M.V. Lodyzenskij

Das unsichtbare Licht

 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in: Bote 1994, 1

M.V. Lody¡zenskij

DAS UNSICHTBARE LICHT

ERSTES KAPITEL
EINFÜHRUNG

“Niemand betrüge sich selbst! Wenn sich jemand unter euch weise zu sein dünkt in dieser Welt, so werde er töricht, damit er weise werde. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott.” 1. Kor. 3, 18-19.

Wer von uns hätte nicht gelesen, was das Evangelium über den Logos offenbart? Wer erinnerte sich nicht an die dort aufgezeichneten Worte: “Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe geworden... In ihm war Leben und das Leben war das Licht für die Menschen.” (Jh 1, 1,3,4), und wer von uns bemühte sich nicht darum, den tiefen Sinn dieses Aphorismus zu ergründen?
Der erste Gedanke, der uns unwillkürlich nach dem Lesen dieser Aussage in den Sinn kommt, ist der, daß unter Logos hier “Kraft” zu verstehen ist, und zwar diejenige Kraft, die das Universum zum Entstehen bringt, also eine Kraft, die im Menschen “Licht” schafft. Was für ein “Licht”? Selbstverständlich das Licht der Vernunft, das Licht der wahren Erkenntnis, das die Seele des Menschen erleuchtende Licht.
Nach dieser Frage erhebt sich eine weitere, die schon nicht mehr leicht zu beantworten ist, nämlich die Frage, worin diese Erkenntnis der Wahrheit besteht, wo diese Wahrheit liegt und wie sie erkannt wird? Anders ausgedrückt, in welcher Erkenntnis besteht das vom Logos den Menschen geschenkte Licht, jenes Licht, das nach den Worten des Evangeliums in der Finsternis scheint, das die Finsternis aber nicht angenommen hat?
So gilt es also, die Frage zu lösen, worin diese Erkenntnis der Wahrheit besteht.
Aber hier bringt der skeptische Verstand den Wahrheitssuchenden sofort auf die Idee, daß der Begriff der Wahrheit ja im allgemeinen relativ sei, und da jedes Philosophiesystem die Erkenntnis der Wahrheit zum Hauptziel hat, führe dies nur dazu, daß jeder Mensch seine eigene Wahrheit hat. “Was ist Wahrheit?”, fragte schon ehemals Pilatus.
Das erste, was wir auf diesen Zweifel antworten können, ist, daß Johannes der Theologe in seinem Prolog nicht über die vom Menschen unter den Voraussetzungen seiner irdischen Vernunft gefundenen Wahrheiten spricht, sondern von der evangelischen Wahrheit, die zum Menschen von außen kam, auf dem Weg besonderer Wahrnehmung: Hier ist nämlich die Rede von dem vom Logos gebrachten “Licht der Menschen” und nicht vom Licht relativer Wahrheiten, die der menschliche Verstand aus jenen Angaben konstruiert, welche ihm sein unvollständiges und bei der Mehrheit der Menschen begrenztes Erkenntnisvermögen liefert. Und natürlich ist das vom Logos gebrachte “Licht der Menschen” nicht jenes Verstandeslicht, das uns z.B. die materialistische Philosophie anbietet, die behauptet, daß es auf der Welt nur eine physische Materie gäbe und daß in der Existenz eben dieser Materie die unumstößliche Wahrheit liege. Genau dieses Verstandeslicht und nicht jenes Licht der Wahrheit ist es, von dem auch andere Philosophiesysteme reden, welche nur das für wahr halten, was unseren fünf Sinnen zugänglich ist, und die Wahrheit nur in unserem intellektuellen Erkenntnisvermögen sehen. Das Evangelium meint natürlich nicht solche Wahrheiten, und wir, die wir von seiner Grundsatzthese über den Logos ausgehen, haben keine Absicht, in anderen Systemen die Wahrheit zu suchen. Nach all dem, was wir in unserem ersten Buch “Überbewußtsein” (M.V. Lodyœenskij, “Überbewußtsein und die Wege, die zu ihm führen”, Sankt Petersburg 1912) ausführten, können uns derartige Interpretationen der Wahrheit nicht mehr zufriedenstellen. Wenn wir überzeugt sind, daß es außer unserem gewöhnlichen Bewußtsein noch ein Überbewußtsein gibt, dann erscheinen uns die oben angeführten, der Sphäre des begrenzten menschlichen Bewußtseins entstammenden Definitionen als einseitige Anschauungen, die all die unendlich reichen (nicht nur auf der bewußten, sondern auch auf der überbewußten Ebene) Phänomene des Lebens und der menschlichen Seele nicht erfassen können. Solche Auslegungen entspringen einem kleinen Horizont, und die entsprechenden Weltanschauungen sind philosophische Konstruktionen, die wegen ihres begrenzten Sichtwinkels sehr viel in der Welt einfach nicht sehen können; zwar treten gelegentlich auch Zweifel auf, ob aufgrund eines derartigen Verständnisses die Fülle der Erkenntnis gewonnen werden kann.
Von anderer Art ist die Weisheit des Evangeliums, die in den zitierten Aussagen über den Logos zum Ausdruck kommt. Die evangelische Wahrheit ist viel umfassender als diese relativen Wahrheiten. Sie umfaßt die höhere geistige Welt und das ganze universale Sein. Von anderer Art ist die Wahrheit des Logos, der das “Licht den Menschen” schenkt, ein Licht, das in der Finsternis menschlicher Verirrungen und Widersprüche nicht erlöschen kann.
Um diese Wahrheit zu erfassen, ist ein ganz anderer Erkenntnisweg notwendig, nämlich der Weg der Loslösung von der kleinen menschlichen Perspektive, der Weg geistiger Sehnsucht nach “jener Welt”, das Vorwärtsstreben entlang jener Meilensteine, die bereits von den großen Piloten des Geistes, den christlichen Geisteskämpfern, gesetzt wurden.
Das Geheimnis der evangelischen Wahrheit wird uns verständlich werden, wenn wir uns zu seiner Lösung ihren Werken zuwenden, jenen Quellen, die nicht aus unserem begrenzten, sondern aus einem erweiterten Bewußtsein fließen - wenn wir uns den Aussagen jener Menschen zuwenden, die ihr ganzes Leben lang auf den christlichen Logos zueilten. Diese Leute erweiterten ihr Bewußtsein bis zu Grenzen, die unserem normalen Bewußtsein ungewöhnlich erscheinen. Sie besaßen Genialität im Verstehen und Auslegen der evangelischen Wahrheit. “Die Seele schaut die Wahrheit Gottes gemäß der Kraft des Lebens”, sagt Isaak der Syrer, oder in unserer Ausdrucksweise: Zur Erkenntnis der göttlichen Wahrheit ist die aktive Dynamik eines heiligen Lebens notwendig, die von der Sünde ungeschwächte Kraft der geistigen Durchdringung, welcher die Wahrheit durch geniale Intuition zuteil wird.
Und tatsächlich fanden wir, nachdem wir mit den Aussagen der christlichen Geisteskämpfer (die in der “Tugendliebe” zusammengestellt wurden) bekannt geworden waren, dort eine geniale Behandlung von Fragen hinsichtlich der Wahrheit des Evangeliums.
In erster Linie muß man hier die philosophischen Aussprüche eines Geisteskämpfers (“asketes”) des 6. Jh. , des Abba Dorotheos, nennen, die er in einem besonderen Schema dargelegt hat. Obwohl wir diesen Gedanken schon in unserem Buch “Überbewußtsein” zitierten, wollen wir ihn trotzdem hier erneut anführen, denn wir sehen darin den in seiner Tiefe zufriedenstellenden Versuch, das in philosophische Form zu kleiden, was durch die evangelische Offenbarung vermittelt wurde.
“Stellt euch einen Kreis vor”, sagt Abba Dorotheos, “seinen Mittelpunkt, und von diesem ausgehende Radien (Strahlen). Diese Radien laufen, jemehr sie sich vom Zentrum entfernen, immer mehr auseinander, und der Abstand zwischen ihnen wird immer größer; umgekehrt: je näher sie dem Zentrum sind, desto mehr nähern sie sich einander. Nehmen wir jetzt an, daß dieser Kreis die Welt ist, der Kreismittelpunkt Gott, und die geraden, vom Zentrum zum Kreisumfang oder vom Umfang zum Zentrum verlaufenden Linien (Radii) die Lebenswege der Menschen sind. Hier gilt ebenfalls: in dem Maße wie die Heiligen auf das Zentrum des Kreises zugehen, d.h. sich Gott nähern, kommen sie, je mehr sie sich nach innen bewegen, sowohl Gott als auch untereinander sich näher... Dasselbe wendet auch auf die Auswärtsbewegung an: wenn sie von Gott weggehen, so entfernen sie sich im selben Maße, wie sich sich voneinander entfernen, auch von Gott. Das ist auch die Eigenart der Liebe: in dem Maße, in dem wir uns außerhalb befinden und Gott nicht lieben, stehen wir auch von unseren Nächsten fern. Wenn wir jedoch Gott lieben, dann gilt: je mehr wir uns Gott aus Liebe zu Ihm näheren, desto mehr vereinigen wir uns auch in Liebe mit unseren Nächsten, und je mehr wir uns mit unseren Nächsten vereinigen, desto mehr vereinigen wir uns wiederum mit Gott (Tugendliebe).
Wenn man sich in den tiefen Sinn des angeführten Bildes hineindenkt, dann muß man einfach zugeben, daß die Evangeliumsweisheit über das Licht des Logos, über das “Licht der Menschen” hier in ihrer ganzen Fülle zum Ausdruck gebracht wird. Der Mensch, der gemäß dem Schema des hl. Abba Dorotheos von der geistigen, die Menschen in Gott vereinigenden Liebe (Über die geistige, die Menschen in Gott vereinigende Liebe besitzen wir einen anderen, nicht minder tiefen Ausspruch eines anderen Autors der “Tugendliebe”, nämlich des hl. Isaak des Syrers: Die Liebe - so sagt er - ist gleich einem kleinen Öllämpchen, mit dessen Aufzehrung auch das Flämmchen erlischt, oder gleich einem Regenfluß, der zu fließen aufhört, wenn das ihn speisende Regenwasser ausbleibt. Aber die Liebe ist gleich einer aus der Erde sprudelnden Quelle, die niemals versiegt. Die erstere ist die menschliche Liebe, die letztere jedoch die göttliche (geistliche), die Gott als ihren Urheber hat”), durchdrungen ist, lebt in der Sphäre des Logos, d.h. in der Sphäre jener Kraft, die nach dem Evangelium das “Licht der Menschen” schafft. Der mystische Kreis des hl. Abba Dorotheos ist das Symbol dieser höheren Sphäre. Der Mensch, der mit seinem ganzen Wesen dieser Sphäre inne wird, beginnt damit schon, sich aus jenem Ideenkreis herauszuarbeiten, in dem er aufwuchs. Er beginnt schon außerhalb jenes Kreises zu leben, als dessen Mittelpunkt er sich selber betrachtete und dabei die ganze Welt seinem Bewußtsein entgegenstellte.
Er begreift nun, daß dieses Bewußtsein, das ihm zuvor als das Ganze erschien, unter den Bedingungen einer unvollkommenen Sicht der Dinge erwuchs. Er sieht jetzt, daß sein Verstand, der ihm zuvor so mächtig erschien, in einer begrenzten Sphäre gehegt und in unnormaler Weise entwickelt wurde. Eine Metamorphose seiner ganzen Psyche in das Bewußtsein einer anderen Vernunft, nämlich der “großen”, vom Logos erleuchteten Vernunft findet statt. Und diese Vernunft, erzeugt aus den Strahlen der dem Zentrum des universalen Lebens entströmenden göttlichen Gnade, gleicht sich, während sie sich im Menschen entfaltet, ihrer Quelle, dem Logos, an.
Wir hoffen, daß es uns gelang, dank des genialen Schemas des hl. Abba Dorotheos, ein wenig die oben angeführten Worte des hl. Evangeliums - “in Ihm (Logos) war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen” zu verdeutlichen.
Das erwähnte Schema des hl. Abba Dorotheos bietet außerdem ein gutes Beispiel dafür, wie der menschliche Geist, erleuchtet vom Licht der höheren Vernunft (Logos), die Beziehung zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen sogar graphisch darzustellen vermag, und wie durch diese Darstellung den Menschen zu verstehen gegeben wird, daß es außer der Sphäre des egozentrischen Intellekts (der mentalen Welt), in dessen Herrschaftsbereich die überwiegende Mehrheit der Menschen sich befindet, noch eine andere Sphäre gibt, nämlich die des Logos, die egofugale Sphäre (spirituelle Welt), in die das menschliche Wesen nur durch die Entfaltung der “großen”, dem Logos angepaßten Vernunft, d.h. einer durch die göttliche Liebe genährten Vernunft, gelangen kann.
In unserem Buch “Überbewußtsein” führten wir die Reflexionen des russischen Philosophen Nikolaj Berdjajew an, der die Beziehung zwischen der “großen” Vernunft (Logos) und der “kleinen” Vernunft (ratio) darlegt. Wir erinnern an die von Berdjajew herausgearbeiteten Hauptgrundsätze. Er sagt, daß beim Apostel Paulus der klassische religiöse Ausdruck für diesen Kampf der zwei Arten von Vernunft zu finden ist: “werde töricht, damit du weise wirst” und “die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott”... Es gibt die begrenzte Vernunft, die Verstandestätigkeit, die rationalistische Vernunft - sagt Berdjajew weiter - und es gibt die göttliche Vernunft, die Vernunft der Mystiker und Heiligen... Die größten christlichen und heidnischen Philosophen, jene, welchen die Philosophie als heilig galt, anerkannten die Existenz einer höheren, einer göttlichen Vernunft oder des Logos, in dem Subjekt und Objekt identisch sind, und sie beschrieben das Wirken des Logos im Menschen...
Diese Termina “große und kleine Vernunft” (logos und ratio) werden wir häufig in der vorliegenden Arbeit verwenden. Wir wollen uns daher nun eingehender über diese Begriffe äußern und dabei auf die Charakteristika dieser zwei Arten von Vernunft und ihre wechselseitige Beziehung eingehen.

