Hl. Justin von Celije

Kommentar zum Hl. Evanglium nach Matthäus



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1989, 2

Mt. 3,4 Er aber, Johannes, hatte seine Kleidung von Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber war Heuschrecken und wilder Honig.
Als wahrer Prediger der Buße predigte der Vor-läufer die Buße nicht nur mit Worten und Taten, sondern auch mit seiner Speise und Kleidung: Er aber, Johannes, hatte seine Kleidung von Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber war Heuschrecken und wil-der Honig. - Der allgemeine Beichtvater menschli-cher Sünden zeiht, daß Demut und Fasten die Lungen der Buße sind. Wer wirklich Buße tut, führt Seele und Leib mit Demut und Fasten durch diese Welt, welche im Argen liegt. Die erste Tugend der Seele ist die Demut, und die erste Tugend des Leibes das Fasten. Gemeinsam reinigen sie durch die Buße sowohl Seele als auch Körper von jegli-chem sündigen Schmutz und Unreinheit der Leidenschaften. Und so führen sie Seele und Leib zu ihrem himmlischen Ursprung zurück. Denn nichts bereitet die Seele und den Leib so auf das Himmelreich vor, wie reumütige Demut und reumüti-ges Fasten. Darin sind unsere unfehlbaren Lehrer: der Heilige Johannes der Täufer und der Hl. Apostel Paulus. Als Kämpfer, die in dieser Welt unabläs-sig für das ewige Leben und das Himmelreich käm-pfen, enthalten sie sich von allem, töten ihren Kör-per ab und engen ihn ein(vgl. 1 Kor. 9, 25. 27), um ihn für Christus und Sein Reich würdig zu machen.
Streng und hart gegen sich selbst, nährt sich der Hl. Vorläufer durch Heuschrecken. Dies ist eine besondere Art von Heuschrecken, die auch heute im Nahen Osten den ärmeren Menschen zur Speise dient. Der Gebrauch solcher Heuschrecken war durch das Gesetz Moses erlaubt (3 Mos. 11, 22). Als strenger Faster aß er niemals Brot, sondern neben Heuschrecken genoß er wilden Honig. Und dieser Honig ist "sehr bitter und von widerlichem Geschmack". Um Christus auf würdige Weise zu begegnen, unterzieht sich der Hl. Vorläufer von der Wiege an strengstem Fasten und härtester Askese. Und damit zeigt er deutlich, daß man sich Christus in würdiger Weise nur durch ein langes reumütiges Fasten und demütig reumütige Aske-se nähern kann.
Von dem asketischen Leben des Hl. Vorläufers sagt der Hl. Chrysostomos: es war seltsam und ungewöhnlich, im menschlichen Körper solche Geduld zu sehen. Dies zog besonders auch die Juden an. Sie sahen in ihm den großen Elias. Das Geschehen, dessen Zeugen sie waren, erinnerte sie an diesen heiligen Menschen, und verwunderte sie sogar noch mehr. Wahrlich, Elias hatte in Städten und Häusern gegessen, Johannes aber lebte von der Wiege an ständig in der Wüste. Der Vorläufer Dessen, Der alles Alte vernichten sollte, wie da sind: Mühe, Fluch, Qual und Schweiß, mußte auch selbst gewisse Zeichen einer solchen Gabe besitzen und über den alten Fluch erhaben sein. Das war Johannes auch. Er bearbeitete nicht die Erde, pflügte nicht und aß kein Brot im Schweiß seines Angesichts, sondern hatte fertige Speise, fand die Kleidung leichter als die Speise und um eine Wohnung kümmerte er sich noch weniger als um die Kleidung. Er brauchte weder Haus noch Bett, noch einen Tisch oder irgend etwas ähnliches, sondern, obwohl er einen Körper trug, führte er engelgleiches Leben. Deshalb trug er auch ein Hemd aus Kamelhaar, um uns durch das Kleid selbst zu lehren, daß wir uns von allem Men-schlichen entfernen, und nichts gemeinsam mit der Erde haben, sondern zu unserer ursprüngli-chen Erhabenheit, in der einstmals Adam lebte, bevor er das Verlangen nach Speise und Kleidung verspürte. So diente des Johannes Kleidung als Zeichen seiner königlichen Würde und der Buße. Johannes lebte in der Wüste, wie im Himmel, er-füllte streng alle Regeln der Philosophie, der wirklichen Weisheit, und von dort kam er wie ein Engel vom Himmel in die Städte, er, der Vorkämpfer der Frömmigkeit, gekrönt vom ganzen Universum, und Philosoph einer Philosophie, die des Himmels wür-dig war. Dabei war er so zu jener Zeit, als die Sünde noch nicht vergeben war, das Gesetz noch nicht aufgehört hatte, der Tod noch nicht gebunden, die Tode der Hölle noch nicht zerstört, sondern das Alte Testament noch seine Gültigkeit besaß und inkraft war. Eine so mutige und starke Seele war das: sie besiegt alles und überwindet alle Hindernisse .
3,5-6 Da ging zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgegend des Jordan; und sie wurden von ihm im Jordan getauft, indem sie ihre Sünden bekannten.
Die gesamte Erscheinung des Hl. Vorläufers zeigte, daß er nicht nur ein Prophet war, sondern etwas "mehr als ein Prophet" (Mt. 11, 9). Mit allen Augen seiner heiligen Seele dem wunderbaren Antlitz des Messias zugewandt, spricht er ständig vom Himmelreich, vom Eingang in dieses durch die Buße, von seiner Unwürdigkeit vor dem Messias. Als sei er ganz vom Himmel, und als sei in ihm nichts irdisches, so ist er mit seinem ganzen Wesen dem Himmel und dem Himmelreich zugewandt. Das macht ihn auch anziehend für die Zeitgenossen; sein Erscheinen regt sie zur Buße und zur Beichte ihrer Sünden an. Der Evangelist bezeugt: Da ging zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgegend des Jordan; und sie wurden von ihm im Jordan getauft, indem sie ihre Sünden bekannten. - Obwohl sie die Taufe annahmen, sagt der selige Theophylakt, verlieh ihnen die Taufe des Johannes nicht die Vergebung der Sünden. Johannes verkündete nur die Buße und führte zur Vergebung der Sünden, d. h. führte zur Taufe Christi, durch die die Vergebung der Sünden erlangt wird.