Die geistigen Ratschläge eines Starzen



 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Klosters des hl. Hiob von Počaev veröffentlicht.
Im Original erschienen in:
Bote 1988, 2

 

39. Wenn ihr beim Beten keinen Trost verspürt, so sollt ihr wissen, daß Gott bald nach Beendigung des Gebetes Seinen Trost und ein seliges Gefühl für euch bereit hat: "Ich fügte mich, harrte des Herrn und Er erhörte mich".
40. Während eures ganzen Lebens laßt euch vor jeder Handlung von folgender christlicher Überlegung leiten: Steht die von mir beabsichtigte Handlung nicht dem Willen Gottes entgegen? Ist sie nicht verderblich für meine Seele? Ist sie nicht kränkend für meinen Nächsten? Mahnt euch nach strenger Überprüfung euer Gewissen nicht, dann führt die Handlung aus, mahnt es aber, so tut nicht, was ihr vorhattet.
41. Rührt nicht mit eurer Zunge an die Ehre eures Nächsten, sondern benutzt die Zunge nur zum Lobe Gottes und zu Nutzung und Erbauung eures Nächsten. Wenn euch die Lust ankommt, schlecht über jemanden zu reden, so denkt an eure Sünden, die ihr in der Jugend begangen habt und macht euch selbst Vorwürfe.
42. Stöhnt nicht unter der Last des Lebens. Sie ist nur für die Böswilligen unerträglich; wer an unseren Herrn Jesus Christus glaubt, auf Ihn hofft, Ihn liebt, für den ist sie immer erträglich.
43. Uns ist das Leben nur gegeben, damit wir Gott preisen, unserem Nächsten Gutes tun und auf dem im Evangelium vorgezeichneten schmalen Pfad das ewige Leben erreichen, nicht aber um uns hier zu vergnügen. "Selig seid ihr, die ihr hier weinet...", nicht die ihr hier lachet.
44. Die Demut nahm ihren Anfang, als Sich der Herr Jesus Christus demütigte; sie ist Krönung und Zier aller Tugenden. Was für die ausgetrocknete Erde der Regen ist, ist die Demut für die Seele des Menschen.
45. Demut ist eine Tugend, die Gott Selbst mit Freude betrachtet. "Wen sehe ich an?" sagt Er, "einen Demütigen und Zerknirschten, der ängstlich Mein Wort befolgt".
46. Was aber heißt demütig sein?
Meiner Meinung nach ist der demütig, der glaubt, daß er der größte Sünder ist, der niemanden herabsetzt und kränkt, niemanden verurteilt, nur auf eigene Fehler achtet und weder Reichtum noch Ruhm, noch Lob und Ehre für sich will, da er sich dessen nicht für würdig hält, der mutig Erniedrigungen, Beschimpfungen und Vorwürfe erträgt, da er von Herzen ehrlich meint, dies verdient zu haben; der mit allen freundlich ist, bereit ist, einem jeden voll Liebe zu dienen, der seine guten Taten selbst nicht bemerkt und ohne Not nicht über sie redet.
Ich bitte Gott um eine solche Demut für Euch, meine Kinder, denn sie wird euch nicht nur von den Sünden befreien, sondern euch auch Den lieben lehren, Der Sich Selbst erniedrigte bis in den Tod, ja bis in den Tod am Kreuz.

 