Beginnen wir mit der “kleinen Vernunft” (ratio). Schon im 5. Jh. sagte der christliche asketes (Geisteskämpfer) Johannes Chrysostomos in einer seiner Predigten über den reinen Glauben unter anderem, daß die Natur rationeller Argumente einem Labyrinth gleicht, das ohne Ende ist und den Gedanken nicht gestattet, sich auf irgendeiner Grundlage zu behaupten.
Diese Worte sind bemerkenswert. Chrysostomos, welcher “der Natur der rationellen Argumente” die Kraft der Glaubensreinheit, die Kraft der geistigen Intuition gegenüberstellte, bringt mit diesen Worten die Minderwertigkeit der “kleinen Vernunft” (ratio) zum Ausdruck, was das Erfassen von geistlichen Wahrheiten anbetrifft, d.h. von jenen Wahrheiten, die den Grund unseres Seins bilden. Im Sinne der Aussage des hl. Johannes Chrysostomos ist die menschliche Vernunft, wenn sie nicht lebendig im religiösen Empfinden verwurzelt ist, zum fruchtlosen Umherirren in diesem Labyrinth verurteilt.
Interessant ist, daß diese Beurteilung durch die jetzt von vielen zugegebene Fruchtlosigkeit der Arbeit der sogenannten neuen wissenschaftlichen Philosophie, die von Descartes begründet wurde, bestätigt wird; diese stellt nämlich ihre rationalisierende Denkweise dem Sein entgegen und bildet sich ein, allein durch das Denken die Fülle des gesamten Wissens zu gewinnen. Den Philosophen dieser Richtung erschien das menschliche Denken als selbstgenügsame, unerschütterliche, sozusagen absolute Grundlage, ausgehend von der durch die Reinheit der Logik die Wahrheit erfaßt werden kann; unterdessen ist das menschliche Denken seinem Wesen nach genau solch eine Daseinsgröße, wie das Sein, welches es erforscht; das Denken kann keine selbstgenügsame Kraft sein, sondern es ist eine abgeleitete Kraft, die ihrerseits von vielen Kräften abhängt, und zwar hauptsächlich von moralischen und anderen das Denken des Menschen steuernden Impulsen. Wenn dieses Denken von den lebendigen, es speisenden Wurzeln losgerissen wird, dann bleiben einzig und allein die rationellen Argumente übrig, deren Natur, wie Chrysostomos sagt, einem Labyrinth ähnlich dem Denken nicht gestattet, sich auf irgendeiner Grundlage zu konsolidieren. Nicht genug, das vom Sein losgelöste Denken kann soweit gelangen, das Sein, das es erforschen will, ganz zu leugnen, und seinen Bergriff vom Universum auf die Vorstellung von einer scheinbaren Welt zu reduzieren, auf Imaginationen, die sich nur im Gehirn des Menschen abspielen. Manche Rationalisten gelangten sogar bis zur Möglichkeit einer derartigen Leugnung. Aber eine solche Philosophie konnte natürlich nicht und kann nicht von Dauer sein. Ihre Wankelmütigkeit macht sich derzeit in der Krisis des philosophischen Denkens im Westen bemerkbar, die eben jetzt von dieser neuen Philosophie durchgemacht wird, nachdem sich die philosophischen Anschauungen Kants in der Lehre seiner Epigonen erschöpft haben. Ein anschauliches Bild dieser Krisis zeichnet einer der russischen Philosophen, Vladimir Ern, in seiner Abhandlung “Kampf für den Logos”. In diesem Aufsatz lesen wir u.a. die folgende charakteristische Stelle, die in komprimierter Form die hauptsächlichen, sich auf diese Frage beziehenden Schlußfolgerungen zusammenfaßt: “Der Baum benötigt zu seinem Leben ebenso wie die in die Erde dringenden Wurzeln auch Laubwerk und Zweige, die sich in den blauen Himmel recken; er geht ein, wenn man seinen Stamm von der Wurzel und den Zweigen trennt. Die neue Philosophie des Westens, die von Anfang an die ratio zum Prinzip ihres Philosophierens erklärte, fing schon mit Decartes und Bacon an, nicht nur die Wurzeln des lebendigen Baumes der Philosophie, sondern auch seine Zweige abzuhauen. Dieser Prozeß der zweifachen Entwurzelung (von der Erde und vom Himmel), der von der Konzeption der ratio selber vorgezeichnet ist, entwickelt sich historisch immer mehr und erreicht seinen Höhepunkt in der monumentalen Philosophie des deutschen Idealismus. Hegel bringt den Baum endgültig zum Umstürzen. Der Fluß der lebendigen und schöpferischen Kräfte hört auf, und das stolze Gebäude der europäischen Philosophie stürzt katastrophal ein. Die ganze weitere Philosophie Europas ist der Versuch, das Sterbende wiederzubeleben - aus dem schon toten Stamm neue Triebe hervorzutreiben. So erklärt sich der beispiellose Fall der Philosophie nach Hegel, das Aufkommen der Scholastiker und Epigonen (Nachfolger Kants, die sogenannten Neokantianer).
Sehr interessant charakterisiert diese Krisis auch ein anderer russischer Philosoph, Vjaçeslav Ivanov: “Als Resultat der neokantianischen Forschungen sieht sich das Subjekt der Erkenntnis, also die Persönlichkeit, in einen undurchbrechlichen Kreis eingeschlossen. Alles, was sich innerhalb des Kreises befindet, ist relativ: alles, was jenseits von ihm ist, ein undefinierbarer Faktor”. Und diese Situation führt zu dem negativen Schluß, der unweigerlich mit den Devisen des hellenistischen Sophisten Gorgios zusammenfällt: “Es gibt kein Sein: wenn es auch existierte, so wäre es doch unerkennbar, und wenn es auch erkennbar wäre, so wäre es doch nicht ausdrückbar und nicht mitteilbar.” Nach dieser Gnoseologie kann man sein Leben nicht ausrichten - ist die Schlußfolgerung des Autors (Vjaçeslav Ivanov, Aufsatz “Über die Bedeutung Vladimir Solovjevs”).
Äußerlich gesehen zeigt sich die Krisis dieser neuen Philosophie darin, daß das philosophische Denken sich in der gegenwärtigen Zeit in eine Unmenge einzelner Schulen aufsplitterte, wobei die streitenden Schulen sich nicht einmal über die genaue Terminologie einig werden können, damit sie sich richtig verstehen könnten....
Und dieser ganze Turmbau entstand nur deshalb, weil die Menschen sich schwer irren, wenn sie meinen, die Quelle aller Wahrheit in der formalen Logik unserer “kleinen Vernunft” zu finden, die vorgibt, immer und überall ein untrügliches Werkzeug des menschlichen Denkens und außerdem in allen Fragen ein unbefangener Richter zu sein.
Wenn es dieser Vernunft gelingen würde, endgültige Gesetze in der indifferenten Mathematik und in der ihr verwandten Astrologie zu finden, wenn sie sich bis zu einer formell annähernden Kenntnis der physischen Gesetze (wir sagen, daß diese Erkenntnis der Naturgesetze nur eine annäherungsweise wäre, denn, wie selbst die größten Wissenschaftler zugeben, sind die grundlegenden wissenschaftlichen Axiome auch nur ungefähre Wahrheiten, nur anwendbar innerhalb ihrer bestimmten Grenzen, und außerhalb dieser Grenzen verlieren sie ihre Gültigkeit.) vorwärtstasten könnte, wenn sie die Technik vervollkommnen und sich die Natur untertan machen könnte, dann wäre sie trotzdem noch sehr weit entfernt vom Besitz der Wahrheit in existentiellen Fragen, in Fragen über die Seele des Menschen, die für sie in vieler Hinsicht immer ein unlösbares Rätsel darstellen werden. Hilflos ist unser Intellekt auch in der Lösung von Fragen, die eng mit der Seele des Menschen verbunden sind, d.h. von Fragen moralischen Charakters. In unserem Buch “Überbewußtsein” führten wir anschauliche Beispiele für die Verirrungen des vom Atheismus angesteckten menschlichen Denkens an, die sehr typisch für die “kleine Vernunft” sind; wir brachten Beispiele dafür, in welch ein Labyrinth menschlicher Logik das von den religiösen Wurzeln losgerissene menschliche Denken bei der Lösung moralischer Fragen geraten kann. Wir wollen hier nicht noch mehr Beispiele anführen. Was wir im Buch “Überbewußtsein” sagten, ist überzeugend genug. Dazu muß noch bemerkt werden, daß all diese Beispiele von abnormen Erscheinungen des menschlichen Denkens an und für sich keine besonderen Ausnahmen darstellen, denn die “kleine Vernunft” kann ihrem Wesen nach, den Gegebenheiten ihrer Natur nach aus eigenen Kräften in ähnlichen Fragen nicht klug werden. Die die Natur der “kleinen Vernunft” ausmachenden Eigenschaften können bei der Analyse des Wesens dieser Vernunft studiert werden.

