Hl. Justin von Celije

Kommentar zum Hl. Evanglium nach Matthäus



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1991, 2

 

4, 8-10 “Wiederum nimmt der Teufel Ihn mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt Ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und spricht zu Ihm: Alles dieses will ich Dir geben, wenn Du niederfallen und mich anbeten willst. Da spricht Jesus zu ihm: Geh hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und Ihm allein dienen”(Deut. 6,13).
Vor uns stehen zweifellos zwei ungewöhnliche Wesen, welche nicht wie die Menschen ohnmächtige Sklaven der Zeit und des Raumes sind. Irgendeine innere Kraft, mit welcher sie über die Gesetze des Lebens im Raum und in der Zeit herrschen, führt sie auf ungewöhnliche Weise aus der Wüste auf das Dach des Jerusalemer Tempels, und von dort “auf einen sehr hohen Berg”. Wenn sie auch in unserer irdischen Welt leben, wenn sie wollen, so unterliegen sie doch nicht den Gesetzen der Zeit und des Raumes, denn sie sind nicht von dieser Welt. Wenn sie sich freiwillig den Bedingungen des Raumes und der Zeit unterwerfen, in ihre Rahmen eintreten und in ihnen leben, so haben sie immer in sich die geistlichen Kräfte, um das alles zu überragen und zu überwinden, denn sie sind der Herkunft nach nicht von dieser räumlichen und zeitlichen Welt.
In diesem Fall wollte der Teufel seine übermenschliche und überirdische Kraft und Macht dem hungrigen und ausgemergelten Menschen Jesus zeigen, um ihn damit zu besiegen und für sich zu gewinnen. Aber unser Herr Jesus Christus verhält Sich so, als ob Er keine solchen Kräfte in Sich hätte. Er überläßt dies dem Versucher. Der Evangelist schreibt: Dann nimmt der Teufel ihn mit in die heilige Stadt und stellt ihn auf die Zinne des Tempels; danach: Wiederum nimmt der Teufel Ihn mit auf einen sehr hohen Berg. Als ob er damit dem Herrn Jesus sagen wollte: siehst Du meine übermenschliche Kraft und Macht? Du aber bist ganz ausgezehrt von Hunger und Schwäche. Daß Du menschlich schwach und hilflos bist, zeigt auch das, daß Du, wenn auch todhungrig, nicht imstande warst, Steine in Brot zu verwandeln. Das bedeutet, Du bist nicht der Sohn Gottes. Aber wäre ich an Deiner Stelle, - ich hätte das im Handumdrehen getan! Du trautest Dich nicht, vom Tempel zu springen, denn Du hast kein Gottvertrauen und zweifelst daran, daß Dich die Engel auf ihren Armen tragen. Auch das zeigt, daß Du nicht Gottes Sohn bist. Aber ich? Ich wäre gesprungen, und mir wäre nichts geschehen. So groß ist meine Macht und Kraft! Doch, es gibt noch eine Möglichkeit für Dich, kräftig und mächtig zu werden, allkräftig und allmächtig, so wie ich bin. In einem Augenblick (Lk. 4,5) zeigte er Ihm alle Reiche des Erdkreises. Und der Teufel sprach zu Ihm: Ich will Dir alle diese Gewalt und ihre Herrlichkeit geben; denn mir ist sie übergeben, und wem irgend ich will, gebe ich sie.Wenn Du nun vor mir anbeten willst, soll sie alle Dein sein. - Tue dies, und, selbst wenn Du es nicht bist, wirst Du für die Menschen der Sohn Gottes, Messias, sein, der Retter. Erscheine in Glanz und Pracht, in Ruhm und Macht des Königs des Erdkreises, des Königs der Könige! Deinem Glanz und Deiner Macht werden sich nicht nur die Juden, sondern alle Völker der Erde verneigen. Die Menschen lieben Glanz und Macht; nur ihnen unterwerfen sie sich, ihnen dienen sie. Die Menschen muß man zuerst blenden, und dann kann man sie beherrschen mit Glanz, mit Reichtum und - mit Macht! Die Menschen lieben keine himmlischen Gleichnisse, sie sind zu sehr von Unrat befleckt. Sie wollen nur möglichst viel Reichtum und Lust! Du hast bemerkt: die einen von ihnen haben Gott vergessen, die anderen kennen Ihn nicht, die dritten sind offen gegen Ihn. Und ich? Ich herrsche ungehindert über Völker und Reiche, ich herrsche durch Reichtum, Sinnlichkeit und Macht! Und alle unterwerfen sich mir freudig. Aber ich bin des Glücks müde, der Macht und des Ruhms. Ich will mich von der Erde zurückziehen. Ich habe keinen verläßlichen Menschen, dem ich all das übergeben könnte. Du gefällst mir, Du bist ernst, eifrig bist du und weise, Du wirst erfolgreich über all diese Völker und Reiche dieser Welt herrschen können, herrschen mit Hilfe von Reichtum, Sinnlichkeit und Macht! Und unaussprechbares Glück wird sich in alle menschlichen Herzen ergießen, und alle Menschen, Völker und Reiche werden Dich als ihren Messias und Retter preisen, und Deines Reiches wird kein Ende sein! Nur zu, entscheide Dich! Alle Reiche, allen Reichtum, all ihren Ruhm und Glanz, all ihre Macht und Lust, alles dieses will ich dir geben, wenn Du niederfallen und mich anbeten willst!
