Hl. Johannes Cassianus der Römer

Beschreibung des geistigen Kampfes (Auszug)

Ziel und Ende der Wandlung

 

 

 

 

 

Aus:Johannes A. Wolf: Der Schmale Pfad: Band 11.
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags unter www.orthodoxie-in-deutschland.de eingestellt.

1. Gespräch

1. Alle Wissenschaften und Künste haben ihr Ziel (σκοπος) und ihren Endpunkt, ihre Vollendung (τελος), um derentwillen derjenige, der sie betreibt alle Anstrengungen und Ausgaben bereitwillig auf sich nimmt. So bearbeitet der Landwirt, der einmal Hitze, ein andermal Kälte ertragen muß, unermüdlich den Boden mit dem Ziel, diesen von allem zu reinigen, was dort stört und ihn so weit, wie möglich, fruchtbar zu machen, stets davon überzeugt, daß er sonst das Ende nicht erreichen wird – d.h. der Ertrag einer reichlichen Ernte für seinen Unterhalt und zur Vermehrung seines Eigentums. So hat auch unsere asketische Wandlung ihr Ziel und ihre Vollendung, wegen denen wir alle Mühen unermüdlich und mit Freude ertragen und um derentwillen uns die spärliche Nahrung nicht bedrückt, die Erschöpfung aus den Wachen erfreut, das ständige, nachdenkliche Lesen der Schriften uns nie sättigt und weder der Verzicht noch die Spärlichkeit in allem, ja nicht einmal die Schrecken dieser endlosen Wüste uns ängstigen.

2. Das Ende unseres asketischen Lebens ist das Reich Gottes und sein Ziel – die Reinheit des Herzens, ohne die es unmöglich ist, dieses Ende zu erreichen. Wir müssen – die Blicke auf dieses Ziel heftend – unser Leben auf eine gerade Linie ausrichten und wenn unsere Überlegungen, sei es noch so geringfügig, davon abweichen, müssen wir sofort zu seiner Betrachtung zurückkehren und jene berichtigen.

3. So lehrt auch der hl. Paulus, wenn er zu denjenigen sagt, die das Heil des Jochs Christi auf sich genommen haben: ,,Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin euere Frucht, daß ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben.“ (Röm 6,22). Als würde er damit sagen: euer Ziel befindet sich in der Reinheit des Herzens und das Ende – ewiges Leben. Alles, was uns auf dieses Ziel – d.h. die Reinheit des Herzens – lenkt, müssen wir mit allen Kräften befolgen und als verhängnisvoll und schädlich das meiden, was uns davon abbringt. Denn um dieses Zieles wegen beginnen wir, alles zu tun: deswegen verlassen wir Eltern, Heimat, gesellschaftliche Stellung, Reichtum, die Freuden dieser Welt und all ihre Vergnügungen – damit wir sorgsam die ständige Reinheit des
Herzens bewahren. Daher werden sich alle unsere Taten und Gedanken geradewegs auf das Erreichen dieses Zieles richten, wenn wir es stets aufmerksam berücksichtigen. Sollte es aber nicht ständig vor unseren Augen sein, so werden alle unsere Mühen und Kräfte vergeblich verbraucht worden sein.

4. Wir müssen für diese Reinheit des Herzens alles tun und wünschen: in die Wüste gehen, das Fasten einhalten, Nachtwachen, Arbeiten auf uns nehmen, Armut, lesen und uns in den restlichen Tugenden einüben – damit wir unser Herz dazu bringen, an keinerlei verhängnisvollen Leidenschaften zu leiden und seine Reinheit zu bewahren. Wir müssen im Namen dieses Hauptzieles sowohl das Fasten, die Nachtwachen, die Zurückgezogenheit als auch die Überlegungen über die Heilige Schrift vollbringen – d.h. um der Reinheit des Herzens willen – und wir dürfen uns nicht erlauben durch sie (das Fasten usw.) diese
Haupttugend zu stören oder aus den Augen zu verlieren. Denn, wenn sie (die Haupttugend) in uns gänzlich und unversehrt bleibt, wird es kein Unheil sein, wenn wir im Falle einer Notwendigkeit eine der erwähnten asketischen Bemühungen (das Fasten usw.) versäumen. Wenn wir jedoch alle diese einhalten und nur jene (die Haupttugend) verletzen, so wird es keinen Nutzen geben, weil wir alles in ihrem Namen tun müssen. Die asketischen Bemühungen sind keine Vollkommenheit an sich, sondern lediglich ein Mittel dafür. Daher wird sich derjenige vergeblich bemühen, der sich mit ihnen als höchstes Heil begnügt, das
Streben seines Herzens bei ihnen beläßt und es nicht zum Erreichen des Zieles ausweitet, für das sie notwendig sind.

