Kirchen der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland

"Kirchen unserer Diözese"

Wiesbaden



 

 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1990, 2

W i e s b a d e n (Hessen-Nassau)

Von allen Sehenswürdigkeiten Wiesbadens - ehedem Hauptstadt des Herzogtums Nassau - steht die Orthodoxe Russische Kirche auf dem Neroberg nahezu an erster Stelle. Es gab eine kleine, für die Russische Gesandtschaft in Frankfurt am Main zuständige Hauskirche seit dem 21.März 1844, deren erster Vorsteher Erzpriester I.I. Bazarov war (gestorben 1895 in Stuttgart und beigesetzt auf dem russischen Friedhof in Wiesbaden). Diese wurde der im Mai 1855 errichteten wunderschönen Kirche angegliedert, die der Herzog Adolf von Nassau in Übereinstimmung mit dem Wunsch Kaiser Alexanders II. am Hang der Taunusberge bei Wiesbaden erbauen ließ. Sie wurde zu Ehren der Hl.Elisabeth über dem Grab der seligen Großfürstin Elisabeth Michajlowna errichtet, die am 16. Januar 1845 in der Blüte der Jahre verstorben war. Sie war die Tochter des Großfürsten Michael Pavloviç und erste Gemahlin des Herzogs Adolf von Nas-sau und Großherzogs von Luxemburg gewesen. Zur Errichtung dieses großartigen Denkmals der zu früh Verstorbenen wurde hauptsächlich die nach ihrem Tod verbliebene Mitgift (ca. 1 Million Rubel) verwendet, die auf den frommen Wunsch des Herzogs hin und nach dem Willen des Kaisers Nikolaus Pavloviç für dieses vortreffliche Werk benutzt wurde.
Bemerkenswert vor allem ist die Lage der Wiesbadener Kirche. Auf breiter Chaussee oder auf einem Fußpfad, jedenfalls durch dichten
Wald, besteigt man nordwestlich der Stadt eine der Stufen des Taunusgebirges, die von fast allen Seiten das Wiesbadener Blickfeld umsäumen. Ein herrliches Panorama eröffnet sich von dort aus den Augen. Die Hochebenen Hessens fast bis Bingen, die bis zur französischen Grenze reichenden Vogesen, Biebrich, Mainz (mit Fernglas ist auch Worms mit Speyer zu sehen) näher - das helle Band des Rheins, Weinberge, reich bestellte Felder; noch näher - ein Teil Wiesbadens mit den gotischen Türmen der protestantischen Kirche.
Die Architektur der Kirche auf dem Neroberg ist byzantinisch. Gerade so wie über einem dunkelgrünen Postament, zeichnet sich über der bewaldeten Bergstufe die fast weiße Masse des Marmors klar ab. Basis der Kirche bildet ein griechisches Kreuz; Säulen an den vier Hauptseiten, Bögen, dreigeteilte Fenster, Arabesken; auf der West-und Südseite Portale und eine Stufenreihe bei den Eingängen; an der Nordseite eine kleine Rotunde; oben fünf symbolische goldbedachte Kuppeln, und über allem ragt das Zeichen der Erlösung der Welt empor...
Insgesamt bildet das alles ein wundervolles harmonisches Ganzes und erzeugt eine andachtsvoll-feierliche und gleichzeitig sanftmütigfreudige Stimmung.
Der Architekt Hoffmann, Erbauer dieser Kirche, reiste zuvor nach Petersburg und Moskau, um die sakrale Baukunst Rußlands kennenzulernen
Die Königspforte in der Mitte des Ikonostas trägt die Abbildung der Verkündigung, über jener die Darstellung des Hl. Abendmahls; wenn die Königspforte geöffnet ist, sieht man am Altarfenster auf Glas das Bild des auferstandenen Erlösers.
Auf der dreistöckigen Ikonostase, die die besondere Aufmerksamkeit der Fremden anzieht, sind seitwärts seltene Ikonen zu sehen, die durch kleine Säulen aus carrarischem Marmor voneinander abgeteilt sind; letztere vereinigen sich oben in Bögen und formen sich auf diese Weise wie Nischen aus. Das vergoldete Feld eines großen Teils der Ikonen bringt sie den Skulpturwerken noch näher, ohne jedoch den heiligen Abbildungen den Charakter des Geistlichen zu entziehen, welcher der Malerei erheblich mehr zugänglich ist als der Bildhauerkunst, die unter den Künsten einen niedrigeren Rang als sie einnimmt.
