Die Klöster der russischen orthodoxen Auslandskirche im Heiligen Land



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1999, 4

Unsere Pilger, die ins Heilige Land kommen, sind sich nur selten dessen bewußt, daß kein orthodoxes Volk außer den Griechen und Russen die Möglichkeit hat, im Heiligen Land während ihrer Pilgerfahrt in der eigenen Sprache und in eigenen Kirchen zu beten, und eine warme Heimstatt in eigenen Klöstern zu finden. Solch eine Möglichkeit ist wahrhaft ein Geschenk Gottes, das wir soweit wir können bewahren müssen. Wir nehmen die uns gebotene klösterliche Stille und die Aufmerksamkeit, mit der uns unsere Mönche und Nonnen in Jerusalem und an anderen heiligen Stätten umgeben, als etwas Selbstverständliches hin und vergessen oft, welche Mühen, Sorgen und Gefahren das Leben unserer Klöster in dem vor Leidenschaften brodelnden Umfeld politischer und religiöser Probleme mit sich bringt. Über das tägliche Leben der zwei Frauenklöster in Jerusalem baten wir deren Äbtissinnen zu erzählen – Mutter Moiseja, welche schon fast 2 Jahre lang Vorsteherin im Ölbergkloster ist, und die erst vor ganz kurzem ernannte (s. Bote Nr. 3/99) Vorsteherin des Gethsemane-Klosters, Mutter Elizaveta. Red.

Unsere Klöster im Heiligen Land sind das Herz unserer Kirche und ihr Pulsschlag ist der Gottesdienst. Mutter Moiseja, erzählen Sie bitte ein wenig über die Besonderheiten der gottesdienstlichen Ordnung in dem Ölbergkloster!
Wir halten den vollen Zyklus der täglichen Gottesdienste ein: Morgens beginnt der Mitternachtsgottesdienst um 5.30 Uhr, dann folgen um 6.00 Uhr die Stunden und nach den Stunden die Liturgie, und an Werktagen noch die kleine Litanei für die Verstorbenen. Abends beginnt der Gottesdienst um 4.00 Uhr: die neunte Stunde, der Abendgottesdienst, der Spätabendgottesdienst, der Morgengottesdienst und die erste Stunde. Mittwochs, wenn es kein Polyeleion gibt, dann wird der Akathistos Hymnos an die Muttergottes in der Mitte der Kirche gesungen. Jede Schwester hat zusätzlich ihre Zellenregel, die von dem geistlichen Vater festgelegt wird. Diese Regel wird zu passender Zeit in den Zellen vollführt. Wünschenswert ist, morgens noch vor dem Gottesdienst zu beginnen, wenigstens die Verbeugungen und das Jesusgebet. Viele verlegen die Regel auch auf den Abend. Ich selber führe sie lieber vor dem Gottesdienst aus, weil mir abends die Kraft dazu nicht mehr reicht.
Wodurch wird diese Einteilung der Gottesdienste im vierundzwanzigstündigen Rhythmus bestimmt? Warum wird das Morgenamt abends zelebriert?
Das ist eine russische Gepflogenheit. Ich persönlich würde vorziehen, wenn das Morgenamt morgens wäre, aber ich denke, daß dieser Tagesablauf wegen unserer Arbeit so festgelegt wurde. Morgens ist es leichter zu arbeiten, man hat mehr Energie, die Luft ist frischer, und wenn sich der Gottedienst lange hinzieht, dann ist es bei diesem Klima nicht mehr möglich, zur Arbeit hinauszugehen. Ich selbst stamme aus Europa und kann vergleichen: Selbst wenn dort ein langer Gottesdienst ansteht, so ist das Klima frisch und man hat Energie. Ich sehe selbst, was wir im Winter fertigbringen und was im Sommer. Im Sommer sind wir wie tote Fliegen (Um gerecht zu bleiben, muß angefügt werden, daß Matu¡ska hier stark übertreibt: in der Sommerhitze arbeiten hier alle ebenso fleißig und emsig, wie man an einem kühlen europäischen Morgen arbeiten kann). Sommers fällt die Arbeit schwerer und sogar bei solch einer Hitze für längere Zeit in der Kirche zu stehen, wird einem unerträglich. Auch für den zelebrierenden Priester ist das wichtig – Sie wissen ja, wie der Mund austrocknet, wenn man zelebriert, und gar noch morgens lange zelebrieren muß, wenn es schon heiß wird.
Wie viele Priester gibt es im Kloster?
Wir haben zwei Priester, die sich wöchentlich abwechseln: Vater Igumen Andronik aus Australien, der in Jordanville ausgebildet wurde, und der zweite, Priestermönch Ilija, der aus Kiew kam. Bis zum vorletzten Jahr war Vater Mefodij der geistliche Vater der Schwestern. Und vor ihm war es Vater Modest, er war eine Autorität, denn er war der einzige geistliche Vater für das ganze Kloster. Seit dem Ableben von Vater Mefodij gibt es leider keinen feststehenden geistlichen Vater mehr, der den vollen Überblick über den geistigen Zustand aller Schwestern hätte. Zum rechten spirituellen Wachstum ist es unerläßlich, daß man ein und denselben geistlichen Vater hat, der dazu noch erfahren sein sollte.
Sagen Sie bitte etwas über die Besonderheiten der Festtagsgottesdienste.
An den Festtagen geht alles der Regel nach: Es wird die neunte Sunde und die Vigil zelebriert, ohne das Spätabendamt.
Und ohne den Mitternachtgottesdienst am Morgen?
Nein, der Mitternachtsgottesdienst wird immer in der Kirche gelesen, außer am Karfreitag in der Karwoche, wenn wir ihn in den Zellen lesen.
Und am Patrozinium?
Am Patronatsfest ist abends die Nachtwache und die Litija. Diese wird hier im Hof vollzogen, und am nächsten Morgen nach dem Mitternachtsamt findet die kleine Wasserweihe statt und dann die Stunden, die Liturgie und ein Bittgottesdienst mit Prozession um die Kirche. Danach folgt immer eine Mittagstafel für alle.
Gibt es noch irgendwelche besonderen Feste?
Am Vortag von Peter und Paul wird das Fest der Ikone der Muttergottes “Die Dreihändige” gefeiert. Diese Ikone befindet sich nun in dem Empfangssaal des Hauses der Äbtissin. Sie rettete nämlich das Kloster, als es an jenem Tag im Jahr 1927 ein Erdbeben gab und der Glockenturm schwankte. Da beteten alle zur Muttergottes und der ins Wanken geratene Glockenturm blieb auf seinem Fleck stehen. In Erinnerung an dieses Ereignis findet die Nachtwache statt, und nach der Liturgie eine Prozession nicht nur um die Kirche, sondern um das ganze Kloster herum. In unserem Kloster gibt es drei Kirchen: neben der Hauptkirche, die der Himmelfahrt geweiht ist, die Kirche des hl. Philaret beim Refektorium (dort ist einmal im Monat Gottesdienst, immer am Mittwoch nach dem ersten Datum des alten Kalenders), und die Kapelle, wo wir seit dem vergangenen Jahr, als dort zum ersten Mal in der Geschichte des Klosters die Liturgie stattfand, alle Feste zu Ehren des hl. Johannes des Vorläufers feiern (s. Bote Nr. ).
Gehen die Schwestern auch zu irgendwelchen Gottesdiensten in die griechischen Kirchen?
