Entschlafen der Gottesmutter
Hochfest des Entschlafens der Gottesgebärerin
Gefeiert am 15. August

 

 

Auch das letzte genuine Hochfest des Kirchenjahres nimmt Sinn und Ziel des christlichen Lebens in den Blick. Es ist entstanden aus einem Kirchweihfest einer der Gottesgebärerin geweihten Kirche, die zwischen Jerusalem und Bethlehem lag. Unter Kaiser Maurikios wurde es zwischen 588 und 620 im byzantinischen Reich allgemein verbreitet. Die Festlegende ist in apokryphen Evangelien greifbar und geht vermutlich zurück auf eine heute nicht mehr erhaltenen Vorlage der um 400 entstandenen Schrift „Transitus Mariae“. Hier wird erzählt, die in alle Welt zerstreuten Apostel seien kurz vor dem Entschlafen der Gottesgebärerin auf wunderbare Weise durch die Lüfte an ihr Lager gebracht worden, so dass sie noch mit ihr wachen und beten konnten. Denn die Gottesgebärerin sei in ihrer Todesstunde des Trostes und der Fürbitte bedürftig gewesen. Nach ihrem Hinscheiden hätten die Apostel sie gemäß dem Befehl des Herrn im Tale Josaphat in einem neuen Grab beigesetzt. Doch kaum sei dieses mit einem großen Stein verschlossen gewesen, so sei der Herr selbst mit seinen Heerscharen erschienen, habe den Stein wegwälzen lassen und seine Mutter mit den Worten ins Leben zurückgerufen: „Erhebe dich, meine Freundin, du, die du nicht versehrt wurdest durch die Berührung eines Mannes, du wirst auch nicht die Zerstörung des Leibes im Grabe erfahren“ (Trans Mar 17). Um dieses Herrnwort kreisen die Eigentexte unseres Festes. Sie machen deutlich, dass der Gottesgebärerin, wie uns allen, zwar der Schmerz und der Tod samt seinen Ängsten nicht erspart bleibt, dass jedoch der Herr die menschliche Natur, die er zu seiner Wohnung erwählt und geheiligt hat, nicht dem Verderben preisgibt, sondern sie durch den Tod hindurch zur Vollendung führt. Was wir aber an diesem Fest in Vorabbildung an der Gottesgebärerin feiern, das gilt auch für jeden einzelnen Gläubigen: Der Herr gibt kein menschliches Geschöpf, in dem er Wohnung genommen und das er geheiligt hat, dem Tod zur Zerstörung anheim, sondern macht dieses vielmehr in seiner Hand zu einem Mittel der Vollendung und Verherrlichung seiner Erwählten.
Im Lichte dieser Botschaft ist es zu verstehen, dass unser Fest ein Volksfest des Jubels und der Lebensfreude geworden ist. Denn wirklich freuen kann man sich erst dort, wo man dem Tod mit dem Bewusstsein begegnen kann, dass er nicht mehr das letzte Wort hat.

Tropar, 4. Ton
Tanzet, Völker, klatscht in die Hände im Glauben. Versammelt euch heute in Freude, seid fröhlich und frohlocket, denn die Mutter Gottes wird bald in Herrlichkeit erhoben, von der Erde in die Himmel. Sie verherrlichen wir stets in Hymnen als Gottesgebärerin.

Kondak, 4. Ton
Zu deinem ruhmreichen Gedächtnis ruft das Weltall im Innern vom unstofflichen Geist geschmückt, in überquellender Freude: Freue dich, Jungfrau, Ruhm der Christen.

 

INTERESSANTES UND WISSENSWERTES

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Im Glossar finden Sie wichtige Fachbegriffe, die für das Verständnis der Gottesdienste hilfreich sein können.

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Der Schmale Pfad. Orthodoxe Quellen und Zeugnisse. Vierteljährlich erscheinende Schriftensammlung mit Materialien zum orthodoxen Christentum, herausgegeben von Johannes Alfred Wolf.

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Eine Klosterkirche entsteht. Der Klosterhof der Spyridon-Skite baut in Unterufhausen eine Klosterkirche zu Ehren der Verkündigung und des hl. Justin von Celije. Spenden für den Kirchbau werden erbeten.

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Paterikon

"Paterikon" - eine Kinderbuchreihe des Potamitisverlags, die in verschiedenen Sprachen erhältlich ist und kleine Geschichten aus dem Buch der Väter, der Heiligen und aus dem Kirchenjahr vorstellt.

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