen (den Aposteln) nichts in der Lage sein wird zu widerstehen, sondern daß sie alle ihre Feinde wie Staub zerstreuen werden.
Hl. Johannes Chrysostomos
Entsprechend erschien der Geist in Gestalt des Feuers, denn Er treibt aus einem jeden Herzen, das Er erfüllt, die Gefühlskälte und entflammt es mit der Liebe zum Ewigen.
Hl. Gregor Dialogos
Zuallererst staune ich über die göttliche Kraft des Heiligen Geistes. Ein und derselbe Geist erscheint in verschiedenen Bildern. Zuerst gleich einer Taube, wie über dem Erlöser, der im Jordan getauft wurde; dann, dem Feuer gleich, wie er in Feuerzungen auf die Apostel herabkam; und manchmal in der Natur des Wassers, wie in dem Tau der auf das Lammfell des Gideon herabfiel, - ja auch im Evangelium wird der Heilige Geist Wasser genannt (Jo. 7,38). Doch alles das sind Dinge, die völlig verschieden, ja einander entgegengesetzt sind: das Feuer vereint sich nicht mit Wasser, die Taube schließt mit dem Feuer keine Freundschaft; weshalb schadet das eine dem anderen nicht im Heiligen Geist: das Wasser - dem Feuer, das Feuer - der Taube? Der Grund dafür ist kein anderer als der, daß der Heilige Geist der Geist der Liebe, der Geist des Friedens ist, die Liebe selbst, der Friede selbst. Wen aber wird die Liebe und der Friede nicht vereinen, nicht versöhnen, nicht sogar zusammenfließen lassen in allerengstes Vertrauen und Lieben?
Hl. Dimitrij von Rostov
Weshalb erschien er im Bilde von Zungen? - Um zu zeigen, daß Er mit dem göttlichen Wort verwandt ist, denn dem Wort ist nichts so verwandt wie die Zunge; zugleich aber auch zur Gnadengabe des Lehrens, denn der Lehrer in Christus braucht eine begnadete Zunge. Weshalb erschien Er in feurigen Zungen? - Nicht nur wegen des einen Wesens des Geistes mit dem Vater und dem Sohn (denn unser Gott ist ein Feuer, das das Böse verzehrt), sondern auch wegen der Doppelwirkung der apostolischen Predigt, die beides zugleich bewirkt - die Wohltat und die Strafe .
Hl. Gregor Palamas
Das Feuer, das die himmlische Weisheit schenkte, zerteilte sich in unzählige Zungen, beinhaltete unzählige Formen des Wortes, lehrte Fischer - die Weisheit, verwandelte einen Gerber in einen Redner. Besser: die Weisen (der Völker) können mit diesen Menschen nicht einmal verglichen werden. Die ersten waren ja nur die Lehrer irgendeines Volkes, die letzteren aber - die Apostel - wurden zu Lehrern der ganzen Welt.
Hl. Johannes Chrysostomos
Wenn jemand einen von uns fragt: "Du hast den Heiligen Geist erhalten, warum kannst du denn nicht in allen Sprachen reden?" Dem muß man antworten: "Ich spreche ja in allen Sprachen, weil ich in der Kirche bin, in dem Leib Christi, der in allen Sprachen spricht". Und wahrhaftig, was wollte Gott damals anderes zeigen als das, daß die Kirche, die den Heiligen Geist hat, in allen Sprachen reden wird?
Sel. Augustin
An diesem Tag ist, geliebte Brüder, ist die Gnade des Heiligen Geistes herabgekommen. Von diesem Tag an da sie Anfang nahm und weiterwuchs, wird sie verherrlicht und gepriesen bis zum heutigen Tage.
Hl. Proklus