Hl. Justin von Celije

Kommentar zum Hl. Evanglium nach Matthäus



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1994, 6

Ihr seid das Salz der Erde.Wenn das Salz schal wird, womit soll man es selber salzen? Es taugt nichts mehr, man wirft es weg und es wird von den Leuten zertreten –Mt 5,13. Die Besonderheit des Salzes liegt darin, daß es vor Verwesung bewahrt. Das Salz der Erde aber – wovon bewahrt es die Erde? Vor der Verwesung in Sünde und Tod. Denn die Erde und alles, was auf ihr ist, verdirbt und verwest von Sünde und Tod. Das Salz der Erde ist ein geistliches Salz, das Salz der Unsterblichkeit, das Salz der Ewigkeit, welches nicht zuläßt, daß irgend etwas Menschliches im Tode und in Sünde verwest. Die Erde mit ihren gottähnlichen Wesen, den Menschen, ist für die Unsterblichkeit geschaffen. Und sie, diese wunderbare Insel der Unsterblichkeit im Ozean des Weltalls, verwandelte die Sünde in eine Insel des Todes. Wäre dies nicht so, wäre dann etwa der Mensch auf der Erde angesiedelt, dieses rätselhafteste unsterbliche Wesen unter den übrigen unsterblichen? Das Schicksal der Erde hängt vom Menschen ab, aber auch das Schicksal des Menschen hängt in vielem von der Erde ab. Deshalb ist der Mensch das Salz der Erde, der Geschmack der Erde. Wovon verdirbt die Erde und alles was auf ihr ist? Vom Menschen. Aber der Mensch? Von der Sünde und vom Tod. Das bedeutet, die Erde verwest wegen des Menschen und vom Menschen. Wenn der Mensch sich aus der Verwesung rettet, dann kann auch die Erde sich vor ihr retten. Der Mensch aber rettet sich vor der Verwesung, indem er sich von der Sünde rettet. Die Rettung aber von der Sünde und alle Mittel dafür brachte der Gottmensch. Indem die Menschen diese gottmenschlichen Mittel benutzen, werden sie von der Sünde und vom Tod geheilt und werden zu Söhnen Gottes. Von Sünde und Tod geheilt, heilen sie allmählich auch die übrige Schöpfung von Sünde und allem Bösen und befreien sie von der Sklaverei der Verweslichkeit und des Zerfalls. Daher stöhnt und jammert die ganze Schöpfung mit uns in Erwartung der Erscheinung von Gottessöhnen, von Christustragenden Menschen und von Christusgetragenen (vgl. Röm 8,19-22). Die menschliche Verweslichkeit in den Sünden hat die ganze Erde durchdrungen und das Weltall erfaßt. Die Erde? Die Töterin des Alls und die Hauptverursacherin des Todes in den sichtbaren und unsichtbaren Welten. Der Stern der Unsterblichkeit, die Erde, wurde durch die menschliche Sünde zum Stern des Todes. Gott-Logos kam auf sie herab, um sie der Unsterblichkeit zurückzuführen. Und Er führt sie allmählich zurück durch seine Nachfolger, indem Er diese allmählich mit Seiner göttlichen Heiligkeit und Unsterblichkeit erfüllt und sie so von Sünde und Tod heilt.