Ja, wir sind von lauter geheiligten, mit dem Evangelium in Verbindung stehenden Stätten umgeben. Das Hauptfest ist natürlich Ostern. Früher gingen sie zu einigen Gotesdiensten der Karwoche: zum Begräbnis, zur Fußwaschung. Aber nur ein Teil der Schwestern, die nicht im Chor singen, können dorthin gehen. Es gibt auch solche, die sich nicht aus der Kirche entfernen können und die noch nie diese Gottesdienste in den griechischen Kirchen gesehen haben. Wir gehen dorthin zur Kreuzerhöhung: Nach unserem Gottedienst reicht es den in der Kirche Dienst Tuenden gerade noch zur Prozession, während andere gleich zum Beginn des Gottesdienstes hingehen können. Seit ich hier bin, gebe ich allen Schwestern den Segen, wenn sie wollen, vor dem Sonntag zur Liturgie zum Heiligen Grab zu gehen. Jedes Mal begibt sich eine große Gruppe von Schwestern dorthin. Es gab in der Vergangenheit allerhand Verbote und Probleme: Wir haben etliche ziemlich fanatische Leute unter uns, die meinen, man dürfe mit dem Griechischen Patriarchat keine Gebetsgemeinschaft pflegen, weil es mit dem Moskauer Patriarchat zusammen zelebriert. Aber ich denke, daß dies der allerheiligste Ort auf der Erde ist, und die Griechen sind eben die Hüter dieser heiligen Stätte. Von ihnen bekommen wir die Antimensien und auf diesen Antimensien zelebrieren wir, weshalb es ganz natürlich ist, daß wir auch in die griechischen Kirchen gehen. Und zum Grab der Muttergottes gehen wir zur Entschlafung und wir fahren auch zu verschiedenen Klöstern: zum hl. Siegesträger Georg, zum hl. Nikolaus, nach Bethlehem zur Geburt Christi und nach Galiläa und zur Verklärung zum Berg Tabor. Einige Schwestern gehen bereits am Vorabend hin, aber wir fahren nach dem Gottesdienst. Oder wir fahren auf alle Fälle am zweiten Festtag zum Tabor und danach noch zum Jordan hinunter, wo wir ins Wasser eintauchen.
Wir in der westlichen Diaspora leben inmitten einer völlig fremden Umgebung und wenn man so etwas hört, dann tröstet man sich innerlich damit, daß es solch eine Fülle der Gnade Gott-sei-Dank überhaupt noch gibt.
Ja, ich denke, daß es töricht wäre, an solch einem heiligen Ort zu wohnen und nicht von der Gnade Gebrauch zu machen, die sich hier so reich über alle ergießt, über die im monastischen Stand Lebenden wie über die Laien, über Würdige und über Unwürdige... Ich bin mir bewußt, daß wir als Nonnen weit weg von der Welt leben sollen, aber dies hier ist ein besonderer Ort, und unsere Aufgabe hier ist auch eine ganz besondere.
Hier gibt es in den uralten Klöstern Höhlen, wo die Einsiedler von alters her und sogar noch bis vor nicht allzu langer Zeit ihren Weg zum Heil beschritten; ich habe sogar noch einige von ihnen selbst angetroffen. Das ist natürlich eine ganz andere Lebensweise, wahrhaft in der Abgeschiedenheit, bei der die weltlichen Sorgen nicht von der zentralen monastischen Tätigkeit ablenken. Aber wenn alle in die Klausur weggehen würden, wer würde dann für die Pilger, die nur auf kurze Zeit kommen, um im Heiligen Land geistliche Kraft zu schöpfen, sorgen?
Wir Pilger dringen notgedrungen in das Leben des Klosters ein und verletzen damit sein ausgewogenes Leben. Was hilft Ihnen und allen Schwestern, uns mit einer solchen engelsgleichen Geduld aufzunehmen?
Ich betrachte die Pilger überhaupt nicht als ein störendes Element, das in das Leben des Klosters einbricht. Ich bin der Ansicht, daß Pilger eine besondere Gattung von Menschen sind, weil sie nach dem Geistigen streben. Außerdem geschieht hier mit den Pilgern, sogar mit den unvorbereiteten, sehr oft unerwartet etwas durch die Gnade des Heiligen Geistes, häufig findet eine richtige Umkehr statt, und das schenkt auch uns neue Kräfte. Und die mit der Aufnahme der Pilger verbundenen Unbequemlichkeiten müssen wir eben ertragen. Wir müssen sehr aufmerksam und geduldig sein, weil wir mit einer unvorsichtigen Bemerkung die Entwicklung abbrechen könnten, die in der menschlichen Seele eingesetzt hat. Ich wiederhole jedes Mal den Schwestern: Da kommen wieder Pilger an, ich bitte euch, macht keinerlei Bemerkungen, zeigt nur Geduld und Liebe! Durch Liebe kann man alles tun. Dazu muß man viel an sich selbst arbeiten, und noch mehr Gebet und Streben zu Gott entwickeln. Wenn der Mensch zu Gott kommt und Gott liebt, dann liebt er auch seinen Nächsten. Man kann auch Gott durch den Menschen lieben, man muß lernen, den Menschen zu lieben und das Bild Gottes in ihm zu sehen. Dann werden wir auch Gott erkennen.
Allein durch die Liebe kann man alles erwerben: Geduld, Demut und Duldsamkeit kommen dann von selbst. Im Kloster fordern wir von den Leuten, daß sie duldsamer und geduldiger und liebevoller als in der Welt sind. Wir haben diesen Pfad gewählt: Gott nachfolgen, zu Gott gehen, Ihn erkennen, und zwar jeden Tag, jede Stunde. Wenn wir Gott kennen wollen, müssen wir jeden Tag zu Ihm gehen, das ist der einzige Weg. Und was heißt das: Jeden Tag gehen? Durch Seine Gebote, durch die Erfüllung Seiner Gebote. Und wir müssen uns noch mehr als die in der Welt Lebenden darin bemühen, wir müssen ein Vorbild für die Weltmenschen sein.
Wie ist die Zusammensetzung der Insassen des Klosters nach Alter und Nationalität und wie wandelte sich und wandelt sich diese? Läßt sich bei diesen Veränderungen irgendeine bestimmte Tendenz feststellen?
1888, als das Kloster gegründet wurde, lebten nur russische Frauen in dem Kloster, die als Pilger kamen und im Heiligen Land bleiben wollten. Es war das heiße Verlangen jedes Pilgers, im Heiligen Land zu sterben. Anfangs lebten die Schwestern nicht so dürftig, weil es Spenden gab und Pilger aus Rußland. Aber als der Krieg 1914 begann und dann die Revolution, trat hier ein richtiger Notstand ein, weil sowohl der Zustrom an Pilgern als auch die materielle Hilfe aufhörten. Die Schwestern des Klosters mußten sich ihr Brot selbst erarbeiten. Deshalb wurde das Kloster selbstversorgend. Ein Drittel der Zeit wurde nun dem Klosterdienst gewidmet, ein weiteres Drittel dem Gottesdienst und Gebet und die restliche Zeit sich selbst. Während der Türkenherrschaft gingen die Nonnen früh am Morgen schon zum Straßenbau nach Jericho, sie mußten Steine tragen. Es war sehr mühsam. Damals gab es viele Schwestern, bis zu 150-200. Noch vor 30 Jahren waren es 130 Schwestern, vornehmlich alte Russinnen. Zu Beginn der 50-er Jahre begann man auch Mädchen aus der Umgebung aufzunehmen, Araberinnen. Die Kinder aus der Schule von Bethanien wurden als kleine Mädchen direkt ins Kloster geholt, wo die russischen Nonnen sie erzogen und ihnen eine russische Bildung vermittelten. Es gibt arabische Schwestern, die nicht Arabisch schreiben können, jedoch Russisch und Kirchenslawisch ausgezeichnet verstehen, sprechen und lesen.