Diesem Ziel entsprechend soll bestimmt werden, wie unsere Entsagung von der Welt sein soll

3. Gespräch

5. Es gibt drei Arten der Entsagung von der Welt: die erste ist, wenn wir körperlich alle weltlichen Reichtümer und Güter aufgeben; die zweite ist die, bei der wir unsere vorherigen Gewohnheiten, Laster und Leidenschaften – die geistigen wie auch die körperlichen - zurücklassen; und die dritte ist diejenige, bei der wir, unseren Geist von allem Jetzigen und Sichtbaren loslösend, nur noch die Zukunft betrachten und uns jenes wünschen, was unsichtbar ist –Gott, der Herr, hat Abraham befohlen, diese drei Arten der Entsagung auf einmal zu vollziehen, indem Er ihm gesagt hat: ,,Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters...“ (Gen 12,1). ,,Aus deinem Land“ – das bedeutet die Entsagung vom weltlichen Reichtum und irdischen Eigentum; ,,aus deiner Verwandtschaft“ – d.h. von der vorherigen Lebensweise, den vorherigen Gewohnheiten und Lastern, die, seit der Geburt an uns festklebend, unsere nächsten Verwandten geworden sind – wie vom gleichen Blut; ,,aus dem Haus deines Vaters“ ist die Entsagung jeglicher Erinnerung an die Welt und all dessen, worauf unser Blick dort trifft. Das trifft ein, wenn wir – zusammen mit Christus für die bösen Geister dieser Welt gestorben – laut dem Apostel nicht mehr auf das schauen, was sichtbar, sondern darauf, was unsichtbar ist, ,,denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig“ (2.Kor 4,18); alsbald wir dieses ,,zeitliche“ und ,,sichtbare“ ,,Haus“ mit dem Herzen verlassen haben, wenden wir unsere Augen und Verstand zu Jenem, in Dem wir ewig verweilen werden; weil, ,,denn obwohl wir im Fleisch wandeln, kämpfen wir nicht auf fleischliche Weise“ (2.Kor 10,3), wenn wir mit unserem Leben und Werk das predigen, was der selige Apostel gesagt hat: ,,Denn unser Bürgerrecht ist in den Himmeln.“ (Phil 3,20).

6. Wir werden nicht viel Nutzen davon tragen, wenn wir, nachdem wir mit der ganzen Glut unseres Glaubens die erste Art der Entsagung vollbracht haben, nicht auch noch die zweite mit dem gleichen Eifer und der gleichen Leidenschaft erfüllen – so daß wir, haben wir diese einmal erworben, auch die dritte erreichen können, bei der wir, aus dem ,,Haus“ unseres vorherigen Lumpenvaters herausgekommen, gänzlich und drangvoll den Blick unseres Geistes auf den im Himmel Seienden heften. Denn, wenn wir wünschen, wahre Vollkommenheit zu erreichen, müssen wir, wie wir unsere Eltern, Heimat, Reichtum und weltliche Vergnügen körperlich verlassen haben, diese auch mit dem Herzen verlassen und nie wieder mit Begierde zu dem zurückkehren, was wir mit Verachtung von uns gewiesen haben. Laßt uns nicht den aus Ägypten herausgeführten Israeliten ähnlich sein, die, nachdem sie von dem himmlischen Manna gekostet hatten, nach den unreinen und üblen ägyptischen Gerichten verlangten und sagten: ,,Wären wir doch durch die Hand des Herrn im Land Ägypten gestorben, als wir bei den Fleischtöpfen saßen, als wir Brot aßen bis zur Sättigung!“ (Ex 16,3; auch Num 11,5f). Und jeder, der nach seiner Entsagung von der Welt zu seinen vorherigen Sorgen zurückkehrt und sich von seinen vorherigen Wünschen mitreißen läßt, sagt
in Taten und Gedanken das gleiche wie sie: gut ging es mir in Ägypten (in der Welt). Das Verlassen dieser Welt nur dem Körper nach und unsere Umsiedlung von ,,diesem Ägypten“ nur dem Ort nach wird uns keinen Nutzen bringen, wenn es uns nicht gelingt, die Entsagung im Herzen zu erringen, was höher und nutzbringender ist. Über jene Art der Entsagung, die wir körperliche genannt haben, sagt der Apostel: ,,Und wenn ich meine ganze Habe zur Speisung der Armen verschenkte, und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.“ (1 Kor 13,3). Und das bedeutet: auch wenn ich mich in der Entsagung dermaßen üben würde, daß ich nichts hinter mich ließe – und zu dieser Entsagung kommen noch das Martyrium und die Verbrennung des eigenen Fleisches hinzu – so daß ich sogar meinen Körper um Christi willen übergebe, zugleich jedoch ungeduldig, jähzornig, neidisch oder hochmütig bin, wenn ich mich an den Kränkungen der anderen entfache oder stets das Meine suche, wenn ich an das denke, was schlecht ist oder ungeduldig und unwillig alles ertrage, was mir angetan wurde, so wird mir die Entsagung und Verbrennung des äußeren Menschen überhaupt keinen Nutzen bringen, wenn der innere immer noch von den vorherigen Leidenschaften belastet ist.

