Hl. Justin von Celije

Kommentar zum Hl. Evanglium nach Matthäus



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1994, 5

Selig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten. ...
Die frohe Botschaft des Evangeliums besagt, daß jenseits jeder Beleidigung, die der Mensch um Christi willen sanftmütig erträgt, alle Himmel als Belohnung stehen. Gibt es etwa eine Beleidigung, ein Leiden, welches der Christ nicht mit Freude um Christi willen ertragen könnte? Tausende von Verfolgungen und hinter ihnen viele Tausende von Todesarten werden auf den Menschen Christi gewälzt, und er eilt ihnen fröhlich und freudig entgegen, denn sie führen in seine Seele Tausende und Abertausende von Seligkeiten durch die allwahren Worte des Allgütigen ein: Freuet euch und seid froh, denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. Was sind unsere irdischen Leiden für Christus gegenüber einer solchen Belohnung? Staubkörnchen gegenüber der Sonne, Tropfen gegenüber dem Meer. “Denn die augenblickliche, leichte Trübsal erwirkt uns eine überschwenglich reiche, gewaltige Fülle ewiger Herrlichkeit; wir sehen ja nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare: das Sichtbare währt nur für Augenblicke, das Unsichtbare aber ist ewig” (2. Kor. 4,17-18). Und jenseits von diesem allen steht Er, der den Himmel zum Himmel macht, und das Paradies zum Paradies und die Seligkeit zur Seligkeit. Daher ist unsere Belohnung größer als der Himmel und als der Himmel über den Himmeln, um so vieles größer als der endlose Gott größer ist als jedes Geschöpf, ja auch das vollkommenste.
Das ist dasjenige, was allen Aposteln in ihren Mühen, allen Märtyrern in ihren Qualen, allen Asketen in ihren Bemühungen, allen Gerechten in ihren Leiden, allen Christen in ihren Unternehmungen, Freude und Seligkeit gab und immer gibt. Hinter jedem Werk um Christi willen steht ganz Er, mit all Seinen Vollkommenheiten und Seligkeiten, Freuden und Genüssen. Lohnt es etwa nicht, für Ihn Tausende von Toden täglich zu erleiden, wenn dies nötig ist? Ohne Zweifel verbirgt sich in jedem von ihnen eine Unzahl von Freuden und Seligkeiten für den Leidendulder Christi. Deshalb gibt es kein Ende für die menschliche Freude in Christus. Diese Freude teilt uns der eifrigste Frohbotschafter und unersättliche Leidendulder mit: “Freut euch immer im Herrn und wiederum sage ich euch: freut euch” (Phil. 4,4; vgl. 1. Thes. 5,17; Kol. 1,24).
Die gesamte Geschichte des Christentums ist nichts anderes als ein ununterbrochenes Beispiel dieser Freude, dieser Seligkeit in den Leiden für Christus. Geschlagen und geschändet um Christi willen, gehen die Apostel: “sie freuten sich, daß sie gewürdigt worden waren, um des Namens Jesu willen Schmach zu leiden” (Apg. 5, 40-41). Der hl. Erstmärtyrer Stephan ist wahrhaftig ein heiliger Erstfreuender, denn er erlebte, während seiner Qualen die unbeschreibliche Seligkeit: “Er aber, voll Heiligen Geistes, schaute unverwandt gen Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen: Ich sehe den Himmel offen – rief er – und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen” (Apg. 7, 55-56). Neben dem heiligen Erstmärtytrer erleben diese Seligkeit in den Leiden für Christus in größerem oder kleinerem Maße alle übrigen heiligen Märtyrer, heiligen Bekenner, heiligen Uneigennützigen, heiligen Asketen und alle Gerechten. Wer wird ihre Freude und ihre Seligkeiten in ihren Ungemachen für Christus, in ihren Leiden für Christus, in ihrem Sterben für Christus aussprechen und wer wird sie beschreiben? Denn inwieweit sich die Leiden Christi an ihnen vermehren, insoweit vermehrt sich auch ihr Trost durch Christus. “Der Gott alles Trostes”, “der uns in all unserer Bedrängnis tröstet” (vgl. 2. Kor. 1,3-5). Daher sind sie “gern um Christi willen in Schwachheiten, in Schmähungen, Nöten, Verfolgungen, Bedrängnissen” (2. Kor. 12,10). Sie wissen und bekennen und erklären mit dem hl. Apostel allen Christen, da “euch doch die Gnade verliehen ist für die Sache Christi, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden” (Phil. 