Hl. Justin von Celije

Kommentar zum Hl. Evanglium nach Matthäus



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1994, 3


Die Gerechtigkeit wird durch asketische Handlungen zur persönlichen Gerechtigkeit. Wenn die Demut des Evangeliums zur ständigen Tugend geworden ist, zur ständigen Haltung des Menschen, so hat ein Teil der Wahrheit Gottes in seine Seele Einzug gehalten. Ebenso ist es mit der Sanftmut, der Gerechtigkeitsliebe, der Barmherzigkeit, der Reinheit des Herzens und dem Friedenstiften: Wenn sie zu dauernden Tugenden werden, zur andauernden Grundhaltung des menschlichen Wesens, so hat sich bereits die ganze Gerechtigkeit Gottes in der Seele des Menschen angesiedelt und erscheint als seine eigene Gerechtigkeit. Denn was ist Gerechtigkeit? Gerechtigkeit bedeutet: ständig in der Gerechtigkeit und nach der Gerechtigkeit des wahrhaften Gottes zu leben. Dabei ist und bleibt für ewig das Vorbild und verwirklichte Ideal der vollkommenen Gerechtigkeit der Gottmensch Christus, denn Er allein ist die fleischgewordene und menschgewordene allvollkommene Gerechtigkeit Gottes. Inwieweit der Mensch durch die Tugenden des Evangeliums in sich den Herrn Christus ansiedelt und durch Ihn und um Seinetwillen lebt, insoweit wird er zum Gerechten. Beginnt der Mensch vollkommen durch Ihn und Seine göttliche Gerechtigkeit zu leben, ist er bereit, auch für Ihn zu jeder Zeit zu sterben, dann ist dieser Mensch ein wahrer Gerechter. Nur wahre Gerechte leiden für die wahrhaftige Gerechtigkeit. Und das sind? – Apostel, Märtyrer, Bekenner, Uneigennützige, Asketen und alle Heiligen überhaupt. Alle sie sind in stärkerem oder geringerem Maße von sichtbaren oder unsichtbaren Feinden vertrieben und verfolgt „um der Gerchtigkeit willen“, und das bedeutet: um Christi willen, um des Evangeliums willen. Selbstverständlich gebührt der reichste Ruhmeskranz den Eifrigsten und Aufopferndsten. Bei allen heiligen Gerechten ist die Gerechtigkeit Christi zum Maßstab ihrer Seele geworden, zu ihrem Gewissen, zu ihrem Wesen, und aus ihnen strahlt sie durch all ihre Gedanken, durch all ihre Worte, durch all ihre Gefühle, durch all ihre Werke. Wenn sie denken, wenn sie fühlen, wenn sie tun, so denken sie durch die Gerechtigkeit, fühlen durch die Gerechtigkeit, tun durch die Gerechtigkeit, denn sie ist durch die Gnade Gottes zu ihrem Selbstgefühl und ihrem Selbstbewußtsein geworden.
Die zu Christus strebenden Leidensdulder um der Gerechtigkeit willen segnen diejenigen, die sie verfolgen (Röm 12,14), nehmen keine Rache für sich (Röm 12,19), erwidern Böses nicht mit Bösem, sondern besiegen das Böse durch das Gute (1 Petr 3,9; Röm 12,21); wenn sie verflucht werden, dann segnen sie, wenn sie verfolgt werden, dulden sie, wenn sie verschmäht werden, beten sie; sie werden zu heiligem Kehrricht, auf dem man herumtritt (1 Kor 5,12-13); in allem leiden sie Not, aber sie nehmen dies nicht übel; sie werden verfolgt, aber sie sind nicht verlassen; in gleichem Maße tragen sie den Tod unseres Herrn Jesus Christus auf ihrem Leib; in gleichem Maße überantworten sie sich dem Tod für Christus (2 Kor 4,8-11). In all diesem sind sie selig, denn unser Herr Jesus Christus, der durch Seine Gerechtigkeit in ihnen lebt, ergießt in ihr Wesen unausprechliche göttliche Seligkeiten. Nur so ist auch die Seligkeit der heiligen Märtyrer und der übrigen Gerechten Gottes in all ihren Qualen, Nöten, Leiden, Todesarten und Verfolgungen „um der Gerechtigkeit willen“ zu erklären. Und je gerechter der Mensch Christi ist, um so seliger ist er in all seinen Leiden für die Gerechtigkeit. Es bedarf nur der Erinnerung an den „Gerechten“ Hiob. Und der Apostel Paulus? Welche große Qual ruft in ihnen, wenn sie sie erreicht, nicht große Seligkeit hervor? Die heiligen Apostel freuen sich darüber, daß sie gewürdigt werden, um Christus und seiner Gerechtigkeit willen gequält und geschlagen zu werden (vgl Apg 5,40-41).