Wollen wir uns nun an diese Analyse machen. Schauen wir uns die Eigenschaften der “kleinen Vernunft” an.
Wir wollen mit einer äußerst interessanten, mit diesem Thema im Zusammenhang stehenden Definition von Annie Besant beginnen. Sie sagt, daß der menschliche Intellekt, der sehr deutlich das “Ich” vom “nicht-Ich” zu unterscheiden weiß, in vollem Maße nur sich selber kennt und alles übrige als “äußerlich und für sich selbst fremd” betrachtet. Jeder, der diese Definition an sich selber prüft, wird ihre Richtigkeit bestätigt finden. Aber wenn dem so ist, dann folgt daraus ohne Zweifel, daß der Intellekt seinem Wesen nach in erster Linie die Eigenschaft besitzt, sich von der äußeren Welt abzuschirmen, das Subjekt vom Objekt zu abzugrenzen.
Aus dieser grundlegenden Eigenschaft unseres Intellekts, Subjekt und Objekt getrennt zu verstehen, ergeben sich weitere besondere Merkmale: seine Egozentrik und sein Egoismus. Erklären wir dies genauer: Ausgehend von seinem kleinen “Ich” ist der Intellekt jedes Menschen vor allem geneigt, in seinem “Ich” seinen Standpunkt zu behaupten und sich selbst als Mittelpunkt zu betrachten, für den alles da ist, was ihn auf der Welt umgibt. Abgegrenzt von allem, was das “nicht-Ich” ist, neigt der menschliche Intellekt dazu, auch seine Fähigkeiten und Kräfte vornehmlich nur von einer Seite her zu sehen, nämlich im Hinblick auf die Durchsetzung seines Rechtes, über diese für ihn äußere Welt zu herrschen, eines Rechtes, das umso freier durchgesetzt wird, je weniger es hindernden Bedingungen der Außenwelt unterworfen ist.
Wenn ein Mensch, der ein derartiges Bewußtsein in sich entwickelt hat, bei seinem egozentrischen Benehmen und Trachten mit jemandem seinesgleichen zusammenstößt, der ihm in den Weg kommt, dann ist er geneigt, auf die allernatürlichste Weise etwa folgendermaßen zu antworten: “hör’ mal, ich existiere, stör mich nicht; du störst mich durch dein Dasein: weg mit dir, verschwinde!”
Weiterhin neigt er im Zusammenhang mit diesen natürlichen Merkmalen der “kleinen Vernunft”, nämlich Egozentrik und Egoismus, immer mehr dazu, nicht mehr gelassen über sich zu denken, sondern mit einer gewissen Zufriedenheit über die Resultate, die er sich schwer erkämpft hat und im Bewußtsein seiner Kraft, seiner Macht und Überlegenheit. Der Geist des sich selbst behauptenden Stolzes ist das natürliche Attribut der kleinen menschlichen Vernunft. All ihr Denken verläuft gewöhnlich im Bewußtsein ihrer eigenen Wichtigkeit in der Sache der Wahrheitserkenntnis und im Selbstbetrug durch dieses Sich-Wichtignehmen; sobald die kleine Vernunft beginnt, im Gedanken an diese ihre Bedeutsamkeit zu schwelgen, neigt sie dazu, die Wahrheit nicht mehr als solche, sondern als ihre eigene Schöpfung zu schätzen, weshalb sie auch in der großen Mehrheit der Fälle das richtige Kriterium zwischen der Wahrheit und dem Irrtum verliert....
Über diese Neigung der menschlichen (kleinen) Vernunft zum Hochmut äußerten sich die christlichen Geisteskämpfer sehr bestimmt; sie verachteten eine solche, ihre eigene Wichtigkeit übersteigernde Vernunft. Wollen wir ein Beispiel aus der Philokalia anführen. Ein asketes des 7. Jh., der hl. Maximus der Bekenner, bezeichnete die Überlegungen einer solchen, von ihrer eigenen Bedeutsamkeit angetanen Vernunft als “hochmütige Klügelei” und hielt dieser “Klugheit” das göttliche Wissen entgegen (d.h. das, was in unserer Terminologie von der “großen Vernunft” her stammt); er sagt, daß diese hochmütige Klugheit aus zwei “Ignoranzen” besteht - nämlich dem Nichtwissen um die Göttliche Hilfe und dem um die eigene Hilflosigkeit. Als Ergebnis geht der Mensch gleichzeitig des “göttlichen und des menschlichen Wissens” verlustig.
Interessant ist auch ein Aphorismus des hl. Apostel Paulus zu diesem Thema. Er sagt: “Die Erkenntnis bläht auf; die Liebe aber erbaut” (1 Kor 8,1).
Abgesehen von den angedeuteten Eigenschaften der “kleinen Vernunft” (Egozentrik, Neigung zu Egoismus und Hochmut) muß man noch darauf hinweisen, daß gemäß den Gegebenheiten unseres ganzen Lebens der menschliche Intellekt sich in einer Atmosphäre entwickelt, die durchaus nicht die Entwicklung einer unvoreingenommenen, ungetrübten geistigen Schau begünstigt. Die Atmosphäre, in der die meisten Menschen, darunter auch die Philosophen leben, ist die der Eitelkeit, und wir alle wissen, wie schwierig und zuweilen sogar unmöglich es für den Menschen ist, von den seiner ratio eigenen ehrsüchtigen Assoziationen loszukommen. Wenn in der Zeit des frühen Christentums die sich im Geiste Übenden sagten, es sei schwer, den ruhmsüchtigen Gedanken zu entfliehen - denn was man auch zu ihrer Vertreibung anstellen mag, sie bekommen doch immer wieder einen neuen Impuls (Ausspruch des Abba Evagrius) -, dann stellt heutzutage, wo keiner gegen hochmütige Gedanken kämpft, und alle sie vielmehr in sich hegen und pflegen, diese Haltung tatsächlich die Atmosphäre dar, in der sich in der großen Mehrheit der Fälle das menschliche Denken bewegt. Und in diesem Nebel der Eitelkeit und geisterhaften Vorstellungen bemüht es sich am Ende gar, das Unmögliche möglich zu machen, nämlich eine klare Schau zu haben und sich einwandfrei zurechtzufinden in den Fragen der Wahrheit .
Wiederholen wir: Die Menschen irren schwer, wenn sie meinen, daß ihr Intellekt die Eigenschaft der Objektivität besitze, daß er sich leicht von solchen wie den oben genannten Assoziationen freimachen könne. Wie scharfsinnig und standhaft der Mensch auch sein mag, derartige Assoziationen brechen in den meisten Fällen doch in seinen Bewußtseinskreis ein. Sogar die stärksten menschlichen Gemüter unterliegen einem Irrtum, wenn sie meinen, sie träfen mit ihrem freien Willen Entscheidungen, die in Wirklichkeit jedoch aus der Neigung des Intellekts zur Selbstverherrlichung und zur Überschätzung der eigenen Kräfte stammen. Der Doktor der Philosophie Carl du Prel sagt, daß sich in den Köpfen der allermeisten Menschen gar keine objektiven Gedanken formen, sondern nur solche, die aus ihrem egoistischen Willen, Interesse und Bedarf geboren werden, und daß ein Großteil der wissenschaftlichen Bücher noch immer die bereits von Bacon von Verulam formulierte Kritik verdient: Den menschlichen Geist kann man nicht als reines Licht bezeichnen, weil er vom Willen und von den Gefühlen beeinflußt wird. In diesen Bereich des Willens und der Gefühle fallen auch die mentalen Leidenschaften, über deren Bedeutung wir ausführlich in dem Buch “Überbewußtsein” sprachen. “Diese Anfechtungen hören nicht auf, solange diese Welt existiert”, sagt der christliche asketes Isaak der Syrer (Philokalie).