Die Darstellungen der Engel füllen einen großen Teil der Kuppel aus. Von ganz oben blickt das "Allsehende Auge" herab.
Die Ikonostase ist aus Marmor gemeißelt, die Ikonen entstammen dem wundervollen Pinsel von Neffs, die Fresken im Innern der Kuppel sind Arbeiten von Hopfgarten.
Von der Kuppel und den großen Fenstern an den Seiten fließt reichlich Licht in die ganze Kirche. Es widerspiegelt sich stellenweise auf dem Gold und dem glatten Marmor und macht erst an der Nordseite vor dem karmesinroten Samtvorhang halt.
In der Nische der Kirche auf der linken Seite steht genau über der in der Krypta befindlichen Grabstätte der Großherzogin ein Sarkophag aus carrarischem Marmor, auf ihm liegend die geschnitzte Figur der verstorbenen Großfürstin Elisabeth, und rundherum auf dem Sockel die Figuren der zwölf Apostel. "Die Großfürstin", sagen wir es hier mit den Worten des Fürsten P.A. Wiazemski,"ist liegend auf der Totenbahre dargestellt. Ist es der Schlaf eines ruhenden Lebens? Oder das ewige Mühen einer Pilgerin, die ihren irdischen Lauf schon vollendet hat? Schwer zu entscheiden! So viel Leben und Wärme ist in diesem unbeweglichen und kalten Marmor, so klar und schon körperlos die Ruhe im Ausdruck des Gesichts, der ganzen Statur, in den Gliedern! Beim Betrachten dieser Grabdarstellung fragt man sich: Tod, wo ist dein Stachel? Hier hat eine geistliche Idee den Tod besiegt, d.h. sie drückte beredt und überzeugend aus, daß der Tod nichts anderes ist als nur eine der Erscheinungsformen des ewigen Lebens!
Reichlich lang ist die Stufenfolge nach unten; sie führt von hier aus in die Krypta. Öffnen Sie die Tür mit den bunten Glasscheiben: Wie beim Eingang in die Kirche - kein Geruch von Grabesfäulnis, und es umfängt Sie keine Grabesfinsternis: die Luft ist ungewöhnlich trocken und leicht, und über dem Grab der kaiserlichen Verstorbenen leuchtet die Öllampe, vor der sie zu Lebzeiten in ihrem Zimmer gebetet hatte. Auch hier besiegt eine geistliche Idee den Tod - hier kann man am ehesten an die Katakomben des Altertums denken, wo bei den unverweslichen Leibern der heiligen Märtyrer die christlichen Siegesgesänge erklangen ... Und man empfindet keinen besonderen Kontrast, wenn man wieder nach oben geht und durch das Halbdunkel der Rotunde die lichtdurchflutete, reich ausgeschmückte Kirche betritt."
Wir können nicht umhin, hier die wundervoll poetische Beschreibung Fürst Wiazemskis von der Überführung des Leichnams der Großfürstin zu bringen, der bis zur Errichtung der neuen orthodoxen Kirche zehn Jahre lang in der katholischen Kirche geruht hatte:
"Um Mitternacht zum 14./26. Mai (1855) wurde vor dem Heraustragen des Sarges der Großfürstin seligen Angedenkens eine Litija von einem orthodoxen Priester gehalten; danach nahm er die Erlöser-Ikone, mit der die Verstorbene von ihren erhabenen Eltern gesegnet worden war, und mit ihr wurde die Trauerprozession zur neuen orthodoxen Kirche eröffnet, wo der Empfang seitens der übrigen orthodoxen Geistlichkeit vorbereitet war. Die Prozession ging durch viele Straßen, die, ungeachtet der späten Stunde, von Menschen angefüllt waren; die Fenster der Häuser waren geöffnet, und aus allen blickten Gesichter heraus. Das Andenken an die Großfürstin ist in der Hauptstadt, die sie so kurz nur mit ihrer Anwesenheit geziert hatte, lebendig; selbst in dieser kurzen Zeit war es ihr gelungen, durch ihre Tugend, Einsicht und regsame Wohltätigkeit unvergeßliche Spuren zu hinterlassen, die ein Russe überall da mit Freude und Dankbarkeit antrifft, wo ein Sproß unseres Kaiserhauses lebt.