Die Seligkeit in Qualen ist nur den Christustragenden Gerechten bekannt. Sie freuen sich an ihrem Leben in Gerechtigkeit, noch mehr aber an ihrem Tod für die Gerechtigkeit. Das ist jene Freude, die ihnen nach dem prophetischen Wort des Heilands niemand und nichts nehmen kann (Jh 16,20-22): weder der Tod, noch das Leben, weder die Not, noch die Trauer, weder Verfolgung noch Hunger, weder Nacktheit noch Furcht, weder Schwert noch Engel, weder Fürstentümer noch irgend etwas jetziges oder irgend etwas künftiges, weder Höhe noch Tiefe oder irgendein anderes Geschöpf. Und bei all dem? „Um deinetwillen werden wir den ganzen Tag getötet, werden wir wie Schafe zum Schlachten gehalten, aber bei alldem siegen wir mit Hilfe dessen, der uns liebt“ (Röm 8,35-39), d.h. mit Hilfe des Herrn Christus. Eben darin liegt das Geheimnis des Christentums beschlossen, das Geheimnis seines Erfolges, seiner Unbesiegbarkeit, seiner Kraft, seiner Macht, seiner Allmacht. Ja, selbst der Herr Christus ist jenes allheilige und allmächtige Geheimnis und Kraft, denn Er ist alles und alle in den Seelen seiner wahren Nachfolger: sowohl die Gerechtigkeit, als auch die Freude, die Seligkeit und Wahrheit, Liebe und Kraft und Allmacht. Er ist es, der jegliche Not bei ihnen in Frohsinn verwandelt, in Freude, welche ihnen kein Peiniger nehmen kann, ja selbst der oberste Lehrer aller ihrer Peiniger, Satan nicht.
Zum Gerechten wird nur jener, der lächzend und dürstend nach Gerechtigkeit mit seinem ganzen Wesen die Gerechtigkeit sucht, und wenn er sie findet, sich durch sie ernährt, durch sie und ihretwillen lebt, und seine Gott zustrebende Seele ganz durch all das sättigt, was göttlich, unsterblich, ewig ist (vgl. Mt 5,6). Anders kann man eben nciht zum Gerechten werden, und noch weniger ein Gerechter bleiben. Denn nur wahre Gerechte leiden um der Gerechtigkeit willen, gehen ihretwillen in den Tod; und in all dem sind sie von Seligkeit erfüllt. Sie haben bis zum Ende erfahren und erkannt, daß es keine Gerechtikeit ohne die Gerechtigkeit Gottes gibt, und keine Seligkeit ohne Gerechtigkeit. Und alles, was nicht von der Gerechtigkeit Gottes stammt., ist eine Qual im menschlichen Geist, und Unglück und Hölle. Daher verleiht all das dem Menschen auch keine Seligkeit, denn es besitzt sie nicht.
