Hl. Justin von Celije

Kommentar zum Hl. Evanglium nach Matthäus



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1988, 1

Vater Justin:
Kommentar zum Hl. Evangelium nach Matthäus

2,3. Mit ihrer Frage über den neugeborenen König der Juden versetzten die Weisen Herodes und ganz Jerusalem in Schrecken. König Herodes fürchtete, als Ausländer, seine Krone zu verlieren, denn er war ein Idumäer; aber weshalb fürchtete sich Jerusalem, da die Propheten so viel über Christus als Retter, Wohltäter und Befreier vorausgesagt hatten? Es fürchtet sich aus Leichtsinn11, oder aus dem niedrigen Wunsch, dem Machthaber zu gefallen, oder aus Verderbtheit12 .

2,4. Herodes war sich dessen bewußt, daß die Weisen nach dem Messias, Christus, fragten. Deshalb rief er auch die Hohenpriester und Schriftgelehrten zusammen, um Genaues über die Geburt des Messias zu erfahren. Sie machen ihm auch genaue Angaben. Umso größer ist ihre Verantwortung : sie kennen die Prophezeiungen über den Messias, doch sie verwerfen Ihn hartnäckig, verleumden, schlagen und töten Ihn. Der selige Theophilakt sagt: Herodes fragt sie nach der Vorsehung Gottes, damit sie die Wahrheit bekennen; deshalb werden sie auch verurteilt werden, denn sie kreuzigten Den, Welchen sie zunächst bekannten13.

2,4-6. Dasselbe Geheimnis erschüttert die Seelen der Weisen aus dem Morgenlande und die Seele des Königs Herodes. Nur aus verschiedenen Gründen. Um die quälende Frage zu lösen, ruft Herodes "die Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammen, und fragt sie: wo soll Christus geboren werden?" Die Hohenpriester und Schriftgelehrten als die besten Kenner des Gesetzes und gelehrtesten Ausleger der Heiligen Bücher mußten die prophetische Antwort auf die Frage des Herodes kennen. Zur Zeit des Herodes gab es eine ansehnliche Zahl von Hohenpriestern, denn sie wurden oft abgelöst, behielten jedoch den Titel des Hohenpriesters auf Lebenszeit bei. Sie waren Mitgleider des höchsten jüdischen Gerichtes, des Synedrions. Auf die Frage des Herodes antworten sie mit der messianischen Prophezeiung des Propheten Micha. 700 Jahre vor der Geburt des Heilands hatte Micha vorhergesagt, daß der Messias in der Stadt Bethlehem in Judäa geboren werden wird (Micha 5,2). Das ist es, was Bethlehem groß werden läßt und es verherrlicht. Der Messias wird der Führer der Menschheit und Hirte des neuen Israels sein, des auserwählten Volkes, des Volkes eines heiligen und rettungbringenden Glaubens. Und Er wird die Seelen Seiner geistlichen Herde auf den Weiden der göttlichen Wahrheit und Gerechtigkeit weiden.
11 Hl. Chrysostomos, ibid., c.67; S. 66
12 Sel. Theophylakt, ibid.
13 ibid.