Derartige Araberinnen bilden annähernd ein Drittel der Klosterbewohnerinnen, und sie sind nun im Alter von 50 bis 70 Jahren. Sie nehmen bestimmte Stellungen im Kloster ein: die erste Chorleiterin, die Vorsteherin der Stickerei, die Haushalterin, die Verwalterin usw. Araber haben eine riesige Verwandtschaft, und das bringt natürlich einen weltlichen Geist in das Leben des Klosters. Außerdem sind das eben keine Europäer, sondern Orientalen: All diese Besuche gehen mit Lärm einher, mit einer Menge Kinder, sehr bunt gekleideter – und das stört das Kloster und erlaubt den betreffenden Nonnen selbst auch nicht, sich von der eitlen Welt zu lösen und auf das Hauptsächliche zu konzentrieren. Und solch eine Nonne muß auch noch selbst herumreisen: mal auf eine Beerdigung (und bei so einer Menge von Verwandten passiert das recht oft), mal zu irgend einem anderen familiären Anlaß. Das ist natürlich nicht in Ordnung, aber dagegen kann man nichts tun.
Gibt es großen Nachwuchs an Araberinnen im Kloster?
Nein, nicht direkt. Neue Kandidatinnen kommen jetzt hauptsächlich aus Rumänien und aus Rußland. Und einige wenige aus der Diaspora. Jetzt haben wir Rumäninnen, die Russisch sprechen, außer zwei oder drei lernten schon alle Russisch. Eine, die im Chor singt, hält schon selbst die Partie, in einem Jahr lernte sie auf Kirchenslawisch singen und lesen. Dabei sind sie und ihre Schwester ganz jung, 21 und 18 Jahre alt. Die übrigen sind auch unter 35, höchstens 40 Jahre alt. Aber es gibt auch ältere, hier waren nämlich schon immer rumänische Schwestern. Sie kamen aus der Moldau. Auch in den griechischen Klöstern gab es immer viele Rumäninnen. Sie haben etwas Besonderes an sich, manchmal ist es recht schwer, sie zu verstehen. Aber sie sind sehr fromm, sie beten gerne und sind zu harter Arbeit fähig, sie lieben die Arbeit, sie sind sehr akkurat, sauber und ordentlich – ein ganzer Reigen von guten Eigenschaften.
Wahrscheinlich ist es schwierig, ein so multinationales Kloster zu leiten, wenn jede Schwester gewisse Eigenarten ihrer nationalen Mentalität mitbringt.
Es ist natürlich schwer, aber man muß sein Kreuz tragen, es wird uns von Gott gegeben. Gerade wieder begann der Zustrom der Jugend aus Rußland, und gestern kamen sogar Schwestern aus Polen an.
Kommt diese Verstärkung aus unseren Gemeinden in Rußland oder von dem MP?
Hauptsächlich aus dem MP, aber es gibt auch solche aus unserer Kirche, zum Beispiel eine Schwester aus Kiew, sie ist Ärztin und hat einige besondere Fähigkeiten. Sie arbeitete drei Jahre als Feldärztin in Afghanistan, sie war sogar Kandidatin bei den Wahlen. Und plötzlich begegnete sie Gott, sie ließ alles liegen und kam hierher.
Wahrscheinlich können Sie nicht alle ins Kloster aufnehmen, die eintreten möchten?
Wissen Sie, irgendwie wählt Gott sie Selbst aus. Solange ich hier bin, verließen bereits zwei oder drei das Kloster, sie heirateten. Ich nehme sie immer zuerst probeweise auf und sage zu den Eintrittswilligen: Versucht es, schaut, ob ihr mit uns leben könnt, wollt ihr dieses Leben, und wir werden sehen, ob ihr tauglich dafür seid. Eine war aus Sibirien, ebenfalls Ärztin und noch ganz jung. Sie lief dann in das MP in das Bergkloster über. Sie gefiel uns überhaupt nicht und rannte selbst schnell wieder weg. Eine andere kam aus Australien, eine Serbin. Sie ging dann wieder und sagte, daß sie arbeiten und ihrem Bruder in Serbien helfen müsse – zwei Mal hatte sie es versucht. Eine andere, eine Ingenieurin aus Rumänien, war auch überhaupt nicht nach unserer Art, aber sie ging auch selbst weg – so richtet Gott es eben ein.
Gibt es irgendwelche Altersbeschränkungen und welche sind dies?
Ja, natürlich gibt es die. Wir haben keinerlei Versicherung, außerdem braucht das Kloster Arbeitskräfte, und ältere Frauen benötigen nach einigen Jahren mehrere Leute, um sie zu pflegen. Ins Kloster geht man, um sich durch Arbeit und Gebet Gott zu weihen. Und wenn jemand schon 70 Jahre alt ist, was für eine Arbeit gibt es da noch – etwa die Gedenkliste der Verstorbenen... Aber das ist noch nicht alles. Der Mensch lebte das ganze Leben in der Welt, “genoß” das Leben (hier malte Matu¡ska mit energischer Geste die Anführungszeichen in die Luft) und dann ins Kloster? Das bringt einen falschen Geist herein. Der ehrwürdige Serafim von Sarov sonderte die Jungfrauen von den Witwen und den Geschiedenen. Leider gibt es in unserer Kirche keine speziellen Gemeinschaften, wo ältere Frauen, die erst gegen Ende des Lebens die Eitelkeit dieser Welt begreifen, den Rest ihres Lebens Gott widmen könnten...
Bitte erzählen Sie Genaueres über die Klosterregel. Sie sprachen von den Umständen, wegen derer es nicht möglich war, die (koinobitische) Gemeinschaftsregel im Ölbergkloster einzuführen. Hat sich hier irgend etwas in der letzten Zeit verändert?
Bereits meine Vorgängerinnen versuchten hier, das koinobitische Leben einzuführen, aber ein gewisser Teil der Schwestern widersetzte sich dem einfach, weil sie von der Gewohnheit, sich auf eigene Kosten zu unterhalten, verdorben sind. Ein gewisser Teil ihrer Zeit wird ihnen zur Verfügung gestellt, damit sie Geld verdienen können, und sie haben eine Vorliebe dazu entwickelt. Das ist etwas anderes, als bei dem hl. Antonius dem Großen, wo die Mönche nur zum Erwerb des täglichen Brotes Körbe flochten und wenn sie zufällig mehr flochten, als dafür erforderlich war, es wieder auflösten... Wegen dieser Gewohnheit können sie auch die Uneigennützigkeit und den Gehorsam nicht voll begreifen und realisieren. Sind doch Gehorsam und Nichterwerb die Grundlage des monastischen Lebens, und auch rein praktisch gesehen ist es viel leichter so zu leben – keine Sorgen, alles Notwendige wird einem gegeben. Aber die Kleingläubigkeit erlaubt dem Menschen nicht, all seine Sorge auf Gott zu legen – der Kleinglaube oder der Wunsch, mehr und mehr zu haben. Und das verdirbt unvermeidlich den monastischen Pfad. Ich kämpfe nun dagegen an und wiederhole allen, daß ich bereit bin, all ihre Bedürfnisse zu befriedigen, unter der Bedingung, daß sie ihre ganze Zeit dem Kloster widmen. Hier ist es beispielsweise so geregelt: eine Woche in der Küche, eine Woche im Glockenturm, eine Woche für sich selbst. Und diese Woche “für sich selbst” stärkt bei ihnen die Tendenz, sich vor den Klosterpflichten zu drücken, alles schnell und schlampig zu machen, um noch ein paar Halbtage für sich herauszuschlagen. Dagegen anzukämpfen, ist schwer. Man muß wahrscheinlich einfach abwarten, bis diese Generation ausstirbt oder schwächer wird. Mit der Jugend ist es leichter, obwohl auch sie von diesem Geist angesteckt werden kann.