Worin liegt das Hauptziel der menschlichen Existenz in dieser Welt? In der Gerechtigkeit Gottes. Dies erklärte der Gottmensch: „Suchet vor allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“ (Mt 6,33). Die Gerechtigkeit Gottes führt den Menschen in das Gottesreich ein und macht ihn göttlich, ewig. In der Tat, die Gerechtigkeit Gottes ist auch das Reich Gottes. Denn Gott herrscht durch Seine Gerechtigkeit in all Seinen Welten. Demgegenüber herrscht der Teufel durch seine Ungerechtigkeit in all seinen Welten: zu allererst in sich selbst, dann im Menschen und in der Hölle. Die Regel des Lebens nach dem Evangelium lautet: Gott sei an erster Stelle in allem Menschlichen. Wenn der Mensch nach dieser Regel lebt, so kommt er an die erste Stelle, er ist schon im Reich Gottes. Und so kommt man und bleibt man an der ersten Stelle nur durch die Gerechtigkeit Gottes. Der Teufel ist die Verkörperung der Ungerechtigkeit, daher ist er auch der Hauptfeind der Gerechtigkeit (vgl Apg 13,10). Wie die Gerechtigkeit Gottes das Reich Gottes verwirklicht, so verwirklicht auch die Ungerechtigkeit das Reich des Teufels.
Im gottähnlichen Wesen der menschlichen Natur befinden sich Spliltter der Wahrheit Gottes. Wer sie durch die göttlichen Tugenden pflegt und vervollkommnet, wird ein Gerechter; wer sie aber durch Unachtsamkeit vergräbt und durch Laster erstickt, wird ein Ungerechter. Das Korn der Wahrheit wächst im Menschen, wenn der Mensch die Tugenden des Evangeliums übt, wenn er vollkommen in dem Himmelsgewölbe der Stimmungen des Evangeliums lebt, denkt und fühlt. Der heilige Apostel hat dies im Auge, wenn er den Christen verordnet: „... und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit“ (2 Kor 9,10). Indem die Christen so die Gerechtigkeit Gottes pflegen, werden sie von den Früchten der Gerechtigkeit durch den Herrn Jesus erfüllt (Phil 1,11).
Gott wird die ganze Welt nach der Gerechtigkeit richten – en dikaiosunh – , „denn er hat einen Tag gestzt, an welchem er richten will den Erdekreis mit Gerechtigkeit, durch einen Mann, der er dazu bestimmt hat und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn auferweckt hat von Toten“ (Apg 17,31). Dieser Mensch aber ist der Gottmensch Christus. Er wird durch Ihn richten, denn Er hat als Mensch allen Menschen die ganze Gerechtigkeit Gottes verkündet. Und Er lieferte ihnen den Beweis davon. Wie? Indem Er von den Toten auferstand. Die Auferstehung Christi von den Toten ist der Beweis dafür, daß Seine Gerechtigkeit stärker ist als der Tod, daß sie unsterblich und ewig ist, und daß sie in dieser und in jener Welt gilt. In der Tat, es gibt keine Gerchtigkeit ohne Christus und außerhalb Christi. „In ihm erscheint die Gerechtigkeit Gottes“ (Röm 1,17), und zwar erscheint sie ganz in menschlich offensichtlicher Weise. Er „herrscht durch die Gerechtigkeit für das ewige Leben“ (Röm 5,21). Er erschien auch in der Welt „auf daß wir in ihm die Gerechtigkeit Gottes würden“ (2 Kor 5,21). Denn indem sich die Menschen Ihn aneignen und Seine göttliche Gerechtigkeit, werden sie gerecht. Durch Seine allvollkommene göttliche Gerechtigkeit rechtfertigte Christus als Mensch Gott vor den Menschen, daß Er sie so schuf, denn Er schuf sie zur Unsterblichkeit und zum ewigen Leben. Das bedeuten die Worte des Apostels: „So kommt auch die Rechtfertigung, das Leben, durch die heilschaffende Tat des Einen über die ganze Menschheit“ (Röm 5,18). Gott wirkte als vollkommene Gerechtigkeit, als Er die Menschen zur Unsterblichkeit und zum ewigen Leben schuf. Dies bewies der Gottmensch Christus auf überzeugendste Weise. Daher haben die Menschen keine Entschuldigung, haben keine Rechtfertigung, wenn sie Gott beschuldigen, daß Er eine solche Welt schuf, ein solches Leben, einen solchen Menschen.