1,29). Erfüllt von der Gnade des Heiligen Geistes, wird die Seele des Christen zur wundertätigen Werkstatt, in welcher jegliche Trauer und jedes Unglück, jedes Leiden für Christus unweigerlich in Freude, in Frohsinn, in Seligkeit verwandelt werden (vgl. Jh. 16, 20). Daher empfiehlt der Christustragende Apostel auch den Christen: “Nehmt es als Anlaß zu lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr mancherlei Anfechtungen ausgesetzt seid: Ihr wißt ja, daß die Bewährung eures Glaubens Beharrlichkeit erwirkt; möge der Beharrlichkeit auch die Vollendung des Werkes beschieden sein, damit ihr vollkommen seid, ohne Fehl und in keinem Stücke zurückbleibt” (Jak. 1,2-4). Ein anderer hl. Apostel fügt gleichsam diese Frohbotschaft hinzu, indem er im Namen aller Christen spricht: “Aber nicht allein darüber freuen wir uns, nein, auch über die Drangsale; wissen wir doch: Drangsal wirkt Starkmut, Starkmut wirkt Bewährung, Bewährung Hoffnung, und Hoffnung läßt nicht zuschanden werden: Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ward” (Röm. 5, 3-5).
Die neunte Seligpreisung ist ein Erlebnis, und nur als Erlebnis ist sie eine unzweifelhafte Wahrheit des Evangeliums. Sie erleben jene Christen, die um Christus willen geschmäht werden, verfolgt werden, verleumdet werden “in Lüge”, d.h. indem gegen sie Lüge verwandt wird, nur damit sie verschmäht, vertrieben und verleugnet werden können. Der Heiland verspricht in keinem Fall diese Seligkeit denjenigen Christen, die wegen ihrer eigenen Untätigkeit und nicht dem Evangelium entsprechenden Taten verschmäht und verfolgt werden. Hierin dient für das christliche Bewußtsein als Leitfaden und Wegweiser jenes gottweise Wort des hl. Apostels Petrus, das an die Christen aller Zeiten gerichtet ist: “Wenn ihr um des Namens Christi willen geschmäht werdet, selig seid ihr: denn der Geist, der euch verherrlicht, der Geist Gottes, ruht auf euch. Keiner von euch soll als Mörder oder Dieb, als Übeltäter oder Hehler zu leiden haben: Wer aber als Christ zu leiden hat, soll sich nicht schämen, sondern Gott preisen in der Kraft dieses Namens” (1. Petr. 4,14-16).
Vom Heiligen Geist durch die heiligen Mysterien des Evangeliums Christi geführt, verkündet der Hl. Chrysostomus folgende Frohbotschaft über die neunte Seligpreisung: Der Heiland sagt gleichsam: Wenn ihr auch als Betrüger bezeichnet werdet, wenn ihr auch als Anführer oder als Bösewichte oder mit irgendeinem anderen Namen bezeichnet werdet, so seid ihr dennoch selig. Was ist ungewöhnlicher als solche Belehrungen? Als Erhofftes zu bezeichnen, was andere umgehen, d.h. Armut, Tränen, Verfolgung, Schmähung? Aber Er selbst hat nicht nur das gesagt, sondern auch davon überzeugt, nicht zwei, nicht zehn, nicht hundert, nicht tausend Menschen, sondern das ganze Weltall. Eine solche Kraft hatte der göttliche Lehrer! Doch damit ihr nicht etwa meint, daß die Schmähungen an sich die Menschen selig machen, teilt Christus sie in zwei Arten auf: Wenn sie um Seinetwillen geschehen und wenn sie lügnerisch sind. Wenn dieses nicht der Fall ist, dann ist der Geschmähte nicht selig, sondern ein Unglücklicher. Siehe, welche Belohnung wiederum gegeben wird: Denn groß ist ihr Lohn im Himmel. Aber wir sollen nicht den Mut verlieren, wenn gesagt wird, daß nicht für jegliche Seligkeit das Himmelreich geschenkt wird. Denn der Heiland gibt wohl den Belohnungen verschiedene Bezeichnungen, führt sie jedoch alle in das Himmelreich ein. Denn auch wenn Er sagt, daß diejenigen, die weinen, getröstet werden, und daß die Barmherzigen Barmherzigkeit erfahren werden und die reinen Herzen Gott schauen, und die Friedenstifter als Söhne Gottes bezeichnet werden, so bezeichnet Er mit all diesem doch nichts anderes, als eben das Himmelreich. Denn wer diese Güter erhält, erhält zweifellos auch das Himmelreich. Deshalb sollen wir nicht denken, daß des Himmelreiches lediglich die Armen am Geiste gewürdigt werden, sondern das Himmelreich erhalten auch jene, die nach Gerechtigkeit dürsten, und die Sanftmütigen und alle übrigen1.
Nachdem Er sagte: Euer Lohn wird groß sein, fügte der Heiland auch noch einen anderen Trost hinzu: Denn so wurden die Propheten vor euch verfolgt. Da das Himmelreich sich näherte und erwartet wurde, verheißt Er ihnen den Trost durch die Gemeinschaft mit jenen, die vor ihnen litten. Denkt nicht, sagt Er, daß ihr etwa leidet deshalb, weil ihr etwas der Wahrheit Entgegengesetztes sprecht und vorschreibt; und daß ihr verfolgt werdet, weil ihr Lehrer böser Lehren seid. Ihr werdet nicht Verfolgungen und Gefahren ausgesetzt, weil ihr Böses predigt, sondern weil die Zuhörer böse sind. Daher werden die Verleumdungen auch nicht auf euch, die Leidendulder fallen, sondern auf jene, die das Böse tun. Davon legt bereits die vergangene Zeit Zeugnis ab. Denn auch die Propheten wurden nicht angeklagt wegen ungesetzlichen Handelns oder gottloser Lehre, als einige von ihnen gesteinigt wurden, einige verfolgt und einige wiederum verschiedenen Leiden unterworfen wurden2.
Wenn der Herr auch in den übrigen Seligpreisungen spricht Selig sind die Armen, selig sind die Barmherzigen, so spricht Er hier doch definitiv und wendet sein Wort unmittelbar an die Jünger: Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und euch fälschlich alles Böse nachsagt, indem Er zeigt, daß dies sich in erster Linie auf sie bezieht, und daß dies in erster Linie den Lehrern eigen ist. Gleichzeitigt kündet Er hier Seine Würde und gleiche Ehre mit dem Vater an. Er sagt, wie die Propheten um des Vaters willen litten, so werdet auch ihr um meinetwillen leiden. Wenn Er aber sagt die Propheten vor euch, so zeigt Er damit, daß auch sie bereits Propheten sind. Wenn Er darauf zeigt, daß die Leiden für sie besonders nützlich sein werden, und daß Er sie verherrlichen wird, so sagt Er nicht: Ihr werdet verschmäht und verfolgt werden und ich werde das verhindern. Denn Er will sie nicht davor schützen, daß sie etwas Böses über sich hören, sondern daß sie großzügig die bösen Worte über sich ertragen, und daß sie sie durch ihre Werke widerlegen. Denn dies ist größer als jenes: So wie es wiederum viel erhabener ist, in der Zeit der Verfolgungen nicht zu verzagen, als überhaupt nicht zu leiden3.