Wir wollen eine weitere charakteristischen Aussage über die “kleine Vernunft” eben dieses Autors wiedergeben. Nach der Terminologie Isaaks des Syrers heißt die kleine Vernunft “erste Stufe des Wissens”. Er sagt, daß “diesem Wissen der die Liebe ausmerzende Baum der Unterscheidung von Gut und Böse aufgepflanzt ist. Hochmut und Stolz charakterisieren es. Es brüstet sich, aber gleichzeitig wandelt es in der Dunkelheit - und es wägt seine Errungenschaften an irdischen Werten ab, und weiß gar nicht, daß es etwas Besseres gibt” (Philokalia).
Daß die kleine Vernunft (ratio) bei der philosophischen Forschung oft voreingenommen ist, beweist uns die ganze Schule der positivistischen Philosophie, welche die Menschen im vergangenen Jahrhundert so sehr angezogen hat, und in bezug auf die unser großer Schriftsteller L.N. Tolstoj äußerte, daß die positivistische Philosophie Kants hauptsächlich deshalb so freudig von allen aufgenommen wurde, weil sie versucht, das in der menschlichen Gesellschaft vorhandene Böse zu rechtfertigen.
Vorausgesetzt schließlich, daß bei manchen außergewöhnlichen Menschen der Intellekt unvoreingenommen und rein bei der Beurteilung von existentiellen Fragen oder jenen über die menschliche Seele ist, so kann doch dieser Verstand aufgrund seiner natürlichen Veranlagung nicht als kompetentes Werkzeug anerkannt werden, um derartige Fragen zu lösen, denn die intellektuellen Mittel des Menschen sind in dieser Hinsicht äußerst beschränkt. Die in letzter Zeit im Westen beliebt gewordenen Philosophieschulen beginnen diese Tatsache allmählich einzusehen.So stellt einer der Vertreter einer modernen Philosophieschule, Henri Bergson, die Zuständigkeit des Intellekts zur Einsicht in Fragen über das Leben der Psyche infrage und schlägt ein anderes Werkzeug zu dieser Erkenntnis vor, ein seiner Natur nach dem Intellekt vollkommen entgegengesetztes Werkzeug, nämlich die Intuition. In der zukünftigen Entwicklung dieses Werkzeuges sieht er den Schlüssel zu der erwähnten Einsicht. In seinem Werk “L’évolution créatrice” bekräftigt Bergson, daß die Intuition in die Richtung des Lebens selber geht, der Intellekt jedoch in die entgegengesetzte; bei der Menschheit, von der wir einen Teil bilden, sei die Intution fast ganz dem Intellekt geopfert worden, so daß, falls sie überhaupt noch vorhanden ist, sie nur noch trüb und fragmentarisch bestünde, und sie gleiche einer fast erloschenen Lampe, die nur noch von Zeit zu Zeit für einige Augenblicke aufflackert. “Es stimmt, daß dieses Licht unstet und schwach ist - sagt Bergon - aber es leuchtet dennoch ein wenig in jene nächtliche Dunkelheit, in die der Intellekt uns geführt hat.”
Dieser Ansicht Bergsons muß man einfach zustimmen, denn wie könnte man beispielsweise dem Intellekt solche Phänomene der menschlichen Seele wie etwa künstlerische Inspiration zuschreiben? Wie könnte der menschliche Verstand derartiges verstehen, wo er doch seiner Natur nach an Spekulationen in statischer Perspektive, an Erörterungen in Form von Schemen und an eine formalistische Logik gebunden ist?