Die Sünde ist die Ungerechtigkeit, die Tugend aber Gerechtigkeit. Der Mensch lebt entweder im einen oder im anderen. Wenn die Sünde mit Hilfe ihrer Annehmlichkeiten vom Menschen Besitz ergreift, dann verwandelt sie ihn in eine Waffe, in „die Waffe der Ungerechtigkeit“ und er kämpft bewußt oder unbewußt mit jeder seiner sündigen Handlung, mit jedem sündigen Gedanken, sündigen Gefühl für die Ungerechtigkeit. Gewinnt er jedoch die Tugend lieb, so verwandelt sich der Mensch in eine „Waffe der Gerechtigkeit“, mit welcher Gott sein Himmelreich auf der Erde verwirklicht (vgl. Röm 6,12-13). Der Mensch ist entweder Diener der Sünde oder Diener der Gerechtigkeit, ein drittes gibt es nicht. Nur wenn er aufhört, Diener der Sünde zu sein, wird er zum Diener der Gerechtigkeit; wenn er der Gerechtigkeit dient, heiligt er sich selbst, sein ganzes Wesen, und er erreicht das, was das Ende und Ziel der Gerechtigkeit ist: das ewige Leben (Röm 6,16.18.19.22; Mt 25,46; 2 Kor 3,9; 2 Petr 2,21).
Der menschliche Geist kennt keine wahre Gerechtigkeit, solange ihn der Heilige Geist nicht damit erfüllt. Der Heilige Geist aber siedelt sich im Menschen durch die göttlichen Tugenden an. „Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17): Zuerst Gerechtigkeit und in ihr auch Frieden und Freude. Der Heilige Geist offenbart sich besonders durch die Gerechtigkeit, lebt im Menschen durch die Gerechtigkeit, verwandelt ihn in seinen Tempel und durch die Gerechtigkeit vermehrt Er im Menschen alles Göttliche, Unsterbliche, Ewige. Im menschlichen Wesen wächst dann sprunghaft und unaufhaltsam das Gute und die Gerechtigkeit und die Wahrheit, diese heilige Dreiheit, welche den Menschen von Scheitel bis Sohle erheiligt. Durch sie wirkt und schafft der Heilige Geist besonders. Denn das Gute, die Gerechtigkeit und die Wahrheit sind die wichtigsten Architekten der menschlichen Unsterblichkeit, Ewigkeit, Gottähnlichkeit. Daher spricht auch der hl. Apostel: „Des Lichtes Frucht besteht in lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit“ (Eph 5,9).
Die Gerechtigkeit macht den Menschen ewig neu. Denn der Mensch der Gerechtigkeit und Wahrheit Christi ist auch der einzig wahre neue Mensch. Das ist der Mensch „geschaffen nach Gott in Gerechtigkeit und Heiligkeit der Wahrheit“ (Eph 4,24). Als schöpferische göttliche Kraft baut die Gerechtigkeit alle Gedanken des Menschen „nach Gott“ aus, alle Gefühle, Haltungen, und auf diese Weise macht sie ihn Gott ähnlich, nach Gottes Ebenbild. Vereint mit der Heiligkeit der Wahrheit, heiligt die Gerechtigkeit Christi den Menschen und macht ihn göttlich, gut, heilig, gerecht, schön. Das ist der wahre neue Mensch, der niemals altert, denn er wird niemals sterben. Unsterblichkeit macht ihn auch ewig neu und ewig jung. Die Sünde ist die einzige Kraft, die den Menschen altern läßt, denn nur sie tötet ihn ab. Der Mensch altert nicht, stirbt nicht, wenn er sich in „in das Gewand der Gerechtigkeit“ kleidet (Eph 6,14); und kein einziger Pfeil der Sünde kann diese Festung durchschlagen und sich in sein Herz einwühlen. Die Gerechtigkeit Christi macht den Menschen, wenn sie in ihm lebt, so sehr zum Menschen Christi, macht sie so sehr zu seinem Anverwandten, daß er in der Tat geistlich von Christus geboren wird. Der Apostel sagt den Christen: „Wenn ihr wißt, daß er gerecht ist, so erkennet denn auch, daß wer recht tut, aus ihm geboren ist“ (1 Jh 2,29). Und noch mehr: „Wer die Gerechtigkeit tut, ist ein Gerechter, wie auch er ein Gerechter ist“ (1 Jh 3,7). Daher stammt das heilige apostolische Maß: „Wer nicht recht tut, der ist nicht von Gott“ (1 Jh 3,10).