Kleine Veränderungen gibt es schon. Diejenigen, die auf eigene Kosten leben wollen, leisten bereits nicht mehr so großen Widerstand, sie verstehen allmählich, daß sie selbst sich im Irrtum befinden, daß es nicht richtig ist, so zu leben. Viel hängt von der Klosterleitung ab. Wenn eine feste Hand da ist, selbst wenn das jemandem nicht paßt, dann fühlen sie, daß es eine Kraft gegen sie gibt, und sie können sich dieser nicht immer widersetzen.
Wenn man die alten Mönchsregeln und die Schriften der Heiligen Väter liest, erstaunt einen die überzeugende Kraft ihrer Argumente für das Gemeinschaftsleben. Überzeugen denn diese Argumente nicht auch die hiesigen Gegnerinnen des Gemeinschaftslebens?
Es liegt daran, daß viele nicht lesen konnten, und es gab auch keine Bücher. Aber jetzt sind jede Menge Bücher da. Deshalb lese ich morgens in der Trapeza gerne vor allem aus den Heiligen Vätern über das monastische Leben vor. Sogar ältere Nonnen hören diese Lesungen gerne, und sie geben allen neue Kräfte. Die jungen Nonnen lesen viel, sie verschlingen regelrecht die patristischen Bücher. Das freut mich und gibt mir Hoffnung auf einen Wandel zur Besserung.

Bote 1999, 5

Erzählen Sie bitte über die klösterlichen Gehorsamspflichten
Der Pflichten sind viele und sehr vielfältige. Beginnen wir mit der Kirche. Wir haben zwei Küsterinnen, sie wechseln sich wochenweise ab. Sie leisten im Altarraum Dienst und halten ihn in Ordnung. Dann gibt es eine Kirchendienerin, welche die Kirche putzt und die Öllampen anzündet, eine Nonne für den Kerzenstand, die die Kerzen verkauft und die Kerzenstummel einsammelt, dann die Ekklesiarin, die Chorleiterin, Sängerinnen, Leserinnen. Wir pflegen den Antiphon-Gesang mit zwei Chören an Festtagen, während an Werktagen zwei bis drei Schwestern singen. Und noch eine Kirchenpflicht: das Backen der Prosphoren. Ein wichtiger Dienst ist auch der in der Sakristei – wir haben eine reich ausgestattete Sakristei, dort wird geflickt, gewaschen und gebügelt, sowie angekleidet. Und die Glöcknerinnen: drei Schichten von je zwei Glöcknerinnen in der Woche. Eine muß von unten die große Glocke in Schwung bringen, und eine andere oben alle kleinen. Aber solch ein feierliches Glockengeläute gibt es nur an den Festtagen, an den Werktagen läuten wir nur eine Glocke. Der Glockenturm ist sehr hoch, 64 m, und bei schlechtem Wetter ist es dort kalt. Auch in der Trapeza gibt es viele Pflichten: die für das Refektorium Zuständigen haben ihre festgelegten Tage, jede Woche ein oder zwei, sie arbeiten zu zweit: eine gibt das Essen aus und räumt auf, die andere spült das Geschirr. Andere kochen: drei Schichten von je zwei Schwestern, eine Köchin und eine Gehilfin. Und es gibt noch eine Schwester, die immer in der Küche hilft und auch im Gästehaus arbeitet. Wir haben zwei Mahlzeiten am Tag: Morgens das Frühstück nach der Liturgie und um ein Uhr das Mittagessen, während das Abendessen in den Zellen eingenommen wird, weil es besonders winters schwierig ist, die Schwestern zu versammeln: Das Refektorium ist weit entfernt, den Alten fällt es schwer und es ist kalt. Sie verlassen ein wenig früher, noch in der Dämmerung die Kirche – das Gelände ist bei uns groß, sie müssen noch zu ihren Zellen gehen, deshalb nehmen sie vom Mittag das Essen für den Abend mit.
In manchen Frauenklöstern wird wegen der schwächeren Konstitution der Frauen eine Lockerung in der Regel gemacht, beispielsweise ist am Mittwoch und Freitag Öl gestattet. Wie wird das im Ölbergkloster gehandhabt?
Mittwochs und freitags ist der Speisetisch ohne Öl, bei Polyeleion und großen Festen ist Öl gestattet, alles streng nach den kirchlichen Statuten. Wir haben hier viele Früchte und Gemüse, während es mit den Milchprodukten schlechter als in Europa steht… es gibt kein Gras, die Kühe geben keine gute Milch. Hier war das Essen früher sehr karg. Ich bestehe darauf, daß es täglich Obst und daß es nahrhaftes Essen gibt, damit die Schwestern nicht hungrig aus der Trapeza gehen. Außerdem werden den Schwestern noch zwei Brote in der Woche ausgegeben, und die Geistliche Mission gibt jeder Schwester 25 $ im Monat für irgendwelche notwendigen Dinge.
Wir haben eine Goldstickerei, wo ein Dutzend Schwestern arbeiten, eine Ikonenmalwerkstatt mit drei Ikonenmalerinnen, es gibt außerdem den Dienst in dem Souvenirladen, dem Gästehaus, wo zwei oder drei Schwestern sich um die Pilger kümmern, es gibt die Zellendienerinnen (ich habe zwei in dem Äbtissinenhaus und eine ist bei Vater Nektarij). Und dann die Gemeinschaftsarbeit: das Sammeln der Oliven. Alle anderen Arbeiten werden ausgesetzt, nur eine kleine Gruppe bleibt zum Dienst in der Kirche, um dort zu singen, zu lesen und das Weihrauchgefäß zu reichen. Alle übrigen gehen zur Olivenernte. Die jungen Nonnen sind auf den Bäumen und unter den Bäumen, während die älteren sich im Refektorium mit dem Aussortieren der Oliven beschäftigen: die einen Oliven zum Einsalzen, die anderen zur Ölgewinnung. Wir salzen selber ein, während wir den Rest zur Ölmühle bringen.
Es gibt noch einen allgemeinen Gehorsamsdienst: die Kerzen. Wir machen sie von Hand, etwa zwei Mal im Jahr. Dafür lassen wir uach die anderen Arbeiten liegen und widmen uns von 5.30 morgens bis 7 Uhr abends der Kerzenherstellung.
Gibt es von den eigenen Bäumen genügend Ernte, um den Bedarf des Klosters an Öl zu decken?
