Hl. Justin von Celije

Kommentar zum Hl. Evanglium nach Matthäus



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1990, 6

Die Versuchung Jesu Christi (4,1-11)

Dann wurde Jesus von dem Geiste in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu werden;
Die Taufe Christi zeigt, daß in dieser Welt und über dieser Welt die erste und wichtigste Wirklichkeit der Dreieinige Gott ist. Die Versuchung Christi zeigt, daß in dieser Welt die zweitwichtigste Realität der Teufel ist. Zwischen diesen beiden Realitäten steht der Mensch als dritte Realität. Ein auch nur im geringsten geistlich aufgeweckter Mensch fühlt unvermeidlich die Existenz der einen wie der anderen Wirklichkeit: sowohl Gottes als auch des Teufels. Und wenn der Mensch wahrhaftig an unseren Herrn Jesus Christus glaubt, dann öffnen sich ihm die geistlichen Augen und er erkennt beide Wirklichkeiten deutlich. Und wenn er stärkeren Eifer im Evangelium erlangt, dann begegnet er allen Versuchungen mutiger, die aus dem dunklen Reich der Sünde und des Todes auf ihn zukommen. Wenn er gar mit Hilfe der göttlichen Tugenden mit dem Heiligen Geist erfüllt wird, dann wird er ein furchtloser Kämpfer und unüberwindbarer Sieger in allen Kämpfen mit den teuflischen Versuchungen. Und er überwindet den Teufel wie ein Adler die Mücke, denn gegen alles Böse führt er das göttliche Gut Christi ins Feld, das stets zahlreicher und kräftiger als dieses ist.
Bei der Taufe kam der Heilige Geist vom Himmel herab; und Christus überantwortet Sich ganz dem Heiligen Geist, damit dieser Ihn führe und lenke. Und der Geist führt Ihn wahrlich. Wohin? Zuerst "in die Wüste, um vom Teufel versucht zu werden". Dadurch wird uns das Geheimnis des neuen Lebens offenbart: bei der Taufe erfolgt die Erscheinung Gottes (Theophanie), der Mensch wird mit der dreieinigen Gottheit erfüllt, und lebt nicht mehr für sich und verfügt nicht mehr über sich, sondern in ihm lebt und über ihn verfügt der Heilige Geist. Den Getauften führt der Heilige Geist sofort aufs Schlachtfeld: damit er im Kampf mit dem Teufel und dessen Versuchungen die christlichen Waffen erprobt, die er bei der Taufe erhielt. Und das Schlachtfeld ist diese ganze irdische Welt, in welcher "der Teufel wie ein brüllender Löwe umhergeht, und sucht, wen er verschlinge"(1.Petr. 5,8).
Da Christus alles tat, sagt der Hl. Chrysostomus, und unserer Belehrung willen erduldete, läßt Er auch jetzt zu, daß Ihn der Heilige Geist in die Wüste führt und in den Kampf mit dem Teufel stellt. Und das dafür, daß niemand von den Getauften, wenn ihn nach der Taufe größere Versuchungen als früher befallen, verwirrt werde wie von etwas Unerwartetem, sondern mutig jegliche Versuchung ertrage wie etwas Gewöhnliches. Ja wahrlich, du hast die Waffen nicht erhalten, damit du faul bist, sondern damit du Krieg führst. Daher verhindert Gott auch nicht, daß wir von Versuchungen heimgesucht werden. Erstens läßt Er das zu, damit wir erkennen, daß wir viel stärker geworden sind; zweitens, damit wir in Demut verweilen und nicht auf die Größe der Gaben stolz werden, wenn wir sehen, daß uns Versuchungen zur Demut führen können; drittens, damit der böse Geist angesichts unserer Ausdauer in den Versuchungen erkennt, daß wir ihn ganz verlassen und von ihm entfernt haben; viertens damit wir dadurch härter und kräftiger als jeder Nagel werden; fünftens, damit wir ein deutliches Zeugnis von dem Gut erhalten, das uns anvertraut ist.