7. Also müssen wir uns beeilen, daß unser innerer Mensch mit großer Beharrlichkeit das ganze im vorherigen Leben gesammelte Reichtum an Leidenschaften, die, an unserem Körper und unserer Seele sich festgeheftet, unsere eigenen geworden sind, von sich wirft und verstreut und wenn sie, solange wir noch im Körper sind, nicht abgeschnitten und zurückgewiesen werden, so werden sie uns auch nach dem Heraustreten aus diesem weiterhin begleiten. Wie die Tugenden oder die Leibe an sich, die ihre Quelle ist, in dieser Welt erworben werden und auch nach dem Ende des Lebens ihren Besitzer herrlich und strahlend vor Licht machen, so begleiten ebenfalls die Laster, welche die Seele irgendwie mit widerwärtigen Farben bedeckt haben, diese befleckt zu jenem Ort ewigen Verweilens. Die Schönheit oder Widerwärtigkeit der Seele bringen die Tugenden oder die Laster hervor, die sie auf irgendeine Weise färben und so entweder strahlend und herrlich machen, daß sie würdig wird, das prophetische Wort zu hören: ,,Denn es verlangt der König nach deiner Schönheit.“ (Ps 44,12) oder sie tief schwarz schmiert, sie stinkend und mißgestaltet machen, so daß sie selbst, ihre stinkende Übelkeit zugebend, sagen wird: ,,Es stanken und faulten meine Wunden angesichts meiner Torheit.“ (Ps 37,6). Gerade deswegen sind die Tugenden und Leidenschaften unser Reichtum, der unzertrennlich mit unserer Seele verbleibt und den
uns kein König geben und kein Feind wegnehmen kann. Sie sind unser Reichtum, für den selbst der Tod keine Kraft hat, ihn unserer Seele zu entreißen... (Anmerkung des bulgarischen Herausgebers: Den bösen Reichtum der Leidenschaften zu verstreuen, bedeutet, daß sie abgetötet werden müssen - etwas, was nicht ohne den Kampf gegen sie erreicht werden kann. Daher steht denjenigen, die der Welt entsagt haben, unausweichlich ein Kampf mit den Leidenschaften bevor, mit dem sie von Anfang an
beginnen müssen. Der hl. Kasian bietet allgemeine Überlegungen zu diesem Kampf in den Gesprächen: 4. - ,,Über den Kampf des Fleisches mit dem Geist“ und 5. - ,,Über die acht Hauptleidenschaften“ sowie eine einzelne, ausführliche Beschreibung des Kampfes mit jeder der acht Hauptleidenschaften im Buch ,,Regeln“. Wir werden das Wesentlichste davon wiedergeben.)

Der Kampf des Fleisches mit dem Geist

4. Gespräch

8. In unseren Reihen wird ein Kampf geführt, wie wir darüber beim Apostel lesen: ,,Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt.“ (Gal 5,16f). Durch eine Anordnung göttlicher Vorsehung ist es so, als ob dieser Kampf in unsere Natur eingedrungen ist. Und wenn er allgemein für alle ohne Ausnahme gilt, kann man es dann für etwas Anderes halten als die natürliche Eigenschaft des menschlichen Wesens nach dem Sündenfall des ersten Menschen? Wir müssen daran glauben, daß sie, wenn er in uns hineingeboren wurde, in uns nach Gottes Willen ist – zu unserem Guten und nicht zum Bösen. Er ist in uns gelassen, um in uns Eifer nach der erhabenen Vollkommenheit zu wecken.

