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4. Vorfastensonntag
4. Vorfastensonntag - Vertreibung aus dem Paradies

 

Das Evangelium dieses letzten Herrntages vor den Großen Fasten ruft in Erinnerung, dass wir nicht vom Herrn Vergebung erwarten können, wenn wir nicht selbst unseren Mitmenschen vergeben, was sie uns an Verletzungen zugefügt haben und sie unsererseits um Vergebung bitten für das, was wir bewusst oder unbewusst an ihnen gefehlt haben. Darum findet an diesem Sonntagabend nach der Vesper in Kirchen und Häusern die Zeremonie des Gegenseitigen Vergebens statt, wie sie am Schluss des Apodipnons in Klöstern täglich geübt wird. Manche Gemeinden lassen aus pastoralen Gründen diesen Ritus auch unmittelbar an die Liturgie anschließen. Mit diesem Sonntagabend endet auch die Woche, in der gemäß der präzisen Anwendung der Fastenregel Eier und Milchprodukte, Öl und Wein noch genossen werden; daher der Name „Herrntag der Milchspeisen“ (Tyrinis) oder „Herrntag des Käseessens“ (Tyrophagie). Und da in der folgenden Woche die fortlaufende Lesung aus der Genesis beginnt, wo insbesondere auch des Sündenfalls und seiner Folgen gedacht wird, wird dieser Sonntag des weiteren auch „Herrntag der Vertreibung aus dem Paradies“ genannt.
Die Apostellesung dieses Herrntages beginnt mit dem Freudenruf: ״Brüder, jetzt ist unser Heil näher als damals, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag hat sich genaht" (Rm 13,11 f). Es folgt die Mahnung zum glaubensgemäßen Wandel im Licht, und der Abschnitt schließt mit den Worten: ״Wer isst, soll den nicht verachten, der nicht isst, und wer nicht isst, soll den nicht richten, der isst; denn Gott hat ihn angenommen. Wer bist du denn, dass du einen fremden Knecht richtest? Seinem eigenen Herrn steht oder fällt er — aber er wird stehen; denn der Herr hat die Macht, ihn aufrecht zu erhalten" (Rm 14,3-4). Das Kondakion erbittet vom Herrn selbst Führung, Festigkeit und Weisheit für den kommenden Weg der Umkehr. Prokimenon und Alleluja-Verse machen deutlich, dass Fasten auch ein Akt des freudigen Bekennens und Lobpreises sein soll. (Sergius Heitz: Mysterium der Anbetung 1)

Kondak, 6. Ton
Führer auf dem Wege der Weisheit, Urheber des Verstandes, Erzieher der Unverständigen und Beschützer der Armen, festige, unterweise mein Herz, Gebieter. Gib mir das Wort, Du Wort des Vaters! Denn, siehe, nicht lassen ab meine Lippen zu Dir zu schreien: Barmherziger, erbarme Dich meiner, des Gefallenen!

 


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