Ja, es reicht für alles. In diesem Jahr mag es vielleicht weniger sein, weil unsere Olivenbäume erkrankten. Aber wir behandelten sie und wir hoffen, daß sie sich erholen. Besonders jedes zweite Jahr geben die Ölbäume eine gute Ernte. Der Ertrag reicht sowohl für den Speisetisch als auch für die Kirche. Bei uns werden die Öllampen nur mit Ölivenöl gerichtet. Und in der Küche verwenden wir das rohe Öl zum Essen, für Salate usw., während wir mit Sonnenblumen- oder Maisöl kochen, das Ölivenöl ist etwas zu schwer...
Auf dem Klostergelände sind herrliche Blumenbeete und Rabatten. Wer besorgt die Gartenarbeit?
Auch unsere Schwestern, das ist auch eine ihrer Pflichten. Für die schweren Arbeiten haben wir Gott-sei-Dank den aufrichtigen Knecht Gottes Vater Zosima, der schon etwas ältere Vater Serafim hilft auch: Sie graben um und bringen unsere Zisternen in Ordnung. Wir haben 16 Zisternen, aber seit eine Wasserleitung gelegt wurde, sind sie aufgegeben worden. Wir beschlossen in diesem Jahr, sie zu säubern und auszubessern. Zwei haben sie schon in Ordnung gebracht, jetzt beginnen wir mit der dritten. Wir werden dort Regenwasser sammeln, wenn der Herr Regen schickt, und wenn nicht, füllen wir sie mit Leitungswasser auf. Wasser ist nämlich hier ein großes Problem. In den Dörfern gibt es manchmal nur einmal in der Woche Wasser. Und noch ein Gehorsamsdienst: die Pförtnerin. Tagsüber steht ein Mann, ein Araber, bei uns an der Pforte, das ist nötig so, weil er uns vor den seinigen schützen muß. Aber nachts ist eine Schwester an der Pforte, die dort auch ihre Zelle hat.
Wir haben auch eine Krankenstation. Jetzt schlossen wir sie vorübergehend: eine Schwester, die dort lag, starb, und derzeit gibt es Gott-sei-Dank keine Kranken. Eine der vor kurzem hier eingetretenen Schwestern ist Ärztin, sie kümmert sich nun um diese Krankenstation, sie fährt auch Auto und liest schon in der Kirche. Außer der Chefin gibt es in der Krankenstation drei Schichten im wöchentlichen Wechsel. Sie kommen morgens, um die Kranken zu waschen und die Station aufzuräumen. Sie ist ziemlich geräumig, zwei große Zimmer, es gibt Zentralheizung, es gibt Komfort.
Eine Schwester geht zur Post und macht Besorgungen – zu Fuß, denn es ist nicht weit. Ich muß auch ausgehen, im Großhandel Fisch usw. kaufen, den kaufen wir nämlich bei den Juden, und dort muß man Englisch sprechen. Die Haushälterin kauft das Gemüse ein. Wir haben ein Auto, einen VW Golf. Michprodukte kaufen wir im Großhandel von der Molkerei. Früher waren einmal Kühe im Kloster, jetzt nicht mehr. Es gibt nur noch einige Hühner und einen Hahn, nicht so sehr der Eier wegen, sondern um ein bißchen Kleinvieh zu halten. Wir haben einen Hund, einen jungen Hund lokaler kanaanäischer Rasse, eine Mischung mit Schäferhund, wir fanden ihn hier einen Monat alt. Ein Hund ist unbedingt nötig, das ist das einzige, wovor die Araber Angst haben, vor Menschen fürchten sie sich nicht.
Woher bekommt das Kloster hauptsächlich sein Einkommen?
In erster Linie von Spenden. Der Herr sorgt für uns, und ich staune einfach, wie die Leute uns nicht vergessen. Natürlich sticken wir auch, wir verkaufen unsere Erzeugnisse, wir malen Ikonen, wir nähen liturgische Gewänder, aber davon könnten wir nicht leben. Die Grundlage sind die Spenden, und manchmal hinterläßt uns auch mal jemand eine Erbschaft. Hier gibt es eine unglaubliche Menge von Arbeiten. Ich übernahm das Kloster in einem äußerst schwierigen Zustand. Seitdem haben wir nichts als die Mauern gebaut und geflickt – für nicht weniger als 80-90.000 $. Hier ist alles sehr teuer. Lange Zeit gab es im Kloster keinen elektrischen Strom, und erst die entschlafene Matuska Tamara führte ihn ein. Aber jetzt gibt es Kühlschränke, Bügelmaschinen und allerlei Motoren. Die Stromleitungen waren nicht geerdet. Wir saßen wie auf einer Bombe! Und da fing es auch während der Großen Fastenzeit in einem Elektrokasten an zu brennen. Und dann mußte die Erdung gemacht werden. Diese Arbeit ist noch nicht ganz abgeschlossen, wir fingen mit dem Gästehaus an, damit vor allem die Gäste des Klosters sicher sind. Wir beginnen nun auch, eine neue Kanalisation einzurichten, und das wird auch über 40.000 $ kosten.
Woher kommen die meisten Spenden?
Aus San Francisco und aus anderen Städten Amerikas und aus Australien. Als die Grenzen geöffnet wurden und die Pilger anzureisen begannen, gab es auch Spenden aus Rußland. Sie kamen mit dem Schiff aus Rußland, 500-600 Leute an Bord. Wenn sie im Kloster waren, stieg der Erlös im Kiosk bis auf 3.000 $. Aber das hat jetzt aufgehört, denn dort ist das Leben auch sehr schwer geworden. Das Geld reicht oft nicht. Es kam schon vor, daß wir nichts mehr hatten, um Brot für die Schwestern zu kaufen. Aber der Herr läßt uns nicht im Stich.
Wir leben die ganze Zeit unter der Drohung eines Anschlages auf unser Kloster seitens des MP. Diese Gefahr bestand in der Vergangenheit, sie ist immer noch da und wird auch bleiben. Das fing an, als sie hier nach dem 2. Weltkrieg erschienen, und seitdem hält das an – so in Wellen. Ich lebe 24 Jahre hier (im Heiligen Land), und diese ganze Zeit über gab es keine Ruhe. Jetzt steht die Regierung hinter dem MP, die versucht sich durch das MP unserer Köster zu bemächtigen. Manche meinen daher, daß es keinen Sinn habe, irgendwelche teuren Verbesserungen vorzunehmen. Aber unsere Vorgängerinnen bewahrten diese Heiligtümer über 100 Jahre und wir müssen das Kloster jenen weitergeben, die hier nach uns leben werden, weil wir nicht einfach dasitzen und die Hände in den Schoß legen dürfen. Was in Hebron passierte, das ist äußerste Gesetzwidrigkeit. Wir hoffen, daß so etwas in Jerusalem nicht möglich ist. Aber auf dem Ölberg leben ja nur Araber, und das kann auch Palästina werden...
Wie gestaltet sich die Beziehung zu den Arabern?
