Die gottesdienstlichen Gewänder

Erzpriester Sergius Heitz

 



Zur Der Lektor trägt das schwarze Gewand der Kleriker (Rasson, sl. Rjassa), der Akolyth das Sticharion (lat. Albe), der Hypodiakon über dem Sticharion ein über der Brust gekreuztes Orarion (lat. Stola, ein langes Stoffband, das die Autorität des Trägers signalisiert).

Der Diakon ist in das Sticharion gekleidet, über das er ein auf der linken Schulter befestigtes Orarion trägt, das lose herabhängt und das der Diakon mit der rechten Hand zum Hinweisen auf wichtige heilige Dinge gebraucht. In antiker Geste erhebt er das Orarion, um die Aufmerksamkeit der Ver­sammlung zu erwecken. Seine Handgelenke sind von den Epimanikien um­schlossen, d. h. von einer Art Manschetten. Das Orarion des Archidiakons ist breiter und mit den Worten „Heilig, heilig, heilig“ versehen.

Der Priester trägt das Sticharion als Untergewand, darüber kommt das Epitrachilion (priesterliche Stola), das mit der Zoni (Gürtel) gegürtet wird. Die Epimanikien umschließen die Handgelenke. Als Auszeichnung, besonders für Erzpriester, gilt das Tragen von einem rhombischen Epigonation (Gre­miale, Tuchstück, das auf die Knie gelegt wird, um das Gewand zu schonen), bei den Russen kommt dazu das quadratische Nabredrennik (ursp. eine Art Tasche). Das Obergewand bildet das Phelonion (lat. Paenula). Bei den Russen tragen einige Priester, die dazu berechtigt wurden, eine Mitra (lat. Infula). Bei den Russen trägt jeder Priester ein Brustkreuz, das für Erzpriester vergoldet ist. Bei den anderen Orthodoxen verleiht der Bischof nur wenigen Priestern ein Brustkreuz, diese werden Staurophoren genannt.

Der Bischof trägt die Kleidung der Mönche, jedoch in hellerer Farbe: den Mandyas (monastisches Obergewand: Kukulla), meist von violetter Farbe. Auf dem Mandyas sind die sog. „Gesetzestafeln“ (geschmückte Quadrate aus farbigen Stoffen) aufgenäht und „Ströme“ (weiß-rote durchgehende Streifen) eingewoben. Zur Zelebration benützt der Bischof die priesterlichen Gewän­der, doch vielfach trägt er statt des Phelonions den Sakkos (d. h. die Dalmati-ka, die der Kaiser als Diakon der äußeren Angelegenheiten der Kirche gebrauchte. Viele der kaiserlichen Insignien sind nach dem Fall von Konstan­tinopel 1453 vom Patriarchen als Ethnarchen für die Christen unter den Os-manen übernommen worden). Als besonderes Zeichen seiner Würde legt der Bischof das Omophorion über die Schultern (lat. Pallium). Auf der Brust trägt er das Brustkreuz (lat. Pektorale) und (oder) die Panagia (Enkolpion), d. h. ein Medaillon mit dem Bild der Gottesmutter des Zeichens. Mit dem Begriff „Panagia“ ist ein Doppelsinn verbunden: Die Panagia bezeichnet so­wohl das „Allerheiligste“ (d. h. das Fermentum, ein Stückchen der Euchari-stischen Gaben, die im Medaillon aufbewahrt wurden und in der voran­gehenden Liturgie geweiht wurden, um sie bei einer Konzelebration zu gebrauchen als Ausdruck der kirchlichen Koinonia, wie das beispielsweise 1971 in Moskau bei der Inthronisationsliturgie des Patriarchen geschah) als auch die „Allerheiligste“, d. h. die Gottesgebärerin. Bei der Zelebration trägt der Bischof die Mitra, eine Krone. Der Hirtenstab (Rabtos, Possoch) des Bischofs hat oben einen Querbalken mit Hörnern, die manchmal in Schlangenköpfen enden (Mt 10,16). In manchen Gegenden wird am Griff ein kleines, goldsei­denes Tuch befestigt, um den Stab zu schonen.

(Auszug aus: Sergius Heitz: Mysterium der Anbetung III)