Hl. Justin von Celije

Kommentar zum Hl. Evanglium nach Matthäus



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1990, 5

4,1. Dann wurde Jesus von dem Geiste in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu werden;
Die Taufe Christi zeigt, daß in dieser Welt und über dieser Welt die erste und wichtigste Wirklichkeit der Dreieinige Gott ist. Die Versuchung Christi zeigt, daß in dieser Welt die zweitwichtigste Realität der Teufel ist. Zwischen diesen beiden Realitäten steht der Mensch als dritte Realität. Ein auch nur im geringsten geistlich aufgeweckter Mensch fühlt unvermeidlich die Existenz der einen wie der anderen Wirklichkeit: sowohl Gottes als auch des Teufels. Und wenn der Mensch wahrhaftig an unseren Herrn Jesus Christus glaubt, dann öffnen sich ihm die geistlichen Augen und er erkennt beide Wirklichkeiten deutlich. Und wenn er stärkeren Eifer im Evangelium erlangt, dann begegnet er allen Versuchungen mutiger, die aus dem dunklen Reich der Sünde und des Todes auf ihn zukommen. Wenn er gar mit Hilfe der göttlichen Tugenden mit dem Heiligen Geist erfüllt wird, dann wird er ein furchtloser Kämpfer und unüberwindbarer Sieger in allen Kämpfen mit den teuflischen Versuchungen. Und er überwindet den Teufel wie ein Adler die Mücke, denn gegen alles Böse führt er das göttliche Gut Christi ins Feld, das stets zahlreicher und kräftiger als dieses ist.
Bei der Taufe kam der Heilige Geist vom Himmel herab; und Christus überantwortet Sich ganz dem Heiligen Geist, damit dieser Ihn führe und lenke. Und der Geist führt Ihn wahrlich. Wohin? Zuerst "in die Wüste, um vom Teufel versucht zu werden". Dadurch wird uns das Geheimnis des neuen Lebens offenbart: bei der Taufe erfolgt die Erscheinung Gottes (Theophanie), der Mensch wird mit der dreieinigen Gottheit erfüllt, und lebt nicht mehr für sich und verfügt nicht mehr über sich, sondern in ihm lebt und über ihn verfügt der Heilige Geist. Den Getauften führt der Heilige Geist sofort aufs Schlachtfeld: damit er im Kampf mit dem Teufel und dessen Versuchungen die christlichen Waffen erprobt, die er bei der Taufe erhielt. Und das Schlachtfeld ist diese ganze irdische Welt, in welcher "der Teufel wie ein brüllender Löwe umhergeht, und sucht, wen er verschlinge"(1.Petr. 5,8).
Da Christus alles tat, sagt der Hl. Chrysostomus, und unserer Belehrung willen erduldete, läßt Er auch jetzt zu, daß Ihn der Heilige Geist in die Wüste führt und in den Kampf mit dem Teufel stellt. Und das dafür, daß niemand von den Getauften, wenn ihn nach der Taufe größere Versuchungen als früher befallen, verwirrt werde wie von etwas Unerwartetem, sondern mutig jegliche Versuchung ertrage wie etwas Gewöhnliches. Ja wahrlich, du hast die Waffen nicht erhalten, damit du faul bist, sondern damit du Krieg führst. Daher verhindert Gott auch nicht, daß wir von Versuchungen heimgesucht werden. Erstens läßt Er das zu, damit wir erkennen, daß wir viel stärker geworden sind; zweitens, damit wir in Demut verweilen und nicht auf die Größe der Gaben stolz werden, wenn wir sehen, daß uns Versuchungen zur Demut führen können; drittens, damit der böse Geist angesichts unserer Ausdauer in den Versuchungen erkennt, daß wir ihn ganz verlassen und von ihm entfernt haben; viertens damit wir dadurch härter und kräftiger als jeder Nagel werden; fünftens, damit wir ein deutliches Zeugnis von dem Gut erhalten, das uns anvertraut ist.
Der Teufel stellt nach allem und in allem das Gegenteil zu Gott dar. Gott ist Licht, Gerechtigkeit, Wahrheit, Liebe, Güte, Weisheit; der Teufel ist alles Gegenteilige davon: Dunkel, Lüge, Unwahrheit, Haß, Böses, Irrsinn. So wie Gott die Verkörperung alles ewig Guten ist, so ist der Teufel die Verkörperung alles unvergänglichen Bösen. Im Kampf gegen Gott ist sein wichtigstes Werkzeug die Verleumdung. Dadurch ist er im Menschengeschlecht auch am besten bekannt. Sein Wirken unter den Menschen auf Erden begann er schon im Paradies mit der Verleumdung Gottes (1. Mos. 3, 4-5). In dieser Tätigkeit ist er unübertroffen ausdauernd und beispiellos listig. Daher erhielt er auch seinen Namen: Teufel, denn Teufel - diabolos - bedeutet Verleumder, Lästerer, Widersacher.