9. Das Wort ,,Fleisch“ darf hier nicht im Sinne dessen, daß der Mensch ein Lebewesen ist, verstanden werden sondern im Sinne des fleischlichen Willens oder schlechten Wünsche. Ebenso darf man unter dem Wort ,,Geist“ nicht irgendein personifiziertes Wesen verstehen sondern die guten und heiligen Wünsche der Seele. Einen solchen Sinn gibt diesem Wort der Apostel selbst, wenn er sagt: ,,Laßt euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen. Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf...“ (Gal 5,16f). Weil sich sowohl die einen als auch die anderen Wünsche in demselben Menschen befinden, wird in uns ein ununterbrochener, innerer Kampf geführt. Während die Wollust des Fleisches
hauptsächlich zum Sündhaften gerichtet ist und Vergnügen in dem findet, was die Befriedigung der Bedürfnisse des jetzigen Lebens angeht, wünscht der Geist im Gegensatz dazu, sich vollständig an die geistigen Werke zu binden, wobei er sogar die notwendigsten Bedürfnisse des Fleisches vernachlässigt, und sich ausschließlich jenen hinzugeben, ohne sich der geringsten Fürsorge für dieses vergängliche Fleisch zu widmen. Das Fleisch bereitet sich Vergnügen aus dem Überfluß und jeglichen Vergnügungen, dem Geist hingegen ist selbst die Sorge für die natürlichen Bedürfnisse unangenehm. Jenes wünscht, sich mit Schlaf und Essen zu sättigen, für diesen hingegen sind die Wachen und das Fasten so nahrhaft, daß er Schlaf und Essen nicht zulassen möchte, auch wenn sie äußerst notwendig für das Leben sind. Jenes wünscht die Fülle jeglicher Reichtümer, dieser hingegen ist selbst damit unzufrieden, daß er für den täglichen Bedarf etwas Brot hat. Das Fleisch möchte verwöhnt und von einer Menge Schmeichler umgeben sein, für den Geist hingegen sind das rauhe Leben und die Weite der unzugänglichen Wüste angenehmer und er freut sich nicht über die Anwesenheit der sterblichen Menschen. Jenes läßt sich von den Ehrungen und lobenden Worten der Menschen bezaubern, diesem hingegen bereiten die Verfolgungen und Kränkungen Freude.

10. Wenn unser Wille von der Eigenliebe und irdischen Weisheit geleitet wird, dann zeigt er uns damit, daß wir an einem – die völlige Verurteilung verdienenden – Mittelmaß zwischen diesen beiden Bestrebungen (Fleisch und Geist) festhalten, indem er uns einflößt, uns den fleischlichen Leidenschaften zu enthalten, ohne dabei aber Trauer und Schmerz zu dulden, was unausweichlich bei der Ausführung dieser Ansprüche des Geistes ist: ohne das Fleisch zu bestrafen, will er körperliche Reinheit erreichen; ohne die Mühen der Nachtwachen die Reinheit des Herzens erlangen; das Fleisch zufriedenstellen und zugleich vor geistigen
Tugenden sprühen und dabei nicht die Bitterkeit der Beleidigungen erdulden; wie er auch den Segen der Geduld erlangen und die Demut Christi an den Tag legen möchte, ohne auf weltliche Hochachtung zu verzichten; die Schlichtheit der Frömmigkeit zusammen mit dem Hochmut dieser Welt vollbringen; Christus dienen und zugleich menschlichen Ruhm und Wohlwollen haben; die Wahrheit entschlossen sprechen, ohne in irgendeiner Weise auf Kränkungen zu stoßen; überhaupt das zukünftige Heil erreichen, ohne das jetzige zu verlieren. Ein solcher Wille führt nicht zu wahrer Vollkommenheit sondern versetzt den Menschen in einen widerwärtigen, lauwarmen Zustand und macht ihn zu demjenigen, über den der Herr in
der Offenbarung mit Vorwurf sagt: ,,Ich kenne deine Werke, daß du weder kalt noch heiß bist. Ach, daß du heiß oder kalt wärest! Weil du aber lau bist und weder heiß noch kalt, werde Ich dich ausspeien aus Meinem Munde.“ (Offb 3,15f). Wenn aber der Segen kommt, so weckt er die Kräfte des Geistes und stellt in ihm die erhabenen Bestrebungen wieder her, die uns von allem Irdischen losreißen. Unter diesem Einfluß kann der Wille nicht mehr dermaßen gleichgültig bleiben, sondern erlangt Eifer nach dem Besseren und bringt ihm alles Niedere zum Opfer. Doch gemeinsam mit diesem bleibt sein Bestreben nach der vorherigen, gleichgültigen Ruhe und oft ist der Wille dazu bereit, in sie zurückzufallen. Damit das nicht
geschieht, werden den erhabenen Bestrebungen feindliche Bewegungen im Fleisch gelassen, die der Wille, der vom erhabenen Heil gekostet hat, nicht vollbringen kann, und wenn er diese nur spürt, erwacht er in vollem Eifer und beschützt jene tapfer und unbeirrt. So geschieht es, daß, wenn der Wille in das Gott widerwärtige Lauwarme fällt, eine Schlacht mit dem Fleisch entbrennt, die den Willen zur Tat erwachen läßt. Von hier an wird es klar, daß wir immer im erwähnten lauwarmen Zustand blieben, wenn uns aus ihm nicht die in uns aufkommende Schlacht hinausführen würde. Denn, wenn wir, in die Sklaverei der Selbstgefälligkeit fallend, uns irgendeine Art der Nachsicht erlauben wollen, lehnt sich unser Fleisch sofort dagegen auf, indem es uns mit den Stacheln der sündhaften Bewegungen und Leidenschaften verletzt. Es
erlaubt uns nicht, daß wir unserem Streben nach freudiger Reinheit standhalten und reißt uns gegen unser eigentliches Wollen zum kühlenden Genuß mit – reißt uns mit wie auf einen Weg, der ganz von Dornen überwachsen ist. Dies erregt jedoch den eingeschlafenen Eifer nach Gott, dieser lehnt sich gegen die nähergerückten Feinde auf und vertreibt sie. In uns Tag für Tag wirkend führt uns dieser Kampf zu tugendhafter Entschlossenheit. Indem wir das üppige und sorglose Leben zurückweisen, laßt uns mit viel Schweiß und Zerknirschung des Gemüts die Reinheit des Herzens erlangen, laßt uns die Reinheit des Körpers durch strenges Fasten, Hunger, Durst und Wachen erhalten, laßt uns in die gute Stimmung des Geistes durch Lesen, Nachdenklichkeit und ständige Gebete voranschreiten.