Es ist unmöglich, daß diejenigen von allen gepriesen werden, die in Tugenden leben. Der Heiland spricht den Lohn nicht nur für die Gefahren zu, denen sie sich unterziehen, sondern auch für die Angriffe, denen sie sich aussetzen. Daher sprach Er nicht: Wenn ihr verfolgt und getötet werdet, sondern: wenn ihr verhöhnt werdet, wenn böse Worte gegen euch gesprochen werden. Wahrhaftig fügen die Anfeindungen größere Wunden zu als die Werke selbst. In Gefahren gibt es vieles, was den Schmerz lindert, wie z.B., wenn alle anstacheln, viele gutheißen, loben und preisen. Aber hier, in der Anfechtung, wird der Trost selbst unmöglich gemacht. Anfeindungen zu ertragen, wird nicht für eine große Tat gehalten, wenn sie auch demjenigen, der sie erträgt, mehr Gift zuführt als die Gefahren selbst. Viele haben die Hand gegen sich erhoben, weil sie nicht imstande waren, böse Stimmen über sich zu ertragen. Daher bestimmte Christus ihnen auch einen großen Lohn dafür. Auf daß nicht jemand zu Christus spräche: Warum treibst Du jetzt die Verleumder nicht zurück und stopfst ihnen nicht den Mund, sondern versprichst Lohn im Himmel? Er erwähnte die Propheten, um zu zeigen, daß Gott selbst in ihrer Zeit ihren Feinden nicht gewehrt hat. Wenn Gott sie aber durch die Hoffnung auf die Zukunft ermunterte, so ermuntert Er sie jetzt umsoviel mehr, als die Hoffnung auf die Zukunft selbst deutlicher geworden ist und das Verständnis des Lebens erhabener - meizwn h jilosojia. Es ist auch darauf zu achten, daß der Herr nach so vielen Geboten dieses letzte bietet. Das hat Er nicht ohne Grund getan, sondern um zu zeigen, daß diese Taten nur derjenige aufnehmen kann, der sich zunächst mit den vorangehenden Geboten darauf vorbereitet und in ihnen gefestigt hat. Deshalb flocht Christus uns aus diesen Geboten einen goldenen Kranz, jeweils von der vorhergehenden zur nächsten den Weg bereitend. In der Tat wird ein demütiger Mensch seine Sünden beweinen; und wer seine Sünden beweint, wird auch sanftmütig und gerecht und barmherzig sein; ein Barmherziger, Gerechter und Zerknirschter wird bestimmt auch reinen Herzens sein; und jemand, der reinen Herzens ist, wird auch ein Friedenstifter sein. Wer aber all das erreicht hat, wird auch auf jede Gefahr gewappnet sein, wird vor Anfeindungen keine Furcht haben, vor Verleumdungen und zahllosen Übeln 4.
Über die neunte Seligpreisung sagt der Sel. Theophylakt: Schließlich spricht der Herr zu seinen Aposteln und zeigt ihnen, daß es den Lehrern an erster Stelle eigen ist, Hohn zu ertragen. Nicht jeder, der verhöhnt wird, ist selig, sondern nur jener, der für Christus und lügnerisch verhöhnt wird. Andernfalls ist er unglücklich, denn er stellt für viele eine Anfechtung dar. Freut euch und seid fröhlich, denn euer Lohn im Himmel wird groß sein. Der Herr sprach nicht von einem großen Lohn für die anderen Tugenden, aber hier spricht Er davon und zeigt dadurch, daß das Ertragen von Hohn eine große und schwere Angelegenheit ist, denn viele haben sich deshalb das Leben genommen. Auch Hiob, der andere Versuchungen ertrug, war besonders erregt, als seine Freunde ihn beleidigten, weil er angeblich wegen seiner Sünden litt5.
In dieser Seligpreisung – sagt Zigaben – wird deutlich, daß selig seid ihr in erster Linie an die Jünger gerichtet ist und über sie auch an alle, die ihnen nacheifern werden. Denn so – sagt Er – wurden die Propheten vor euch verfolgt. Auf welche Weise “so”? Offensichtlich: Indem sie verhöhnt wurden und verfolgt und indem alle möglichen bösen Worte über sie lügnerisch gesagt wurden um Gottes willen. Wie der Herr Seine Jünger ausschickt, um das zu predigen, was ihnen geheißen wurde, so schickte auch Gott Seine Propheten aus. Indem der Herr wiederum sagt: Die Propheten vor euch, zeigt Er, daß auch sie prophezeien werden. Indem Er sie mit den Propheten gleichsetzt, muntert Er ihre Seelen auf6.
