Priester Johannes Nothhaas:
Sonntags...

 

 

 

…Alle Glocken läuten mit,
die ganze Stadt kriegt Appetit:
Das ist dann genau die Zeit,
da frier ich vor Gemütlichkeit.

Sonntags in der kleinen Stadt, wenn die Spinne Langeweile Fäden spinnt und ohne Eile giftig-grau die Wand hoch kriecht, wenn's blank und frisch gebadet riecht, dann bringt mich keiner auf die Straße, und aus Angst und Ärger lasse ich mein rotes Barthaar steh'n, lass den Tag vorüber geh'n, hock am Fenster, lese meine Zeitung, decke Bein mit Beine, seh, hör, rieche nebenbei das ganze Sonntagseinerlei.

So beginnt ein Gedicht eines deutschen Liederdichters, der sich über die Sonntagsidylle des mit sich selbst zufriedenen Menschen ergeht, der sich um sich selber dreht.

Leider ist der Tag des Herrn, wie der Sonntag auch genannt wird, bei den meisten ein Tag des eigenen Genusses oder gar der Arbeit geworden. „Wir haben die ganze Woche gearbeitet, da wollen wir auch einen Tag für uns haben“, ist die Antwort auf die Frage: „...und sonntags?“

Ja, natürlich sollen wir ausruhen von der Last der Arbeit in der vergangenen Woche, so sagt auch Gott: „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken, aber am siebten Tag ist der Ruhetag des Herrn, deines Gottes, da sollst du keine Arbeit verrichten.“

Darum segnete der Herr den Ruhetag und heiligte ihn (2. Mose 20,9-11). Dies Gebot steht nicht umsonst auf der ersten Tafel der 10 Gebote. Auf ihr sind diejenigen enthalten, die sich auf Gott beziehen:

1. Nichts über Gott stellen (keine anderen Idole)!
2. Gottes Namen nicht missbrauchen!
3. Den Feiertag heiligen!

Auf der zweiten Tafel stehen die Gebote, die sich auf den Umgang mit Menschen beziehen: Nicht töten, stehlen, lügen, Ehe brechen usw. Viele Menschen meinen, es sei genug nur die zweite Tafel zu erfüllen. Wer so lebt, tut so, als gäbe es Gott nicht. Er lebt wie ein Atheist. Gott nur zu denken, genügt Gott nicht. Wer sind wir, dass wir Gottes Gebote so zusammen streichen?

Es gibt die weit verbreitete Meinung, dass es ein unchristlicher Zwang sei, wenn die römisch-katholischen Christen von ihrer Kirche zur Sonntagspflicht verpflichtet würden. Die evangelischen Christen dagegen hätten die Freiheit, zur Kirche zu gehen, wann sie das Bedürfnis hätten. Beides ist ein tiefes Missverständnis dessen, was christlicher Glaube von der Heiligung des Sonntags meint.

Selbstverständlich ist das Gebot Gottes, den Feiertag zu heiligen, das zu den 10 Geboten gehört, die Moses von Gott auf dem Sinai empfangen hatte, von Christus nicht aufgehoben worden. Es gilt nach wie vor als der Wille des dreieinen Gottes auch im Neuen Bund, d. h. für uns Christen. Aber es wäre für uns beschämend, wenn Gott uns in Christus das ewige Leben gebracht hat, dass wir ihm nur unter Zwang unseren Dank sonntags dafür abstatten. Einen solchen Dank will Gott nicht von uns haben! Und selbstverständlich gehen römisch-katholische Christen nicht aus Zwang zum Gottesdienst, sondern zum Dank an Gott.

Und die evangelischen Christen gehen aus der „Freiheit eines Christenmenschen“ heraus zum Gottesdienst, weil sie anders gar nicht können, als Gott für sein Heil an den Menschen zu danken. Es ist ihnen ein Bedürfnis, nicht irgendwann mal, sondern sonn- und feiertags Gott zu danken. Nicht Zwang, sondern der innere Drang ist das Motiv des Christen zur Sonntagsheiligung.

Wer aber meint, Sonntagsheiligung sei, dann und wann, wenn er Lust hat, nimmt sich wichtiger und behandelt Gott wie einen, der auf ihn und sein wohlwollendes Entgegenkommen warten soll. Würden wir einen Vorgesetzten so behandeln? Wohl kaum! Aber bei Gott können wir uns das leisten, denn er ist ja ein „lieber Gott“. Hey, wer bist du, dass du Gott so abzufertigen wagst?! Vielleicht entschuldigt dich gerade noch, dass du nicht weißt aus Gründen deiner mangelnden christlichen Erziehung, dass Gott dies Gebot gegeben hat. Nun aber weißt du es, und wisse noch mehr: Gott nimmt seine Gebote so ernst, dass er denen, die sie halten seine Barmherzigkeit tausendfach verheißen hat. Denen, aber, die sie nicht halten, sagt er: „Ich der Herr, dein Gott, ich bin ein eifersüchtiger Gott, der da heimsucht der Väter Sünde an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied.“ (2. Mose 20,5).

Bedenken wir, dass es Gottes Majestät ist, die über allen Autoritäten unseres Lebens steht, die wir ehren oder nicht achten.

Das Gleichnis vom großen Abendmahl:

„Selig ist, der das Brot isst im Reiche Gottes“. Der Herr sagte folgendes Gleichnis: „Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es alles bereit!
Und sie fingen an alle nacheinander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach. Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen. Ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen.
Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt Und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu seinem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf dass mein Haus voll werde. Ich sage aber, dass keiner der Männer, die geladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.“ (Lukas 14,15 - 24).

Was mag wohl gemeint sein mit diesem Gleichnis vom großen Abendmahl, wenn Christus vor seiner Kreuzigung ein Mahl eingesetzt hat und seinen Jüngern befohlen hat: „Solches tut zu meinem Gedächtnis!“ Ein jeder merkt, dies ist eine rhetorische Frage.

Wie würden wir reagieren, wenn wir einen Freund oder einen vertrauten Menschen zum Essen einladen, wieder und wieder — und jedes Mal hat er etwas anderes zu tun, was ihm wichtiger ist? Was würden wir von ihm denken? Was würde geschehen, wenn wir von einer einflussreichen Persönlichkeit eingeladen würden zu einem Festmahl, und wir würden uns mit unsrer Arbeit entschuldigen? Und dies würde sich sogar wiederholen!

Es ist unverkennbar, dass in diesem Gleichnis mit dem Hausherrn Gott gemeint ist. Das Mahl ist die sonntägliche Eucharistie, zu der Gott einlädt. Wenn wir also glauben, dass es Gott wirklich gibt, nicht nur als Idee oder so als ein Weltgeist, sondern als Person, zu dem wir sprechen können, wenn dem so ist: Was muten wir mit unseren Entschuldigungen Ihm zu?