Der Teufel stellt nach allem und in allem das Gegenteil zu Gott dar. Gott ist Licht, Gerechtigkeit, Wahrheit, Liebe, Güte, Weisheit; der Teufel ist alles Gegenteilige davon: Dunkel, Lüge, Unwahrheit, Haß, Böses, Irrsinn. So wie Gott die Verkörperung alles ewig Guten ist, so ist der Teufel die Verkörperung alles unvergänglichen Bösen. Im Kampf gegen Gott ist sein wichtigstes Werkzeug die Verleumdung. Dadurch ist er im Menschengeschlecht auch am besten bekannt. Sein Wirken unter den Menschen auf Erden begann er schon im Paradies mit der Verleumdung Gottes (1. Mos. 3, 4-5). In dieser Tätigkeit ist er unübertroffen ausdauernd und beispiellos listig. Daher erhielt er auch seinen Namen: Teufel, denn Teufel - diabolos - bedeutet Verleumder, Lästerer, Widersacher.
"und als Er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte Ihn danach."
Die erste Tugend nach dem Evangelium im neuen Leben ist das Fasten. Mit all seinen göttlichen Gaben nehmen die Getauften zum Fasten Zuflucht, als ihrem ersten Verteidiger und Beschützer.Woher kommt das? Daher, daß das Fasten die Verbindung des Menschen mit der Erde und allem Irdischen lockert, und seine Bindung zum Himmel und den himmlischen Dingen kräftigt. Im Fasten schenkt der Mensch seine ganze Sorge dem Unsterblichen, Himmlischen in sich. Geführt vom Heiligen Geist bringt er während des Fastens alles, was heilig und licht ist, in die geheimnisvollen Tiefen und unsichtbaren Höhen seiner Seele ein, indem er sich von Kopf bis Fuß heiligt und erleuchtet. Das ist der Grund, warum uns der Herr Jesus Christus als erste Tat nach der Taufe durch Sein Beispiel das Fasten vorschreibt.
Der Heilige Evangelist kündet von dem Fasten des Herrn: und als Er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte Ihn danach. Dieses Fasten des Herrn bestand aus der völligen Enthaltsamkeit von Speise und Trank. Der Evangelist Lukas sagt, daß der Herr Jesus Christus während dieser Zeit "nichts aß" (Lk. 4,2). Wie einstmals der Gottesschauer Moses (2.Mos. 34,28) und der Prophet Elias (1. Kön. 19,8), so fastete auch der Herr Jesus Christus vierzigTage. Und Er ging nicht weiter, sagt der Hl. Chrysostomus, um durch übermäßige Größe des Wunders die Wahrheit Seiner Menschwerdung nicht in Zweifel zu stellen. So kann das nicht geschehen, da schon vor Ihm Moses und Elias, durch göttliche Kraft gestützt, ein ebensolches Fasten durchhalten konnten . Hätte Er länger gefastet, so wäre Seine Menschwerdung als fraglich erschienen .
Unser Herr Christus fastet nach der Taufe, sagt der Heilige Chrysostomus, um zu zeigen, welch eine gute und starke Waffe gegen den Teufel das Fasten ist. Er fastete nicht deshalb, weil Er das Fasten gebraucht hätte, sondern zur Belehrung für uns. Der Dienst am Bauch war die Ursache für Sünden, die vor der Taufe begangen wurden. Daher setzt Christus wie der Arzt nach der Heilung des Kranken diesem das zu tun verbietet, was die Krankheit hervorgerufen hat, auch hier nach der Taufe das Fasten ein. Die Befriedigung des Bauches vertrieb Adam aus dem Paradies; das war auch zur Zeit Noahs die Ursache der Sintflut; das zog auch das Feuer auf die Sodomiter. Eben deshalb fastete auch Christus vierzig Tage: Er zeigte uns die rettungbringende Medizin.
"Und der Versucher trat zu Ihm hin und sprach: Wenn Du Gottes Sohn bist, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: ÝNicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Worte, das durch den Mund Gottes ausgehtÝ".