Wie wird man zum Salz der Erde, zum Salz der Unsterblichkeit? Durch Aneignung der neun göttlichen Seligkeiten mit Hilfe von neun göttlichen Tugenden. Und das bedeutet: Durch Erreichen der Allseligkeit und Alltugend – des Herrn Christus. Denn Er ist eben dieses Salz, welches die menschliche Natur bewahrt, damit sie nicht in Sünde und Tod verwest. Indem die Apostel Ihn in sich trugen und durch Ihn lebten und um Seinetwillen, wurden sie zum Salz der Erde, Salz der Unsterblichkeit, welches die neutestamentlichen Menschen bewahrt, damit sie nicht von Sünde und Tod ergriffen werden. Daher spricht der Heiland auch zu seinen heiligen Schülern und über sie zu allen wahren Nachfolgern: Ihr seid das Salz der Erde, ihr – die Demütigen, ihr, die Sanftmütigen, ihr, die Gerechten, ihr die Barmherzigen, ihr, die reinen Herzens, ihr, die Friedenstifter, denn die Demut ist Salz, welches die Seele vor der Verwesung im Stolz bewahrt; die Sanftmut ist das Salz, welches die Seele davor bewahrt, in Zorn zu verwesen; und so ist auch die Gerechtigkeit das Salz und die Barmherzigkeit ist Salz und die Reinheit des Herzens ist Salz und das Friedenstiften ist Salz, und jegliche Tugend des Evangeliums ist Salz, Salz, welches die menschliche Seele vor der Verwesung in verschiedenen Sünden und Lastern bewahrt. Sündige Gedanken, unreine Gefühle, böse Wünsche, schlechte Ansinnen, all das sind unsichtbare, geistliche Würmer, welche die menschliche Seele und den Geist und den Willen annagen und zerfressen und auf diese Weise die Verwesung der Seele hervorrufen, die Verwesung des Geistes, die Verwesung des Willens.
Christusträger sind das Salz der Erde, der Geschmack der Erde, der Sinn der Erde. Alles was irdisch ist, ist von Sünde und Tod fade geworden, hat seinen göttlichen Geschmack verloren, seinen logoshaften Sinn, und ist unangenehm, widerlich und abscheulich geworden. Indem die Christusträger durch Christus die Welt von Sünde und Tod heilen, geben sie allem Irdischen seinen göttlichen Geschmack, seinen göttlichen Sinn, seinen göttlichen Wert wieder. Ohne Christus ist die Welt bitter, giftig bitter. Ohne Ihn ist die Erde nichts anderes als ein verwesender, zerfallender und stinkender Leichnam. Und der Mensch? – Das bitterste und verzweifelteste Wesen auf dem Erdenleichnam, welches in seinem eigenen Gift der Sünde zerfällt und verwest. Einzig und allein in Christus und mit Christus erhält die Erde und der Mensch ihren göttlichen Sinn, um dessetwillen es sich zu leben lohnt und darauf einzugehen, ein Mensch in dieser Welt zu sein. Nimmt man den Menschen und der Welt Christus, so nimmt man ihnen das göttliche Salz, welches ihnen allein den göttlichen Geschmack verleiht und göttliche Unsterblichkeit sichert, denn es bewahrt sie von Verwesung und Verfall in Sünde und Tod.
Wenn das Salz fade wird, wodurch wird es salzen? Die Apostel waren durch Christus das Salz der Welt, das Salz der Unsterblichkeit. Wenn sie Christus verlieren, so hören sie auf, das Salz der Welt zu sein, denn Christus kann durch niemand und nichts ersetzt werden. Niemand unter den Wesen, von den Engeln bis zu den Würmern; nichts unter den Geschöpfen, von der Sonne bis zum Atom, hat in sich solche göttlichen Kräfte und das Salz der Unsterblichkeit, daß es das menschliche Gewissen, die menschliche Seele, den menschlichen Willen vor Verwesung in Sünde und Tod bewahren könnte. Das einzige Wesen, welches dies im Überfluß besitzt, ist der Gottmensch Christus. Durch Ihn ist die Wahrheit Wahrheit, die Gerechtigkeit Gerechtigkeit, die Liebe Liebe, Barmherzigkeit Barmherzigkeit, Gewissen Gewissen und Seele Seele, Mensch Mensch, Unsterblichkeit Unsterblichkeit, Licht Licht. In all diesem ist Er das göttliche Salz, welches allem seinen göttlichen Geschmack verleiht, seinen göttlichen Wert und göttliche Unsterblichkeit. Nehmen wir Ihn aus all diesem heraus, dann verliert die Gerechtigkeit und die Wahrheit und die Liebe und das Gewissen und der Mensch ihren göttlichen Wert und Unsterblichkeit. Und sie taugen nichts mehr, außer daß sie weggeworfen und von den Leuten zertreten werden. Ja ohne Christus ist das Gewissen und die Gerechtigkeit und die Wahrheit und die Liebe und die Seele zu nichts nutze, außer daß sie draußen verstreut und daß sie von den Menschen zertreten werden. So ist es auch mit allen Tätigkeiten des Menschen: mit Wissenschaft, Philosophie, Kunst, Kultur, Zivilisation – all sie erlangen ihren unvergänglichen Wert und göttlichen Geschmack, wenn sie von göttlicher Kraft gesalzen werden, von göttlicher Gerechtigkeit, göttlicher Wahrheit, göttlicher Liebe Christi. Ohne dies sind sie nur “Qual des Geistes”, Ballast des Herzens, und sie sind zu nichts nutze, außer daß sie draußen zerstreut werden und die Menschen auf sie treten.