Das Bild war in höchstem Grad überraschend und rührend zugleich. Die mondhelle Nacht, wohlduftend, still und warm, stand mit ihrer Geheimnisfülle und Feierlichkeit in vollem Einklang mit der ergreifenden Handlung, die sich hier auf der Welt vollzog. Von der Anhöhe, auf der die Kirche steht, war zu sehen, wie die Trauerprozession mit brennenden Fackeln langsam den Berg heraufzog und sich dem Ort ihrer Bestimmung näherte. Es ist der letzte irdische Umzug der Pilgerin, die nur so kurz auf Erden weilte und nach ihrem Tod zehn Jahre warten mußte, bis durch sorgsame Liebe eine Heimstatt für ihre Gebeine erbaut und eingeweiht wurde, die ihrer würdig ist. Klänge der militärischen Trauermusik klangen wehmutsvoll in der Stille der Nacht. Und schließlich war die verstorbene Pilgerin zu Hause! Die Kirche nahm sie auf in ihren Schoß und segnete sie mit ihrem Obdach und Kreuz. Der Sarg ist inmitten der hell erleuchteten Kirche aufgestellt, und die Marmorwände funkeln und werfen zahlreiche Lichter zurück."
Auf seiner Rückreise von der Einweihung einer Kirche in Paris zelebrierte am 10.September 1861 der hochwürdige Erzbischof Leontij in Wiesbaden eine Liturgie, in Konzelebration mit Erzpriester W.N. Polisadov und dem örtlichen Erzpriester A.A. Petrov. Außer dem Erzdiakon Obolenskij waren noch zwei Diakone aus Petersburg anwesend und einer (Ogloblinski) aus Weimar. Es sangen zwei Chöre; der eine, der zur Einweihung der Kirche in Paris gewesen war, stand unter der Leitung von Herrn Lvovskij und bestand aus vierzehn Sängern, der andere aus acht Deutschen, die unter der Leitung von Herrn Foreit sangen, sehr deutlich und mit völlig reiner Aussprache der russischen Wörter. Beim Eintritt des Erzbischofs in die Kirche war diese schon angefüllt von Menschen.
"Muß man über die Gefühle der Russen sprechen", schrieb Erzpriester Polisadov, "die sehr lange schon im Ausland leben und einen orthodoxen Gottesdienst in so reicher Ausstattung lange nicht mehr erlebt hatten? Wir hörten und bemerkten es schon selbst, daß Russen in den Kirchen des Auslands sich durch besondere Andacht und Inbrunst im Gebet auszeichnen; zum Teil hängt das schon von einer besonderen Andacht ab, mit der hier der Gottesdienst abgehalten wird"; aber ebenso "besteht kein Zweifel, wie Fürst Wiazemski sagt, "daß sich in jedem wohlgestimmten Herzen das Heimatgefühl im Ausland nicht nur nicht abschwächt, nicht durch unterschiedlichste und vielseitige neue Eindrücke abstumpft, sondern im Gegenteil, es bildet sich weiter aus, erstarkt und vertieft sich. Jede Nachricht, jeder Laut, der aus der Heimat zu uns dringt, fällt in die Seele und stimmt sie glücklich oder traurig... Und diese Herzensstimme zu besänftigen, das Verlangen nach russischen Eindrücken, russischen Gefühlen, geistigen wie seelischen, zu lindern - wo mehr und trostbringender können wir das tun, als in unserer Kirche?" Aber nicht nur Russen allein nahmen an diesem Gottesdienst mit tief aufgewühltem Herzen teil. Am folgenden Tag hieß es in der örtlichen deutschen Zeitung: "Gestern wurde in der Griechischen Kapelle ein großartiger Gottesdienst abgehalten... Wir müssen gestehen, daß noch nie geistliche Gesänge von solcher Reinheit und Frische zu vernehmen waren, wie bei diesem russischen Chor; und wir glauben bestimmt, daß jeder der hier Anwesenden fühlen konnte, welch mächtigen religiösen Auftrieb dieser Gesang in der Seele erzeugt. "Am Ende der Liturgie zelebrierte Vladyka eine Totenmesse für die Seelenruhe der in der Nähe der Kirche verstorbenen Urheberin dieses Bauwerks.