Wenn der Satan irgendwo ganz anwesend ist, mit all seinen verführerischsten Listen, dann in dieser dritten Versuchung. Was hat er hier nicht alles zusammengetragen, um den Blumenstrauß der Versuchungen möglich reizvoll zu gestalten. Nur in einem hater sich geirrt, und zwar im Allerwichtigsten. Er wußte nicht, daß er vor sich den Gottmenschen hat, Der vollkommen weiß, was der Mensch ist, und was die irdischen Reiche darstellen, und was der Satan selbst ist. In der Tat, Er ist der Einziege, Der weiß, was alles der Mensch und die Menschheit braucht. Und Er allein hat all das, und Er allein kann ihnen das alles geben. Die Reiche dieser Welt? Was sind sie vor den allsehenden Augen des Gottmenschen Christus? - Sündige Geschöpfe sündiger Menschen; sterbliche Geschöpfe sterblicher Menschen. In ihnen gibt es viele Verbrechen, viele Laster, viel Gewalt, viel Angst, viel Böses. Wenn man will: in ihnen sind nur Sklaven über Sklaven, Gräber über Gräber. Denn die Menschen, alle Menschen ohne Unterschied - sind traurige und machtlose Sklaven der Sünde und des Todes. Ja, traurige Sklaven und hilflose Gottesacker. Und der Ruhm der Reiche dieser Welt? - Ihr Ruhm liegt in ihrer Schande. Zweifellos, in ihrer Schande! Kann man etwa auf einem unübersehbaren Friedhof, auf dem jedes Grab voll ist von Gestank, Verwesung und Würmern, von Ruhm reden? Die Gräber bleiben Gräber; soviel ihr sie auch anstreichen möget, sie bleiben von innen doch immer voll von Gestank und Verwesung. Und Satan wünscht gerade dies, und er arbeitet ständig darauf hin: daß die Menschen auch weiterhin Sklaven von Sünde und Tod bleiben. Denn nur so kann er über sie herrschen,er, der Schöpfer von Sünde und Tod. Und durch all sein Böses, und durch all seine Wünsche, fließt sein oberster Wunsch, sein Allwunsch: durch sich Gott zu ersetzen, er möchte die höchste Gottheit nicht nur für die Menschen werden, sondern auch für den Sohn Gottes und Gott-Jesus. Er will die Welt und die Mensche so Christus vorstellen, daß auch Er Sich von Ihnen lossagt, selbst wenn Er der Sohn Gottes und Gott ist. Er will Jesus dahin bringen, daß Er Sich selbst von Sich lossagt und Sich sagt: wahrhaftig bin Ich ein großer Fehler; es ist besser, wenn Ich Mich vernichte und dem Satan Platz mache.