Die offiziellen Beziehungen sind normal. Aber die Nachbarschaft bei uns ist schlecht. Die Araber vom Ölberg sind meiner Meinung nach die allerschlechtesten Moslems in ganz Palästina – sie sind durch den Einfluß der großen Stadt verdorben, sie trinken, nehmen Drogen, ganz zu schweigen von dem Weiteren. Sie stehlen alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Ich brauchte ein ganzes Jahr, um zu erreichen, daß keiner dieser Nachbarn durch unser Klostergelände wie durch einen Hof marschiert. Das kostete mir fast das Leben – mit einem großen Küchenmesser ging einer auf mich los. Dieser Araber schlug mich auf den Rücken, aber ich sagte zu ihm: “Du als Moslem hast nicht einmal das Recht eine Frau anzublicken, und du holst gar noch mit der Hand aus. Außerdem gingst du mit dem Messer auf mich los, das ist ein Anschlag auf mein Leben. Weißt du, was dich das kosten wird?” Dann bekam er Angst und rannte weg. Das ist auch der Grund, warum das Bauen so teuer ist: Wir bauen tagsüber die Mauern, und sie brechen sie nachts wieder ab.
In jedem Kloster wird die Erinnerung an diejenigen, die früher da lebten und kämpften, gepflegt, was den heute Lebenden hilft. Bitte erzählen Sie ein wenig über die geistlichen Streiterinnen vom Ölbergkloster!
Da ich weniger als zwei Jahre hier bin, bin ich mit dem Leben der Asketinnen vom Ölbergkloster nur wenig vertraut. Ich erinnere mich nur an Mutter Vera, die noch zur Zeit der Türkenherrschaft hierher kam und mit 111 Jahren starb. Sie erzählte, daß sie als Siebzigjährige Zellendienerin irgendeines geistlichen Vaters wurde. Sie war wie Feuer. Als ich ankam, war sie etwa 100 Jahre alt. Und ihre Routine war: Jeden Samstag ging sie zum Grab des Herrn und verbrachte dort den ganzen Abend, die ganze Nacht, und kommunizierte, und am Morgen ging sie zu Fuß zum Grab der Gottesmutter und dann kam sie hier zum Ölberg zurück. In Hitze und Kälte, im Winter und Sommer – immer. Der Küster, ein Grieche, trug ihr Kissen, und sie setzte sich in einer Ecke nieder, um ein wenig nach der Kommunion auszuruhen. Ich erinnere mich, wie sie mit 100 Jahren noch zum Sinai fuhr, sie hatte viel Kraft.
Als es nicht genügend Zellen hier gab, denn es waren so viele Schwestern, über 100, begehrte eine Frau Aufnahme in das Kloster, aber sie wurde abgewiesen, weil kein Platz mehr da war. Sie sagte: Dann werde ich mir selber eine Zelle bauen. Und sie sammelte lauter leere Konservendosen, füllte sie mit Erde und baute sich eine Zelle daraus. Ich fand noch die Ruinen dieses Unterstandes vor. Das war eine Frau, die sich der Askese hingeben wollte.
Matu¡ska Moiseja, was wünschen Sie unseren Lesern, den Monastischen wie den in der Welt Lebenden?
Ich möchte allen danken, die unser Kloster nicht vergessen. Von alters her half das russische Volk den Klöstern, und bis zum heutigen Tag, bereits in der vierten und fünften Emigrationsgeneration existieren unsere Klöster nun schon dank der Spendenfreudigkeit der Gläubigen.
Und allen kann man nur wünschen, daß sie Gott begegnen und gerettet werden. Wir wählten dieses Leben aus, diesen Weg als für uns geeigneter. Wenn wir in der Welt lebten oder irgendwo in der Einsamkeit, dann würden wir es nicht mit solchen Versuchungen zu tun haben, wie es sie in den koinobitischen Klöstern gibt. Hier feilen wir uns ab, hier lernen wir, wie man sich benehmen muß, wenn die Anfechtung kommt, und wir lernen uns selbst kennen, unsere Schwächen und wir versuchen, uns mit Gottes Hilfe zu bessern.
Ich denke, daß nur sehr wenige Leute ein spirituelles Leben leben, und nur sehr wenige tatsächlich gläubig sind. Viele sind eben Kirchen-Gläubige, die ziemlich nachlässig am Sonntag ihre “Pflicht” erfüllen. Sie wissen nicht, daß man, um den Geist zu erwerben, sein Blut hergeben muß. Und kaum jemand kennt Gott. Gott ist überall und immerdar, aber der Mensch möchte Ihn einfach nicht treffen. Und sobald der Mensch umkehrt und Gott erkennt, fühlt er schon einen Vorgeschmack des Paradieses. Und dann beginnt er Ihn zu suchen, und der Herr läßt manchmal eine Erkaltung zu, damit der Mensch Ihn noch inniger und unablässiger suche... Es gibt nichts Süßeres, als in Gemeinschaft mit Gott zu sein. Starez Amvrosij von Optina sagte, daß, wenn die Menschen wüßten, wieviel Anfechtungen und Kummer es im Kloster gibt, die Klöster leer wären. Und wenn sie wüßten, welche Freude im Kloster ist... Diese geistlichen Freuden kann man ja mit nichts vergleichen – weder mit Reichtum noch mit fleischlicher Liebe, noch mit menschlichem Ruhm, noch mit irgendeinem irdischen Glück. In ihnen liegt unser zukünftiges Leben und unsere ewige Seligkeit.
Matu¡ska Elizaveta, bei weitem nicht alle Leser des Boten waren im Heiligen Land, aber das Leben unserer Klöster dort interessiert alle. Nachdem unsere Kirche so plötzlich des Klosters Hebron und der Eiche von Mamre verlustig ging, ist das Interesse noch gestiegen, die Leute wollen mehr wissen über das Leben und die Sorgen der russischen Klöster in der Heiligen Stadt.
Sie erinnern mich an einen Vorfall: Einmal kamen zwei junge Mädchen mit Kopftüchern an und sprechen: “Zeigen Sie uns bitte das Klosterleben. Wir befinden uns auf einer Studienreise”. Wie soll ich euch das “Klosterleben” in drei Minuten zeigen! Vielleicht könntet Ihr im Verlauf eines Jahres etwas sehen, wenn ihr hier leben würdet...
Matu¡ska Moiseja hat uns schon ziemlich ausführlich über den Gottesdienst in dem Ölbergkloster erzählt. Gibt es in dem Gethsemane Kloster irgendwelche Unterschiede im Vergleich zu der Regel vom Ölberg?
Wir fangen die morgendlichen Gottesdienste eine halbe Stunde früher an als auf dem Ölberg, um 5 Uhr morgens. Zu dieser Stunde versammeln sich alle Schwestern in der Kirche zum Mitternachtsgottesdienst. Nach den Stunden folgt dann die Liturgie. Nach dem Gottesdienst ist eine gemeinsame Mahlzeit, das Frühstück, und nach dem Frühstück kommen die Gehorsamspflichten. Bis zum Mittagessen gehen alle ihrer jeweiligen Arbeit nach. Um 12 Uhr ist das Mittagessen. Nach dem Mittagessen setzen einige Schwestern ihre Gehorsamspflichten fort, während andere ein wenig ruhen. Der abendliche Gottesdienst beginnt um 4.30 Uhr: die neunte Stunde, der Abendgottesdienst, der Spätabendgottesdienst und der Morgengottesdienst mit die erste Stunde. Jeden Freitag wird während des Morgengottesdienstes noch der Akathistos Hymnos an die Gottesmutter gesungen. Wir haben auch vor, mittwochs den Akathistos an die ehrw. Märtyrerin Elizaveta Feodorovna einzuschließen.