Am nächsten Tag war Erzbischof Leontij noch einmal in der Kirche und ging dann auf den nahegelegenen, 1857 errichteten orthodoxen Friedhof. Er wurde aus den Mitteln der Großfürstin Elena Pavlovna (Mutter der verstorbenen Großherzogin) und des Außenministeriums auf dem Gelände errichtet, das zu den Staatsimmobilien des Nassauischen Herzogtums gehört hatte. Anfangs nahm der Friedhof eine Fläche von 25 Quadratruten und 10 Fuß ein, in der Folgezeit (1863-65) wurde er um mehr als das Zweifache vergrößert, nämlich auf 82 Quadratruten und 57 Fuß, und der Kaufbrief vom 15. Dezember 1864, anfangs auf den Namen des Erzpriesters Jany‚ew ausgestellt, wurde auf den Namen der russischen Regierung überschrieben.
Auf dem Friedhof ist eine Kapelle zur zeitweisen Aufbahrung der Verstorbenen erbaut worden, ebenso eine Wasserleitung und Zisterne für den Wasservorrat, und der ganze Friedhof ist von einer Steinmauer umgeben. Der Friedhof ist nicht groß, aber an Sauberkeit und Schönheit kommt ihm kaum einer der im Ausland befindlichen gleich, wenn sie sich auch stets durch diese Eigenschaften auszeichnen.
Genau gegenüber dem Eingang in der Mauereinfassung ist am Ende der Allee eine vortreffliche Auferstehungsikone zu sehen; einige schmale, von jungen pyramidenförmigen Pappeln umpflanzte Alleen ziehen durch den ganzen Friedhof, indem sie ihn regelrecht durchschneiden und so in mehrere Teile aufgliedern. Fast in jedem von ihnen ragen unter hellichtem Grün schon zwei-drei Grabhügel hervor, andere sind von Gittern umgeben, über andere neigen sich Trauerweiden; auf allen sieht man Blumengruppierungen, die den Sockel des Kreuzes umringen. Es ist gleichsam ein grünender, blühender, duftender Garten; selbst die Gefühle des Leides mildern sich hier; alles"Schluchzen am Grab" geht über in ein die Brust erleichterndes Seufzen, und diese "in Schönheit prangende", jedes Jahr sich erneuernde Natur, die Ikone der Auferstehung, welche zu allererst hier die Blicke festhält, und alle Zeichen des "ewigen Gedenkens" von Freunden und Verwandten - all das erinnert daran, daß die Christen über ihre Väter und Brüder nicht zu trauern brauchen, als hätten sie keine Zuversicht...
Viele der Grabausschmückungen sind sehr kostbar, aber der Hochgeweihte Erzbischof verharrte besonders vor einem der einfachsten Gräber, dem des Wiesbadener Chorleiters Smirnov. Der Verstorbene war Schüler des Erzbischofs im St. Petersburger Seminar gewesen..."Konnte man sich damals vorstellen", sagte Seine Eminenz," daß er in Wiesbaden sterben und ich hier an seinem Grab beten würde?"
Da sich die Kirche auf dem Neroberg außerhalb der Stadt befindet und im Winter nur mit großer Mühe beheizt werden kann, finden die Gottesdienste von Mitte September bis Mitte Mai in einer anderen, einer Hauskirche, statt, die sich in der Kapellenstraße 18 befindet und ebenfalls der Hl. Elisa-beth geweiht ist. Diese Kirche wurde im Oktober 1861 von dem jetzigen Beichtvater Ihrer Majestäten, Protopresbyter Jany‚ew, eingeweiht. Unter seinem Nachfolger, Erzpriester Arsenij v.Taçalov, wurde sie wesentlich vergrößert und 1888 sowie 89 unter Erzpriester S.V.Protopopov mit Hilfe der Mittel des Grafen A.N. Lamsdorf und Prof. I.K. Rachaus renoviert. Ikonostase, Altar, Opfertisch und anderes Zubehör der früheren Gesandtschaftskirche in Frankfurt, die in der steinernen Grabkirche nicht gebraucht wurden, fanden in der Hauskirche Verwendung, bei der sich auch eine Unterkunft für den Vorsteher der Kirche befindet. (Das Haus gehört der herzoglichen Verwaltung).
