Hl. Justin von Celije

Die Taufe Christi

 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in:
Bote 1990, 2

Die Taufe Christi

3, 13 Dann kam Jesus aus Galiläa an den Jor-dan zu Johannes, um von ihm getauft zu werden.

Die erste Tugend des Evangeliums ist die De-mut, und sie geht vor Christus einher, denn Er ist ganz von ihr erfüllt, und sie leuchtet aus Ihm. Der Herr kommt, um vom Diener getauft zu werden. Ist das nicht Demut über aller Demut? Der Sündlose kommt, um vom Sündigen getauft zu werden; ist das nicht Demut, und der Quell jeglicher rettungbringender Demut? Und mit der Demut des Sündlosen kommt das göttliche Zeugnis von der Größe des Hl. Täufers: die Taufe der Umkehr des Johannes ist von Gott, auf Veranlassung Gottes, denn alles, was Johannes macht und tut, ist von Gott (vgl. Lk. 3, 2; Jo. 1, 33).
Der Herr kommt mit den Dienern, der Richter mit den Schuldigen, sagt der Hl. Chrysostomos. Doch das soll dich nicht beunruhigen: eben in dieser Demut leuchtet besonders Seine Größe. Und weshalb soll man sich denn darüber wundern, daß zur Taufe zusammen mit anderen zu dem Knecht auch Derjenige kam, Der geruhte so lange Zeit in dem jungfräulichen Schoß zu weilen, um in unserer Natur geboren zu werden, um Schläge und Kreuz zu ertragen, und alles zu erdulden, was Er erduldete? Verwunderlich ist es, daß Er, wenngleich Gott, Mensch werden wollte; und alles übrige ist nur eine Folge davon. Eben deshalb sagte Johannes zunächst, daß er unwürdig ist, die Riemen an Seinen Sandalen zu lösen (Lk. 3, 16) und daß Christus eben der Richter ist, Der jeden nach seinem Verdienst richten wird und allen in Fülle den Hl. Geist schicken wird, damit du von Ihm nicht gering denkst, wenn du Ihn zur Taufe schreiten siehst.
Der Reine wird getauft, sagt der selige Theophylakt, um uns zu waschen und uns zu zeigen, daß, wenn wir die Taufe zu empfangen wünschen, wir uns zunächst reinigen müssen, um nicht die Taufe zu besudeln, wenn wir nach ihr leicht durch die böse Gewohnheit in der Sünde untergehen. Mit den Dienern kommt der Herr, sagt Sigaben; aber die Diener kommen, um Buße zu tun, während Er kommt um dem Volk offenbart zu werden. Denn so sagt der Evangelist Johannes (1, 31):

3, 14
Johannes aber wehrte Ihm und sprach: ich habe nötig, von Dir getauft zu werden und Du kommst zu mir?

Für alles, was Christi ist, ist der Heilige Johannes unendlich empfindlich. Getragen vom Heiligen Geist hüpfte er schon im Leib seiner Mutter vor Freude, als zu ihr die Jungfrau Maria zu Besuch kam, die eben Jesus vom Heiligen Geist empfangen hatte (Lk. 1, 41. 44).
So erfuhr er auch jetzt, als Christus zu ihm kam, um Sich taufen zu lassen, "vom Geist Gottes, der in ihm weilt", daß Jesus der Messias, der Retter ist. Und sofort fühlte er die ganze göttliche Größe Christi und Seine ganze menschliche Erbärmlichkeit. Deshalb wehrte er sich erregt: ich habe nötig, von Dir getauft zu werden und Du kommst zu mir? Ich bin ein Mensch und als Mensch bin ich sündig. Und ich bin ein Vertreter des sündigen Menschengeschlechts, des Geschlechts Adams. Durch Gottes Gabe sehe ich alle menschlichen Sünden, und wir Menschen ersticken alle in ihnen, alle ohne Ausnahme, auch ich mit ihnen. Ich bin gesandt, um sündige Menschen durch die Taufe der Buße zu taufen: um in ihnen das Bewußtsein ihrer Sündigkeit zu wecken und das Gefühl der Buße für die Sünden hervorzurufen. Wie soll ich dann Dich, den Sündlosen, taufen mit meiner Taufe, der Taufe der Buße? Was soll die Buße dem Sündlosen? Es sei denn Du bist gekommen, um für uns und an unserer Stelle Buße zu tun? Ja, ja, Du bist gekommen, um die Sünde der Welt auf Dich zu nehmen (Jo. 1, 29). Ich bitte Dich, nimm auch meine Sünden aufDich; taufe Du mich, denn Deine Taufe befreit von jeder Sünde und jedem Tod.
Als sie Jesus sahen, Der zum Hl. Täufer kam, um die Taufe zu empfangen, konnten die Menschen denken, auch Er sei sündig. Um ihnen zuvorzukommen, sagte der Hl. Johannes zu Jesus: ich habe nötig, von Dir getauft zu werden und Du kommst zu mir? Da die Taufe des Johannes, sagt der Hl. Chrysostomos, eine Taufe der Buße war, und die Menschen zum Bewußtsein ihrer Sünden brachte, warnte der Hl. Johannes, damit nicht jemand dächte, auch Jesus käme mit einer solchen Absicht an den Jordan, davor, indem er Jesus als Lamm und Erlöser der Sünden der Welt bezeichnete. Der die Sünden des gesamten Menschengeschlechts vernichten konnte war zweifellos Selbst sündlos. Deshalb sagte der Hl. Johannes auch nicht: siehe, der Sündlose! sondern, was viel wichtiger ist: siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde derWelt wegnimmt (Jo.1,29), damit sich die Menschen überzeugten und erkannten, daß Er kommt, um mit einem anderen Ziel getauft zu werden. Johannes will Christus die Taufe verwehren, damit die die es sehen, nicht dächten, daß Er auch wie einer von vielen wegen der Buße die Taufe annimmt .
Das Zögern des Johannes, den Heiland zu tau-fen, erklärt Sigaben so: Du mußt mich taufen, Du Sündloser mich, der ich für Sünden verantwortlich bin - o upeuqunoV amartiaV; - Du, Der mit Heiligem Geist und Feuer taufst, mich, der ich mit einfachem Wasser taufe; Du Herr, mich den Diener; Du Gott, mich den Menschen; und Du kommst zu mir? Der Vorläufer bedurfte der Reinigung durch den Herrn, denn auch er selbst war als Erbe Adams von der Unreinheit des Ungehorsams angesteckt; und der Menschgewordene Christus reinigte alles.