Jesus Christus kennt den geheimen Allwunsch des Verführers und antwortet ihm und spricht: Geh hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und Ihm allein dienen”. - das wahre Leben der Menschen in der Welt besteht darin, daß sie sich nur Gott allein, dem Einzigen wahren, verneigen und dienen. Die Menschen sind nach Gottes Ebenbild geschaffen, damit sie ihre ganze Seele zu Gott zieht und damit ihr ganzes Leben ein unaufhörlicher Gottesdienst sei. Die Menschen sind unsterbliche Wesen, denn sie haben eine unsterbliche Seele. Nur indem sie dem unsterblichen und lebendigen Gott dienen, durch Ihn leben, erfüllen sie ihre göttliche Bestimmung in der Welt: die Sünde und den Tod zu besiegen und das unsterbliche und ewige Leben zu erreichen. Der Gottmensch kam in die Welt um den Menschen göttliche Kraft und Macht zu verleihen, damit sie sich von Sünde und Tod befreien können und heilig und unsterblich werden. Darin liegt das Reich und die Kraft und der Ruhm des Gottmenschen. Aber auch des Menschen. Denn das wahre Reich des Menschen und die wahre Kraft und der wahre Ruhm liegt darin, daß er durch den Gottmenschen heilig und unsterblich wird und bleibt. Alles andere ist des Menschen Schande und Schmach.
Wenn der Mensch nicht dem Gottmenschen dient, so muß er, mittelbar oder unmittelbar dem Teufel dienen. Einen dritten Weg gibt es auf diesem Planeten nicht. Wer diese Welt oder die Dinge dieser Welt zur Sünde benutzt, dient nicht Gott, sondern dem Teufel. Diese Welt ist den Menschen gegeben, damit sie ihnen zum Pflanzgarten der Unsterblichkeit werde, sie aber verwandeln sie durch ihre Sünden zum Pflanzgarten des Todes. Wie man diese Welt benutzen muß und die Dinge dieser Welt, das zeigte der Herr Jesus Christus. Jeder andere Gebrauch ist ein Mißbrauch der Welt. Wer wegen der Dinge dieser Welt den Schöpfer dieser Welt ablehnt oder sich von Ihm lossagt, der gebraucht diese Welt zu seinem Verderben. Wenn sich der Mensch aber in die Dinge dieser Welt verliebt oder von Geldgier befallen wird, oder von Machtgier oder von Sinneslust, so hört er auf, ein Gottesverehrer zu sein und wird zu einem Teufelsverehrer. Wenn er durch seine Sünden Macht und Ruhm dieser Welt kauft, so kauft er sie immer vom Teufel und verkauft ihm seine Seele - bewußt oder unbewußt. In dieser Welt ist der Teufel ein Usurpator, denn er hat sich selbst auf fremdem Eigentum zum Eigentümer ausgerufen. Wahrlich, das Böse in der Welt und die Sünden in der Welt sind seine, aber die Welt selbst ist nicht seine, sondern Gottes, denn sie ist Geschöpf Gottes “Wegen seines Stolzes betrachtet er die Welt als sein Eigentum. Das sagt er auch jetzt denen, die auf ihren Vorteil bedacht sind, um diejenigen, die sich ihm verneigen, in seiner Macht zu haben” . Die dritte Versuchung ist eine große Täuschung, wenn nicht sogar die größte, für das kleine Herz des Menschen. Unterliegt ihr der Mensch in kleinerem oder größerem Maße, so wird er in seinem Herzen immer Gott durch den Teufel ersetzen, und wird sich anstatt Gott sündiger Sinneslust oder verwerflichen Lastern oder vergänglichen Dingen oder dem Teufel selbst verneigen.
Machtgier und Habgier ist das verführerischste Übel, weshalb der Satan diese Versuchung auch bis zum Ende aufhebt. In unserer irdischen Welt berühren sich Macht und Reichtum am häufigsten, sei es, daß um ihretwillen Gott geopfert wird, die Wahrheit Gottes, oder sei es daß Gott und alles Göttliche durch den Teufel und das Teuflische ersetzt wird. Deshalb retten sich die orthodoxen Christen davor auch mit dem inständigen Gebet: “Herr und Gebieter meines Lebens, gib mir nicht den Geist der Herrschsucht!”. Denn in diesem Geist ist alles vom unreinen Geist. Zur dritten Versuchung gehören alle Arten von Herrschsucht, Habgier und Ruhmsucht. Selbst der dünnste Faden von Ruhmsucht oder Herrschsucht oder Habgier verwandelt sich unmerklich in einen Strick, der unumgänglicherweise zur Schlinge um den Hals der Seele des Menschen wird. Und ein solcher Mensch endet gewöhnlich in Selbstmord - wenn nicht physischem, so doch sicher geistlichem, denn er ermordet die Seele in sich. Zweifellos ist der Teufel unübertroffen genial im Bösen. Er maskiert kunstvoll alle Laster und Sünden, sein Gift versüßt er geschickt mit scheinbarem Honig, und all das legt er dem Menschen vor in Form verführerischer naiver Vergnügen, mit dem einzigen Ziel: mit ihrer Hilfe die Menschen dazu zu bringen, daß sie vor ihm niederfallen und sich vor ihm verneigen. Denn in allem und durch alles ist für ihn das Wichtigste und einzig Wichtige: durch sich Gott zu ersetzen. Darin ist der ganze Satan und alles, was in der menschlichen Welt satanisch ist. Der Name Satan bedeutet Widersacher; und zwar Widersacher Gottes und alles Göttlichen in allen Welten.

4,11 Dann verläßt Ihn der Teufel, und siehe, Engel kamen hinzu und dienten Ihm.
In der dritten Versuchung tritt der Herr Jesus offen als allwissender und allmächtiger Gott auf und trägt den Sieg über den Satan davon. Denn Er kam in diese Welt und wurde Mensch, um als Mensch im Namen des Menschen und für den Menschen Satan und alles Satanische in der menschlichen Welt zu besiegen. Erst durch die göttlich-machtvolle und göttlich-allwissende Antwort Christi auf die dritte Versuchung sah und erkannte Satan, daß er wahrhaftig den Sohn Gottes und Gott vor sich hatte. Aber dadurch sah und erkannte er auch, daß er selbst besiegt und verhöhnt ist. Er wollte Jesus versuchen und besiegen, tatsächlich aber hat er sich selbst versucht und die größte Niederlage erlitten. Deshalb zieht er sich auch als schwer Verwundeter und Ohnmächtiger von Jesus zurück, um den letzten und tödlichen Schlag durch den Tod Christi auf Golgatha und die Auferstehung zu erleiden. Der Evangelist schreibt: Dann verläßt Ihn der Teufel, und siehe, Engel kamen hinzu und dienten Ihm.
Jesus befiehlt als Gott, der Teufel gehorcht als Diener. Besiegt entfernt sich der Teufel von Christus, und die lichten Engel, die einstigen Brüder des finsteren Geistes des Bösen, treten zu Jesus und dienen Ihm freudig als Gott. Solange der Kampf währte, sagt der Hl. Chrysostomos, ließ Christus nicht zu, daß die Engel erscheinen, damit sie nicht jenen verjagen, den es zu greifen galt. Doch nachdem Er in allem den Teufel bloßgestellt und in die Flucht geschlagen hat, da erscheinen auch die Engel.

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Zweifellos flocht der Satan in alle drei Versuchungen mittelbar oder unmittelbar alles Böse ein, wodurch er das menschliche Wesen versucht, denn er mußte den geheimnisvollsten und ungewöhnlichsten Menschen versuchen: Jesus von Nazareth. Und tatsächlich versuchte er Christus mit jeder Versuchung (Lk. 4,13; Hebr. 4,15), und dadurch eröffnete er unfreiwillig den Plan und die Methode seiner Arbeit in der Welt. Denn alle Versuchungen, mit denen der Satan die Menschen aller Zeiten versucht, sind nichts anderes, als die weiterentwickelten drei Versuchungen, mit denen er den Herrn Jesus Christus versuchte. Im Kampf mit all diesen Versuchungen fühte unser Herr Christus Seine göttlichen Eigenschaften ein und besiegte sie. Den Satan besiegte Er durch Gott, den unheiligen Geist - durch den Heiligen Geist (vgl. Lk. 4,1). Und dadurch zeigte und bewies Er, daß die Menschen nur durch Gott und den Hl. Geist alles satanisch Böse und alle Versuchungen besiegen können und auch den Satan selbst.
In den drei Versuchungen sind in Kürze die zwei wichtigsten Philosophien über die Welt und den Menschen dargelegt, die zwei schicksalhaftesten Ansichten von der Welt und dem Menschen: die Ansicht des Gottmenschen Christus und die Ansicht Satans. Das sind in der Tat zwei Evangelien: eines - das Evangelium Christi, das andere - das des Teufels (welches tatsächlich kein Evangelium ist = Frohbotschaft, sondern eine bittere Botschaft). Daher kommen die zwei Philosophien, die zwei Evangelien im ständigen Kampf durch die Geschichte der Menschheit. Ihr Anfang liegt in der ersten Begegnung auf diesem Planeten zwischen dem Gottmenschen und Satan. Hier ist auch der erste Sieg des Gottmenschen über den Teufel. Und durch den Gottmenschen - auch der erste Sieg des Menschen selbst. Dadurch erlebt der Teufel eine Niederlage nach der anderen - sowohl durch den Gottmenschen als auch durch Seine Nachfolger.
