Hl. Justin von Celije

Kommentar zum Hl. Evanglium nach Matthäus



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1995, 1

 


“Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch kein Licht an, um es unter den Scheffel zu stellen, sondern auf den Leuchter: dann leuchtet es allen im Hause.” Die Apostel sind das Licht der Welt nicht durch sich selbst, sondern durch den Herrn Christus. Denn Er allein erleuchtete durch Sein göttliches Licht sowohl von außen als auch von innen das gesamte Wesen der Welt, und Er führte alle Geheimnisse, die sich in den grundlosen Tiefen und uneinschaubaren Höhen der Welt verbergen an das Licht des menschlichen Bewußtseins. Und so zeigte Er den Menschen, daß Er wahrhaftig das Licht der Welt ist. Und mit Recht sagte Er von sich “Ich bin das Licht der Welt” (Jh.8,12). Da die Apostel im Herrn, der das Licht der Welt ist, sind, und soweit der Herr in ihnen ist, sind auch sie selbst das Licht der Welt. In Seiner unendlichen Demut bezeichnet Er, wenn Er auch nur allein das wahre Licht der Welt ist, Seine Schüler als Licht der Welt, um ihnen zu zeigen, daß es für sie unumgänglich notwendig ist, sich mit Ihm so eng und so vollkommen zu vereinigen, daß Seine Eigenschaften zu den ihren werden, daß Sein Leben das ihre wird, daß Sein Licht zum ihren wird. Indem sie Christus in sich haben, dieses Licht der Welt, werden die Apostel auch selbst zum Licht der Welt, dieses leuchtet aus ihnen, sie erleuchten die ganze Welt und alles, was in ihr ist, und zeigen den Menschen, daß ihre Rettung aus der Finsternis allein im Herrn Jesus liegt.
Der hl. Apostel schreibt an die Christen: “Ihr wart einstmals Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn” (Eph. 5,8). Das bedeutet: Ohne den Herrn und außer dem Herrn sind die Menschen Finsternis; und nur mit Ihm und in Ihm sind sie Licht. In der menschlichen Welt ist nur der Herr Christus allein wahres Licht (Jh. 1,9), und die Menschen haben teil an ihm, sofern sie durch Ihn leben. Nur Christus ist Licht der Natur nach, die Menschen aber werden Licht dem Geschenk nach, der Gnade nach. Alles was im Menschen leuchtet, kommt vom Gott Logos, der von seinem Licht bei der Schöpfung des menschlichen Wesens ausgegossen hat (Jh. 1,9). Und Mensch geworden, brachte Gott Logos dem menschlichen Geschlecht das ganze göttliche Licht, damit Er die Menschen zu Söhnen des Lichtes mache und sie vollkommen mit dem Licht der Welt erfülle. Indem sie durch Ihn leben, werden die Menschen auch selbst zum Licht der Welt. Solche waren die heiligen Apostel, die heiligen Märtyrer, die heiligen Asketen, die heiligen Väter, die Gerechten und alle wahren Christen; in einem Wort, alle Christusträger. Sie alle leuchten von göttlichem logoshaftem Licht. Je heiliger ein Mensch, umso lichter ist er; die heiligsten leuchten am lichtesten. Und wahrhaftig sind sie das Licht der Welt. Mit Hilfe ihres Lichtes sehen wir den göttlichen Sinn der Welt und seine ewigen Werte. Indem wir ihnen nacheifern, gehen wir nicht in Dunkel, sondern wir beschreiten den Weg des Lichtes, der Unsterblichkeit und Ewigkeit. In der Tat, indem wir ihnen nachfolgen, folgen wir dem Herrn Christus nach. Und an uns allen