Ohne Christus zerfällt der Mensch, verwest er, und durch seine Verweslichkeit und Sterblichkeit steckt er alles um sich herum an. Indem die Menschen Christus verwerfen, verwerfen sie das einzige Salz der Unsterblichkeit in der menschlichen Welt und darauf fällt alles, was menschlich ist, der Verweslichkeit, dem Gestank und dem Tode anheim. Solche Menschen sind bemalte Gräber: von innen sind sie voll von Verweslichkeit und jeglicher Unreinheit (vgl. Mt. 23,27). Sie haben das Aussehen lebendiger Menschen, in Wahrheit sind sie jedoch geistliche Leichen. Auf sie beziehen sich auch jene traurigen Worte des Heilandes: “Laßt die Toten ihre Toten begraben” (Mt. 8,22). So ist es auch mit der Erde: sie ist eine Leiche im All, wenn sie nicht Christus in sich und auf sich hat. Ohne Ihn verwest sie und führt das All zum Tode, denn sie ist eine einzige Brutstätte des Todes und der Verwesung im Kosmos. Brot ohne Salz, das ist der Mensch ohne Christus und alles, was des Menschen ist; das gleiche ist auch die Erde ohne Christus und alles, was der Erde ist. Ohne Christus sind die Menschen, die Erde, das Weltall, zu nichts nutze, außer daß sie ausgeschüttet und niedergetrampelt werden. Und wirklich werden sie von unzähligen Todesarten durch zahllose Sünden ausgeschüttet und zertrampelt. Gäbe es Christus nicht, diesen einzigen Besieger der Sünde und des Todes, so wären alle Menschen, die ganze Erde, das ganze Weltall zum Tode verurteilt, von dem es keine Auferstehung gäbe. Denn es gibt keine Unsterblichkeit ohne Christus; und ohne Unsterblichkeit gibt es keinen Sinn, sei es für das menschliche Wesen, oder für seinen Wohnraum – die Erde. Ohne Christus ist es fade, ein Mensch zu sein, unschmackhaft und abscheulich und widerwärtig. Ja, widerwärtig? Denn was gibt denn dem menschlichen Wesen Geschmack und Sinn und Logik, wenn nicht Gott Logos? Und noch etwas: ohne Christus ist es dumm und unsinnig, Mensch zu sein. Denn ohne Ihn ist der Mensch ein ganzes Irrenhaus. Zum Irrenhaus machen ihn die Leidenschaften und der Luxus. Ein solcher Mensch ist wahrhaft “unnütz”.
Das Salz wird fade, wenn es mit Asche, Staub und Sand vermischt wird. Das Salz Christi wird fade, wenn es mit verschiedenen Lehren, “dem Menschen nach”, und mit “den Elementen der Welt” vermischt wird (vgl. Gal. 1,11; Kol. 2,8), wenn es mit verschiedenen humanistischen und hoministischen Wissenschaften, Philosophien, Kulturen, Zivilisationen vermischt wird. Wodurch wird es gesalzen? Durch nichts. Denn Christus, der Gottmensch, kann durch niemanden und durch nichts ersetzt oder geschaffen werden. Wird er durch Platon, Kant, Buddha, Mohammed, Marx, Goethe ersetzt, wodurch wird man dann den Tod besiegen, das Böse, den Teufel und die Menschen davon retten? Doch der Tod und das Böse und der Teufel bleiben neben Platon, Kant, Buddha, Mohammed und allen Kulturen und Wissenschaften, Religionen, Zivilisationen nicht nur mächtig, sondern allmächtig. Nur der Gottmensch besiegt und zerreibt in nichts. Deshalb ist Er auch nicht nur der einzige Sinn und der einzige Wert, sondern der einzige Allsinn, der einzige Allwert, sowohl des Menschen als auch der Erde. Wahrhaftig: das Salz der Erde.