Kommen wir jetzt zur “großen Vernunft”. Wenn wir diesen Begriff und die Eigenschaften der “großen Vernunft” erklären wollen, müssen wir von der folgenden Voraussetzung ausgehen.
Die primäre, den Sinn des Lebens bestimmende und das Bewußtsein des Menschen erleuchtende Wahrheit kommt nicht aus rationeller Überlegung, sondern aus dem Herzen des Menschen (aus seiner emotionalen Sphäre). Dieses Herz erkennt die Wahrheit auf seine eigene Art und Weise, durch einen besonderen Prozess der Durchdringung, mit seiner eigenen Intuition, die für unser Gehirn nicht zu fassen oder zu begreifen ist. In dem genannten Prozeß der intuitiven Penetration - einem Prozeß, der in der emotionalen Sphäre wurzelt (in den höchsten Emotionen), der in einem Herzen, das nicht von bösen, mit ihm im Kampf liegenden Leidenschaften verunreinigt ist, seinen Ursprung hat, wirkt die “große Vernunft”, deren Keim im Herzen jedes Menschen vorhanden ist. Den im Herzen angelegten Keim dieser großen Vernunft kann man bis zu seiner Selbstbewußtwerdung entwickeln, d.h. bis zu der besonderen und vom Gehirn vollkommen unabhängigen Empfindung des höheren “Ich” im Bereich des Herzens. Jeder von uns könnte diese Wahrheit auf dem Weg einer empirischen Selbsterforschung erfahren, wenn er nur die große Mühe der Reinigung von den üblen Leidenschaften auf sich nehmen würde. Aber in der heutigen Zeit finden wir in unserem intellektuellen Milieu kaum noch Menschen, die zu solch einer Erfahrung fähig sind... Man muß sich zum Beweis dessen anderen Quellen zuwenden.
Erinnern wir uns an Tolstoi, insbesondere an jene Stelle seiner Konfessionen, wo er sagt, daß sein Streben zum Göttlichen (Gottsuche) nicht aus der kritischen Vernunft, sondern aus dem Herzen floß (“Die ganze Zeit dieses Jahr über - so schreibt Tolstoi - als ich mich fast jede Minute fragte, ob ich mir nun durch den Strang oder durch eine Kugel ein Ende setzen sollte, quälte mein Herz neben den genannten Überlegungen und Wahrnehmungen ein drückendes Gefühl. Dieses Gefühl kann ich nicht anders bezeichnen als: Nach-Gott-Suchen. Ich betone, daß die Suche nach Gott kein mentaler Prozeß war, sondern ein Gefühl, denn sie kam nicht aus meinen Gedanken - sie verlief diesen sogar direkt zuwider - sondern aus dem Herzen). Dieses Streben war nicht rationalistischer Art, sondern es verlief vielmehr jenseits der Verstandesebene. Sein Keim lag in der “großen Vernunft” Tolstois. Trotz der intellektuellen Lebensweise, der sich Tolstoi damals hinzugeben pflegte, und die ihn, wie er in seinen Bekenntnissen zugibt, beinahe bis zum Selbstmord getrieben hat, konnte die große Vernunft bei dem genialen Schriftsteller, der er war, nicht endgültig ersterben. Diese im Herzen Tolstois sich verbergende große Vernunft war trotzdem lebendig, und machte auf irrationalem Wege (d.h. nicht durch das Gehirn, sondern durch das Herz) seine Forderung zur Erkenntnis der Wahrheit in Gott geltend.
Zum weiteren Verständnis dieser großen Vernunft ziehen wir noch die folgenden empirischen Daten aus dem Leben von gerechten Gottgefälligen heran, die ihr Herz bereits gereinigt haben.
In unserem Buch “Überbewußtsein” führten wir unter der Überschrift geistiges Gebet unter anderem auch den aus der asketischen Praxis stammenden Hinweis an, daß der Betende beim Gebet das Bewußtsein seiner niederen Vernunft auslöschen und dafür ein anderes Bewußtsein, nämlich das seines Herzens entzünden muß. Wie der Leser sich erinnern mag, drücken Gregor Palamas und andere diese Forderung so aus: “Nötige deinen Geist, vom Kopf in das Herz hinabzusteigen und halte ihn dort fest”. Dabei muß man bedenken, daß das Herz des sich im geistigen Gebet übenden “asketes” durchaus nicht das Herz ist, welches die fast überhaupt nicht aus dem Herzen lebenden Menschen dieser Welt besitzen. Wir sagten in dem erwähnten Buch, daß derjenige, der ein Leben des Herzens lebt, der z.B. die Worte von Johannes Chrysostomos “daß das Herz den Herrn verschlinge, und der Herr das Herz, und mögen die beiden eins sein” nachfühlen kann, das wahre Leben des Herzens erfühlt hat und daher versteht, was der Ausdruck “das Herz entbrannte” oder “das Bewußtsein erglühte im Leben des Herzens” bedeutet.
Dieser Hinweis auf den Zustand des Betenden, bei dem sich das Bewußtsein im Leben des Herzens entzündet hat, klärt auch die Frage über die große Vernunft, um die es uns hier geht. Das Bewußtsein im Leben des Herzens, das in den erhabenen Augenblicken des geistigen Gebetes so flammend brennt und von dem die Geistesstreiter kündeten, ist seinem Wesen nach eben das Bewußtsein dieser großen Vernunft, von der wir jetzt reden wollen. Aber nur beim Gebet wird diese große Vernunft dank der auf den Menschen einwirkenden göttlichen Gnade in ihrer ganzen Fülle und Kraft lebendig. Die Wahrnehmung dieses Lebens ist unter diesen besonderen Bedingungen so intensiv, daß das andere, nämlich das cerebrale Bewußtsein (ratio), vom Menschen überhaupt nicht wahrgenommen wird. Anders ausgedrückt, das geistige höhere Bewußtsein, von dem wir in unserem Buch “Überbewußtsein” sprachen, ist seinem Wesen nach eben dieses Bewußtsein der großen Vernunft - ein Bewußtsein jedoch, das bis zu seinem Höhepunkt, bis zur Manifestation der höchsten menschlichen Fähigkeiten (spirituelle Schau) intensiviert wurde.
In jedem von uns glimmt der Docht dieser großen Vernunft: einer Vernunft, die sich in erhabenen Gefühlen des Herzens entfalten kann, in Gefühlen der Liebe und Einheit. Aber durchaus nicht allen wird diese Erfahrung zuteil, denn unser Leben verläuft fast gänzlich in der rationellen (mentalen) Sphäre, die weitgehend vom Egoismus eines jeden und aller vergiftet ist, und die Mehrheit der Menschen lebt in der Halbanästhesie ihres höheren “Ich”, in der Vergessenheit der höheren Vernunft. Aber wenn durch irgendwelche Lebensumstände die große Vernunft aus der Lethargie erwacht (wie dies bei Tolstoi der Fall war, der in seinem Herzen das Streben zum Göttlichen empfand) und wenn diese Vernunft im Menschen zu wachsen beginnt, dann verklärt sich sein ganzes Wesen, seine ganze Weltschau, seine ganze Weisheit. Der Mensch wird dann sozusagen neu geboren. Mit seinem ganzen Herzen dem Logos zustrebend, gibt er sich einem großen Ziel hin, einem großen Dienst: Gemäß seinen Kräften versucht er, ein Leiter des göttlichen, in die Welt einfließenden Lebens zu sein. Solch ein Mensch nimmt die Welt als die Gesamtheit der von einem göttlichen Zentrum ausgehenden Kräfte wahr; die Äußerungen des menschlichen Lebens sieht er als Übergangsstufen zur Entfaltung eines höheren Lebens, zur Entwicklung jenes konziliaren (kirchlichen) Bewußtseins in den Leuten, das der hl. Abba Dorotheos so genial in seinem Schema aufzeigte. Die genannte Entwicklung der großen Vernunft ist also unabhängig davon, auf welcher intellektuellen Stufe der Mensch steht. Der christliche asketes, der hl. Makarios der Große, berichtet von Fällen, wo ein Unwissender (d.h. ein ungebildeter Mensch, mit unentwickelter kleiner Vernunft), der geistlich wiedergeboren wird, sich in einen Weisen verwandelt, dem die verborgenen Geheimnisse offenbar werden: seiner Natur nach bleibt er jedoch ein Ignorant. Und diese Weisheit übersteigt, wie der hl. Makarios versichert, in ihrer Höhe das durch philosophisches Nachdenken zu gewinnende natürliche Wissen.

Nachdem wir nun erklärt haben, was unter der “großen Vernunft” (logos) im Gegensatz zur “kleinen Vernunft” (ratio) oder wie der Apostel Paulus sagt “Weisheit dieser Welt” zu verstehen ist, wollen wir nun die Eigenschaften der großen Vernunft besprechen.
Auf Grund der Erfahrungswerte aus dem Leben christlicher Geisteskämpfer heben wir besonders die Fähigkeit der großen Vernunft, Gott zu fühlen und Seiner inne zu werden, hervor. Der asketes des 6. Jh. Isaak Syrer sagt, daß “der Mensch durch die Empfindungen des höheren Geistes Gottes inne wird”.
Über dieses Vermögen der großen Vernunft, Gott zu erfühlen, gibt es einen bezeichnenden Ausspruch Antonius des Großen: “Wie ein Körper ohne Augen blind ist, die die Erde und das Meer erhellende Sonne nicht sieht und sich ihres Lichtes nicht erquicken kann, so ist die Seele in Ermangelung einer edlen Gesinnung (große Vernunft) und eines (sie nährenden) tugendsamen Lebens blind: sie kennt Gott nicht.... und kann seine Unsterblichkeit und ewigen Güter nicht genießen.”
In der großen Mehrheit der Fälle vollzieht sich der Prozeß dieser Bewußtwerdung Gottes durch den Menschen jedoch nicht plötzlich, sondern durch einen sukzessiven, ständig fortschreitenden Entwicklungsprozeß. Bei einem Menschen, der zum spirituellen Leben erwacht und aus der großen Vernunft zu leben beginnt (genauer aus ihrem Keim) sind die ersten zur Wahrnehmung Gottes führenden Empfindungen gewöhnlicherweise verschwommen und schwach, wie die noch ferne Morgenröte als Bote des aufgehenden Tageslichtes, aber mit dem Hellerwerden der Sicht und dem Streben der Sonne entgegen (die Bemühungen des Menschen selber natürlich vorausgesetzt) erhöht sich die Wahrnehmung. Der Keim der großen Vernunft, gewärmt von den Strahlen einer überweltlichen Kraft, beginnt zu wachsen. Es entwickelt sich allmählich die Fähigkeit dieser Vernunft zur Empfindung des Göttlichen. Die anfängliche vage Wahrnehmung der Göttlichkeit verwandelt sich in ein mächtiges Durchdringen zu Gott hin. In den Worten des hl. Antonios des Großen ausgedrückt, “kennt der Mensch dann bereits Gott und erfreut sich Seiner ewigen Güter”.

Im Zusammenhang mit dieser Eigenschaft der großen Vernunft, Gott zu erfühlen und sich Seiner inne zu werden, kann sich bei manchen reich begabten, der Vollkommenheit zustrebenden Menschen diese große Vernunft zur Fähigkeit der “geistlichen Schau” entwickeln, d.h., in die höhere geistige Welt einzudringen. Diese Fähigkeit bezeichneten wir in unserem Buch “Überbewußtsein” als spirituelles Bewußtsein, welches wir dort eingehend behandelten.
Hinsichtlich dieses Überbewußtseins klärten wir schon, daß es sich im Herzen des Menschen unter der Einwirkung der Göttlichen Gnade entwickelt, und eben in diesem Entwicklungsweg liegt der Unterschied des genannten Überbewußtseins von dem mentalen (natürlichen) Überbewußtsein, dessen Organ - der Intellekt oder die kleine Vernunft - im Gehirn seinen Sitz hat (bei diesem letzteren Überbewußtsein strebt der Yogi die Beherrschung astraler und mentaler Kräfte durch sein eigenes Vermögen und durch seine eigenen Impulse an, aber nicht durch die Göttliche Gnade, wie sie die christlichen asketeis überschattet).
Das aus der großen Vernunft des Menschen geborene spirituelle Überbewußtsein ist ein emotional-mystischer Zustand, der unserem gewöhnlichen Bewußtsein äußerst schwerer mitteilbar ist, und der einzige Weg zur Darstellung dieser Empfindungen ist die Analogie, die eine entfernte Vorstellung dieses Zustandes vermittelt. Weiterhin können aus der genannten Anlage der großen Vernunft zum Überbewußtsein noch andere mystische Kräfte entstehen - die Fähigkeit zur Hellsicht, zur Weissagung, zur spirituellen Schau, zu sogenannten Wundern und zu höheren geistigen Extasen. Hinsichtlich dieser Fähigkeiten klärten wir bereits früher, daß sie sich insofern von den analogen Fähigkeiten der Yogis (z.B. die Telepathie) unterscheiden, als sie sich bei den christlichen asketeis durch das Herz als Gabe der Göttlichen Gnade, als Ergebnis ihrer Gebete, als Folge der natürlich gewachsenen religiösen Intuition, in vielen Fällen sogar ohne ihren besonderen Willen und jenseits ihrer Erwartung einstellen, während sie bei den Yogis (und den Okkultisten), wie der indische Yogi Vivekananda bekräftigt, durch eine gewisse Gehirnarbeit erzielt werden, durch eine besondere Technik der psychischen Kräfte, die das Ziel hat, den Menschen zu den berühmten, genannten außersinnlichen Wahrnehmungen und Wirkungen zu führen; außerdem werden sie durch eine mechanische Übung erreicht, ganz unabhängig davon, ob der Yogi nun das Göttliche glaubt oder nicht, oder ob er Gott gar leugnet.