Während der Großen Fasten wird der Morgengottesdienst morgens zelebriert. Dann ist es nicht so entsetzlich heiß, und obwohl wir ein wenig früher beginnen, ist der Gottesdienst trotzdem ziemlich spät zu Ende. In der Sommerhitze ist es einfach unmöglich, die langen Morgengottesdienste und die Arbeit zusammenzulegen. Abgesehen davon haben wir viele Gemeindeglieder.
Was für Leute sind das?
Der Regel nach sind es getaufte Juden aus Rußland oder einfach Russen, die hier wohnen. Es kommen auch orthodoxe Araber und orthodoxe Amerikaner, viele finden den Weg hierher. Oft wollen Leute, die im Heiligen Land weilen, den Gottesdienst besuchen, zur Kommunion gehen und sie wählen dafür einen ihnen passenden Tag aus. Als Gemeindeglieder bezeichne ich jene Leute, die ständig kommen, einige schon viele Jahre lang. Viele von ihnen haben ihren geistlichen Vater hier, einen unserer Priester.
Es gibt verschiedene Arten von Klosterstatuten, welcher steht die Satzung Ihres Klosters am nächsten?
Das Gethsemane Kloster ist rein koinobitisch. Bei uns ist das Leben bescheiden, die Zellen sind klein, es gibt auch ganz winzige, wo nur ein Bett und ein kleiner Nachttisch hineinpassen. Zwei Nonnen wohnen so bei uns. Aber sie sind glücklich dabei, weil sie im Kloster leben möchten. Die Schwestern arbeiten nicht für sich, sondern alle geben ihre Zeit ganz dem Kloster. Wir haben eine gemeinsame Trapeza, die Schwestern bekommen ihre Kleidung und alles Notwendige vom Kloster.
Gibt es bei Ihnen Epitimien für die Verletzung der Klosterregel, nicht die, welche der geistliche Vater für irgendwelche geistlichen Versäumnisse auferlegt, sondern jene rein disziplinären Charakters?
Es gibt keine festgelegte Bestrafungsskala, alles hängt von der jeweiligen Person und der jeweiligen Übertretung ab.
Haben die Schwestern einen ständigen geistlichen Vater? Wer zelebriert im Kloster?
Viele Jahre lang war der geistliche Vater des Klosters Archimandrit Nektarij, der in diesem Jahr 95 wird. Er zelebriert nicht mehr, nimmt jedeoch den Schwestern und Gemeindegliedern noch die Beichte ab. Bei uns zelebriert nun Priestermönch Johannes, der auch den englisch-sprechenden Schwestern die Beichte abnimmt. Im Allgemeinen herrscht bei uns ein großer Mangel an Priestern für die Gottesdienste.
Lernen jene Schwestern, die Russisch nicht beherrschen und nicht im Chor singen, auch Kirchenslawisch?
Sie finden es leichter, dem Gottesdienst in ihrer Muttersprache dem Buch nach zu folgen: auf Arabisch, auf Englisch oder auf Rumänisch. Bei uns gibt es Unterrichtsstunden für gesprochenes Englisch und für Russisch. Es gibt keine Stunden für Kirchenslawisch, nicht weil das etwa nicht erforderlich wäre, sondern weil es schwierig ist, es auf das richtige Niveau zu bringen. Die Schwestern lernen auf Kirchenslawisch lesen und singen, aber schwieriger ist es mit dem Verstehen - wir wissen ja, daß bei weitem nicht alle, die Russisch können, auch Kirchenslawisch verstehen.

Wieviele Nonnen leben im Kloster? Von woher sind sie gebürtig, was ist ihr durchschnittliches Alter?
Im Kloster gibt es jetzt 30 Insassinnen. Zwei sind aus Australien (früher waren es viel mehr Australierinnen). Annähernd ein Drittel sind Araberinnen, ein Drittel aus Amerika und der Rest sind Russinnen aus Rußland und aus der Diaspora, Rumäninnen usw. Im Kloster werden drei Sprachen gesprochen: Russisch, Englisch und Arabisch. Einige Schwestern sprechen überhaupt kein Russisch, aber Englisch sprechen fast alle. Die allerjüngste Novizin ist 17 Jahre alt, die älteste Nonne bereits um die achtzig. Das mittlere Alter der Schwestern ist 40 und ein wenig darüber. Die älteste ist Mutter Feodora, sie ist die Kirchendienerin. Eine der ältesten Schwestern, Mutter Justina, eine Rumänin, hat einen besonderen Gehorsamsdienst: Sie betet für alle und besucht die verschiedenen Klöster in der Stadt. Wenn in irgendeinem Kloster Patronatsfest ist, dann begibt sie sich auf jeden Fall zu Fuß dorthin, sie geht früh morgens weg und kehrt spät abends zurück.

Gehen auch andere Schwestern in die griechischen Kirchen?
Ja, das ist hier so Tradition. Nicht weit, unterhalb von uns ist beispielsweise das Kloster des Hl. Onuphrios, wir gehen als Nachbarn zu dem Patrozinium dorthin. Hier im Heiligen Land bemühen sich alle, so oft wie möglich zum Grab der Herrn zu gehen und dort die Kommunion zu empfangen. Zum Heiligen Grab gehen sie am Samstag Abend, wenn es für alle offen ist. Wenn jemand einen Gehorsamsdienst, beispielsweise in der Küche hat, dann bedeutet dies, daß man am Sonntag früh morgens mit der Arbeit beginnen muß, weil das Frühstück und das Mittagessen am Sonntag zusammenfallen, während der Gottesdienst um 7 Uhr morgens beginnt, damit auch die Gemeindeglieder von weit her kommen können. Deshalb können die in der Küche Diensttuenden sonntags nicht beim Gottesdienst sein, aber sie bemühen sich nachts zum Grab zu gehen, um dort zu kommunizieren.
In Gethsemane haben wir hier ein großes Fest zur Entschlafung. Viele Araber kommen zu diesem Fest. Früher vor all diesen politischen Wirren kamen sie aus Nazareth, aus Bethlehem angereist und gleich hier unter den Olivenbäumen stellten sie ihre Zelte auf und schmausten die ganze Woche. Dem europäischen Auge erscheint das alles sehr ungewohnt. Ähnlich geht es bei der Verklärung auf dem Tabor zu. Dort wird im griechischen Kloster die festliche Nachtwache – tatsächlich die ganze Nacht – zelebriert, aber kaum jemand interessiert sich für den Gottesdienst. Alle Araber der Umgebung kommen zusammen, mit Autos, mit Sesseln, mit Matratzen, mit Kochern, mit ihrem ganzen Haushalt, sie breiten Teppiche aus, jede Familie hat ein halbes Dutzend Kinder, auch die Großmütter und Großväter sind dabei; da wird Fleisch gebraten, arabische Musik dröhnt, sie trommeln und tanzen, während der Gottesdienst in der Kirche so vor sich dahingeht.... Etwa um 3-4 Uhr morgens, wenn der Gottesdienst endet, dann wissen schon alle, was jetzt passiert. Der schwarze Himmel, die Sterne, alle schauen, sind gespannt – da erscheinen plötzlich Wolken! Eine Wolke zieht vorüber und plötzlich ein Wetterleuchten aus ihr! Eine zweite kommt und wieder ein Blitzen! Es heißt, daß an diesem Tag die Gnade des Tabors auf diese heilige Stätte niedergeht.