Der Heiland verkündet: “Gut ist das Salz, wenn aber das Salz schal wird, wodurch wird man es selbst auffrischen?” (Mk. 9,50; vgl. Lk. 14,34). Woher kommt die Salzigkeit des Salzes? Sicher nicht vom Menschen. Dieses Gut kann er nicht schaffen. So kommt auch die Salzigkeit des geistlichen Salzes, des Salzes der Unsterblichkeit nicht vom Menschen, sondern vom Gottmenschen. Durch Seine göttliche Kraft gibt Er dem geistlichen Salz seine Salzigkeit. Und diese bewahrt vor Verwesung und führt das menschliche Denken, das menschliche Gewissen, die menschliche Seele zur Unsterblichkeit. Denn sie ist das Heilmittel gegen Tod und Sünde. In der Tat ist alles, was Christi ist, eben Salz für den Menschen: es heilt von Verweslichkeit und Sterblichkeit, sowohl das Denken, als auch das Fühlen, sowohl die Seele, als auch das Gewissen und den Körper. Hält etwa Haß Einzug in die menschliche Seele, so beginnt sie zu verwesen und ihr stinkender Hauch verbreitet sich um sie. Was ist zu tun, damit sie nicht ganz verwest und stinkt? Man muß in sie die Liebe Christi einführen. Wenn diese eingeführt wird, so führt der Mensch das Salz der Unsterblichkeit in sie ein. Und dieses wird die Seele von Haß heilen, sie gesund machen, und sie bewahren, damit sie aufs neue nicht der Verwesung, dem Gestank und dem Tod anheimfalle. Kein Zweifel, von jeglicher Sünde verwest die Seele, denn jede Sünde schafft Wunden in der Seele. Und all diese Wunden werden ausschließlich durch göttliche Tugenden geheilt, denn jede Tugend wirkt wie heilsames göttliches Salz, welches von aller Sünde und Laster heilt. “Gut ist das Salz”, wenn es im Essen verteilt und aufgelöst wird, denn es verleiht ihm einen angenehmen Geschmack und bewahrt es vor dem Verderben. So sind auch die Tugenden des Evangeliums beschaffen: man muß sie nur in die Seele einführen, sie in ihr verteilen und auflösen und dann werden sie zu Heilmitteln und heilen die Seele von jeglicher sündiger Verwesung. Es hat keinen Nutzen für das Essen, wenn das Salz neben ihm bewahrt wird, nicht aber hineingeschüttet wird. So nützen auch die Tugenden des Evangeliums, dieses göttliche Salz, dem Menschen nichts, wenn er sie neben der Seele, außerhalb hält; sie müssen nach innen hineingetragen werden, in die Seele, in ihr verteilt und aufgelöst werden, und sich mit ihr vereinen, damit sie sie bewahren und schützen vor Verwesung und Verderb. Geschieht dies nicht, so verwest und zerfällt die Seele auch weiterhin in den Leidenschaften und Sünden. Und es ist unnütz, es sei denn, es wird ausgeschüttet und zertrampelt. Und wahrlich, die Seele wird von den schwarzen Mächten des Bösen zertrampelt und aus Verwesung in Verwesung gezerrt, aus einem Tod in den anderen, aus Hölle in Hölle. Daher sagte der Allweise Heiland auch: “Habet das Salz in euch” (Mk. 9,50), nicht: neben euch, bei euch. Nur wenn das göttliche Salz Christi innen, im Bereich der gesamten menschlichen Seele aufgelöst ist, kann es den Menschen bewahren, damit weder das Gewissen noch der Wille oder das Herz in Sünden und Leidenschaften verwesen.