erfüllen sich wörtlich die göttlichen Worte des Heilandes: “Ich bin das Licht der Welt, wer mir folgt, wird nicht im Dunkel gehen, sondern wird das Licht des Lebens besitzen” (Jh. 8,12). Was jedoch bedeutet das “Ich” Christi? Den gesamten Gottmenschen. Denn der Gottmensch ist in seiner gesamten historischen Realität Licht der Welt und Licht des Lebens für alle lebendigen menschlichen Wesen. Er ist ganz Gott im Menschen; und das ist der Gottmensch. Und da haben wir das Licht der Welt und das Licht des Lebens. Folgt der Mensch nicht Ihm, so ist er ganz im Dunkel, weiß nicht wohin er geht: er kennt weder den Sinn der Welt, noch den Sinn des Lebens. Folgt er Ihm aber, so wird er zu einem unauslöschlichen Leuchtkäfer göttlichen Lichtes, der ihm und allen um ihn den Weg aus dem Tode in die Unsterblichkeit erleuchtet, aus der Zeit in die Ewigkeit, aus der Hölle ins Paradies. Stets bewahrheitet sich das Wort des Heilands: “Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt” (Jh. 9,5): Solange Ich in der Welt deiner Seele bin, in der Welt deines Gewissens, in der Welt deines Herzens, bin Ich das Licht all deiner Welten, und sie alle eilen freudig den Weg der ewigen Wahrheit ins ewige Leben entlang. Wenn du Mich aber aus ihnen durch sture Sündenliebe vertreibst, dann müssen all deine Welten in Finsternis untergehen, in Chaos und Tod; und du wirst niemals einen Ausweg aus der Finsternis finden, aus dem Chaos, aus dem Tod. Die Realität, die rohe irdische Realität ist dies: wer außerhalb Christi wandelt, wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht (vgl. Jh. 12,35). Wenn Er aber spricht, so spricht der Allbarmherzige zu all den Seinen: “Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit niemand, der an mich glaubt, im Finstern bleibe” (Jh. 12,46). Der Glaube an Ihn ist der Ausweg aus der Finsternis, aus jeglicher Finsternis, der Ausweg für jeden Menschen: vom Klügsten bis zum Einfachsten, vom Reichsten bis zum Ärmsten, vom Berühmtesten bis zum Verachtetsten. Was Er sagt, sagt der Süßeste allen: “Solange ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne des Lichtes werdet” (Jh. 12,36). Das Licht ist etwas dermaßen Geheimnisvolles, dermaßen Wunderbares, dermaßen Göttliches, daß es vom menschlichen Geist weder erforscht noch erkannt werden kann. Es ist vielmehr etwas, woran man glauben muß. Die menschliche Wissenschaft kennt ja noch nicht einmal das Geheimnis des physischen Lichtes. Und was soll man da über das geistliche, göttliche, das Licht Christi sagen? Das ist etwas derart Erhabenes, derart Unerreichbares, derart Uneinsichtbares, daß es kein menschlicher Geist umfangen oder genügend erforschen könnte; daran kann man nur glauben. Daher ruft der Herr auch die Menschen zu diesem Glauben auf. Dieser Glaube ist eine wunderbare und süße Heldentat der Askese. Je mehr sich der Mensch darin übt, desto mehr schlägt sein ganzes Wesen immer weiter und weiter Wellen auf den unendlichen goldblauen Tiefen des stillen und milden Lichtes Christi. Und die emportragende Begeisterung und das süße Erzittern haben kein Ende, denn die betörenden Tiefen und anziehenden Höhen des göttlichen Lichtes Christi haben keine Grenze.