Und an Ostern gehen wir alle am Samstag zu dem Osterfeuer. Um ein Uhr mittags versammeln sich alle beim Grab des Herrn, vor der Kirche, auf dem Platz und alle Gassen in der Nähe sind voller Volks. Die Araber schwingen riesige Messer, sie schlagen Trommeln, schreien, singen... Das ist eben Orient...

Uns Pilgern gibt man im Kloster leckere Speisen. Aber was essen die Schwestern gewöhnlich?
Die Pilger bekommen dasselbe wie die Schwestern zu essen, in der Fastenzeit hauptsächlich Gemüse und Obst, nichts Besonderes, aber alle sagen, daß es sehr schmackhaft ist. Vielleicht deshalb, weil die Schestern in der Küche alles mit Gebet zubereiten und ihre Arbeit lieben. Mutter Varnava bäckt selber Brot, was mit dem gekauften Brot nicht zu vergleichen ist. Gewöhnlicherweise gibt es dreimal täglich einen Speisetisch: Frühstück, Mittag- und Abendessen, nur an Sonn- und Feiertagen fallen das Frühstück und das Mittagessen, wie ich schon sagte, zusammen. In der ersten Woche der Großen Fastenzeit gibt es keinen Speisetisch, nur nach der ersten Liturgie gibt es Suppe. Montag, Mittwoch und Freitag sind Fastentage, es wird ohne Öl gekocht. Manchmal essen wir Fisch. In dem Apostelfasten, beispielsweise, wie vorgeschrieben, an Samstagen und Sonntagen.
Wie steht es mit Milchprodukten für das Essen – es gibt doch kein Gras, wo weiden dann die Kühe?
Hierzulande werden sie nicht geweidet, sie leben im Stall wie die Hühner. Milchprodukte kaufen wir im Großhandel ein.
Welche besonderen Gehorsamspflichten gibt es im Kloster?
In der Kirche: im Chor und die Küsterin; in der Trapeza: der Küchendienst und das Prosphorenbacken; Nähen, Sticken (die Schwestern machen hauptsächlich Plattstickerei für liturgische Gewänder und Souvenirs für den Kiosk), sie malen Ikonen, führen das Gästehaus (das ist bei uns sehr bescheiden – ein paar Zimmerchen mit Betten), sie arbeiten im Garten (fast jeder Schwester ist ein Stückchen Garten zugeteilt, für das sie zuständig ist). Im Sommer muß man den Garten oft gießen und das Wasser ist teuer. Wir haben Zisternen, aber fast alle müssen ausgebessert werden. Gott-sei-Dank leben wir in einem Teil Jerusalems, in dem kein Wassermangel herrscht. Hier gibt es viele Hotels, viele Touristen, und die Stadtverwaltung kann nicht einfach das Wasser abstellen, wie sie es in den arabischen Dörfern tun.
Die Kirche, die Trapeza und das übrige – das sind alles die üblichen Gehorsamsdienste wie in jedem Kloster. Besonders ist bei uns die Schule für die Mädchen in Bethanien, wo der heilige, rechtschaffene Lazarus mit seinen Schwestern Martha und Maria lebte. Diese Schule besteht seit der Gründung des Klosters. Dort dienen nun zwei Schwestern: ebenfalls Maria und Martha mit Namen. In der Schule sind 320 Schülerinnen, von denen leider nur sieben orthodox sind, die übrigen moslemisch. In letzter Zeit sind die russisch-sprachigen, getauften Juden bemüht, ihre Töchter in die Schule von Bethanien zu schicken. In der Schule gibt es 12 Klassen, der Unterricht erfolgt auf Englisch, einige Mädchen sind dort Internatsschülerinnen.

Sicher gibt es in Ihrem Kloster auch ärgerliche Einbrüche der Außenwelt, die das Klosterleben schwierig machen. Matu¡ska Moiseja klagte beispielsweise, daß die mit Mühe gebauten Mauern wieder niedergerissen werden.
So etwas und ähnliches kommt ständig vor. Nachts klettern sie über die Mauern und stehlen alles, was ihnen unter die Hände kommt. Und nicht nur über die Mauer klettern sie, auch das Schloß am Eingangstor brechen sie auf und schleppen weg, was sie nur können. Sie stahlen beispielsweise die Propangasflaschen. Kaum wechselt man das Schloß, gibt allen neue Schlüssel aus, da muß man es nach einer Woche schon wieder austauschen.
Wovon lebt das Kloster?
Von den Spenden guter Leute. Den größten Teil der Spenden erhalten wir von armen Leuten... Die Leute spenden Geld, damit wir der ihnen Nahestehenden gedenken: für deren Gesundheit oder für deren Seelenruhe. Gott-sei-Dank haben wir auch einen Kiosk, wo wir Souvenirs und verschiedene Handarbeiten der Schwestern verkaufen.
Wie schreitet die Renovierung der Kirche voran?
Gott-sei-Dank vollzog in diesem Jahr am Tag des Schutzfestes der Gottesmutter S.E. Erzbischof Mark von Berlin und Deutschland die feierliche Weihe der goldenen Kreuze und der Kuppel. Dies ist ein großes und freudiges Ereignis für uns alle. Vollständig fertig ist auch die dreijährige Restaurierung der Kirche von außen. Die deutschen Handwerker arbeiteten prächtig unter den oft nicht leichten Bedingungen. Stellen Sie sich vor, den ganzen Tag auf dem Dach unter der sengenden Sommersonne oder im Winterregen zu stehen. Aber sie waren immer fröhlich, höflich und dienstfertig. Sie interessierten sich für unser Leben und legten in ihre Arbeit nicht nur ihre professionelle Fertigkeit, sondern etwas mehr. Ein deutscher Ingenieur arbeitete fast ganz unentgeldlich. Wir sind diesen Leuten sehr dankbar.

Matu¡ska Elizaveta, was würden sie den Gläubigen unserer Diözese und allen Lesern des Boten wünschen?
Ich möchte jenen wünschen, die schon im Heiligen Land waren, daß sie wieder hierher kommen und allen übrigen, daß sie auch einmal hierher kommen und selbst alles mit eigenen Augen sehen – alle diese Stätten, über die sie lesen und hören. Hier, im Garten von Gethsemane, wo unser Kloster sich befindet, betete der Herr so oft mit Seinen Jüngern, hier wurde Er von Judas verraten, hier ist ein Teil jenes Weges erhalten, über den Er in Jerusalem zur Passion und zum Kreuzestod schritt, hier auf dem Gelände unseres Klosters befindet sich ein Stein, auf dem die Allerheiligste Gottesgebärerin dem Apostel Thomas, der zu ihrem Begräbnis zu spät gekommen war, zum Trost ihren Gürtel hinwarf... In unserer Klosterkirche ruhen die Reliquien zweier Neomärtyerinnen, der Fürstin Elizaveta und der Nonne Varvara und werden hier aufbewahrt – oder besser gesagt – sie bewahren uns alle! Die wundertätige Ikone der Muttergottes wurde auf den unmittelbaren Befehl der Allerreinsten Gottesmutter 1939 der damaligen Vorsteherin des Klosters, Äbtissin Maria, von Metropolit Ilija vom Libanon übergeben. Hier unter dem Schutz dieser Heiligtümer erhebt sich jeden Tag das Gebet um die Errettung und Beschützung all unserer Gläubigen, die von den Stürmen des Lebensmeeres umtost werden... Beten auch Sie für uns Sünder!