Zu dem hungernden Gottmenschen tritt der Teufel, der Versucher. Zweifellos der höchste Teufel - Satan. Denn er hörte bei der Taufe, daß Jesus der Sohn Gottes ist. Gegen ein solches Wesen tritt der Satan selbst an, und führt all sein Böses in den Kampf. Doch sehr flink und listig. Satan sieht vor sich einen gewöhnlichen Menschen, und noch dazu einen hungrigen. Das ist für ihn ein gewöhnlicher Anblick. Und er kennt den Menschen, seine Schwächen und seine Tugenden. Seit tausenden von Jahren verführt er die Menschen, führt sie zur Sünde, streicht sie durch den Tod aus, zieht sie in die Hölle. Seine Erfahrung mit den Menschen ist riesig. Wenn es um die Psychologie der Menchen geht, so kennt er sie besser als alle berühmten Psychologen der Welt. Über ihn kann man leicht sagen: nichts Menschliches ist ihm unbekannt. Der Leib des Menschen? Ja der Satan kennt all seine Geheimnisse: er weiß, welche Versuchungen ihn verlocken, welche Süßigkeiten ihn trunken machen, welche Leidenschaften ihn narkotisieren, welche Sünden beschäftigen, welche Todesarten ihn töten. Vor ihm hat sich der menschliche Körper völlíg kompromittiert, vollständig lächerlich gemacht; er ist Werkzeug der Sünde, Sklave der Leidenschaften, und so im Tod versunken, wie der Tod sich in ihm verkörpert hat, daß er der "Leib des Todes" wurde (vgl. Röm. 7, 24; 6,13. 17. 20.23). Kann in ihm denn der Sohn Gottes sein? Der Leib ist boshaft, der Leib treibt Hurerei, der Leib tut Böses, der Leib tötet, der Leib treibt jegliche Ungesetzlichkeit - kann denn in ihm der Sohn Gottes sein? Etwas sündige Lust, etwas verführerische Lust - und der Leib gibt sich der Sünde hin, verfällt in die Begeisterung der Sünde; und diese Begeisterung wandelt er in seine Freude um, in sein Glück, in seine Glückseligkeit. Kann etwa darin der Sohn Gottes sein und leben? Der Leib hungert, der Leib dürstet, der Leib erkrankt, der Leib stirbt - kann etwa darin der Sohn Gottes sein? In der Geschichte der Menschheit gibt es keinen menschlichen Leib, der nicht als Sklave des Todes und der Sünde das irdische Leben durchlaufen hätte, - kann etwa der Leib Jesu von Nazareth eine Ausnahme sein? Ja, Sein Leib hungert, ist schwach, bleich, kränklich, - ist das etwa der Sohn Gottes? Wenn Er der Sohn Gottes ist, so bräuchte Er nicht zu hungern, Er bräuchte nicht zulassen, daß Sein Leib hungert. Und - Satan tritt mutig auf Jesus zu und sagt Ihm: Wenn Du Gottes Sohn bist, so sprich, daß diese Steine Brot werden! Du hast Hunger, - ist es nicht eine Schande für den Sohn Gottes, einer solch erbärmlichen Schwäche unterlegen zu sein, einer rein menschlichen Schwäche wie dem Hunger? Der Sohn Gottes gebietet über Himmel und Erde; jeden Stern über dieser Wüste kann Er in Brot verwandeln, und diese ganze Wüste - in einen prunkvollen Tisch. Den Hunger zu stillen ist keine Sünde, sondern eine Tugend. Ich schlage Dir das vor, und erfülle damit die zwei wichtigsten Gebote des Gesetzes: über die Liebe zu Gott, und Du bist der Sohn Gottes -, und zum Nächsten, - und Du bist mein Nächster, da Du im Leibe bist. Also, wenn Du Gottes Sohn bist, so sprich, daß diese Steine Brot werden!