Durch den Glauben an das Licht wird man zum Sohn des Lichtes. Hier erfüllt sich ein angenehmes Wunder: der Mensch wird von Gott geboren wie das Licht, und aus ihm entschwindet jegliche Finsternis. Der ganze Mensch wird eingetaucht in Licht, getauft in Licht, kleidet sich in Licht. Dies ist ein großes und heiliges Geheimnis: das Geheimnis der Taufe. Aus ihm aber strahlen die lichten, göttlichen Tugenden; eine heller als die andere. Indem sie in den lichten Tugenden leben, leben die Söhne des Lichtes durch das Licht, sie leuchten und beleuchten allen den Weg des Lebens. Sie zeichnen sich durch unreservierten Glauben an den Herrn Christus aus, als das einzige All-Licht und den einzigen alles übersteigenden Wert des menschlichen Wesens in allen Welten, in erster Linie aber in dieser. Der Mensch wird durch den Glauben sehend, denn ohne Licht – was sollen uns die Augen? Ohne Glauben – wofür brauchen wir die Seele, wofür brauchen wir das Gewissen, das Herz, den Körper, ja wofür brauchen wir überhaupt die Existenz? Ohne Licht sehen die Augen nicht, auch wenn sie existieren; so sieht auch die Seele ohne Glauben an Gott das, was sie nicht sehen soll, auch wenn sie besteht. Daher sprach der Allwahrhaftige: “Wandelt im Licht, solange ihr’s habt, daß nicht die Finsternis euch überrasche. Wer im Finstern wandelt, weiß nicht, wohin er geht” (Jh. 12,35). Gott ist Licht und gleichsam alles, was von Gott ist; der Teufel ist Finsternis, und gleichsam alles, was vom Teufel ist. Das Leben in der Wahrheit, in der Gerechtigkeit, in Liebe, im Guten, in Demut, in Sanftmut und in den übrigen göttlichen Tugenden ist ein Leben im Licht; ein Leben aber in der Lüge, in der Ungerechtigkeit, in Haß, in Bösem, in Stolz, in Zorn und in den übrigen Sünden und Lastern ist ein Leben in der Finsternis. Die ganze Wahrheit des menschlichen Lebens ist in den Worten des gottweisen Apostels beschlossen: “Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. Wollten wir sagen, wir hätten Gemeinschaft mit ihm, und würden dabei in der Finsternis wandeln, so würden wir lügen und nicht nach der Wahrheit handeln. Wandeln wir aber im Lichte, wie er selbst im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde” (1. Jh. 1,5-7). Ein und das gleiche Licht besteht in der göttlichen und menschlichen Welt. Mit dem gleichen Licht lebt sowohl Gott als auch der Mensch, sowohl die irdischen als auch die himmlischen Wesen. Das Licht und das Leben im Licht machen die irdische und himmlische Welt gleich. Genauso macht die Finsternis und das Leben in der Finsternis der Sünde die Welt des Menschen und der Dämonen gleich. Die Wahrheit aller Welten donnert durch die Worte des heiligen Sohnes des Donners: “Wer sagt, er sei im Lichte, und dabei seinen Bruder haßt, ist immer noch in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht, und es ist kein Anstoß in ihm; wer aber seinen Bruder haßt, ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht, weil die Finsternis seine Augen blind gemacht hat” (1. Jh. 2,9-11). Von ihrem Wesen her ist jede Sünde Finsternis, und sie blendet das geistliche Auge des Menschen, und der Mensch “weiß nicht, wohin er geht”. Jede Tugend aber ist ihrem Wesen nach Licht, und sie öffnet das geistliche Auge des Menschen, und dieser Mensch “im Licht sieht Licht” und weiß wohin er geht. Die Erkenntnis der Wahrheit wird für ein reines und lichtes Leben geschenkt. Nur ein Herz, das von Gott erleuchtet und durchleuchtet ist, besitzt die Wahrheit, weiß, wohin es geht, zu wem es geht, wozu es geht: es geht zu Gott, zur Unsterblichkeit, zum ewigen Leben.