11. Etwas Ähnliches ist in der Anordnung Gottes hinsichtlich der feindlichen Völker Israels geheimnisvoll dargestellt, wie wir im Buch ,,Richter“ lesen: ,,Das sind die Völker, die der Herr bleiben ließ, um durch sie Israel zu prüfen, all jene, die von all den Kriegen um Kanaan nichts wußten – nur, um die Generationen der Söhne Israels, die das Kriegführen nicht mehr kannten, darin zu unterrichten.“ (Richter 3,1-2). Der Herr hat einen solchen Krieg nicht bestehen lassen, weil Er (dem Volk) Israel keine Ruhe wünschte oder sich um sein Wohl nicht sorgte, sondern weil er sah, wie nutzbringend der Krieg für Israel ist. Fast ständigen
Angriffen seitens dieser Völker ausgesetzt, konnte Israel nicht anders als ununterbrochen das Bedürfnis nach Gottes Hilfe zu spüren und deshalb mußte es sich andauernd in hoffnungserfülltem Gebet an Ihm wenden. Als (das Volk) Israel keine Möglichkeit hatte, den Krieg zu beenden, hatte es keine Zeit, sich der Sorglosigkeit hinzugeben oder sich in Faulheit und Trägheit gehen zu lassen. Sicherheit, Gefahrlosigkeit und Glück bringen oft denjenigen zu Fall, den das Unglück nicht besiegen konnte.

12. Und aus diesem Grund treffen wir bei den fleischlich Beschnittenen des öfteren auf eine eingeschlafene Seele, denn sie halten es für richtig, nachdem sie sich von diesem fleischlichen Bedürfnis irrtümlich befreit haben, daß sie weder der Arbeit der körperlichen Enthaltung noch der Gebrochenheit des Herzens bedürfen. Durch solche Sorglosigkeit lasch geworden, sorgen sie sich nicht darum, wahre Vollkommenheit zu erlangen oder ihre Herzen von den Leidenschaften der Seele zu reinigen. Ein solcher Zustand, der sich über den fleischlichen Zustand erhebt, bleibt lediglich ein seelischer, der gemäß dem Herrn es verdient, zurückgewiesen zu werden, weil, als er von kalt zu kühl übergegangen ist, bei dieser widerwärtigen Kühle geblieben ist.