Doch Jesus antwortete und sprach: "Es steht geschrieben: ÝNicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Worte, das durch den Mund Gottes ausgehtÝ". Der Mensch ist unvergleichlich weiter und tiefer und ist ein unendlicheres Wesen, als sein Gefühl des Hungers. Neben diesem Gefühl gibt es in ihm noch viele, überviele andere Gefühle. Hier sind die wichtigsten: das Gefühl der Wahrheit, das Gerechtigkeitsgefühl, das Gefühl der Liebe, das Gefühl des Guten, das Gefühl der Unsterblichkeit, das Gefühl der Ewigkeit, das Gefühl der Freude, das Gefühl Gottes. Und all diese Gefühle sind grenzenlos und unendlich. Und all diesen grenzenlosen und unendlichen Hunger kann nur Gott stillen. Den unendlichen Hunger des Menschen nach der Wahrheit kann nur Gott mit Seiner ewigen göttlichen Wahrheit stillen.; des Menschen unendlichen Hunger nach Gerechtigkeit kann nur Gott durch Seine ewige göttliche Gerechtigkeit stillen; ebenso des Menchen unendlichen Hunger nach Liebe, dem Guten, Unsterblichkeit, nach Ewigkeit, Freude - all das kann nur Gott stillen durch Seine ewige göttliche Liebe, durch Seine ewige göttliche Güte, durch Seine ewige göttliche Unsterblichkeit, durch Seine ewige göttliche Freude. Höre: aller unendlicher menschlicher Hunger ergießt sich in einen Hunger, der noch unendlicher und grenzenloser ist. Das ist der Hunger nach Gott. Durch all seine verschiedenen Arten des Hungers hungert den Menschen nach Gott. Daher kann nur der ewige, allvollkommene , allmächtige Gott alle Arten von Hunger des menschlichen Wesens stillen und ihm in Fülle alles geben, was für das ewige und vollkommene Leben notwendig ist. Ja, der Mensch kann nur in Gott ewig und vollkommen leben und dabei ununterbrochen glücklich und fröhlich sein. Darin liegt das Geheimnis seines Wesens. Merke dir: solange der Mensch nicht in Gott und allem, was Gottes ist, auflebt, - solange gibt es für den Menschen in keiner der bestehenden Welten Frieden. Die Wahrheit über den Wahrheiten ist: ÝNicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Worte, das durch den Mund Gottes ausgehtÝ". Sag mir: lebt der Mensch etwa nicht vom Licht, - das Licht entstand ja durch das Wort Gottes. Sag mir, lebt der Mensch etwa nicht von Pflanzen - und die Pflanzen entstanden ja durch das Wort Gottes. Sag mir, lebt der Mensch nicht von Wasser, - und das Wasser entstand ja durch das Wort Gottes. Sag mir, lebt der Mensch nicht von Luft, und Wärme, von Himmel und alles, was an ihm ist, und von der Erde und allem, was auf ihr ist? - Und all das entstand ja durch Gottes Wort. Ja, ja, der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von allem, was Gott geschaffen hat in all Seinen Welten. Es ist beleidigend, das göttlich weite, göttlich tiefe, göttlich erhabene Wesen des Menschen auf ein Gefühl zu reduzieren, in diesem Falle - das Gefühl des Hungers. Der Mensch kann niemals ganz betrachtet, ganz gesehen werden, wenn man ihn nur aus einem seiner Gefühle heraus betrachtet, oder einem seiner Gedanken, einer seiner Taten. Um ihn ganz zu betrachten und zu sehen, müssen wir ihn vom Standpunkt Gottes aus betrachten, denn er ist nach dem Bildnis Gottes geschaffen. Nur in Gott und aus Gott betrachtet kann man den Menschen in allen Dimensionen seines psychophysischen Wesens betrachten und alle Geheimnisse seiner Seele und Seines Leibes zum Vorschein bringen. Die Geheimnisse der gottebenbildlichen Seele des Menschen sind göttlich unendlich und göttlich rätselhaft; und die Geheimnisse seines Leibes sind nicht weniger endlos und weniger rätselhaft, denn der Leib ist die Behausung, der Träger, der Wahrer und der Zwilling der gottebenbildlichen Seele. Daher kann die Frage des leiblichen Hungers, die Frage des Brotes nicht richtig gelöst werden, wenn sie getrennt gelöst wird, ohne Verbindung mit den übrigen Bedürfnissen und Fragen des gottebenbildlichen menschlichen Wesens. Da der Mensch nicht nur vom Brot allein lebt, sondern von allem, was Gott schuf, kann der Mensch die Frage des Brotes wie auch alle anderen Fragen nur dann richtig lösen, wenn er sie in Gott löst. Der Mensch lebt ein richtiges, wahrhaftes, menschliches Leben, wenn er ganz in Gott lebt, wenn er ganz von jedem Worte lebt, das durch den Mund Gottes ausgeht.ÝEbenso löst der Mensch warhaftig, menschlich jede seiner Fragen, wenn er sie mit Gott löst, wenn er sie mit jedem Worte löst, das durch den Mund Gottes ausgeht.ÝUnd das bedeutet: wenn er sie durch das Evangelium löst. Denn das Evangelium enthält ganz nur das Wort, das aus dem Mund Gottes ausgeht.