Warum sagt der Evangelist Lukas, fragt der Hl. Chrysostomos, daß der Teufel alle Versuchungen durchführte - panta peirasmon (Lk. 4,13)? Mir scheint, daß er nach Erwähnung der Hauptversuchungen sagt: alle, weil in diesen Versuchungen alle übrigen enthalten sind. In der Tat liegt die Quelle aller unzähligen Übel in diesen drei Lastern: dem Dienst am Bauch, der nichtigen Eitelkeit und der maßlosen Bindung an Reichtum. Im Wissen darum hob der widerliche Versucher auch die stärkste Versuchung bis zum Ende auf. Er brannte vor dem Wunsch, diese Versuchung ganz zu Anfang zu benutzen, aber da sie stärker war als die übrigen, hob er sie bis zuletzt auf. So ist sein Gesetz des Kampfes: am Ende das zu benutzen, was seiner Meinung nach das sicherste Mittel ist, um den Gegner auszuschalten. So verfuhr er auch mit Hiob; so auch hier. Und wie kann man den Verführer besiegen? So wie uns Christus gelehrt hat: sich Gott zuwenden, nicht den Mut verlieren, selbst bei großem Hunger, an Denjenigen glauben, Der uns auch mit dem Wort nähren kann; und wenn wir irgendetwas Gutes erreichen, sollen wir damit nicht den Geber des Guten versuchen, sondern uns zufriedengeben mit dem himmlischen Ruhm, und nicht im Geringsten um den menschlichen um sorgen, und in allem die Maßlosigkeit fliehen.. Wahrlich, nichts unterwirft so sehr dem Teufel wie Habgier und die Gier nach Besitz. Das kann man sogar aus dem ersehen, was jetzt geschieht. Auch jetzt gibt es Menschen, die sagen: “Alles dieses gebe ich dir, wenn du niederfällst und mich anbetest”. Obwohl sie der Natur nach Menschen sind, sind sie doch zu Werkzeugen des Teufels geworden. So griff damals auch der Teufel nicht nur selbst Christus an, sondern er nutzte auch andere aus, was der Evangelist Lukas zeigt, indem er sagt: “er wich von Ihm für einige Zeit”(Lk. 4,13). Mit diesen Worten läßt er uns wissen, daß der Teufel auch später Christus durch seine Werkzeuge angriff.... So verfuhr der Teufel nicht nur mit unser aller Herrn, sondern er strickt auch täglich gegen jeden Seiner Knechte die gleichen Netze. Und das nicht nur auf Bergen und in Wüsten, sondern auch in den Städten, auf Märkten und in Gerichtssälen. Und er webt diese Netze nicht nur selbst, sondern auch durch Menschen, unsere Brüder. Was bleibt uns also zu tun? In keinem Fall dürfen wir ihm glauben, wir müssen vor ihm unsere Ohren verschließen, ihn hassen, wenn er uns schmeichelt, und je mehr er uns verspricht, desto mehr müssen wir ihn fliehen. Er ist unser unerbittlicher Feind, und er führt einen unversöhnlichen Kampf mit uns. Er verspricht uns viel, aber nicht um uns etwas zu geben, sondern um von uns zu nehmen.
Der Herr hat drei Versuchungen besiegt, sagt der selige Theophylakt, die Befriedigung des Bauches, die nichtige Eitelkeit und die Leidenschaft des Reichtums, d.h. die Habgier. Das sind die Hauptleidenschaften. Daher ist es nach dem Sieg über sie leichter, die übrigen zu beherrschen. Deshalb sagt Lukas auch: und als der Teufel jede Versuchung vollendet hatte (Lk. 4,13), obwohl der Herr nur die drei Hauptleidenschaften besiegte. Die Engel aber dienten Ihm, um zu zeigen, daß sie auch uns nach dem Sieg dienen werden, denn all dies tat und zeigte Christus um unseretwillen. Ihm aber, als Gott, dienen die Engel immer. Die drei erwähnten Versuchungen, sagt Zigaben, sind eben die wichtigsten unter den Versuchungen, denn alle übrigen entspringen aus ihnen. Wer diese Leidenschaften besiegt, wird auch den Sieg über die anderen davontragen.