13. Am Anfang unserer Entsagung hören wir auf, körperlich zu sein, d.h., wir fangen an, uns von den weltlichen Gewohnheiten loszulösen und uns offensichtlicher, fleischlicher Unreinheit zu enthalten; wir müssen uns mit aller Mühe und Kräften beeilen, auch einen entsprechenden geistigen Zustand anzueignen. Sonst könnte es sein, da wir mit dem äußeren Menschen der Welt entsagt haben oder aufgehört haben, uns mit fleischlicher Liebe zu schänden, daß wir uns selbst nachträumen – uns vortäuschend, Vollkommenheit erreicht zu haben, dadurch nachlässig und sorglos hinsichtlich der Vernichtung der Ursachen für die Leidenschaften verbleiben und auf diese Weise, wenn wir an der Mitte zwischen Fleisch und Geist anhalten, dabei bleiben, ohne die Stufe geistiger Vollkommenheit erreicht zu haben. Wir erwarten, daß es für die Vollkommenheit reiche, sich nur äußerlich vom weltlichen Leben und
Vergnügen loszulösen und an der fleischlichen Unzucht und Gemeinschaft nicht teilzunehmen. Sollten wir in diesem Zustand der Kühle bleiben, welcher für den schlimmsten gehalten wird, dann werden wir aus dem Mund des Herrn ausgestoßen werden, wie Er sagt: ,,Weil du lau bist, werde Ich dich ausspeien aus Meinem Munde.“ (Offb 3,16). In seiner Gerechtigkeit verkündet der Herr denjenigen, die, nachdem sie von Ihm mit Liebe umhüllt wurden und danach abgefallen sind, daß Er sie mit Abscheu von Sich weisen werde. Denn leichter bekehrt sich zur Erlösung und besteigt den Berg der geistigen Vollkommenheit der
fleischliche, d.h. der weltliche Mensch oder Heide, als derjenige, der einmal das Joch Christi aufgenommen, nicht in den Weg der Vollkommenheit eingekehrt ist und zugelassen hat, daß sein erstes Feuer geistigen Eifers abgekühlt ist. Denn der Heide, geführt von gefühlvollen Leidenschaften, wird sich aufgrund fleischlicher Schande seiner Unreinheit bewußt, und wenn er zur Zerknirschung gelangt und bei der Quelle jeglicher Reinheit und Vollkommenheit Hilfe sucht, wird er sich von jenem Zustand des Unglaubens und der Sorglosigkeit, in dem er sich befunden hat, geistig brennend, leichter zur Vollkommenheit erheben. Im Gegensatz dazu wird derjenige, der sich Gottes Sache nur lauwarm annimmt und ohne Demut und den nötigen Fleiß in den Weg dieser Berufung einkehrt, sich weder selbst zur Einsicht bringen noch von
anderen zur Einsicht gebracht werden können, sobald er von diesem Irrtum ergriffen wurde. Den dieser sagt in seinem Herzen laut den Worten des Herrn: ,,Ich bin reich und wohlhabend, und nichts fehlt mir“, wobei er sich aber besser folgendermaßen erkennen sollte: ,,du weißt aber nicht, daß gerade du elend und erbärmlich bist, arm, blind und nackt.“ (Offb 3,17). Auf diese Weise wird er schlechter als der weltliche Mensch, gerade deswegen, weil er den Sinn dafür verliert, wie ,,arm, blind und nackt“ er ist und wie sehr er einer Berichtigung und Unterweisung seitens der anderen bedarf und von ihnen zur Einsicht gebracht werden muß; daher empfängt er auch kein rettendes Wort und versteht nicht, daß er im zukünftigen Leben unausweichlich strengsten Gerichtes und Bestrafung unterliegen wird.

Allgemeine Beschreibung der Leidenschaften und des Kampfes mit ihnen

5. Gespräch

14. Die Hauptleidenschaften sind acht an der Zahl: Völlerei, Unzucht, Habgier, Zorn, Kummer, Niedergeschlagenheit, Ruhmsucht, Hochmut.

15. Es gibt zwei Arten von Leidenschaften: natürliche, die von den natürlichen Bedürfnissen hervorgerufen werden, wie z.B. Völlerei und Unzucht; und unnatürliche, die nicht in der Natur wurzeln, z.B. die Habgier. Ihre Einflüsse äußern sich auf vier Arten: einige wirken nur im Körper und durch den Körper wie die Völlerei und die unzüchtige Leidenschaft; andere hingegen treten auch ohne seine Mitwirkung zutage wie die Ruhmsucht und der Hochmut; einige werden von außen erregt wie die Habgier und der Zorn; andere
hingegen stammen von inneren Ursachen ab wie der Kummer und die Niedergeschlagenheit. Diese Darstellung ihrer Wirkung gibt uns Anlaß, zwei weitere Gattungen zu unterscheiden: fleischliche und seelische Leidenschaften. Die fleischlichen entstehen im Körper, ernähren und erfreuen diesen; die seelischen gehen aus den Neigungen der Seele hervor und nähren diese, auf den Körper hingegen wirken sie oft zerstörerisch. Die seelischen Leidenschaften lassen sich für gewöhnlich mit innerer Heilung des Herzens behandeln, die fleischlichen jedoch werden mit doppelter Arznei behandelt – mit innerer wie auch durch äußere.

16. Laßt uns etwas vom bereits Gesagten durch eine umfassendere Überlegung verdeutlichen. Die Leidenschaften der Völlerei und Unzucht werden, weil sie im Körper wurzeln, manchmal auch ohne die Mitwirkung der Seele und nur wegen des Aufkommens der Bedürfnisse erregt, von denen sie abstammen, reißen jedoch wegen ihrer Verbindung mit der Seele auch diese mit. Zu ihrer Beherrschung genügt es nicht, nur die seelischen Kräfte anzustrengen, sondern es muß auch gemeinsam damit der Körper selbst durch Fasten, Nachtwachen, Entkräftung und Ermüdung durch Arbeit gebändigt werden; manchmal ist
zeitweilige Einsamkeit nicht selten aber auch vollständige Zurückgezogenheit notwendig. Weil sie sowohl aus der Lasterhaftigkeit der Seele als auch der des Körpers hervorkommen, können sie ohne die gemeinsame Arbeit beider nicht besiegt werden. Ruhmsucht und Hochmut hingegen entstehen in der Seele ohne Teilnahme des Körpers. Denn welchen Nutzen hat die Ruhmsucht von etwas Körperlichem, wenn sie aus dem Wunsch nach Lob und Ruhm heraus die von ihr gefangene Seele zu Fall bringt? Glaeichfalls, was für eine körperliche Handlung war denn daran beteiligt, daß Luzifers Überheblichkeit aufkam, wenn er sie doch nur in der Seele und in Gedanken beging, wie der Prophet sagt: ,,Du aber hattest in deinem Herzen gedacht: Zum Himmel will ich hinaufsteigen (...) dem Höchsten mich gleich machen.“ (Jes 14,13f). Zu diesem Hochmut hatte er keinen Anreiz von außen, er ist gänzlich in ihm
entstanden und gereift.