Indem sie durch den Gottmenschen, den Gott des Lichtes leben, werden und sind die Christen Söhne des Lichtes und zwar des wahren Lichtes; sie werden und sind Söhne des Tages und zwar des nicht abendwerdenden Tages. Daher kann sie keinerlei Finsternis umfassen oder auslöschen (vgl. Jh. 1,5-9). Indem sie durch den Glauben den Gott des Lichtes annehmen, werden die Menschen von Gott geboren, werden zu Söhnen Gottes (vgl. Jh. 1,12-13). Und sie leben, indem sie aus sich mit Hilfe der göttlichen Tugenden jegliche Finsternis der Sünde, des Bösen, des Lasters vertreiben. Denn sowohl die Sünde als auch das Böse und das Laster sind nichts als Dunkel und Finsternis. Von all dem verkündet der heilige Apostel beflügelt: “Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, so daß euch jener Tag wie ein Dieb überraschen könnte. Ihr alle seid ja Kinder des Lichtes, Kinder des Tages und nicht zu Nacht und Finsternis gehören wir. Also laßt uns nicht schlafen, wie die andern, sondern laßt uns wachen und nüchtern sein. Denn die schlafen, schlafen bei Nacht und die Trunkenen trinken bei Nacht; wir aber, die dem Tag gehören, wollen nüchtern sein, angetan mit Glaube und Liebe als Panzer und mit der Heilshoffnung als Helm. Denn Gott hat uns nicht zum Zorngericht bestimmt, sondern zur Erlangung des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, daß wir, noch wach oder schon entschlafen, mit ihm vereint das Leben erlangen” (1. Thes. 5,4-10).
Die Apostel sind das Licht nicht einer Stadt oder eines Landes oder eines Kontinents, sondern der ganzen Welt, in all ihren Unendlichkeiten. Erleuchtet durch dieses göttliche Licht, hört die Welt auf, ein finsteres Ungeheuer und widerwärtiges Grauen zu sein, sondern sie erscheint als großes und heiliges Geheimnis Gottes. Die göttlichen Tiefen und unerreichbaren Höhen, die unumfaßbaren Weiten der Welt mit all ihren unzähligen Unendlichkeiten stellen für das menschliche Bewußtsein nicht mehr Vorläufer des Unbekannten dar. Eines ist klar, das Licht der Welt ist Gott, die Finsternis der Welt ist der Teufel. Die Gottesträger erleuchten die Welt durch göttliche Tugenden, die Teufelsträger verfinstern die Welt durch ihre Sünden. Die Finsternis der Sünde und des Todes erstickt die Welt. Die Christusträger sind die einzigen Lichtträger und Feuerträger im Dunkel der menschlichen Welten. Indem er die Seele durch göttliche Tugenden anzündet, wird der Mensch zum Lichtträger Christi. Jede Tugend ist wie eine kleine Sonne; und alle zusammen stellen sie die Ewige Sonne der Gerechtigkeit dar – den Herrn Christus. Und diese wärmt und erleuchtet alle menschlichen Welten; und dann gibt es in ihnen keine Finsternis. Diese ewige Sonne wärmt und leuchtet aus dem Herzen aller Christusträger durch die göttlichen Tugenden: Demut, Sanftmut, Gerechtigkeit, Reinheit des Herzens, Friedenstiftung, Christusliebe, Bruderliebe. Daher sind sie wie eine Stadt auf dem Berge, welche nicht versteckt werden kann. Keine Verfolgungen, keine Hindernisse, keine Kraft können das Licht der Welt daran hindern zu leuchten oder die Predigt des Evangeliums abwürgen. Allen zum Trotz werden die Prediger des Evangeliums Christi immer wie eine Stadt sein, die auf dem Berge steht, und die stets von allen Seiten zu sehen ist. Niemand und nichts wird im Stande sein, sie zum Schweigen zu bringen oder sie zu erschrecken oder sie von der rettungbringenden Predigt des heiligen Evangeliums abzuhalten.