Der Hl. Chrysostomos verkündet: da die Gebote erhaben waren und weit über den alttestamentlichen standen, damit die Schüler nicht wankelmütig und furchtsam würden und sagen könnten: Wie können wir das erfüllen? – höret zu, was der Heiland sagt: Ihr seid das Salz der Erde, und zeigt damit, daß Er solche Gebote vorschreibt, weil sie unumgänglich sind. Die Lehre, die euch gegeben wird, sagt der Herr, betrifft nicht nur euer Leben, sondern auch das gesamte All. Denn euch schicke ich nicht in zwei oder zehn oder zwanzig Städte, oder zu einem Volk, wie einstmals die Propheten, sondern Ich schicke euch auf das Festland und das Meer und ins ganze Weltall und dies ist voll von Bösem. Mit den Worten: Ihr seid das Salz der Erde,zeigt der Heiland, daß die gesamte menschliche Natur in Sünden den Verstand verloren hat und verwest ist – mwranqeisan apasan thV anqrwpinhn jusin, kai katasapeisan upo tvn amarthmatwn. Um dessetwillen verlangt Er auch von den Schülern solche Tugenden, welche besonders unabdingbar und nützlich zur Berichtigung der anderen waren. Und wahrlich, wer sanftmütig ist und gütig und barmherzig und gerecht, der tut nicht gute Dinge, nur um seiner selbst willen, sondern der müht sich, damit diese wunderbaren Quellen auch zum Nutzen anderer fließen. Genauso lebt auch der, der reinen Herzens ist, und der Friedenstifter und der um der Wahrheit willen Verfolgte zum allgemeinen Nutzen. Glaubt also nicht, sagt der Herr, daß euch irgendwelche leichten Taten bevorstehen und daß meine Worte Ihr seid das Salz der Erde wenig Bedeutung besitzen.Was also? Haben sie etwa das zurechtgerückt, was verwest war? Nein, denn es ist unmöglich, mit Salz dem zu helfen, was bereits verdorben ist. Sie haben das nicht getan, sondern sie haben das gesalzen, was früher bereits berichtigt war und ihnen übergeben wurde, befreit von Verwesensgeruch, indem sie dies erneuert hielten und bewahrten, wie sie es vom Herrn empfingen. Denn von sündiger Verwesung zu befreien – to men gar apallaghnai thV shpedonoV twn amarthmatwn –, das war das Werk Christi; daß jedoch das Befreite nicht zum sündigen Verwesen zurückkehrt, das war die Aufgabe ihrer Fürsorge und ihrer Arbeit.1
Ihr seid das Salz der Erde. Die Propheten wurden zu einem Volk gesandt, ihr aber seid über die ganze Erde geschickt, das Salz, welches die Schwachen durch die Lehre und Anprangerung kräftigt, damit in ihnen nicht ständig Würmer arbeiten. Haltet dies im Auge und weicht nicht bitteren Anprangerungen aus, wenn ihr auch gehaßt und verfolgt werdet.2
Ihr seid das Salz der Erde. Der Herr bezeichnet als Erde hier die Menschen – sagt Zigaben – da sie aus Erde geschaffen sind. Der Herr sagt gleichsam: alle Menschen sind in Sünden verwest, sie sind verdorben von der Feuchtigkeit der Leidenschaften. Ihr also, die ihr von mir ausgewählt seid, damit ihr von dieser universalen Verwesung heilt, seid das Salz der Menschen: Ihr habt von mir die geistliche Kraft empfangen, stärkt sie und bewaffnet sie und tötet die unsichtbaren Würmer, d.h. die leidenschaftlichen Gedanken – touV empaqeiV logismouV – und so befreit sie von dem sündigen Gestank.3
Die Apostel – sagt der Hl. Hilarion von Poitiers – sind Prediger himmlischer Dinge und Sämänner der Ewigkeit (aeternitatis satores), denn sie schenken allen Menschen, denen sie ihre Predigt zuwenden, Unsterblichkeit. Mit Recht wurden sie daher als Salz der Erde bezeichnet, denn mit Hilfe der Tugenden des Evangeliums salzen sie die Menschen mit dem Salz der Ewigkeit und bewahren sie so4.