Hl. Theodor, Abt des Studion-Klosters und Bekenner

Predigt zum Tag der Geburt Christi



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1999, 6

Brüder und Väter! Nun ist die Erscheinung Gottes (Theophanie) nahegerückt, und der Tag der Freude klopft an unsere Türen. Groß ist die Freude für die Welt: nichts derartiges gab es seit Erschaffung der Welt. Denn der Gottessohn kam zu uns nicht wie Er einstmals unseren Vätern erschien – in Zeichen und Bildern, sondern nach den Vorhersagen der Propheten. Er kam durch die Geburt von der Jungfrau und erschien uns Selbst persönlich. In allen Geschlechtern über Geschlechtern gibt es nichts Erhabeneres und Rettungbringenderes als dieses Geheimnis, nichts Wunderbareres unter allen Wundern, die Gott auch immer seit Anbeginn der Welt wirkte. Daher verkünden die Engel die frohe Nachricht von dem geschehenen Geheimnis, und der himmlische Stern zeigt es auf der Erde. Den Überhimmlischen König; deshalb eilen auch die Hirten, um das ihnen verkündete Heil zu schauen, und die Weisen mit den königlichen Gaben verneigen sich Ihm, und die Engel singen ungewöhnlich einen neuen Gesang von dem ungewöhnlichen neuen Werk Gottes, durch das in den Höhen Gott verherrlicht wird, auf der Erde Friede einkehrt, wie der Apostel bezeugt, indem er spricht: Der ist unser Friede, Der aus beiden eines gemacht hat – Engeln und Menschen, und hat abgebrochen den Zaun, der dazwischenlag, nämlich die Feindschaft (Eph. 2, 14-15). Das zu schauen wünschten die Propheten und Gerechten, aber sie sahen es nicht, schauten es nur im Glauben. Wir aber haben gesehen, und unsere Hände haben betastet, wie geschrieben steht vom Worte des Lebens, und das Leben ist uns erschienen (1. Joh. 1, 1,2), und wir nahmen die Sohnschaft an. Womit kann ich dem Herrn vergelten alles, was Er uns Gutes getan? Das beantwortete für viele Jahre der heilige David so: den Kelch des Heiles will ich nehmen und den Namen des Herrn anrufen (Ps 115, 3–4).
Frohlocken wir also, Brüder, daß wir gewürdigt wurden, dem Herrn zu danken, für alles, was Er an uns vollbracht hat. Was für ein Dank ist das? Ein Leben im Zeichen des Kreuzes, indem wir es tragen, auf uns nehmen, und bekennen, darin wir stehen, und uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit rühmen, die Gott geben wird (Röm. 5, 2). Und das sollten wir nicht einen Tag feiern, sondern ein ganzes Leben. Die aber von fleischlichen Leidenschaften beherrscht sind, können nicht feiern, wenn sie auch meinen, daß sie feiern, und sie haben keine Freiheit, da sie Sklaven der Leidenschaften und an die Sünde verkauft sind, wovon geschrieben steht: Jeder, der die Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. Der Knecht aber bleibt nicht in Ewigkeit im Haus; der Sohn bleibt in Ewigkeit (Jo. 8, 34-35). Da auch wir gewürdigt wurden, uns Söhne Gottes der Gnade nach zu nennen, so bleiben wir im Hause des Vaters unseres Gottes, immer und in Ewigkeit, wenn wir nur die Zuversicht vom Anfang bis ans Ende fest behalten (Hebr. 3, 14). So, durch den Heiligen Geist gefestigt, werden wir uns noch mehr in unserer asketischen Lebensweise mühen.
Stacheln wir uns gegenseitig an zu vollkommener Liebe und guten Werken (Hebr. 10, 24), zu Gehorsam, Demut, Sanftmut und jeglichem guten Gelingen. Laßt uns nicht nachlässig sein im Eifer, sondern laßt uns immer weiter erstarken, – um so mehr als wir den Tag des Herrn nahen sehen: denn es naht dieser große und überaus lichte Tag, an dem der Richter der Welt erscheint, und erscheint in großer Herrlichkeit, in welcher Er den Aposteln erschien zur Zeit Seiner Göttlichen Verklärung; Er bringt zum Gericht Seine ganze Schöpfung, und vergilt jedem nach seinen Taten. O, mögen auch wir mit allen Heiligen unseren Herrn und Gott Jesus Christus erblicken, und möge Er auf uns herabblicken mit lichtem Antlitz und uns aufnehmen in Sein Himmlisches Reich, nach Seiner Gnade und Menschenliebe! – denn IHM gebührt Ruhm und Ehre und Anbetung mit dem Vater und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen.