Hl. Justin von Celije

Kommentar zum Hl. Evanglium nach Matthäus



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1988, 2

 

Vater Justin: Kommentar zum Hl. Evangelium nach Matthäus

2,7-8 Wenn die Bosheit ein Auge hat, so ist dies immer eines, und dabei immer ein blindes. Viele Wunder schimmern vor den Augen des Herodes - die jenigen , die mit den Weisen aus dem Morgenlande zusammenhängen, und die aus der Prophezeiung des Micha. Doch in Herodes wächst die Boshaftigkeit rasend: heimlich ruft er die Weisen zu sich, heimlich fragt er sie darüber aus, wann der Stern erschienen sei, um heimlich, ungestört durch die Juden, ihren Messias, den König der Juden, zu töten. Um seine Christustötende Absicht zu verbergen, verstellt er sich und erklärt den Weisen, daß auch er den Neugeborenen verehren will.
Die Absicht des Herodes den Neugeborenen zu töten - sagt der Hl. Chrysostomos, - beweist nicht nur seine Raserei, sondern auch seinen äußersten Unverstand. Sowohl das, was ihm gesagt wurde, wie auch die Ereignisse selbst, konnten ihn von jeglichem derartigen Versuch bewahren. Die Ereignisse verliefen in einer übermenschlichen Weise. Ein Stern rief die Sternendeuter, fremde unternehmen eine so weite Reise, um sich dem Kind in Windeln und in der Krippe zu verneigen, und die Propheten sagen Ihn voraus. All diese Ereignisse überstiegen den menschlichen Verstand. Dennoch hielt nichts Herodes zurück. So ist die Bosheit; sie schadet sich selbst und unternimmt immer etwas Unmögliches. 14.14 Pred. 7,2-3, c.75; S. 74

Herodes fragt die Magier genau nach der Zeit des Erscheinens des Sternes aus, um genau das Alter des Neugeborenen festzulegen, in der Annahme, daß die Zeit des Erscheinens des Sterns mit der Seiner Geburt zusammenfiel. 15.15 s. Zigaben, a.a.O., c.2, v.7; col. 141
Ich nehme an, erklärt der Heilige Chrysostomos, daß der Stern lange vor der Geburt erschien, denn die Magier müssen viel Zeit auf dem Weg zugebracht haben, um anzugelangen und sich dem Neugeborenen zu verneigen, solange Er in Windeln lag. Daher ist dieses Ereignis wunderbar und ungewöhnlich. Deshalb erschien der Stern auch lange vor der Geburt Christi 16.16 sermo 7,3,c.76;S. 75

Die List des Herodes ist voll von Gift. Der Heilige Chrysostomos sagt: Herodes sagte nicht: geht und fragt nach dem König, sondern er sagte - nach dem Kinde. Ihm war es unerträglich, selbst den Namen auszusprechen, der Macht bedeutete. Und die Magier bemerkten dies wegen ihrer großen Frömmigkeit nicht, denn sie ahnten nicht, daß er solchen Haß entwickeln konnte, um sich einem so wunderbaren Geschehen zu widersetzen. Ohne etwas derartiges zu vermuten, gehen sie, von sich auf andere schließend, von ihm fort. 17. 17 ibid.

2,9-10 Nach der Vorsehung Gottes, sagt der selige Theophylakt, verbarg sich der Stern für einige Zeit, damit die Magier die Juden fragten, so daß Herodes beunruhigt würde und die Wahrheit noch offensichtlicher zutage trete, und als sie aus Jerusalem fortgingen, erschien der Stern wieder und wies ihnen den Weg. Daraus ist ersichtlich, daß der Stern eine göttliche Kraft darstellte. 18. 18 Theophylakt, ad.loc.

Als die Magier nach Jerusalem kamen, sagt der Heilige Chrysostomos, verbarg sich der Stern, damit sie ohne ihren Weggefährten, gezwungen würden, die Juden zu fragen, und auf diese Weise das Ereignis allen offenkundig würde. Als sie aber fragten und sich bei den Feinden selbst nach dem Kinde erkundigten, erschien der Stern von neuem. Und sie gehen von Jerusalem nach Bethlehem im Gefolge des Sterns. Der Stern reiste wieder mit ihnen, woraus wiederum erkenntlich ist, daß dieser Stern nicht zu den gewöhnlichen Sternen zu zählen ist. - Kein einziger Stern hat solche Gewohnheiten. Er wanderte nicht einfach, sondern ging ihnen voraus und führte sie mitten am Tage gleichsam an der Hand. Vielleicht fragt jemand, warum ein solcher Stern nötig war, wenn der Ort der Geburt bereits bekannt war? Er war vonnöten, um auch den Knaben Selbst zu zeigen, denn sonst hätte man Ihn nicht erkennen können, da ja weder das Haus bekannt war, noch Seine Mutter berühmt und angesehen. Daher eben war der Stern nötig, der sie geradewegs zu diesem Ort brachte. Deshalb erschien er bei ihrer Abreise aus Jerusalem und blieb nicht eher stehen, als bis er an der Krippe angelangt war. 19.19 Serm. 7,3-4, c. 77; S. 75-76

Über die neuerliche Erscheinung des Sterns freuten sich die Magier sehr, "da sie wiederum ihren treuen Wegführer gefunden hatten und vollkommen sicher sein konnten, daß sie Den finden, Den sie suchten". 20. 20 Zigaben, ibid., c.2, v.10; col.144B

2.11 Geführt von dem Stern, innerlich erleuchtet durch göttliches Licht, gestützt auf die Voraussagen der Hll. Propheten, finden die Magier den Gottesknaben, fallen vor Ihm auf die Erde und verneigen sich vor Ihm mit ihrem ganzen Wesen. Von ganzem Herzen beschenken sie Ihn mit reichen Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Im glänzenden Gold war das ganze geistliche und unvergängliche Gold ihrer Seele; im Weihrauch - alle Wohlgerüche ihrer nach Christus strebenden Gefühle; in ihrer Myrrhe alle Gerüche ihrer unsterblichen Hoffnungen. Mit dem unverlöschlichen Feuer göttlichen Glaubens, Liebe und Hoffnung mußten die Seelen der zu Gott eilenden Magier brennen, und so verehrten sie den bescheidenen Christusknaben zusammen mit der demütigen und heiligen Mutter mit ganzem Herzen und voller Freude.
Was veranlaßte die Magier, fragt der Heilige Chrysostomos, sich zu verneigen, da doch weder die Jungfrau berühmt war, noch das Haus stattlich und nicht einmal in dem Äußeren etwas lag, was sie erstaunen oder anziehen könnte? Indessen, verehren sie Ihn nicht nur, sondern bringen Ihm auch Geschenke, und zwar Geschenke nicht als einem Menschen, sondern als Gott, - denn Weihrauch und Myrrhe waren Symbol einer solchen Verehrung. Was aber bewegte sie und ließ sie von zu Hause aufbrechen und sich auf so einen weiten Weg begeben? - der Stern und die göttliche Erleuchtung ihrer Gedanken, welche sie allmählich zur vollkommenen Erkenntnis führten. Sonst hätten sie Ihm nicht solche Ehre erwiesen angesichts so unscheinbarer äußerer Umstände. Für die Gefühle war da nichts Erhebendes; da war nur die Krippe, die Höhle und die arme Mutter, damit wir daraus klar die Weisheit der Magier erkennen können und uns bewußt werden, daß sie sich Ihm nicht als einem einfachen Menschen näherten, sondern als Gott und Wohltäter. Deswegen ließen sie sich auch von nichts Sichtbarem und Äußerlichem führen, sondern verneigten sich und brachten Geschenke dar, die nicht den groben Darbringungen ähnelten: Lämmern und Schafen, sondern gleichsam wie wahre Christen, brachten sie Ihm Erkenntnis, Gehorsam und Liebe dar 21. 21 Serm. 8, 1, c. 83; S. 82.