Hl. Justin von Celije

Kommentar zum Hl. Evanglium nach Matthäus



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1990, 1

3, 12
Seine Schaufel ist in Seiner Hand, und Er wird Seine Tenne durch und durch reinigen und Seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird Er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.
Der gottbeseelte Vorläufer sieht und erkennt das ganze heilbringende Wirken unseres Herrn Jesus Christus. Er sieht Ihn nicht nur als sanftmütiges Lamm Gottes, das die Sünden der Welt auf Sich nimmt (Jo. 1,29), sondern auch als überaus gerechten Richter. Denn dem Retter des Menschen von Sünde, Tod und Teufel fällt mit Recht das Gericht über den Menschen zu, das Gericht, welches feststellen wird, ob der Mensch die ihm zu seiner Rettung von Sünde, Tod und Teufel gegebenen Mittel genutzt hat, oder ob er auch weiterhin ihr freiwilliger Sklave geblieben ist. Damit die Menschen nicht aus Leichtsinn und Kurzsichtigkeit oder Unvernunft denken, daß man die Sanftmut des Lammes Gottes mißbrauchen kann und darf, spricht der Vorläufer von Ihm als dem allwissenden und überaus gerechten Richter, dem ewigen und unfehlbaren Richter. Er wünscht, daß seine Zeitgenossen, und nach die-sen alle übrigen Menschen sich auf den Standpunkt des Letzten Gerichts stellen und von ihm aus ihr gesamtes Leben, all ihre Werke, all ihre Gedanken, all ihre Worte betrachten, überprüfen und bewerten. Alles, was von der Sünde, vom Bösen, vom Teufel ist, ist Spreu; alles was von der Tugend, vom Gu-ten, von Gott ist, ist Weizen. Und diese Welt ist nichts anderes, als die Tenne Christi. Denn Er ist der Schöpfer der Welt und der Retter der Welt und daher auch der Richter der Welt. Er, der Allwissende, kennt alle Geheimnisse der Welt vom kleinsten bis zum größten. Er, der Allsehende, sieht alles Geschehene und Geschehende in allen Menschen al-ler Zeiten und aller Kontinente. Deshalb ist Sein Gericht über jeden einzeln und über alle zusammen überaus gerecht und unfehlbar.
Ob die Menschen es wollen oder nicht, das letz-te und endgültige Gericht über jeden von ihnen fällt dem allwissenden, allsehenden, allgerechten, unfehlbaren Richter zu - dem Gottmenschen Christus. Er wird am Ende der Geschichte die Tenne der Welt - die Erde - reinigen und mit der Schaufel Seines Gerichts alle menschlichen Wesen, die auf der Erde lebten aussondern. Alle, die sich bei dieser Aussonderung als Weizen des Herrn erweisen, wird der Herr in die himmlischen Scheunen sammeln; jene aber, die sich als leicht und wertlos erweisen wie Unkraut, werden in das unauslöschliche Feuer geworfen.
Der Hl. Vorläufer betont absichtlich zwei Handlungen Christi - die Taufe durch den Heiligen Geist und das Letzte Gericht. Die erste Voraussage des Vorläufers wurde am Tag des heiligen Pfingstfestes erfüllt, als der Herr Seine Apostel mit dem Heiligen Geist und Feuer taufte. Von da an bis zum heutigen Tag erfüllt sich diese Vorhersage bei der Taufe ei-nes jeden Mitglieds der Kirche Christi. Das zeigt und beweist, daß auch die andere Vorhersage des Vorläufers zweifellos erfüllt wird, nämlich die über das Letzte Gericht. Hätte Christus Seine Apostel nicht mit dem Heiligen Geist getauft, sagt der Hl. Chrysostomos und taufte Er nicht täglich jene, die es wünschen, so könnte man die zweite Voraussage des Vorläufers bezweifeln. Da sich jedoch das, was nach allem erhabener, schwerer und für den Verstand unbegreifbar ist, erfüllt hat und täglich erfüllt, warum soll man dann nicht das als wahrhaftig annehmen, was leicht und verständlich ist? Nachdem er gesagt hat: Er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen, und hier viel Gutes versprochen hat, weist der Heilige Johannes sofort auf die Schau-fel hin, womit Er das künftige Gericht anzeigt, damit wir nicht träge werden. Denkt nicht, sagt er, daß die Taufe ausreicht, wenn ihr danach im Laster lebt. Nein, wir bedürfen noch vieler Tugenden und Weisheit. Der, der so mächtig ist, daß Er Sünden vergeben und den Heiligen Geist spenden kann, kann umso mehr das Gericht vollbringen. Warum, mag jemand fragen, spricht der Vorläufer nicht von den Zeichen und Wundern, die in Kürze durch Christus geschehen sollten? Weil das Spenden des Geistes das größte aller Wunder war, und alle anderen nur um seinetwillen vollbracht wurden. Durch den Hinweis auf das Wichtigste hat der Vorläufer alles um-faßt: die Zerstörung des Todes, die Vernichtung der Sünde, die Aufhebung des Fluches, die Befreiung vom ständigen Kampf, den Einzug ins Paradies, den Aufstieg zum Himmel, die Gemeinschaft mit den Engeln, die Teilhabe an den künftigen Gütern: der Erhalt des Heiligen Geistes dienst als Unterpfand für all dies.
Hinsichtlich der Worte des Vorläufers: Seine Schaufel ist in Seiner Hand, sagt der selige Theophylakt: denkt nicht etwa, daß Er euch vergeben wird, wenn ihr sündigt, nachdem ihr von Ihm die Taufe empfangen habt. Er hat die Schaufel, d. h. die Untersuchung und das Gericht. Er wird Seine Tenne durch und durch reinigen, d. h. die Kirche, die viele Getaufte enthält; dies ähnelt folgendem: so wie von den Feldern alles in die Scheune gebracht wird, und ein Teil davon sich als Unkraut erweist - das sind die leichtsinnigen Menschen, die sich unter dem Einfluß der Geister des Bösen befinden - , so erweist sich der andere Teil als Weizen - das sind diejenigen, die anderen Gutes tun und sie durch Belehrung und Tat bewahren.