17. Obwohl die acht Hauptleidenschaften verschiedenen Ursprungs sind und verschiedene Wirkungen haben, sind die ersten sechs, d.h. Völlerei, Unzucht, Habgier, Zorn, Kummer und Niedergeschlagenheit, durch eine besondere Verwandtschaft untereinander verbunden, bei welcher der Überfluß der vorangehenden Leidenschaft den Anfang der nächsten bewirkt. So entspringt aus dem Überfluß der Völlerei unweigerlich die unzüchtige Wollust, aus der Unzucht – die Habgier, aus der Habgier – der Zorn, aus dem Zorn – der Kummer, aus dem Kummer – die Niedergeschlagenheit. Deshalb muß man gegen sie in der gleichen Reihenfolge kämpfen, indem wir im Kampf von den vorangehenden zu den darauf folgenden übergehen: um die Niedergeschlagenheit zu besiegen, müssen wir zuerst den Kummer unterdrücken; um den Kummer zu vertreiben, müssen wir davor den Zorn unterdrücken; um den Zorn zu löschen, müssen wir die Habgier zertreten; um die Habgier herauszureißen, müssen wir die unzüchtige Lüsternheit zähmen; um die unzüchtige Lüsternheit zu unterwerfen, müssen wir die Leidenschaft der Völlerei zügeln. Die beiden übrig bleibenden Leidenschaften –Ruhmsucht und Hochmut – sind auf der gleichen Weise untereinander verbunden: aus der übermäßigen Ruhmsucht entspringt die Leidenschaft des Hochmuts. In einer solchen Reihenfolge wird auch der Sieg über sie errungen, d.h., um den Hochmut zu beseitigen, muß man die Ruhmsucht unterbinden. Diese lassen sich jedoch nicht auf einer verwandtschaftlichen Art und Weise mit jenen sechs Leidenschaften verbinden, weil sie nicht aus ihnen entstehen, im Gegenteil – die beiden erscheinen nach der Beseitigung der sechs anderen. Obwohl, wie gezeigt, die acht Leidenschaften in einer solchen Beziehung zueinander stehen, sind sie zusätzlich paarweise verbunden: die unzüchtige Wollust ist besonders mit der Völlerei verbunden, der Zorn mit der Habgier, der Kummer mit der Niedergeschlagenheit, der Hochmut mit der Ruhmsucht.