Bote 1988, 3

47. Die Liebe tilgt viele Sünden. Wenn ihr für die Traurigen ein Trost, für die Unglücklichen - Erleichterung, für die Armen eine Hilfe, für die Waisen - Vater und Mutter, für die Kranken - Beruhigung, für die Untergebenen - mitfühlende Vorgesetzte, für die Verirrten - Wegweiser zur Rettung der Seele und für jeden Christen eifrige Helfer sein werdet, so werden durch eure Liebe zu euren jüngeren Brüdern und Gliedern des Leibes unseres Herrn Jesus Christus nicht nur eure Sünden getilgt, sondern ihr werdet auch das Angesicht des Herrn schauen und euch ewig freuen.
48. Haltet euren Mund so viel wie möglich geschlossen, gewöhnt euer Herz an das Jesusgebet, haltet euch in allem zurück, und ihr werdet die kostbare Gabe erhalten - die Liebe Gottes zu euch.
49. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Während ihr eure äußeren Angelegenheiten erledigt, die zum Lebensablauf gehören, bleibt im Herzen ununterbrochen Knechte Gottes und lebt in diesem Babylon, unserer Welt, mit dem stetigen Gedanken an euer himmlisches Jerusalem und daran, wofür ihr bestimmt seid.
50. Gebt euer Wohlleben auf und werdet Knechte des Herrn Jesus Christus. Meidet Behaglichkeit, flieht vor Luxus, und seid nicht hochmütig gegenüber euren Untergebenen; vor Gott seid ihr mit ihnen gleich, denn unser Herr ruft sie mit den gleichen Worten zum Heiligen Abendmahl wie euch: "Nehmet, esset, das ist Mein Leib... trinket alle daraus, das ist Mein Blut, welches vergossen wird für Viele zur Vergebung der Sünden...".
51. Tiefliegende Täler sind fast immer fruchtbar, hohe Berge aber trocken und unfruchtbar; ebenso ist die Kornähre, die den Kopf hochhält, immer leer, die aber geneigt dasteht, hat viele Körner. Habt ein demütiges Herz und ihr werdet alles erlangen, was zur Rettung nötig ist.
52. Das tiefe, fruchtbare Tal bekommt den Regen direkt aus den Wolken und durch das Wasser, das von den Bergen herabfließt. So ist es auch mit der Demut. Mit dem Regen meine ich die Gnade Gottes, die den Demütigen direkt von Gott und durch die Menschen, welche bereits in die-sem Leben von Gott außerwählt sind, gegeben wird. Wenn ihr euer inneres Leben demütig dem Willen Gottes unterstellt und es für die Feinde Got-tes verschlossen haltet, so kommt der Tröster, der Heilige Geist zu euch und nimmt in euch Wohnung.
53. Vergeßt den breiten Weg; Gott führt euch aus Gnade den engen Pfad ins Himmelreich. Der andere Weg führt ins ewige Verderben.
54. Für euch und für mich selbst wünsche ich in diesem Leben nur reingewaschen zu werden von Sünden, und ich bitte den Herrn, Er möchte mit uns alles tun, womit es ihm belieben wird, uns zu läutern und unsere Gesetzlosigkeit abzuwaschen, selbst wenn wir dafür Ehrlosigkeit und Erniedrigung zu erdulden hätten. Wir müssen nach Gottes Geboten leben und nicht danach, was die Menschen für gut befinden.
55. Sucht die Einsamkeit, die zum Wohl eurer Seelen dient, und nachdem ihr euch vollkommen den Befehlen des Himmlischen Vaters untergeordnet habt, gewöhnt euer Herz an das ununterbrochene Jesusgebet. Wenn der Herrgott in euch wohnt, werdet ihr in allem geduldiger, liebevoller und demütiger sein.
56. Hütet euch davor, daß Faulheit euren geistigen Eifer schwächt. Faulheit ist der erste Feind für die, welche weit vom Vater entfernt leben. Aber gebt die Hoffnung auf die Rettung eurer Seelen auch dann nicht auf und seid nicht übermäßig traurig, wenn euer Eifer manchmal nachläßt.
57. Selbst wenn wir Gutes im Namen des Herrn Jesus Christus tun, so werden uns trotzdem nicht eigentlich die Taten retten, sondern die Gnade Gottes. Möchte der Herr, ihr meine Freunde, niemals in eurem ganzen Leben Seine Gnade von euch abziehen. Ob ihr nun schwach seid oder schlecht, kommt alle zum barmherzigen Herrn Jesus Christus und hofft fest auf Ihn; in dieser Hoffnung werdet ihr niemals enttäuscht werden.

(entnommen aus: S. Nilus: Svjatynja pod spudom)