Eine der höchsten Eigenschaften der großen Vernunft, die in unserem Zeitalter immer mehr abgetötet wird, ist die Gegenwart des inneren Gewissens im Menschen. Dieses innere Gewissen ist ein besonderes Gefühl der Angst vor einem Vorwurf von innen her, vor dem Tadel des aus der großen Vernunft lebenden Herzens, das sich seiner Natur nach niemals mit dem Bösen versöhnen kann. Diesem Gewissen maßen die Geistesstreiter eine ungeheure Bedeutung zu.
Der hl. Abba Dorotheos sagt: “Als Gott den Menschen schuf, legte er etwas Göttliches in ihn - einen funkenähnlichen Impuls, der Licht und Wärme in sich birgt, den Verstand erhellt und ihm zeigt, was gut und was böse ist. Dieser wird Gewissen genannt, und er stellt ein Naturgesetz dar”.
In unserer Zeit wird dieses Gewissen, diese erhabene Herzensregung, in den meisten Fällen von einem anderen Gewissen ersetzt, einer anderen, der kleinen Vernunft eigenen Empfindung, und zwar nicht der Furcht vor dem inneren Vorwurf, sondern derjenigen vor äußerem Vorwurf, d.h. vor einer Verurteilung von schlechtem Verhalten durch die Umgebung. Die Furcht vor einem solchen Vorwurf ist eng mit der allgemeinen Furcht vor Vergeltung einer üblen Tat verwandt. Der Mensch fürchtet sich, sein Ansehen vor den Leuten zu verlieren, ebenso wie er sich vor der bürgerlichen oder strafrechtlichen Verantwortlichkeit fürchtet. Nur spielt die Bestrafung hier keine Rolle, sondern die Angst, einen Verlust in der Selbstliebe, in der Eitelkeit zu erleiden. Der Schutz der Eigenliebe ist eben das Hauptstimulum des äußeren Gewissens. Bischof Theophan der Klausner sagt hinsichtlich dieses äußeren Gewissens, das er als das weltliche bezeichnet, folgendes: “Dort hat der Mensch nur sich selbst und seine weltlichen Beziehungen im Auge, aber hier (beim inneren Gewissen) dagegen vergißt er sich selbst und alles Zeitliche, und sieht alleine Gott, den er gekränkt hat.... Dort grämt er sich darüber, daß er sich vor den Leuten blamiert hat, hier jedoch darüber, daß er vor Gott zu Schanden geworden ist”.
Wir sehen also, wie das innere und das äußere Gewissen wirken.
Wenn man vom inneren Gewissen ausgeht, dann ist dieses Gewissen (ein Attribut der großen Vernunft) auch ein Impulus zur inneren Wahrheit - keiner vorgespiegelten, sondern einer echten. Alle aufrichtig religiösen Menschen sind Träger dieser inneren Wahrheit. Das äußere Gewissen (ein Attribut der kleinen Vernunft), das auf der Furcht vor Bestrafung oder auf der Furcht vor einer Verwundung der Eitelkeit und Eigenliebe gründet, kultiviert im Menschen nur einen Anschein von Wahrheit, der seinem reinen moralischen Empfinden zuwider ist.
Diese Pseudowahrheit sehen wir fast in allem, was uns umgibt, aber besonders deutlich äußert sie sich z.B. in unseren gerichtlichen Einrichtungen. “In den genannten Einrichtungen sehen wir - wie scharfsinnig K.P. Pobedonoszev bemerkt - eine Maschine zur künstlichen Schaffung der Wahrheit vor uns, aber die eigentliche Wahrheit ist nicht sichtbar in der feierlichen Hast dieses maschinellen Ablaufs, sie ist nicht hörbar im Getöse der Räder dieses gewaltigen Mechanismus... Es tagen die Richter im erhabenen Bewußtsein ihrer hierophantischen Würde, und ähnlich den antiken Auguren hören sie, soviel sie aufnehmen können; es deklamieren die Verteidiger in großartigen Worten und lauten Phrasen in den engen Gängen und Röhren arglistiger Klügeleien, und schon vorher wiegen sie in klingender Münze jede ihrer langen Perioden ab. Es ziehen sich lange quälende Stunden einer Wortfolter dahin, und währenddessen soll das Hauptopfer dieser Folter, die unglückselige Wahrheit, über eine Haarbrücke ins verheißene Paradies gelangen: wehe dem, der sich bei diesem Hinübergehen auf seine eigene Kraft verläßt. Recht bekommt nur derjenige, der zuvor vollkommen die Kunst der Akrobatie gelernt hat, der es versteht nicht zu stolpern und zu fallen...”

Charakterische Merkmale der großen Vernunft, die sie von der kleinen Vernunft unterscheiden, sind ihre ungewöhnliche Einfachheit und Opferbereitschaft.
Wir alle wissen aus Erfahrung, wie kompliziert die intellektuelle Gedankenarbeit sein kann; wir wissen, wie das menschliche Urteilsvermögen gewunden ist und wie es von den zahlreichen Assoziationen der in es eindringenden Ideen belastet ist. Im direkten Gegensatz zu dieser Komplexität besitzt die große Vernunft die Qualität der Einfachheit. Johannes Chrysostomos ruft in bezug auf das Evangelium aus: “Für wen wäre nicht alles klar, was darin enthalten ist: Wer würde, wenn er hört, selig sind die Sanftmütigen, selig sind die Barmherzigen, selig sind die reines Herzens sind und ähnliches, einen Lehrer benötigen, um dies zu verstehen?”
Zu diesem Auspruch führen wir noch die folgenden Worte von Theophan dem Klausner an: “Die Wahrheit ist dem Geiste verwandt. Einfach und aufrichtig ausgedrückt, findet sie ihn; umstellt von Mustern, figürlich dargestellt und ausgeschmückt, bleibt sie in der Phantasie, überladen mit Erwägungen und Beweisen bleibt sie im Mentalbereich stecken, sie verfehlt den Geist, der für sie nutzlos bleibt.”
Dieses Merkmal der Einfachheit der großen Vernunft offenbart sich besonders bei dem spirituellen Bewußtsein. Isaak der Syrer sagt in seiner Beschreibung des göttlichen mystischen Zustandes, daß die Seele bei solch einem überbewußten Zustand in eine körperlose Sphäre (hyperphysische) getragen werden kann, sie die Tiefen des nicht vom Licht erreichten Meeres berühren kann, sie die wunderbare Weisheit in der Aktivität der Göttlichkeit und ihre höchst weise Lenkung aller Wesen in deren mentalen und sinnlichen Existenz verstehen kann, sie die spirituellen Geheimnisse mit ihrem einfältigen und subtilen Geist erfassen kann...
“Die Göttlichkeit ist einfach, unkompliziert, unbeschreibbar” - so drückt sich ein anderer asketes, nämlich der hl. Gregorios von Nyssa aus. “Ähnlich wie Gott wird auch die menschliche Natur, wenn sie dem Logos zustrebt, einfach, unbeschreibbar und im echten Sinn dieses Wortes “einzig”, so daß in ihr das Sichtbare gleich dem Geheimen ist und das Verborgene gleich dem Sichtbaren.”
Bemerkenswert ist auch, daß es der großen Vernunft in Beziehung zu ihrer Umgebung gefällt, sich auf eine originelle und spezifische Weise zu äußern, nämlich in dem Streben zum Opfer, denn diese Vernunft wird von göttlicher Liebe und von erhabenen Emotionen, von Selbstvergessenheit zum Wohle des Nächsten genährt. Dagegen neigt die Natur der kleinen Vernunft dazu, sich nicht im Opfer, sondern im Besitzergreifen, im Kampf um die egozentrische Überlegenheit, im Kampf um die Macht und die Beherrschung materieller Güter zu äußern. Daher sind auch die Freuden der großen und der kleinen Vernunft völlig verschieden und miteinander überhaupt nicht zu vergleichen hinsichtlich ihrer vom Menschen erfahrenen Genugtuung.
Das Evangelium ist ein aus dem Logos hervorgegangenes Buch, ein Buch der großen Vernunft, das ganz vom Geist des Opfers und der Liebe durchdrungen ist, und das der Welt einen Eindruck von den erhabenen himmlischen Freuden der großen Vernunft vermittelt - Freuden, welche die Welt in den präevangelischen Zeiten, wo sie nur in den Wahrnehmungen des Heidentums und in irdischen Genüssen lebte, nicht kannte. “Mit dem Erscheinen Christi auf Erden, mit dem Aufleuchten des Evangeliums wurden alle irdischen Früchte plötzlich bitter - sagt unser russischer Publizist V.V. Rozanov - In Christus wurde die Welt bitter, und zwar gerade durch Seine Süße”.