18. Jede der Leidenschaften tritt auf mehrere Weisen zutage. So gibt es drei Arten der Völlerei: sie ruft entweder den Wunsch nach Essen vor der dafür vorgesehenen Stunde hervor oder sie begehrt nach viel Speise bis zum Überfraß, ohne dessen Qualität zu beachten oder sie verlangt nach leckeren Speisen. Von hier an geht das ungeordnete Essen in Übersättigung und Wollust über. Von diesen drei gehen verschiedene Gebrechlichkeiten hervor: aus der ersten Art der Völlerei entsteht Überdruß gegen die Klosterregel bis zur Unerträglichkeit, auf die für gewöhnlich Flucht folgt; aus der zweiten erregt sich die fleischliche Lüsternheit und die Sinnlichkeit; und die dritte treibt zur Habgier und läßt keinen Platz für die Armut Christi. Die unzüchtige Leidenschaft läßt sich ebenfalls in drei Arten unterteilen: die erste ist die
Vereinigung des einen Geschlechts mit dem anderen; die zweite begeht man ohne die Vereinigung mit einer Frau, wofür Onan, der Sohn des Patriarchen Juda, vom Herrn vernichtet wurde (Gen 38,9f) und die in der Heiligen Schrift Unreinheit genannt wird; die dritte Art begeht man im Geist und Herzen, worüber der Herr im Evangelium spricht: ,,Ich aber sage euch: wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ (Mt 5,28). Auf diese drei Arten hat der selige Apostel in einem Vers
hingewiesen: ,,Darum tötet nun die Glieder, die irdisch sind. Unzucht, Unreinheit, schändliche Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist.“ (Kol 3,5). Es gibt drei Arten der Habgier: im ersten Fall erlaubt sie dem von der Welt entsagten Menschen nicht, auf jeglichen Eigentum zu verzichten; im zweiten zwingt sie ihn, nachdem er alles unter den Armen verteilt hat, wieder Eigentum zu erlangen; im dritten Fall entzündet sie den Wunsch das zu erlangen, was er nicht einmal vorher besessen hat.
Der Zorn ist ebenfalls dreifach geartet: die erste Art ist diejenige, die innerlich brennt; die zweite diese, die sich in Wort und Tat äußert; die dritte jene, die lange Zeit brennt und die man nachtragende Erinnerung nennt. Es gibt zwei Arten des Kummers (auch als ,,Traurigkeit“ übersetzbar): die erste sucht uns nach der Unterbrechung des Zornes auf oder wird durch zugefügte Verluste und Schäden wie auch durch nichterfüllte Wünsche verursacht; die zweite Art entspringt den Befürchtungen und der Angst um sein Schicksal oder unvernünftigen Sorgen. Es gibt auch zwei Arten von Niedergeschlagenheit (,,Verzagtheit“, ,,Schwermut“, ,,Träghei“, griechisch: akedia): die eine wirft uns in den Schlaf, die andere hingegen vertreibt uns aus der Zelle. Obwohl die Ruhmsucht vielerlei Gestalten besitzt, hat sie zwei Hauptarten: im ersten Fall preisen wir uns selbst mit materiellen Vorteilen und sichtbaren Dingen; im zweiten entzünden wir uns an dem Wunsch nach eitlem Ruhm aus geistigen Gründen. Der Hochmut ist zweifach geartet: die erste Art ist fleischlich, die zweite geistig, welche unheilvoller als die erste ist. Sie verführt besonders diejenigen, die in einigen Tugenden erfolgreich waren.

19. Auch wenn diese acht Leidenschaften das ganze Menschengeschlecht verführen, befallen sie nicht jeden auf die gleiche Weise. So steht bei einigen der Geist der Unzucht an erster Stelle; bei anderen herrscht Jähzorn vor; bei dritten hat vor allem die Ruhmsucht Macht; bei vierten herrscht der Hochmut. Und obwohl sie jeden angreifen, arbeitet jeder von uns in verschiedener Weise und Reihenfolge für sie.

20. Deshalb müssen wir den Kampf mit ihnen so führen, daß jeder, der herausfindet, welche Leidenschaft ihm besonders schadet, sich hauptsächlich gegen diese richtet, indem er sämtliche Bemühungen und Fleiß dafür aufwendet, sie zu beobachten und zu unterdrücken, indem er die die Speere des täglichen Fastens gegen sie richtet die Pfeile des Stöhnens und der Seufzer des Herzens auf sie wirft. In ununterbrochenem Gebet zu Gott soll er Tränen vergießen für die Beendigung des ihn bedrängenden Kampfes. Denn niemand kann über die Leidenschaft Herr werden, solange er sich nicht davon überzeugt hat, daß er allein mittels der eigenen Kraft nichts zu vollbringen vermag, sich zugleich notwendigerweise von ihr reinigen
muß, und Tag und Nacht um dieses Unterfangens willen bei jeglicher Art von Anstrengung und Mühe verweilt.

21. Ein solcher Kämpfer, nachdem er gespürt hat, daß er sich von seiner Hauptleidenschaft befreit hat, muß erneut mit großer Aufmerksamkeit die geheimen Orte seines Herzens erforschen, um festzustellen, welche Leidenschaft es noch gibt, die stärker als die übrigen ist und all seine geistigen Waffen gegen sie richten. Immer auf diese Weise in sich die stärkste Leidenschaft besiegend, wird er schneller und leichter mit den übrigen, schwächeren Leidenschaften fertig werden.

22. Wenn du eine oder einige Leidenschaften besiegst, darfst du dich nicht über diesen Sieg selbst rühmen. Sonst wird der Herr, wenn Er die Überheblichkeit deines Herzens sieht, aufhören, es zu beschützen und zu verteidigen und du wirst, verlassen von Ihm, wieder anfangen, dich von der selben Leidenschaft beherrschen zu lassen, die du mit der Hilfe des Segens Gottes besiegt hast. Der Prophet würde ja auch nicht beten: ,,Übergib nicht den Tieren die Seele, die Dich preist, die Seelen Deiner Geringen vergiß nicht ganz.“ (Ps 73,19), wenn er nicht wüßte, daß diejenigen, die sich in ihrem Herzen rühmen, wieder den Leidenschaften übergeben werden, die sie besiegt haben – mit dem Ziel, daß sie demütig werden.

 

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