Unser Herr Christus sagte nicht nur Selig sind die Verfolgten, sondern Er fügte hinzu um der Gerechtigkeit willen, und dadurch zeigte Er deutlich, daß die Gerechtigkeit nur denjenigen geschenkt wird, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, nicht aber um etwas anderes willen. Dies ist eine außergewöhnliche Frohbotschaft und Wahrheit des Evangeliums. Sie durchströmt auch die Worte des hl. Apostels Petrus: „Wenn ihr um der Gerechtigkeit willen leidet, seid ihr selig „ (1 Petr 3,14). Jedes andere Leiden ist weit entfernt von der wahren Gerechtigkeit, am meisten ist es die Quelle verschiedenartiger Unglücke, Verzweiflung und Qual. Daher schreibt auch der heilige Apostel an die Christen: „Selig seid ihr, wenn ihr für den Namen Christi geschmäht werdet, denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch. Niemand aber unter euch leide als ein Mörder oder Dieb oder Übeltäter oder der in ein fremdes Amt greift. Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht, sondern ehre Gott mit diesem Namen“ (1 Petr 4,14-16).
Indem er die Seligkeit um des Friedenstiftens willen mit der Seligkeit der Verfolgten um der Gerechtigkeit willen in Verbindung bringt, sagt der hl. Chrysostomos: „Damit man nicht meinet, der Friede sei immer etwas Gutes, fügte der Heiland auch dieses Gebot hinzu: Selig sind die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, d.h. die um der Tugend willen Verfolgten, um der Verteidigung anderer willen, um der Frömmigkeit willen, denn Er bezeichnet als Gerechtigkeit gewöhnlich immer die gesamte Philosophie der Seele – thn apasan ths yuchhV jilosojian„1
Aus Anlaß dieser Seligpreisung schreibt der sel. Theophylakt: Nicht nur die Märtyrer werden verfolgt, sondern auch viele andere wegen der Hilfeleistung für Notleidende und überhaupt für jegliche Tugend, denn jegliche Tugend ist Gerechtigkeit. Auch Räuber und Mörder werden ebenso verfolgt, aber dennoch sind sie nicht selig2. Da den um der Gerechtigkeit willen Verfolgten das Himmelreich als Belohnung bestimmt ist, soll man nicht jene unterschätzen, denen andere Belohnungen bestimmt sind. Denn wenn die Belohnungen, die in den übrigen Seligpreisungen erwähnt sind, wegen der Verschiedenartigkeit ihrer Bezeichnungen auch unterschiedlich aussehen, so bedeuten sie doch alle das Himmelreich. Denn alle, die dieser Belohnungen gewürdigt werden, ergötzen sich des Himmelreiches, weshalb sie auch alle als Selige bezeichnet werden 3.
Von dieser achten Seligpreisung sagt der gottweise hl. Gregor von Nyssa: Wie gleichsam ein Höchstpunkt aller Seligpreisungen, stellt diese Seligpreisung den Höhepunkt eines guten Aufsteigens dar. Denn der Herr sagt: Selig die Verfolgten um meinetwillen, denn ihrer ist das Himmelreich. Dies eben ist das Ende der asketischen Taten in Gott, dies ist die Belohnung für die Arbeit, dies der Lohn für vergossenen Schweiß: des Himmelreiches gewürdigt zu werden4.