Die “große Vernunft” besitzt auch die Fähigkeit, im Zuge ihrer Entwicklung und ihres Wachstums die ratio selber zu modifizieren, sie in sich zu metamorphorisieren, also die kleine Vernunft für ihre höheren Ziele einzusetzen.
Mit der Entfaltung der großen Vernunft im Menschen hört seine kleine Vernunft auf, sich als selbstgenügsame Kraft zu betrachten und macht sich allmählich von ihren egozentrischen und egoistischen Inhalten frei.
Anstelle des Strebens nach Besitz, das den Menschen vor allem in Bann hielt, gewinnt nun das Opferbewußtsein an Raum in ihm. Zu einer Funktion, zu einem Derivat der “großen Vernunft” geworden, erhebt die ratio sich unweigerlich von selber zur Ebene des religiösen Bewußtseins.
Außerdem sieht der Mensch nun allmählich ein, daß die höchste Weisheit vornehmlich nicht durch ein theoretisches Gedankengebäude geschenkt wird, sondern durch die Anspannung aller Kräfte des Menschen in seinem Kampf gegen die bösen Leidenschaften. Es wird ihm dann auch klar, daß einhergehend mit der Reinigung des Herzens auch die Vernunft unter Beibehaltung ihrer Fähigkeit des logischen Denkens die göttlichen Eigenschaften des Logos erwerben kann, nämlich diejenige der geistigen Penetration und der Einfalt. “Die Läuterung des Gemütes ist die Vollkommenheit, - sagt der hl. Makarius - dringe in dein von der Sünde gefangenes und geknechtetes Gemüt ein und schaue, was auf seinem Grund liegt, in der Tiefe deiner Gedanken - dieser Schlange, die in den sogenannten geheimen Winkeln deiner Seele brütet”.
Ein Resultat all dieser moralischen Arbeit an sich selbst ist, daß die gereinigte Vernunft des Menschen zu einer direkten Widerspiegelung des Logos wird. “Ein gereinigtes Gemüt - fährt der hl. Makarius fort - ist kampfbereit und besitzt die notwendige Kraft, sich der Sünde und den üblen Gedanken zu widersetzen.”
Solch ein vom Licht der “großen Vernunft” erhellter Verstand wird natürlich, wenn er sich auf das Gebiet der philosophischen Reflexion begibt, zum Schöpfer einer von der rationalistischen völlig verschiedenen Philosophie, nämlich einer aus der Intuition der großen Vernunft geborenen. “Die eigentliche Basis der Wahrheit - so sagt William James (William James, “Vielfalt der religiösen Erfahrung”) - bildet immer unser impulsiver Glaube, unsere in Worten ausgedrückte Philosophie ist dagegen nur eine Reihe von Formeln, in die der Glaube sich kleidet. Die unmittelbare, intuitive Überzeugung verbirgt sich in den Tiefen unseres Gemütes, während die logischen Argumente nur ihre oberflächliche Manifestation darstellen. Das instinktive Gefühl gebietet und leitet - der Verstand folgt ihm unterwürfig”. Nach diesem von James aufgezeigten Gesetz gestaltet sich auch die christlich genannte Philosophie. Die sich in den Tiefen unseres Geistes verbergende instinktive Ahnung der großen Vernunft weist die Christen auf ihre Ursprungsquelle, den Logos, hin - sie zeigt auf Ihn, als auf das Göttliche, welches die Welt lenkt, sie zeigt auf diese Gottheit als auf eine allgütige, bewußte Person, welche in ihrer maßlosen Liebe zu den Nöten und Sorgen der Menschen, die ihrerseits Gott zustreben und durch Seine Gnade zu Seinen Kindern werden, herabsteigt. So entsteht eine Philosophie, die wie jede andere den Normen des logischen Denkens unterliegt, aber auf diesem instinktiven Fühlen der großen Vernunft basiert, es entsteht eine mit der höchsten Sphäre des Logos im Einklang stehende Philosophie (Schema des Abba Dorotheos), die mehr als eine individuelle, engpersönliche Angelegenheit ist, wie sie die rationellen Systemen darstellen. Der christliche Philosoph beschreitet bei seinem Philosophieren bereits einen anderen Weg. Sein Verstand formuliert die Gedanken in Unterordnung unter die höchste Kraft, d.h. eine Kraft, welche weit über seine persönlichen, egozentrischen Bestrebungen hinausragt. Bei solch einem Philosophen formt sich der Gedanke in Unterwerfung unter das höchste Prinzip - den Logos.
Ein leuchtendes Beispiel solch einer Philosophie führten wir bereits an, als wir Abba Dorotheos zitierten und dessen in seiner Tiefe erstaunliche mystische Schema. In diesem Schema manifestiert sich das Leben der Welt nicht in dem kleinen “Ich” jedes einzelnen Menschen, sondern in dem großen Selbst des Universums - in dem ICH der persönlichen und allgütigen Gottheit.
“Was die Sonne für die aus den Sinnen Lebenden ist, das ist Gott für die aus dem Geiste Existierenden - sagt ein anderer christlicher Philosoph, Gregorios Palamas - und Er ist das ursprüngliche, allerhöchste Licht, das jede vernünftige Kreatur erleuchtet”.
Die rationalistischen Philosophen, die in ihrer Philosophie von dem kleinen persönlichen “Ich” ausgehen, wiederholen im Grunde genommen den Fehler des ptolemäischen Systems. “Das ptolemäische System ist längst überholt - sagt K.P. Pobedonoszev -, aber... befindet sich in einer ähnlichen Verwirrung nicht etwa auch die moderne Philosophie, und zwar wieder aus demselben schweren Irrtum, daß sie den Menschen als Zentrum des Universums auffaßt und das ganze Leben sich nur um ihn drehen läßt, ebenso wie zur Zeit Kopernikus die Wissenschaft die Sonne sich um die Erde drehen ließ”.
Die christliche Philosophie nimmt ihren Anfang in den großen Worten Johannes des Theologen, die wir zu Beginn dieses Kapitels zitierten. Diese Philosophie entwickelte sich weiter in den Lehren der christlichen asketeis. Sie vertieften sie in einer Reihe philosophischer Systeme. Bereits im 4. Jh. besaßen die christlichen Philosophen ein Selbstverständnis ihrer Philosophie. So drückt sich der hl. Gregor der Theologe in seiner Biographie des hl. Basilius des Großen über die christliche Philosophie folgendermaßen aus: “Unsere Philosophie ist ernst und tief, sie läuft der Welt zuwider und strebt nach der Vereinigung mit Gott, sie sammelt ihre Schätze im Himmel und nicht auf Erden...”.
Vom 4. Jh. an wird diese Philosophie in den Werken der christlichen Geisteskämpfer weiterentwickelt. In einer umfassenden Sammlung dieser Arbeiten, der “Philokalia”, sind Traktate von 38 Geisteskämpfern zusammengetragen, vom 4. bis einschließlich zum 14. Jh. . In den genannten Essays bekommt man die kollektive Vernunft der Heiligen der Ostkirche zu spüren, deren Auslegungen und Aussagen vom Geist der Einheit im Logos durchdrungen sind (Wenn wir auch in den Traktaten dieser Glaubenseiferer nicht auf die von uns benützten Ausdrücke “große” und “kleine” Vernunft stoßen, so besteht doch, nach vielen Anzeichen zu schließen, kein Zweifel daran, daß die in diesen Worten implizierten Begriffe den Glaubenseiferern wohl bekannt waren. Nur benutzten sie hinsichtlich dieser Ideen eine völlig andere und daher äußert vielfältige Terminologie. Einige von ihnen nannten die große Vernunft den “großen Geist”, andere den “körperlosen Geist”, wieder andere die “geistige Kunde” u.a.).

Für jene der Leser, die das von uns genannte Buch nicht kennen, wollen wir hier einige Worte darüber sagen.
Das Buch “Überbewußtsein und die Wege, die zu ihm führen” wurde geschrieben, um zu zeigen, daß 1) es außer den Wahrnehmungen des normalen Bewußtseins noch die Wahrnehmungen des erweiterten oder des Überbewußtseins gibt, 2) obwohl die Fähigkeit zu dieser letzteren Wahrnehmung bei jedem Menschen vorhanden ist, sie bei der Mehrzahl der Menschen im latenten Zustand verbleibt und 3) es verschiedene Arten von Überbewußtsein gibt, sich durch deren höchste Form, die dem Menschen das Gefühl tatsächlicher Freude und unaussprechlichen Glücks gibt, das spirituelle Überbewußtsein manifestiert.
In unserem genannten Werk diente als Ausgangspunkt zu diesen Schlußfolgerungen und zu dieser Terminologie die von der Wissenschaft festgesetzte Definition des Normalbewußtseins als eines von der Behauptung des “Ich” ausgehenden Bewußtseins, und des dieser Selbstbehauptung entgegenstehenden Begriffes vom “nicht-Ich”, d.h. die den Menschen umgebende Außenwelt, anders gesagt: in unserem Werk wurde als Ausgangspunkt das menschliche Bewußtsein genommen, das von seinem “Ich” ausgeht, als dem zugrundeliegenden Zentrum, d.h. das egozentrische Bewußtsein. Im Zusammenhang damit sagten wir damals, daß unser Buch in erster Linie nicht für Menschen, die die Notwendigkeit der Religion ohnehin anerkennen, geschrieben wurde, sondern im allgemeinen für alle Leute, die, wenn sie vielleicht auch nicht gläubig sind, so doch eine Wahrnehmung ihrer Seele als einer besonderen Substanz besitzen. Von diesen Voraussetzungen ausgehend und auf der Grundlage der von uns ausgearbeiteten Daten, kamen wir in der zweiten Hälfte unseres Buches (Kapitel 12 und 13) zu der Überzeugung, daß der vollkommenste Weg, der zur Erlangung des höchsten Überbewußtseins, des geistlichen Überbewußtseins (das dem Menschen das höchste Glück verleiht) führt, der von den christlichen Geisteskämpfern aufgezeigte Weg ist. Wir legten diesen Weg ausführlich dar, und anerkannten die Höhe und Größe seiner Grundlage, nämlich der christlichen Religion....