Der Versucher hörte, sagt der Heilige Chrysostomus, die Stimme vom Himmel: Dies ist Mein geliebter Sohn, an Dem ich Wohlgefallen habe (Mt. 3,17), er hörte auch das ruhmreiche Zeugnis des Johannes über Jesus, und plötzlich sieht er Ihn hungern. Das führt ihn in Zweifel: in Erinnerung dessen, was von Jesus gesagt wurde, kann er nicht glauben, daß dies ein einfacher Mensch ist; andererseits, da er Ihn hungrig sieht, kann er nicht glauben, daß Er der Sohn Gottes ist. So kam es denn, daß er, der selbst noch im Zweifel war, auch zweifelhafte Worte sprach. Gleich wie er am Anfang zu Adam trat und Nichtwirkliches ersann, um das Wirkliche in Erfahrung zu bringen: so auch hier. Er wußte nicht recht, wie es sich mit diesem unaussprechlichen Geheimnis der Menschwerdung verhalte und wer der in der Wüste Weilende sei. So strebte er listig, andere Netze zu spinnen, durch die er das Geheime und Verborgene erfahren könnte. Was sagt er also? Wenn Du Gottes Sohn bist, so sprich, daß diese Steine Brot werden! Er sagt nicht: wenn du hungrig bist, sondern:wenn Du Gottes Sohn bist, weil er meinte, Ihn mit solchen Schmeicheleien verführen zu können. Von dem Hunger schweigt er, damit es nicht scheine, daß er Ihn erniedrigen wolle, indem er Ihm das vor Augen führt. Er kannte ja nicht die Größe des Werkes der Heilsökonomie, und meinte, das sei etwas Entehrendes für Christus. Deshalb schmeichelte er Ihm und erwähnte tückischerweise nur Seine Würde. Und Christus? Er weist den Stolz des Teufels völlig ab und zeigt, daß Er sich Seiner Lage nicht zu schämen braucht und nichts Seiner Weisheit Unwürdiges geschah. Daher hebt Er gerade das, was der Versucher aus Schmeichelei verschwiegen hatte, hervor und sagt: Nicht von Brot allein soll der Mensch leben. So beginnt der Versucher mit der Notwendigkeit der Nahrung. Siehe die Bosheit des Teufels, siehe, wie er den Kampf beginnt und wie er seiner List treu bleibt: durch mangelnde Enthaltsamkeit des Magens vertrieb er den ersten Menschen aus dem Paradies und stürzte ihn in unzählige andere Übel; damit beginnt er auch jetzt seine Versuchung. Doch Christus zeigt uns, daß auch die schlimmste Tyrannei den tugendhaften Menschen nicht zu etwas Unerlaubtem zwingen kann. Darum hungert Er und folgt der Aufforderung des Teufels nicht und belehrt uns dadurch, daß auch wir ihm niemals gehorchen. Da der erste Mensch dem Teufel gehorchte und sich wider Gott versündigte und das Gesetz übertrat, lehrt uns der Herr auf jede nur erdenkliche Weise, daß wir dem Teufel selbst dann nicht gehorchen sollen, wenn er von uns keine Übertretung des Gesetzes fordert. Doch was sage ich Übertretung? Selbst wenn die Dämonen etwas Nützliches vorschlagen, so verbietet der Herr auch dann, daß wir ihnen gehorchen. So gebot der Herr auch den Dämonen, die Ihn Sohn Gottes nannten, zu schweigen. Daher befolgt Christus auch hier die Worte des Teufels nicht, sondern Er antwortet ihm mit den Worten des Alten Testaments: Nicht von Brot allein soll der Mensch leben. Diese Worte bedeuten, daß Gott auch durch ein Wort einen Hungrigen speisen kann. Damit lehrt uns Christus, daß wir uns niemals vom Herrn entfernen sollen, weder unter dem Druck des Hungers noch irgendwelcher anderer Leiden .
Fragst du wohl, sagt der Selige Theophylakt, was es für eine Sünde ist, Stein in Brot zu verwandeln, so wisse: auf den Teufel zu hören, ganz gleich in welcher Sache - ist eine Sünde . Christus gehorchte dem Teufel nicht, sagt der Heilige Kyrill von Alexandrien, um Steine in Brot zu verwandeln, da dies dem Teufel nicht nützlich gewesen wäre, da er nicht Buße tun kann - ametanohtos (griech.). Er verlangte dies nicht, um Glauben zu fassen und wieder ein Engel zu werden wie er früher war, sondern um Christus in Nichtigkeit zu ziehen. Da Christus dies wußte, gehorchte Er ihm nicht .