Das Auge ist das Licht des Körpers; der Körper sieht durch das Auge sowohl sich selbst als auch die ihn umgebende Welt (vgl. Mt. 6,23). Die Apostel sind das Licht der Welt, und das bedeutet: die Augen der Welt; durch sie sieht die Menschheit den göttlichen Sinn der Welt und alle Wege, die das menschliche Wesen aus der Sünde und dem Tod in die Unsterblichkeit und das ewige Leben führen. Ohne sie ist die Welt ohne Augen, und zwar ohne heilige und unsterbliche Augen. Welche Finsternis überfällt das menschliche Wesen, wenn es in ihm kein apostolisches, göttliches, logoshaftes Licht gibt! Denn nur Gott Logos ist das Urlicht und All-Licht und dadurch das einzige wahre Licht in allen Welten. Sicher das einzige, wenn auch der “größte unter den Frauen Geborenen” im Vergleich zum menschgewordenen Gott Logos nicht Licht ist (vgl. Jh. 1,8). Und was es in der menschlichen Natur an Licht gibt, das wurde ihr vom Gott Logos bei der Schöpfung gegeben (vgl. Jh. 1,9). Im menschlichen Wesen sind das Leben und das Licht Synonyme. Der Mensch lebt durch das Licht; durch sein Leben leuchtet er und leuchtend lebt er (vgl. Jh. 1,4). Über die menschliche Natur ist das göttliche, logoshafte Licht ausgegossen wie lebendige lichttragende Körner. Daher bezieht jeder Mensch sein Menschsein aus dem logoshaften Licht. Und wenn dieses Licht durch Christus aufflammt zu einem unlöschbaren Feuer, dann werden die Menschen Christi zum Licht der Welt. Gott Logos wurde Mensch, um den Menschen zu zeigen, daß der Mensch im Grunde Licht ist und daß dies seine göttliche Berufung ist: Licht der ganzen Welt zu werden, des ganzen Weltalls. Die Menschen sind eben dafür geschaffen, Licht der Welt und Augen der Welt zu werden. Da Er sie Gott ebenbildlich schuf, sagte ihnen Gott gleichsam: Ihr seid das Licht der Welt und die Augen der Welt. In der Tat, Er sagte ihnen das auch, als Er sie segnete und zu ihnen sprach: “Seid fruchtbar, mehret euch, füllet die Erde, macht sie euch untertan, herrschet über des Meeres Fische, über des Himmels Vögel und über alle Lebewesen, die auf Erden wimmeln” (Gen. 1,28). Aber die Sünde und der Tod erfüllten die Menschen mit Finsternis und sie hörten auf, Licht der Welt und Augen der Welt zu sein. Gott Logos kam herab in unsere menschliche Welt, um die Menschen von der Finsternis der Sünde und des Todes zu befreien, sie zur Unsterblichkeit und zum ewigen Leben zurückzuführen und sie von neuem zum Licht der Welt und zu den Augen der Welt zu machen.
Der Hl. Chrysostomos verkündet: Der Heiland sagt seinen Jüngern: Ihr seid das Licht der Welt. Wiederum: Licht, nicht eines Volkes, und nicht von zwanzig Städten, sondern des ganzen Universums. So wie die Rede vom geistlichen Salz war, so ist hier die Rede von geistlichem Licht, welches viel kräftiger strahlt als die sichtbare Sonne. Der Heiland versucht seinen Jüngern, Mut einzuflößen, denn mit den Worten: Eine Stadt, die auf dem Berg steht, kann nicht verborgen werden, bringt Er seine Macht ans Tageslicht. Denn so wie eine solche Stadt nicht verborgen sein kann, so kann auch die Predigt des Evangeliums nicht verschwiegen werden oder unbekannt bleiben. Da Er von Verfolgungen und Verleumdungen, von Anfeindungen und Kämpfen sprach und damit die Schüler nicht meinten, daß ihnen dadurch die Predigt des Evangeliums verhindert werden kann, sagt ihnen der Herr, indem Er sie ermuntert, daß ihre Predigt nicht nur nicht unbekannt bleiben wird, sondern auch das gesamte Universum erleuchten wird; dadurch werden auch sie bekannt und berühmt werden1
Ihr seid das Licht. Zuerst das Salz, dann das Licht – sagt der Sel. Theophylakt – denn das Licht offenbart heimliche Werke. Das Licht ist es, das alles an den Tag bringt. Die Apostel erleuchteten nicht ein Volk, sondern die Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg steht, kann nicht verborgen bleiben. Mit diesen Worten belehrt der Herr seine Jünger für asketische Taten und zur Aufmerksamkeit für ihr Leben, denn alle werden auf sie schauen. Denkt nicht, sagt Er, daß ihr euch verbergen werdet.