Wir wollen nun unsere Terminologie erweitern. Im vorhergehenden definierten wir nur die von uns verwendeten Begriffe “große” und “kleine” Vernunft. Wir wollen jetzt noch einen für uns wesentlichen Begriff hinzufügen, nämlich den Terminus “Mystik”, der uns in diesem Buch häufig begegnen wird.
Im vorliegenden Werk, in dem es uns um das Leben der christlichen Heiligen geht, werden wir auch das Wort “Mystik” vom Standpunkt der christlichen Philosophie aus verwenden. Im christlichen Sinn gebrauchte diesen Terminus auch Vladimir Solovjev, der in seinem Artikel “Mystik und Mystizismus” einige Ausführungen zu diesem Thema machte.
Vladimir Solovjev gibt dem Wort “Mystik” zwei Bedeutungen, indem er diesen Begriff unterteilt in 1) reale oder empirische Mystik und in 2) Mystik als besondere Art religiös-philosophischer Erkenntnis. Die reale Mystik definiert V. Solovjev als die Gesamtheit von Manifestationen und Wirkungen, welche den Menschen auf besondere Weise mit dem geheimen Wesen und den Kräften des Universums verbinden, ohne Berücksichtigung der Faktoren von Raum, Zeit und physikalischer Kausalität.
Was die Mystik als besondere Art religiöser Erkenntnis anbelangt, so definiert V. Solovjev sie als die Möglichkeit einer unmittelbaren Verbindungsaufnahme zwischen dem erkennenden Subjekt und dem absoluten Objekt der Erkenntnis - der Essenz von allem oder dem Göttlichen. Er gibt einen Hinweis darauf, wie man das Wort Mystik in der christlichen Philosophie verwenden muß und sagt, daß aus christlicher Sicht die Mystik ihrer Qualität, der Wichtigkeit des Objektes und des Mediums der mystischen Wechselwirkung entsprechend sich in göttliche, natürliche und dämonische Mystik unterteilen läßt.
Diese mystischen Kategorien Vladimir Solovjevs fallen mit unseren Kategorien des Überbewußtseins zusammen, daher akzeptieren wir sie vollkommen, und verstehen 1) unter der göttlichen oder höchsten Mystik: die Mystik der bewußten Verbindung des Menschen mit der spirituellen Sphäre, der Sphäre des Logos, die Mystik der Vereinigung des Menschen mit dem Göttlichen, dem Logos, die Mystik, die von der Kraft der Göttlichen Gnade überschattet wird, d.h. eben das, was wir spirituelles Überbewußtsein nennen, 2) unter natürlicher Mystik: die mentale Mystik oder das mentale Überbewußtsein, das durch die Kraft des konzentrierten menschlichen Denkens (Raja Yoga) erlangt wird; die Sphäre dieses Überbewußtseins bleibt, wenn sie auch verglichen mit der physischen Welt einen etwas subtileren Charakter aufweist, dennoch die Sphäre des materiellen Universums. Diese Mystik unterscheidet sich von der göttlichen Mystik hauptsächlich dadurch, daß ihr Zustand durch menschliches Vermögen ohne Hilfe der göttlichen Gnade erlangt werden kann, und 3) unter dämonischer Mystik verstehen wir Zustände, die mit Hilfe astraler Kräfte, die im Menschen von seinen bösen Leidenschaften genährt werden (astrales Überbewußtsein) erreicht werden.
Wir halten es für nützlich, hier zu klären, daß Solovjevs Verständnis des Wortes “Mystik” völlig das beinhaltet, was wir unter dem Begriff “Überbewußtsein” verstehen. Daher sind die Ausdrücke “Mystik” von Solovjev und unser “Überwußtsein” völlig identisch, obwohl wir bei der Definition des Wortes “Überbewußtsein” einen völlig anderen Weg gingen, als ihn Solovjev bei der Erklärung des Wortes “Mystik” beschritt. Solovjev ging von dem griechischen Wort “mystika” (Mehrzahl, sächlich, von dem Adjektiv “mystikos” = geheimnisvoll) aus. Wir gingen bei der Verwendung des Wortes “Überbewußtsein” jedoch von dem aus, was die Wissenschaft unter “Bewußtsein” versteht, und stellten eine Analogie zwischen Bewußtsein und Überbewußtsein her.

Wollen wir zum Abschluß dieses Kapitels einiges darüber sagen, wie wir unsere Arbeit aufgliedern. Das vorliegende Buch, dem wir den Titel “Unsichtbares Licht” gaben, will aufzeigen, wie das Leben von Heiligen ausah, das voller selbstverleugnender Aktivität und hoher Opferleistungen zum Nutzen des Nächsten und erfüllt von Manifestationen des spirituellen Überbewußtseins war.
Man muß hier festhalten, daß die Anzahl der von der Christenheit verehrten Heiligen äußerst groß ist. In einigen Leseminäen sind an die 2.000 Biographien aufgezeichnet. Die Materialien für das Studium der Heiligenviten wie Patrologie, Leseminäen, Paterika (Sammlung von Heiligenviten eines gegebenen Klosters), und schließlich die Schriften der Glaubenseiferer selber eröffnen ein solches ungeheures Forschungsfeld, daß wir unseren Arbeitsplan etwas kontrahieren mußten, um die von uns ins Auge gefaßte Untersuchung in einem Buche unterzubringen.
Daher wählten wir, nachdem wir uns mit dem notwendigen Material vertraut gemacht haben, folgenden Arbeitsplan.
Zuvorderst wollen wir von dem, was wir unter “Unsichtbarem Licht” verstehen, reden und dabei auch die hauptsächlichen Heiligentypen erwähnen: den kontemplativen und über den aktiven (Kapitel 2).
Dann wählten wir aus der Vielzahl der Heiligenleben zur Darlegung seiner Lebensdaten einen der größten Heiligen, der die Welt erleuchtete, nämlich den großen russischen Geisteskämpfer Seraphim von Sarov aus. Wir griffen zu diesem Asketen, weil Seraphim ein Heiliger ist, der unserem Leben zeitlich nahesteht. Es gibt genügend Zeugnisse über ihn, die ein reichliches Material abgeben. Außerdem ist Seraphim interessant für uns als Typ eines Heiligen, der nach den Anweisungen der Philokalia lebte, mit denen wir uns schon im einzelnen in unserem Buch “Überbewußtsein” vertraut machten.
Indem wir das Leben Seraphims zeichnen (Kapitel 3), sprechen wir auch ausführlich über seine Mystik, und zur deutlicheren Herausstellung dieser Seite des Helden, hielten wir es für angebracht, einen Vergleich zwischen dem Mystiker Seraphim, der charakteristisch für das Asketentum der Ostkirche ist, und der Mystik eines der gefeiertsten Heiligen der Westkirche, Franciscus von Assisi, die für den gesamten Katholizismus charakteristisch ist, anzustellen (Kapitel 4 und 5). Darüber hinaus widmeten wir noch ein Kapitel (6) dem allgemeinen Unterschied zwischen der Mystik der Ostkirche und der Westkirche.
In den folgenden Kapiteln (7 und 8) gehen wir zu anderen Heiligen der Ostkirche über, indem wir den Leser mit gewissen Zügen aus ihrem Leben vertraut machen, die den Heiligentyp, den wir in Seraphim kennengelernt haben, vervollständigen. Gleichzeitig sprechen wir hier ausführlich von den Freuden des höchsten mystischen Lebens. Wir verwendeten dazu das Material, das uns der berühmte asketes des 11. Jh., Simeon der Neue Theologe, in seinen Werken gibt.
Im 9. Kapitel führen wir charakteristische Beispiele für das Hinscheiden der Asketen an. Dabei berührten wir ein Thema von großem Interesse: die Gegenüberstellung dessen, wie die Heiligen starben und wie der Schriftsteller der russischen Erde, Tolstoi, der am Ende seines Lebens auch einem asketischen Leben zustrebte, starb.
Im letzten Kapitel reden wir dann schließlich von den Vorkämpfern für den Logos, d.h. über jene, die sich in Werk und Wort der Sache der Verteidigung des christlichichen Glaubens und der christlichen Ideen widmeten und diese dadurch im Bewußtsein der Allgemeinheit stärkten.
Bei all dem kamen uns zusammen mit den großartigen Bildern aus dem Leben der Glaubenshelden unweigerlich auch noch andere Gedanken in den Sinn. Es verfolgten uns Vorstellungen über unsere dürftige Arbeitsweise, über die Gegenüberstellung der in diesem Buch beschriebenen Manifestation des “Lichtes” mit dem Halbdunkel unseres realen Lebens, und diese Widersprüchlichkeiten schlugen sich unwillkürlich auch in unseren Ausführungen nieder.
Am Ende des letzten Kapitels reden wir davon, welcher Kampf um den Logos in unserer gegenwärtigen Zeit zu erwarten ist und welche Bewegungen unserer Epoche am schädlichsten für das Christentum sind.
Was die weltliche und geistliche Literatur anbelangt, die wir für dieses Werk benutzen mußten, so gibt es am Ende dieses Buches im Anhang 1 ein ausführliches Verzeichnis der Bücher und Aufsätze, auf die wir im Text Bezug nahmen.