Aus Anlaß der Worte Freut euch und seid froh, denn euer Lohn wird reich im Himmel sein, sagt der Sel. Augustin: Ich glaube nicht, daß hier als Himmel höhere Teile dieser sichtbaren Welt bezeichnet werden. Denn unser Lohn, der stetig und ewig sein soll, kann nicht in vergängliche und vorläufige Dinge gesetzt werden. Ich meine vielmehr, daß der Ausdruck in den Himmeln geistliche Himmel bedeutet, wo ewige Gerechtigkeit verweilt. Von diesen Himmeln spricht der Apostel: “Unsere Heimstatt ist im Himmel” (Phil. 3, 20)7.
Neun Seligpreisungen sagen uns neun Wahrheiten, die, wenn sie in eine zusammenfließen, uns die Allwahrheit geben; und wiederum: neun Seligpreisungen sagen uns neun Tugenden, die, wenn sie in eine zusammenfließen, uns eine Alltugend geben. Und diese Allwahrheit und diese Alltugend ist eben der Gottmensch Christus. In Ihm, nur in Ihm und einzig in Ihm sind Wahrheit und Tugend einwesentlich. Nicht nur das, sondern in Ihm und einzig in Ihm sind einwesentlich untereinander auch Tugend und Seligkeit, alle Tugenden und alle Seligkeiten. Dies ist eine neue und nicht alternde Frohbotschaft: Sowohl die Tugenden als auch die Seligkeiten sind göttlicher Herkunft. Der Gottmensch Christus ist die vollkommene Verkörperung und die vollkommene Verwirklichung aller göttlichen Tugenden und aller göttlichen Seligkeiten. Deshalb sind alle Tugenden voll unbesiegbarer göttlicher Kraft. Wer sie sich aneignet, wird in sich alle Sünden meistern, alles Böse, alle Tode und wird sich die Unsterblichkeit und das ewige Leben sichern.
Neun göttliche Tugenden und in ihnen neun göttliche Seligkeiten bedeuten wahrlich die schicksalstragendste und radikalste Wende im menschlichen Verständnis des Lebens, des Menschen und der Welt. Hier sind neue Werte und neue Maßstäbe gesetzt; und weiter: neue Lebensregeln, neue Denkregeln, neue Gefühlsregeln, neue Handlungsregeln. Seligkeit ist für die menschliche Natur die Demut, ein Fluch ist der Stolz; Seligkeit ist nach Gott strebende Reue, ein Fluch das sture Verweilen in den Sünden; Seligkeit ist die Sanftmütigkeit, ein Fluch der Zorn; Seligkeit ist die Gerechtigkeitsliebe, ein Fluch die Selbstgerechtigkeit; Seligkeit ist die Barmherzigkeit und Mildtätigkeit, ein Fluch die Gefühllosigkeit und Mitleidlosigkeit; Seligkeit ist die Reinheit des Herzens, ein Fluch die Unreinheit des Herzens; Seligkeit ist das Friedenstifen, ein Fluch der Kampf gegen Gott; Seligkeit ist das Leiden um der Gerechtigkeit willen, ein Fluch das Beharren in der Ungerechtigkeit; Seiligkeit ist es, Christus zu lieben, ein Fluch, sich um Christus nicht zu kümmern. In dieser menschlichen Welt bewegt sich das Wesen nur zwischen zweierlei: zwischen der Christusliebe und der Sündenliebe. Eines oder das andere bestimmt sein ewiges Schicksal und sowohl in dieser als auch in jener Welt. Die Sünde mit all ihren Vorläufern und Begleitern bedeutet für den Menschen in allen Welten nicht nur einen Fluch, sondern auch den Allfluch; der Gottmensch Christus aber mit all Seinen Tugenden und Seligkeiten bedeutet für den Menschen in allen Welten nicht nur Seligkeit, sondern Allseligkeit. Während hinter der Sünde natürlich das Reich der Sünde und des Bösen steht – die Hölle, mit all ihren ewigen Qualen für den Menschen, steht hinter dem Gottmenschen wiederum natürlich das Reich der Tugend und des Guten – das Paradies mit all seinen ewigen Freuden für den Menschen.