Vorsteher ist Erzpriester Sergej Vasileviç Protopopov, Sohn des verstorbenen Erzpriesters der Großen Kathedrale des Winterpalastes, Herkunft aus dem Erbadel, geboren 8. Juni 1851. Beendete 1874 Lehrkurs an der St.Petersburger Geistlichen Akademie und erhielt die Priesterweihe in der Alexander-Nevski-Kirche im Smolny-Institut. 1875-80 Redakteur der Zeitschrift "Strannik" (= "Der Pilger"); 1876 für die Sommersaison nach Karlsbad zur Abhaltung von Gottesdiensten beordert; 1878 Versetzung an die orthodoxe Nikolaus-Kirche in Nizza; 1883 errichtete er eine Hauskirche in Menton (bei Paris) und eröffnete Gottesdienste für die dort lebenden kranken Russen. Mit Genehmigung der Königin Olga Nikolajevna ließ er nach hierher eine alte Feldkirche der in Gott verschiedenen Kaiserin Alexandra Feodorovna, Gemahlin Kaiser Nikolaus I., überführen. 1887 Versetzung nach Wiesbaden. Er gab Notenübertragungen der Liturgie in russischer und deutscher Sprache heraus und die Abhandlung "Über das künstlerische Element im orthodoxen Kirchengesang". Als Diakon wirkt in Wiesbaden Se-rgej Sergejeviç Polevoj, Sohn eines Generalleutnants aus dem Erbadel, geb. 21. Februar 1873: trat 1893 freiwillig in Seiner Majestät 145. Infanterieregiment von Novoçerkassk ein, quittierte den Dienst in der Reservearmee im Rang eines Unterfähnrichs, 1897 Ernennung zum Psalmenleser in der Kirche der Sibirischen Marineinfanterie: 1900 Weihe zum Diakon auf derselben Vakanz des Psalmenlesers: 1901 Versetzung zur Kirche des Bobruiskischen Disziplinarbataillons: 1902 Versetzung nach Wiesbaden.
Psalmenleser Vasilij Ivanoviç Chutynskij, geb. 29. Dezember 1838 in der St.Petersburger Diözese; beendete Lehrkurs im St. Petersburger Geistlichen Seminar 1861; wurde Erzieher im Armenhaus der "Kaiserlichen Gesellschaft für Menschenliebe"; 29. Januar 1869 Ernennung zum Psalmenleser an der Kirche zu Wiesbaden.
Soweit zitierten wir den Text von Erzpriester Mal'cev aus dem Buch Jahrbuch der Bruderschaft, Orthodoxe Kirchen und russische Einrichtungen im Ausland, Petrograd 1906. Wir nahmen bewußt keine wesentlichen Änderungen vor, um die Besonderheiten dieses Textes zu bewahren.

Die Kirche der Hl. Elisabeth in Wiesbaden wurde 1896 vom späteren Märtyrer-Zaren Nikolaus II. mit seiner Gemahlin Alexandra Feodorovna, (geb. Prinzessin Alice von Hessen-Darmstadt) besucht. Im Gefolge des Zaren befanden sich auch Großfürst Sergius und dessen Gemahlin die Großfürstin Elisabeth Feodorovna, Schwester der Zarin. Sie wurde von den Bolschewiken einen Tag nach der Zarenfamilie am 18. Juli 1918 ermordet. Ihre Reliquien befinden sich heute im Hl. Land im russischen Kloster zu Gethsemane. Der Zar kaufte die Kirche mit dem Friedhof und dem umliegenden Wald mit Geldern seiner persönlichen Kasse, um dieses Kleinod so der Orthodoxie in Deutschland zu erhalten. Die Priester der Kirche in Wiesbaden waren gewöhnlich ebenfalls für die Gottesdienste in den russischen Kirchen in Bad Ems und Darmstadt verantwortlich. Erst in der Folge des 2. Weltkrieges vergrößerten sich die Gemeinden in Deutschland, so daß Umstellungen in der Betreuung durch die Geistlichen der Diözese des Orthodoxen Bischofs von Berlin und Deutschland vorgenommen werden mußten. Seit einigen Jahren betreut der Wiesbadener Priester gleichzeitig auch die Gemeinde in Darmstadt.